Jobwechsel: Ja oder nein? Was beachten? Wie begründen?

Jobwechsel gehören zu jeder Karriere. Auch mit 50 noch. Verschiedene Arbeitgeber im Lebenslauf sind keine Brüche, sondern natürliche Veränderungen. Dennoch stellen Jobwechsel für viele einen großen Schritt dar: Sie können Chancen und Perspektiven eröffnen. Aber nur, wenn sie aus den richtigen Gründen erfolgen und wohl überlegt sind. Wer mit dem Gedanken spielt, sich beruflich zu verändern, steht vor der Frage: Jobwechsel – Ja oder Nein? Hier die Tipps, was Sie beim Jobwechsel beachten müssen und wie Sie diesen clever begründen…

Jobwechsel: Ja oder nein? Was beachten? Wie begründen?

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Jobwechsel Ja oder Nein? Wichtige Fragen

Jeder dritte Arbeitnehmer ist aktuell offen für einen Jobwechsel. Unzufriedenheit im Job erhöht die Wechselwilligkeit um das Siebenfache. Die häufigsten Gründe dafür: Schlechter Führungsstil (40%), geringes Gehalt (27%), fehlende Wertschätzung (24%) und keine Karriereperspektiven (20%).

Mehr Gehalt, bessere berufliche Perspektiven, optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder der Wunsch nach Abwechslung, einem Tapetenwechsel und einer neuen Herausforderung – die Gründe für den Jobwechsel sind vielfältig und völlig individuell. Wichtig ist nur, dass Sie diesen Schritt überlegt gehen – auch weil Sie später den Jobwechsel begründen müssen. Bei der Frage „Jobwechsel – ja oder nein?“ hilft immer etwas Zeit zur Selbstreflexion sowie die folgenden Orientierungsfragen.

Jobwechsel Entscheidungsmatrix: Was will ich?

Haken Sie auf der folgenden Liste online im Browser ab, wozu Sie bereits eine Antwort und Klarheit haben:

  • Warum haben Sie sich für den Job entschieden?
    Wollten Sie ursprünglich etwas anderes machen oder gaben finanzielle Gründe den Ausschlag bei der Berufswahl, kann Sie das irgendwann einholen (siehe: intrinsische Motivation).
  • Wie viel Spaß macht die Arbeit?
    Natürlich macht kein Job der Welt immer Spaß. Überwiegen aber Frust und Unlust, ist das ein Alarmzeichen (siehe: Welcher Job passt zu mir?).
  • Wie geht es Ihnen nach Feierabend?
    Kommen Sie zufrieden nach Hause und freuen sich auf den nächsten Arbeitstag? Wenn nicht, könnte das ein Indiz für einen sinnvollen Jobwechsel sein.
  • Tun Sie das, was Sie am besten können?
    Menschen gehen in Ihrem Beruf auf, wenn Sie ihre Talente und Stärken optimal einsetzen und ihre Potenziale nutzen können. Können Sie das? Lieben Sie, was Sie tun? (siehe: Ikigai-Modell).
  • Haben Sie das Gefühl, einen Mehrwert zu schaffen?
    Die meisten Arbeitnehmer wollen einen sinnstiftenden Job. Wer sich nutzlos und überflüssig fühlt, wird auf Dauer unglücklich.
  • Identifizieren Sie sich mit dem Arbeitgeber?
    Es spielt nicht nur eine Rolle, was wir tun, sondern auch für wen wir es tun. Nur wenn wir uns mit der Arbeit identifizieren können, engagieren wir uns. Dann werden die Unternehmensziele zu eigenen Zielen.
  • Wie gut ist das Arbeitsklima?
    Verstehen Sie sich mit den Kollegen und dem Chef? Unter den drei Faktoren, die die Jobzufriedenheit beeinflussen (Arbeitszeit, Gehalt, Arbeitsklima), steht das Betriebsklima meist an erster Stelle. Viel Geld kann ein mieses Umfeld allenfalls kurzfristig ausgleichen.
  • Können Sie sich weiterentwickeln?
    Jeder Menschen möchte wachsen und sich selbst verwirklichen. Gibt Ihnen der aktuelle Job die Chance dazu? Oder treten Sie schon seit Jahren auf der Stelle?
  • Ist der Frust akut oder chronisch?
    Basiert Ihre Frustration auf einem temporären oder generellen Problem? Sind Kollegen ebenfalls davon betroffen? Wie gehen diese damit um? Gehen Sie sicher, dass der Jobwechsel keine Reaktion aus dem Affekt ist und Sie zuvor alle Alternativen ausgeschöpft haben.

Eine weitere kostenlose Jobwechsel Checkliste für den Jobwechsel können Sie sich HIER kostenlos als PDF herunterladen.

Jobwechsel Test: Gehen oder bleiben?

Sie sind unsicher, ob Sie kündigen und den Job wechseln sollten? Dann machen Sie unseren kurzen und kostenlosen Jobwechsel Test. Testen Sie sich: Die Testfragen helfen, klarer zu sehen und regen dazu an, sich intensiver mit dem aktuellen Beruf auseinander zu setzen.

Hier zum Test


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Jobwechsel begründen: Gute und schlechte Gründe

Den Arbeitsvertrag kündigen – geht ganz einfach. Ein Kündigungsschreiben ist schnell formuliert, unterschrieben und abgegeben. Die Konsequenzen können aber weitreichender sein als manche Laune. Unterscheiden Sie daher genau zwischen guten Gründen und nur „scheinbar“ guten Gründen für einen Jobwechsel…

Jobwechsel Gruende Gute Schlechte

Gute Gründe für einen Jobwechsel

  • Gesundheit
    Es gibt Jobs, die machen krank: Permastress, der Chef vergiftet die Atmosphäre, die Kollegen mobben. So etwas kann und sollte kein Mensch ertragen. Geld mag wichtig sein – die Gesundheit ist wichtiger.
  • Langeweile
    Gemeint ist nicht das angebliche Phänomen Boreout. Dagegen lässt sich was machen. Wenn aber der Job keinerlei Herausforderungen bietet und Sie dort nichts mehr lernen oder erreichen können, wird es Zeit, den Job zu wechseln – intern oder extern.
  • Ansprüche
    Manche Arbeitgeber stellen Erwartungen, die nicht zu erfüllen sind. Lässt sich der Chef nie zufrieden stellen, weil er unrealistische Anforderungen stellt, kann ein Wechsel sinnvoll sein.
  • Stillstand
    Und zwar in jeder Hinsicht: Es fehlen sowohl Karriereperspektiven als auch finanzielle. Entwickelt sich dann nicht mal mehr das Unternehmen weiter, ist der Job langfristig in Gefahr. Besser gehen, bevor das Schiff sinkt.
  • Unsicherheit
    Kein Job ist heute sicher. Dafür verändern sich Märkte und Branchen zu schnell. Aber wenn Sie in Dauerangst um Ihre berufliche Existenz leben, ist das nur noch kräftezehrend – und macht irgendwann krank (siehe oben.)
  • Vetternwirtschaft
    Sie rackern sich jeden Tag ab und hören nicht mal ein „Danke“? Geringschätzung wäre schon ein Grund zu gehen. Kommt Günstlingswirtschaft dazu, ist das Maß voll.

Schlechte Gründe für einen Jobwechsel

  • Frust
    Wir haben alle mal einen schlechten Tag im Job. Manchmal hält der Unmut auch länger. Aber das ist kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Frusttage gibt es auch anderswo. Das Gesamtbild im Jahresverlauf ist entscheidend.
  • Kritik
    Der Chef war mit der Leistung unzufrieden und hat Sie gefaltet? Nicht die beste Art. Aber eher ein Grund zur Selbstreflexion, was Sie verbessern können. Erst wenn die Kritik haltlos und chronisch wird, spricht das für einen Wechsel.
  • Fehler
    Sie haben es so richtig vermasselt, das kommt den Arbeitgeber teuer zu stehen. Die Scham ist groß. Vielleicht feuert man Sie sogar. Trotzdem können Sie daran nur wachsen: Übernehmen Sie Verantwortung und lernen Sie daraus.
  • Chef
    Mitarbeiter kommen für Jobs und gehen wegen Chefs. Das stimmt – zum Teil. Die wenigsten Chefs sind perfekt, wir selbst ja auch nicht. Wer weiß, wie der nächste wird?! Dann lieber Manager managen lernen.
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Wechselmotivation: Die richtige Begründung

Egal, wie Sie später den Jobwechsel begründen: Achten Sie dabei auf die richtige Wechselmotivation. Begründen Sie den Jobwechsel, aber rechtfertigen Sie sich nie! Das klingt verdächtig nach schlechtem Gewissen oder einer frisierten Begründung. Ebenfalls tabu: Niemals schlecht über bisherige Arbeitgeber reden. Ihre Wechselmotivation ist allein ein positiver Blick in die Zukunft.

Profis unterscheiden hierbei zwischen zwei grundsätzlichen Motivationen und Richtungen:

  1. Weg-von-Motivation

    Bei der Weg-von-Motivation wollen wir „weg von etwas“, weg von einem unerwünschten Zustand, einem miesen Job oder miesen Chef. Dahinter steckt meist ein Fluchtreflex. Das „Reißaus nehmen“ kann ein bequemes Ausweichen sein oder ein unstrategisches Vorgehen verraten. Hauptsache weg – keine gute Begründung!

  2. Hin-zu-Motivation

    Wer sich dagegen irgendwo „hin“ orientiert, verfolgt einen Plan oder eine Strategie – und sieht prompt zielstrebig aus. Bei der Hin-zu Motivation wollen wir etwas erreichen, uns zu einem gesteckten Ziel hin entwickeln und haben klare Vorstellungen davon, wohin der Weg uns führen soll. Den Jobwechsel sollten Sie IMMER so begründen (siehe Video)!

Beispiel:

In den vergangenen Jahren konnte ich Projekte mit einem Budget von ____ Euro erfolgreich umsetzen und so zum Erfolg meines aktuellen Arbeitgebers entscheidend beitragen. Er ist heute Marktführer. Die Entwicklungsperspektiven sind dadurch allerdings mittelfristig begrenzt. Daher suche ich eine neue Herausforderung und möchte meine Leidenschaft und mein Know-how nun bei Ihnen einbringen, um einen vergleichbaren Erfolg zu realisieren – zum Beispiel 10 Prozent mehr Umsatz im kommenden Jahr.

Häufige Fragen zum Jobwechsel

Wie lange sollte man bei einer Firma bleiben?

Berufsanfänger sollten sich an der 3-Jahres-Regel orientieren und frühestens nach 3 Jahren den Arbeitgeber wechseln. Kürzere Intervalle wecken den Verdacht des Jobhoppings. Im Schnitt wechseln Arbeitnehmer zwischen 7 und 10 Jahren ihren Job. Das ist auch ein guter Zeitraum.

Wie lange dauert die Jobsuche?

Wer einen Jobwechsel plant, sollte dafür ausreichend finanzielle und Zeitpuffer einplanen. Durchschnittlich dauert es zwischen 3 und 6 Monate bis der neue Job gefunden und der Arbeitsvertrag unterschrieben ist.

Wie einen Jobwechsel nach kurzer Zeit begründen?

Berufsanfängern werden viele Jobwechsel noch verziehen. Sie zählen als Orientierungsphase. Spätestens nach 5-7 Jahren ist der Welpenschutz aber vorbei. Dann müssen Sie den neuen Arbeitgeber davon überzeugen, dass Sie inzwischen wissen, wohin Sie möchten und warum Sie bei dieser Stelle bleiben werden.

Wie viele Arbeitgeber im Lebenslauf?

Faustregel: Wer alle 1-2 Jahre den Job wechselt, gilt schnell als Jobhopper. Mehr als 3 Jobs innerhalb der vergangenen 10 Jahre sind eigentlich schon zu viel im Lebenslauf. Dann brauchen Sie im Anschreiben eine gute Begründung und Motivation, warum Sie diesmal loyaler bleiben.

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Tipps: So gelingt der Jobwechsel

Sobald Sie sich für den Jobwechsel und die berufliche Veränderung entschieden haben, gilt es die nächsten Schritte vorzubereiten und zu planen. Eine berufliche Neuorientierung wirkt auf viele wie ein großer Berg. Teilen Sie den Weg in kleinere Etappen auf, gelingt der Jobwechsel viel leichter:

  1. Ziele setzen
    Was wollen Sie mit dem Jobwechsel erreichen? Wo sehen Sie sich in 5 Jahren? Nur wenn Sie vorab klare Ziele formulieren und setzen, können Sie bei der Jobsuche die richtige Wahl treffen. Ohne Ziele bleibt die Jobwahl ein reines Glücksspiel.
  2. Kriterien definieren
    Neben den Zielen sollten Sie eindeutige Kriterien für potenzielle Arbeitgeber und Jobs definieren und nach Priorität ordnen. Erst so werden Sie Stellenangebote besser beurteilen und sinnvolle Kompromisse eingehen können.
  3. Rückhalt sichern
    Klären Sie vor der Kündigung und dem Jobwechsel den Schritt mit Ihrem Partner und dem persönlichen Umfeld. Familie und Freunde sollten Sie bei der Entscheidung unterstützen und verbundene Konsequenzen mittragen. Ohne den Rückhalt wird ein Stellenwechsel unnötig schwer.
  4. Konsequenzen beachten
    Beachten und bedenken Sie im Vorfeld mögliche Risiken und finanzielle Folgen. Ein Jobwechsel bietet immer Chancen – er kann aber auch Nachteile haben. Je besser Sie sich darauf vorbereiten und Gegenstrategien entwickeln, desto seltener gibt es ein böses Erwachen.
  5. Netzwerk aktivieren
    Noch vor dem offiziellen Schritt sollten Sie Ihre Kontakte aktivieren. Selektiv und diskret. Netzwerke helfen vor allem bei der Jobsuche auf dem verdeckten Stellenmarkt.
  6. Bewerbungsunterlagen aktualisieren
    Parallel dazu bringen Sie Ihre Bewerbungsunterlagen (und das Bewerbungsfoto) auf den aktuellen Stand. Bewerbungsschreiben und Lebenslauf sollten zur angestrebten Position passen und alle relevanten Kompetenzen und Erfahrungen enthalten.
  7. Arbeitgeber recherchieren
    Erst jetzt sollten Sie mit der Recherche nach Arbeitgebern beginnt. Warum? Weil jetzt alle Kriterien und Voraussetzungen erfüllt sind, um eine klare Bewerbungsstrategie umzusetzen. Und die ist eine wichtige Grundlage für den Jobwechsel-Erfolg.
  8. Kommunikationskanäle klären
    Haben Sie potenzielle Arbeitgeber identifiziert, beginnen Sie diese anzusprechen. Klassisch: per Bewerbung; modern: per Social Media. Etwa auf Linkedin oder Xing. Auch eine Bewerbungshompage hilft bei der passiven Jobsuche.
  9. Kündigung planen
    Achten Sie darauf, auch die Kündigung vorzubereiten. Das beginnt bei der Formulierung des Kündigungsschreibens und reicht bis zum Inhalt des Kündigungsgesprächs. Auch den Abschluss Ihrer Projekte und die professionelle Übergabe sollten Sie beachten und planen.
  10. Timing optimieren
    Bleibt noch die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. Zwar spielen Kündigungsfristen eine Rolle. Beachten Sie aber auch, dass ein Jobwechsel im Schnitt zwischen 3 und 6 Monate dauern kann.
TIPP: Zwischenzeugnis verlangen!
Lassen Sie sich unbedingt und in regelmäßigen Abständen ein Zwischenzeugnis ausstellen. Damit können Sie sich jederzeit woanders diskret bewerben. Zudem hat das Zwischenzeugnis juristische „Bindungswirkung“. Heißt: Falls Sie den Arbeitgeber nicht im Guten verlassen oder dort bleiben und einen neuen Chef bekommen, darf man Sie nicht einfach schlechter beurteilen als im letzten Arbeitszeugnis.


Alternativen: Was tun, wenn Sie im Job bleiben?

Nach reiflicher Überlegung sind Sie zu dem Schluss gekommen, dass der Jobwechsel keine kluge Entscheidung ist. Sich das einzugestehen, ist nicht unbedingt angenehm, denn der Frust im Job bleibt erst einmal. Trotzdem können Sie auch jetzt etwas verändern und Ihr Lage verbessern. Zum Beispiel so:

  • Machen Sie eine Weiterbildung
    Investieren Sie in Ihre Zukunft. Beginnen Sie mit kostenlosen Online- oder Volkshochschulkursen. Entwickeln Sie Spaß daran, können Sie sich nach Fern- und Abendstudiengängen oder Online-Weiterbildungen umschauen. So erweitern Sie Ihr Know-how und gewinnen zusätzliche Qualifikationen. Die öffnen Ihnen neue Türen.
  • Suchen Sie einen Zweitjob
    Wen es in eine andere Branche zieht oder wer mit der Selbstständigkeit liebäugelt, kann mit einer Nebenbeschäftigung einen ersten Test wagen. Dabei können in Ruhe ausprobieren, ob Ihre Ziele der Realität stand halten. Vergessen Sie aber nicht, den Nebenjob beim Chef anzumelden und genehmigen zu lassen. Sonst droht eine Abmahnung.
  • Üben Sie ein Ehrenamt aus
    Fehlt Ihrem Job der Sinn? Dann können Sie sich im ersten Schritt sozial engagieren. Ein Ehrenamt einen wunderbaren Ausgleich zum Job schaffen und zugleich neue Perspektiven geben. Ihr Netzwerk erweitern Sie damit ebenfalls.
  • Widmen Sie sich einem Hobby
    Eine neue Sportart, ein neues Instrument, ein bestimmtes Wissensgebiet, die Arbeit im Garten – Hobbys bringen uns auf neue Gedanken und trainieren unsere Stärken. Das wiederum hilft später wieder im Job.

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[Bildnachweis: Dmitry Guzhanin by Shutterstock.com]

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