Nebentätigkeit: Was ist erlaubt?

Vor einer Nebentätigkeit stehen für Angestellte einige Fragen. Allen voran: Darf ich überhaupt eine Nebentätigkeit aufnehmen? Ihr Arbeitgeber möchte schließlich Ihre volle und uneingeschränkte Arbeitskraft – keinen Mitarbeiter, der erschöpft und unmotiviert schlechtere Leistungen bringt, weil er sich bei einer Nebentätigkeit verausgabt hat.

Ihre Freizeit soll vor allem der Erholung und als Ausgleich zu den Anstrengungen im Job dienen. Dennoch reicht das nicht immer, weil finanziell hinzuverdient werden muss oder weil der Wunsch besteht, zusätzlich zum Hauptjob einer Nebentätigkeit nachzugehen.

Hier erfahren Sie, was Sie zur Nebentätigkeit wissen müssen – inklusive Antworten auf alle wichtigen Fragen und einem kostenlosen Muster für eine Nebentätigkeitsvereinbarung…

Nebentätigkeit: Was ist erlaubt?

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Nebentätigkeit Definition

Als Nebentätigkeit wird grundsätzlich erst einmal jede berufliche Aktivität außerhalb Ihres Hauptarbeitsverhältnisses bezeichnet. Im klassischen Fall handelt es sich dabei um kleinere Beschäftigungen, bei denen für einige Stunden pro Woche bei einem anderen Unternehmen – und nicht selten in einem gänzlich anderen Bereich – gearbeitet wird.

Möglich ist aber auch, sich als Nebentätigkeit eine Selbstständigkeit aufzubauen und nach Feierabend oder am Wochenende an der eigenen Firma zu arbeiten.

Im engeren Sinne handelt es sich um eine Nebentätigkeit, wenn die Arbeit entsprechend entlohnt wird – aus arbeitsrechtlicher Sicht kann jedoch selbst ein Ehrenamt, das außer durch eine Aufwandsentschädigung nicht vergütet wir, als Nebentätigkeit betrachtet werden.

Häufig wird neben einer Vollzeitstelle noch ein weiterer Job in Teilzeitarbeit gemacht. Nebentätigkeiten können aber ebenso gut von Rentnern ausgeübt werden oder wenn sich ein Elternteil in Elternzeit befindet.

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Ist eine Nebentätigkeit erlaubt?

Für Arbeitnehmer ist die erste Frage dabei immer: Ist eine Nebentätigkeit erlaubt? Die Antwort darauf ist ein wenig komplizierter als ein einfaches Ja oder Nein.

Zunächst einmal gilt:


Eine Nebentätigkeit ist nicht grundsätzlich verboten. Was Sie in Ihrer Freizeit machen, ist schließlich Ihre Entscheidung.

Es kann jedoch Regelungen im Arbeitsvertrag geben, die eine Nebentätigkeit einschränken oder dazu führen, dass eine Genehmigung erforderlich ist.


Durch die im Grundgesetz festgelegte Berufsfreiheit haben Sie somit zunächst das Recht, einer Nebentätigkeit nachzugehen. Gibt es im Arbeitsvertrag oder einem gültigen Tarifvertrag keine weiteren Angaben, muss diese auch nicht unbedingt von Ihrem Arbeitgeber genehmigt werden. Eine Ausnahme sind Beamte, die für die Ausübung einer Nebentätigkeit immer eine Genehmigung vom Dienstherren benötigen.

So gibt es gleich mehrere Szenarien, in denen eine Nebentätigkeit verboten sein kann. Im schlimmsten Fall droht gar eine fristlose Kündigung.

Besonders gefährlich: Konkurrenztätigkeit. Ihre Nebentätigkeit darf nicht in direkter Konkurrenz zu Ihrem Hauptarbeitgeber stehen. Das gilt sowohl für eine Tätigkeit bei einem Konkurrenzunternehmen als auch den Aufbau einer eigener Firma, um dem Arbeitgeber Konkurrenz zu machen.

Vorsichtig müssen Sie auch mit der Dauer der Arbeitszeit in der Nebentätigkeit sein. Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) sieht eine regelmäßige Arbeitszeit von höchstens 48 Stunden bei einer Sechs-Tage-Woche vor und in Ausnahmefällen, für einen kurzen Zeitraum kann die Arbeitszeit auf 60 Stunden erhöht werden, wenn dafür ein entsprechender Ausgleich gewährt wird. An diese Grenzen müssen Sie sich halten, da die Nebentätigkeit sonst aufgrund des Arbeitszeitgesetzes verboten werden kann.

Problematisch wird es immer dann, wenn…

➠ Sie im Zweitjob auch sonntags arbeiten und keinen Ersatzruhetag haben (§ 11 ArbZG).
➠ Ihre Arbeitszeit 10 Stunden am Tag (beziehungsweise 8 im Durchschnitt) überschreitet (§ 3 ArbZG).
➠ Sie die vorgeschriebene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden vor dem Beginn des Hauptberufs nicht einhalten können (§ 5 Abs. 1 ArbZG).
➠ die Nebentätigkeit auch während Ihrer Hauptarbeitszeit ausüben – egal, ob Sie am eigenen Handy Telefonate annehmen oder E-Mails beantworten.
➠ Sie der Nebentätigkeit während Ihres Urlaubs nachgehen. Das widerspricht dessen Erholungszweck (gilt auch, wenn Sie krankgeschrieben sind).

Halten Sie sich jedoch an alle Richtlinien, darf sich der Hauptarbeitgeber nicht querstellen.

Soll heißen: Ihr Chef kann Ihnen eine Nebentätigkeit grundsätzlich nicht verbieten, wenn er kein berechtigtes Interesse daran hat oder Sie gegen andere Regeln verstoßen.

Muss ich beim Arbeitgeber eine Nebentätigkeit anmelden?

Sie haben sich dazu entschieden, eine Nebentätigkeit aufzunehmen, die in keinster Weise Ihren Hauptberuf beeinflusst und auch sonst alle Grundsätze eines zulässigen Nebenjobs erfüllt. Ihr Chef kann also gar nichts dagegen haben und Ihnen diese auch nicht untersagen. Da stellt sich die Frage: Muss eine Nebentätigkeit beim Arbeitgeber überhaupt angemeldet werden? Wenn er ohnehin keine Einwände äußern kann, könnte es ihm schließlich auch egal sein.

Eine allgemeine oder generelle Anzeigepflicht für Nebentätigkeiten gibt es nicht. Entscheidend ist, was in Ihrem Arbeitsvertrag oder einem für Sie gültigen Tarifvertrag steht. Ist hier von einer Nebentätigkeit keine Rede, so müssen Sie Ihrem Arbeitgeber auch nichts davon sagen – können es aber natürlich trotzdem auf freiwilliger Basis tun.

Allerdings sichern sich viele Unternehmen im Arbeitsvertrag ab und bauen eine entsprechende Klausel ein. Hier heißt es dann meist sinngemäß: „Jegliche Nebentätigkeit ist dem Arbeitgeber unaufgefordert anzumelden.“ Oft ist dieser Satz noch mit dem Zusatz versehen, dass eine entsprechende Genehmigung zu erteilen ist, wenn kein Interesse des Unternehmens dagegen spricht.

Findet sich eine solche Formulierung in Ihrem Vertrag, müssen Sie sich auf jeden Fall daran halten, sonst drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen.


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Genehmigungspflicht der Nebentätigkeit

An einer Genehmigung durch den Arbeitgeber> kommen Sie also in der Regel nicht vorbei. Da es sich in erster Linie um eine reine Informationspflicht handelt, ist dies auch nicht weiter schlimm. Es hat keine Auswirkungen auf Ihren Arbeitsplatz und ablehnen kann Ihr Chef die Genehmigung nicht, da er gesetzlich dazu verpflichtet ist, Ihre Nebentätigkeit zu gestatten, wenn diese nicht gegen eine der oben erläuterten Regelungen verstößt.

Einige Punkte sind bei der Genehmigung einer Nebentätigkeit allerdings doch zu beachten.

  • Nebentätigkeit schriftlich genehmigen lassen
    Sie sollten sich eine Nebentätigkeit immer schriftlich genehmigen lassen. Sonst haben Sie im Streitfall schlechte Karten und können nicht nachweisen, dass Sie das Unternehmen informiert und eine Genehmigung erhalten haben. Dies ist besonders wichtig, falls Ihr Arbeitgeber zu einem späteren Zeitpunkt nach einem Grund sucht, um Ihnen Schwierigkeiten machen zu können.
  • Jede Nebentätigkeit einzeln genehmigen
    Darüberhinaus gilt: Es reicht nicht aus, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen eine allgemeine Genehmigung zu Nebentätigkeiten erteilt. Für jeden einzelnen Job muss ein eigener Antrag gestellt und vom Unternehmen abgesegnet werden, damit alles seine Richtigkeit hat.
  • Offen mit Arbeitgeber umgehen
    Dies ist keine Pflicht, aber eine Empfehlung: In einem guten Arbeitsverhältnis sollten Sie offen und transparent mit Ihrem Chef über eine Nebentätigkeit sprechen. Wenn es sich um eine reguläre Nebentätigkeit handelt, haben Sie ohnehin nichts zu verbergen. Bauen Sie Vertrauen und eine bessere Beziehung zum Arbeitgeber auf – das lohnt sich in jedem Fall.
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Muster für die Genehmigung der Nebentätigkeit

PDF Download IconDamit der Antrag auf Nebentätigkeit nicht schon aus formalen Gründen unwirksam ist, sollte dieser stets folgende Punkte enthalten:

  • Name, Anschrift, Position des Arbeitnehmers
  • Name und Anschrift des Arbeitgebers
  • Datum
  • Beschreibung der Nebentätigkeit
  • Ausübungsbeginn oder -zeitraum
  • Zeitlicher Umfang
  • Ort, Datum, Unterschrift des Arbeitgebers und Arbeitnehmers

Das Ergebnis könnte dann so aussehen (Die Mustervorlage dazu können Sie sich als PDF oder als WORD-Dokument gratis herunterladen.)…



Nebentätigkeitsvereinbarung


Max Mustermitarbeiter
Irgendwoweg 12
34567 Musterstadt
TT.MM.JJJJ

Sachbearbeiter bei der
Fantasiefirma
Beispielstr. 89
34567 Musterstadt

Hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich ab dem (DATUM / Alternativ: von…bis…) beabsichtige, die folgende Nebentätigkeit auszuüben. Ich bitte Sie, dies zu genehmigen:

Art der Nebentätigkeit

______________________________

Arbeitgeber und Bruttogehalt
Die Nebentätigkeit übe ich auf 400-Euro-Basis für und im Auftrag der Firma XY aus.

Umfang der Nebentätigkeit (wöchentlicher Zeitaufwand)

  • Wochenstunden für die unmittelbare Nebentätigkeit: _________ Stunden
  • Zusätzlicher Zeitaufwand (z.B. Vorbereitung): _________ Stunden

Ich versichere, dass durch die Nebentätigkeit die gesetzlich vorgeschriebene Höchstarbeitszeit nicht überschritten wird und auch Ruhetage eingehalten werden. Die Vereinbarungen aus dem Arbeitsvertrag vom (DATUM) bestehen fort.

Mit freundlichen Grüßen

______________________________
Ort, Datum, Unterschrift Arbeitnehmer

GENEHMIGT durch

______________________________
Ort, Datum, Unterschrift Arbeitgeber, Firmenstempel



Die vorliegenden Vorlagen und Vertragsmuster sind nur als Anregung gedacht und im Einzelfall individuell anzupassen. Sie ersetzen nicht die fachliche Prüfung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht, zu der wir im Zweifel immer raten. Falls Sie die Vorlagen verwenden, übernehmen wir keinerlei Haftung für die korrekte Anwendung im Einzelfall.

Nebentätigkeit Steuer

Für das Finanzamt ist es weitgehend uninteressant, ob Ihr Geld aus einer hauptberuflichen Anstellung oder einer Nebentätigkeit resultiert. Die Einkünfte, die Sie mit Ihrer Nebentätigkeit verdienen, müssen Sie versteuern.

Gehen Sie als Nebentätigkeit einer zweiten Beschäftigung nach, werden diese als „Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit“ ebenso für die Einkommensteuer berücksichtigt wie Ihr Verdienst im Hauptjob.

Unterschiede gibt es bei Einkünften als…

  • Ausbilder,
  • Betreuer,
  • Erzieher,
  • Übungsleiter oder vergleichbaren Tätigkeiten.

Hier sind pro Jahr bis zu 2.400 Euro steuerfrei (sogenannter Übungsleiterfreibetrag). Darüber hinaus ist jeder Nebenjob steuerpflichtig. Entscheidend für die Steuer sind die Höhe des Verdienstes und Ihre Steuerklasse.

Verdienen Sie bei der Nebentätigkeit weniger als 450 Euro monatlich, handelt es sich um einen Minijob, für den Sie keine Steuern zahlen. Eine solche Nebentätigkeit wird meist pauschal vom Arbeitgeber mit 2 Prozent Lohnsteuer versteuert.

Wer bereits die Regelaltersrente überschritten hat und Altersrente bezieht, darf unbegrenzt dazuverdienen, ohne Rentenabzüge befürchten zu müssen – die Einkünfte aus der Nebentätigkeit müssen aber versteuert werden.

Weitere Steuern können je nach Art Ihrer Nebentätigkeit anfallen. Wer nebenbei Gewerbetreibender ist, muss beispielsweise ein Gewerbe anmelden und Gewerbesteuer zahlen.


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Was gilt für Beamte und im öffentlichen Dienst bei Nebentätigkeiten?

Ob Nebentätigkeiten im öffentlichen Dienst genehmigungspflichtig sind, hängt davon ab, welchen arbeitsrechtlichen Status Sie haben. Wer als Beamter, Richter oder Soldat beschäftigt ist, muss sich einen Nebenjob von seinem Dienstherrn genehmigen lassen.

Ausnahmen sind hier sogenannte genehmigungsfreie Nebentätigkeiten, beispielsweise wenn Sie ein Buch schreiben oder als Gutachter tätig werden. Ebenso können manche Nebentätigkeiten vom Dienstherren selbst angeordnet sein, hierbei handelt es sich nicht um einen Nebenjob im eigentlichen Sinne, sondern um ein Nebenamt.

Angestellte im öffentlichen Dienst wurden bis zur Einführung des Tarifvertrages wie Beamte behandelt, das heißt, eine Nebentätigkeit musste genehmigt werden. Mittlerweile gilt der TVÖD, der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst.

Dieser sieht nunmehr eine Anzeigepflicht seitens des Arbeitnehmers vor, bedeutet: Es reicht, wenn Sie Ihren Arbeitnehmer davon in Kenntnis setzen.

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Konsequenzen bei unzulässiger Nebentätigkeit

Wer die Erlaubnis vom Chef für eine Nebentätigkeit braucht, diese aber nicht einholt und trotzdem heimlich selbstständig oder in einem Zweitjob arbeitet, riskiert dafür eine Abmahnung.

Das gilt auch dann, wenn Ihr Arbeitgeber der Nebentätigkeit grundsätzlich hätte zustimmen müssen. Wird eine Informationspflicht im Arbeitsvertrag geregelt, müssen Sie sich an diese halten – sondern kommen Sie Ihren arbeitsvertraglichen Pflichten nicht nach.

Für dieses Versäumnis müssen Sie sich verantworten. Noch schlimmer kann es kommen, wenn es sich um eine unzulässige Nebentätigkeit handelt.

Haben Sie beispielsweise als Nebentätigkeit Ihrem Hauptarbeitgeber Konkurrenz gemacht, kann dieser Ihnen sogar fristlos kündigen. Dabei ist die Verhältnismäßigkeit zu prüfen. Ist durch Ihre unzulässige Nebentätigkeit ein erheblicher Schaden für das Unternehmen entstanden, kann eine fristlose Kündigung gerechtfertigt sein.

Kam es jedoch zu keinerlei Nachteil, kann schon eine Abmahnung ausreichen, da eine verhaltensbedingte Kündigung in diesem Fall zu hart wäre.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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18. August 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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