Stellengesuch aufgeben: Anleitung, Besonderheiten & Muster

In einem arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsmarkt können Sie bequem zwischen den einzelnen Angeboten stöbern und sich dort bewerben, wo der Job am vielversprechendsten klingt. Oder Sie können ein Stellengesuch aufgeben und sich finden lassen. Bei dieser passiven Form der Selbstpräsentation gibt es einige Besonderheiten zu beachten. Welches Medium wählen Sie? Sind Printmedien überhaupt noch zeitgemäß? Und wie formulieren Sie so ein Stellengesuch? Wir zeigen die Besonderheiten dieser Stellensuche und erklären das Vorgehen anhand von Beispielen…

Stellengesuch aufgeben: Anleitung, Besonderheiten & Muster

Stellengesuch aufgeben: Sie wollen gefunden werden

Dutzende von Bewerbungen geschrieben und nie eine positive Antwort erhalten? Nicht wenige Bewerber, die ein Stellengesuch aufgeben, haben die Nase voll davon. Warum sich jedes Mal aufs Neue Mühe geben und eine individualisierte Bewerbung für jeden einzelnen Arbeitgeber verfassen, wenn es am Ende doch immer nur auf wenige elementare Informationen hinausläuft?

Der Frust ist verständlich. Allerdings: Auch wer stattdessen ein Stellengesuch aufgeben will, muss einiges beachten. Schließlich handelt es sich hierbei nicht nur um eine verkürzte Darstellung des Lebenslaufs.

Vielmehr müssen Sie auf engstem Raum die wichtigsten Informationen unterbringen, denn eine Annonce aufzugeben, kann mit Kosten verbunden sein.

Für Stellengesuche gilt Ähnliches wie für Initiativ– beziehungsweise Blindbewerbungen: Sie müssen antizipieren, was der Arbeitgeber sucht. Gelingt Ihnen das nicht oder nur unzureichend, können Sie zwar ein Stellengesuch aufgeben, werden dabei aber genauso erfolglos sein wie wenn Sie sich aktiv um eine bestimmte Stelle bewerben.

Plattformen für Stellengesuche: Online oder offline?

Wo werden Sie am besten ein Stellengesuch aufgeben? Früher musste man noch recht umständlich entweder persönlich bei den Räumlichkeiten der Tagespresse vorbeischauen und ein Stellengesuch aufgeben oder gab es telefonisch durch. Im Internetzeitalter sind die Wege deutlich verkürzt und vereinfacht.

Dazu kommt: Die Frage, ob Sie eine Anzeige in einer Tageszeitung ODER online schalten wollen, stellt sich häufig gar nicht mehr, da die großen Zeitungen ohnehin eine Onlineversion haben und die Stellenanzeige für gewöhnlich nicht nur im Printmedium, sondern parallel auch online erscheint.

Der Stellenmarkt der Tages- und Wochenzeitungen spielt daher immer noch eine große Rolle. Viele Lokalzeitungen haben mittwochs und samstags einen Zeitungsteil mit Stellenanzeigen beziehungsweise Stellengesuchen, wobei der Stellenmarkt am Wochenende deutlich größer ausfällt.

Bewerber müssen für sich an erster Stelle klären, ob sie regional oder überregional tätig werden wollen:

  • Regional

    Bewerber, die eher für die nähere Umgebung ein Stellengesuch schreiben wollen, sind mit der Tagespresse der Lokal- und Regionalzeitungen gut beraten. Dazu gehören zum Beispiel:

    • Berliner Morgenpost
    • Die Welt
    • Frankfurter Allgemeine Zeitung
    • Freie Presse
    • Hannoversche Allgemeine
    • Kölner Stadtanzeiger
    • Rheinische Post
    • Stuttgarter Nachrichten
    • Süddeutsche Zeitung
    • Thüringer Allgemeine
    • Westdeutsche Allgemeine Zeitung
    • Westfälische Nachrichten

  • Überregional

    Für Fach- und Führungskräfte sowie Bewerber, die bundesweit auf Jobsuche sind oder sich sogar vorstellen können, im Ausland zu arbeiten, eignen sich überregionale Tageszeitschriften sowie meist in größeren Abständen erscheinende Fachzeitschriften:

    • Bankmagazin: Für Banker, Wirtschaftswissenschaftler
    • Die Zeit: Für Mediziner, Geisteswissenschaftler
    • VDI-Nachrichten: Für Volkswirte, Betriebswirte
    • Neue Juristische Wochenschrift, Juve Magazin: Für Juristen
    • Der Handel: Für Händler
    • Fachzeitschriften der jeweiligen Innung: Für Handwerker – beispielsweise die „Galvanotechnik“ für einen Galvaniseur
    • Werben und Verkaufen: Für Werbefachleute
    • Textilwirtschaft: Für Textilfachleute

Anleitung: Wie Sie ein Stellengesuch aufgeben

Um ein möglichst aussagekräftiges Stellengesuch aufzugeben, sollten Sie sich genügend Zeit nehmen. Reflektieren Sie Ihre Fähigkeiten, machen Sie sich Gedanken, wie ein potenzieller Arbeitsplatz, an dem Sie gerne arbeiten würden, aussehen sollte. In einem nächsten Schritt geht es darum, wie Sie mit dem, was Sie zu bieten haben, auf sich aufmerksam machen.

Hier ist gezieltes Eigenmarketing gefragt, Sie sollten die für Ihre Branche gängigen Keywords kennen und sie geschickt in Ihrer Anzeige platzieren.

Leitfragen für Ihr Stellengesuch sollten sein:

  • Was suche ich?
  • Wer bin ich?
  • Was biete ich?

Tipp: Schauen Sie sich andere Stellengesuche an: Welche finden Sie besonders ansprechend? Welche erscheinen eher nichtssagend?

Dazu gehen Sie dann folgendermaßen vor:

  • Zielgruppe identifizieren

    Klären Sie für sich die Branche und die Region. Abhängig davon wählen Sie die für Sie stimmige Plattform beziehungsweise das entsprechende Medium: Wer beispielsweise eine Stelle im näheren Umfeld sucht, sollte den Schwerpunkt auf lokale und regionale Tageszeitungen legen.

  • Daten auflisten

    Sicherlich haben Sie schon Kleinanzeigen gelesen, beispielsweise für Wohnungen oder Gebrauchtwagen. Diese enthalten bestimmte Daten, die für den Leser relevant sind – so gehen Sie am besten auch mit der eigenen Person vor. Das Unternehmen muss sich ein grobes Bild Ihrer Person machen können, also zum Geschlecht, Alter und beruflichen Abschlüssen oder Titeln. Verenden Sie gängige Abkürzungen, beispielsweise „me.“ für Meister im Handwerk oder „Dipl.-Ing.“ für Diplom-Ingenieur.

  • Fähigkeiten zusammentragen

    Welche Berufserfahrungen haben Sie gesammelt? Welche inhaltlichen Schwerpunkte haben Sie bei Ihrer Arbeit gesetzt? Hierzu zählen auch Zusatzqualifikationen, Führungskompetenzen und dergleichen, beispielsweise Vertriebsleiter mit 10-jähriger Berufserfahrung.

Beispiele: Was gehört in ein Stellengesuch hinein?

Ihre Stellenanzeige besteht aus:

  • Überschrift

    Vergleichbar mit dem Betreff eines Anschreibens vermitteln Sie mit der Überschrift auf den ersten Blick, worum es geht. Sie fungiert als Teaser und soll die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Leser das Stellengesuch zu Ende liest und mit Ihnen Kontakt aufnimmt.

  • Anzeigentext

    Hier gehen Sie ins Detail und formulieren die Inhalte, die Ihnen besonders wichtig in einem Job sind. Falls Sie sich derzeit in ungekündigter Stellung befinden, machen Sie darauf aufmerksam. Nicht ausdrücklich erwähnen sollten Sie hingegen, wenn Sie derzeit arbeitslos sind. Abzuraten ist von bestimmten Formulierungen, die auf den Leser den Eindruck erwecken würden, dass Sie sehr bedürftig sind, wie: Dringend/verzweifelt gesucht, kann jederzeit anfangen. Potenzielle Arbeitgeber kommen womöglich ins Grübeln, warum die Person gerade arbeitslos ist. Unseriöse Firmen wiederum könnten sich dadurch angelockt fühlen und die Situation ausnutzen wollen.

  • Kontaktdaten

    Hier geben Sie die Kontaktdaten an, unter denen Sie vorzugsweise kontaktiert werden wollen. Diese bestehen meist aus Telefonnummer oder E-Mailadresse. Falls Sie Ihr Stellengesuch über Printmedien oder einen Dienstleister aufgegeben haben, wird teilweise eine Chiffrenummer angegeben. Bedenken Sie: Diese ermöglicht Ihnen einerseits eine gewisse Anonymität. Das ist vor allem für Arbeitnehmer wichtig, die sich noch in ungekündigter Stellung befinden. Auf der anderen Seite ist diese Art der Kontaktaufnahme für andere eher umständlich und könnte abschreckende Wirkung haben.

Bitte vermeiden

Selbstverständlichkeiten wie pünktlich, ehrlich und zuverlässig sollten Sie weglassen. Fassen Sie Ihre Stellenanzeige möglichst konkret ab: Formulierungen wie Suche einen neuen Wirkungskreis oder Freue mich auf interessante Tätigkeiten erwecken den Eindruck, dass Sie selbst keine Vorstellung davon haben, was Sie machen wollen.

Dies beachten

Geben Sie Ihrer Anzeige Struktur, indem Sie mit Fettungen arbeiten. So sollte Ihre Hauptschlagzeile entsprechend groß und fett hervorgehoben sein. Arbeiten Sie mit Absätzen und erwecken Sie mehr Aufmerksamkeit durch einen unregelmäßigen Aufbau.

Muster für ein Stellengesuch und Kosten

Stellengesuch Beispiel Gelungen

Anzeigen in Printmedien kosten – mit welchen Summen müssen Sie rechnen? Die Kosten für ein Stellengesuch richten sich nach der Größe.

Hier ist es nicht empfehlenswert, allzu knapp zu kalkulieren, sofern Sie nicht gerade eine Stelle als Aushilfe suchen.

Je nach angestrebter Position und Plattform können Sie mit einem drei- bis vierstelligen Betrag rechnen. Als zukünftiger Geschäftsführer würde eine Kleinanzeige eher unpassend wirken. Als Faustformel empfiehlt sich ein Preis zwischen 10 und 20 Prozent des monatlichen Bruttogehalts.

Überregionale große Zeitungen verkaufen Anzeigen zu einem anderen Preis als lokale Tageszeitungen. Bei einer großen rheinischen Tageszeitung können Sie beispielsweise bei zwei Spalten Breite (das entspricht 91,5 Millimetern und 50 Millimetern Höhe) bereits für rund 108 Euro inklusive Chiffregebühr ein Stellengesuch in schwarz-weiß aufgeben.

Kostenlose Stellengesuche für Arbeitnehmer

kostenlose StellenanzeigeAnders verhält es sich bei der Jobsuche in einer Jobbörse oder in Sozialen Netzwerken. Nicht alle ermöglichen direkt ein Stellengesuch zu schreiben, aber Sie können dort vielleicht ein Profil anlegen (das gefunden wird).

Für Arbeitnehmer besteht außerdem die Möglichkeit, sich über einen Newsletter über neue Stellenangebote auf dem Laufenden zu halten und den eigenen Lebenslauf hochzuladen (siehe auch „Jobagent“ am Ende dieses Artikels).

Neben den bekannten Business-Netzwerken wie Xing oder Linkedin können Arbeitnehmer auch ein kostenloses Profil mit eigener Seite auf About.me anlegen, um auf sich aufmerksam zu machen.

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[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
4. Juni 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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