Sprachkenntnisse im Lebenslauf: Formulierung, Abstufungen, Tipps

Sprachkenntnisse im Lebenslauf genießen bei Personalern einen hohen Stellenwert – gerade in internationalen Teams und Unternehmen. So zerbrechen sich Bewerber den Kopf, wie Sie ihre Fremdsprachenkenntnisse in der Bewerbung richten angeben sollen. Nicht jeder hat Zertifikate von Sprachkursen, um die eigenen Fähigkeiten zu belegen. Grundkenntnisse, fließende, verhandlungssichere Sprachkenntnisse oder Muttersprachler? Wir erklären, wie Sie Ihre Sprachkenntnisse im Lebenslauf richtig angeben und welche Abstufungen dabei gemacht werden…

Sprachkenntnisse im Lebenslauf: Formulierung, Abstufungen, Tipps

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Sprachkenntnisse im Lebenslauf: Wo werden sie angegeben?

Für Ihre Sprachkenntnisse im Lebenslauf sollten Sie einen eigenen Abschnitt einfügen, in dem Sie die verschiedenen Fremdsprachen auflisten können. So bleibt das Dokument insgesamt übersichtlich und der Personaler kann auf einen Blick erkennen, welche sprachlichen Fähigkeiten Sie mitbringen – und ob diese zu den Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle passen.

Muss ich Sprachkenntnisse im Lebenslauf immer nennen?

Sie sprechen mehrere Fremdsprachen – auf gutem Level? Dann sollten Sie das erwähnen, um sich im Bewerbungsprozess posotiv von anderen Kandidaten abzuheben. Die Frage ist eher: Müssen Sie alle Fremdsprachen nennen? Letztlich hängt das von dem Job ab, auf den Sie sich bewerben und wie relevant die jeweilige Fremdsprache dafür ist. Keine Fragen, Sprachkenntnisse im Lebenslauf machen sich immer gut. Ob das allerdings durchweg auch für Latein oder Altgriechisch gilt, darf bezweifelt werden. Entsprechend sollten Sie sich – bevor Sie Sprachkenntnisse im Lebenslauf angeben – drei Fragen stellen:

  • Wird die Sprachkenntnis erwartet?
    Wird in der Stellenausschreibung als Muss- oder Kann-Qualifikation eine bestimmte Sprache verlangt, die Sie mitbringen, sollten Sie diese Sprachkenntnisse im Lebenslauf natürlich angeben. Damit zeigen Sie, dass Sie die geforderte Fähigkeit mitbringen.
  • Bringt es dem Unternehmen einen Nutzen?
    Findet sich in der Stellenausschreibung kein expliziter Hinweis auf die Sprachkenntnisse, ist es trotzdem sinnvoll diese anzugeben, wenn dem Unternehmen dadurch ein Nutzen entsteht. Diesen können Sie beispielsweise im Anschreiben ausführen. Wenn Sie schreiben „Mit meinen Französisch-Kenntnissen auf Muttersprachler-Level möchte ich weitere Geschäftsfelder und Märkte in Frankreich erschließen…“ gehören diese Sprachkenntnisse in den Lebenslauf.
  • Ist Ihr Level wirklich erwähnenswert?
    Wenn Sie Sprachkenntnisse im Lebenslauf angeben, sollten Sie darauf vorbereitet sein, dass diese geprüft und auch von Ihnen erwartet werden. Wenn Sie lediglich drei Vokabeln kennen oder nur zwei Sätze sprechen können, können Sie auf die Fremdsprachenkenntnisse in der Bewerbung getrost verzichten.
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Formulierungen für Sprachkenntnisse

Die Kunst ist, sich selbst möglichst realistisch einzuschätzen und die eigenen Fremdsprachenkenntnisse gleichzeitig bestmöglich zu präsentieren. Vollkommene Selbstüberschätzung oder glatte Lügen haben nichts in der Bewerbung zu suchen. Das fliegt nur auf und Ihre Chancen auf den Job fallen auf Null. Sie sollten damit rechnen, dass ein Personaler während des Vorstellungsgesprächs unvermittelt ins Englische wechselt, wenn Sie gute oder fließende Fremdsprachenkenntnisse in Ihrer Bewerbung angegeben haben.

Für eine bessere Einschätzung und präzise Darstellung in der Bewerbung gibt es einige typische Formulierungen für Fremdsprachenkenntnisse im Lebenslauf:

  • Grundkenntnisse
    Sie beherrschen die elementaren, alltäglichen Worte in der jeweiligen Sprache. Oft stammen diese Kenntnisse noch aus der Schulzeit und reichen dafür, sich selbst vorzustellen, im Urlaub nach dem Weg fragen und langsamen Gesprächen folgen zu können.
  • Gute Fremdsprachenkenntnisse
    Man spricht von guten oder konversationssicheren Sprachkenntnissen, wenn Unterhaltungen und Telefonate in der Fremdsprache möglich sind. Gut oder konversationssicher bedeutet allerdings auch, dass Sie im Schriftverkehr noch deutliche Lücken haben
  • Sehr gute Fremdsprachenkenntnisse
    Mit diesem Sprachniveau kann sich ein Sprecher problemlos zu komplexen Texten oder abstrakten Themen äußern. Auch fachbezogene Unterhaltungen und Diskussionen sind keine größere Herausforderung, Gespräche mit Muttersprachlern sind für beide Seiten problemlos.
  • Verhandlungssicher in Wort und Schrift
    Die Unterschiede zwischen diesem Sprachniveau und der letzten Stufe sind marginal: Wer beispielsweise Englisch verhandlungssicher in Wort und Schrift in seinem Lebenslauf angibt, ist vermutlich in einem englischsprachigen Umfeld aufgewachsen oder hat lange Zeit dort gelebt: Der Gebrauch der englischen Sprache ist in allen Kontexten problemlos möglich – im beruflichen wie im gesellschaftlichen Leben, der Sprecher sucht nicht nach Vokabeln, sondern äußert sich intuitiv.
  • Muttersprachler/muttersprachliches Niveau
    Der Begriff Muttersprachler ist Personen vorbehalten, die tatsächlich mit einer Sprache aufgewachsen sind – beispielsweise Englisch und Deutsch: Muttersprache, wenn Sie aus einer binationalen Familie stammen. Wer über wirklich exzellente Sprachkenntnisse verfügt und sämtliche aufgenommenen Informationen mühelos versteht – beispielsweise durch einen langjährigen Aufenthalt im Ausland -, kann auf Formulierungen wie muttersprachliches Niveau zurückgreifen.
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Sprachkenntnisse nach europäischem Referenzrahmen

Eine deutlich genauere Einschätzung Ihrer Fremdsprachenkenntnisse ermöglichen Sie dem Arbeitgeber, wenn Sie anhand von Zertifikaten nachweisen können, welche Sprachen Sie beherrschen. Das ist jedoch nicht immer möglich. Sie haben nicht für alle Sprachkenntnisse einen offiziellen Nachweis in Form eines Tests. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER) ist eine Möglichkeit, Ihre Sprachkenntnisse in der Bewerbung anzugeben und vergleichbar zu machen.

Nach dieser Kategorisierung gibt es drei Kompetenzniveaus von A bis C, die jeweils in zwei Niveaustufen unterteilt sind. So ergeben sich insgesamt sechs Abstufungen Ihrer Sprachkenntnisse:

Kompetenzniveau A: Elementarer Gebrauch der Sprache

  • Niveaustufe A1: Diese Stufe kennzeichnet die Anfänger, die sich rudimentär verständigen können, beispielsweise die Tageszeit nennen und sich vorstellen können. Voraussetzung dafür sind Gesprächspartner, die ihr Sprachtempo und Vokabular entsprechend anpassen.
  • Niveaustufe A2: Hier sind bereits grundlegende Kenntnisse vorhanden; der Sprecher kann sich in einfachen, routinemäßigen Situatinen verständigen. Häufig gebrauchte Sätze und Begriffe werden verstanden.

Kompetenzniveau B: Selbständiger Gebrauch der Sprache

  • Niveaustufe B1: Der Sprecher hier ist bereits fortgeschritten in seiner Sprachverwendung; die Verständigung im Urlaub ist weitgehend problemlos, eine Verständigung über vertraute Themen wie Arbeit oder Freizeit ist möglich.
  • Niveaustufe B2: In dieser Niveaustufe können Sprecher bereits die Hauptinhalte komplexer Texte und Themen verstehen. Er ist in der Lage, sich spontan und fließend zu verständigen, auch Fachdiskussionen in seinem Fachgebiet sind möglich.

Kompetenzniveau C: Kompetenter Gebrauch der Sprache

  • Niveaustufe C1: Jemand, der in C1 eingeordnet wird, besitzt bereits fachkundige Sprachkenntnisse und ein noch umfangreicheres Textverständnis, das auch das Verstehen impliziter Bedeutungen beinhaltet. Ohne Probleme kann er sich spotan und fließend verständigen und auch ausführlich zu komplexeren Themen äußern.
  • Niveaustufe C2: Wer einen Sprachtest mit C2 abschließt, darf sich rühmen, annähernd muttersprachliche Kenntnisse zu besitzen. Das bedeutet, dass er oder sie Texten oder Unterhaltungen mühelos folgen und sie verstehen kann. Die eigene Ausdrucksweise kann je nach Sachverhalt spontan, nuanciert und sehr flüssig sein.
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Beispiele für Sprachkenntnisse im Lebenslauf

Abschließend haben wir einige Beispiele für Formulierungen und Abstufungen der Sprachkenntnisse im Lebenslauf erstellt. Diese zeigen Ihnen beispielhaft, wie Sie Ihre Sprachkenntnisse im Lebenslauf angeben können:

Beispiel für fließende Sprachkenntnisse

Sprachkenntnisse Englisch, fließend
Französisch, fließend

Beispiel für verhandlungssichere Sprachkenntnisse

Sprachkenntnisse Englisch, verhandlungssicher
(nach Studium im Ausland)
Russisch, verhandlungssicher
(nach 3-jähriger Beschäftigung in Moskau)

Beispiel für mehrere Sprachkenntnisse im Lebenslauf

Sprachkenntnisse Englisch, fließend
Französisch, Grundkenntnisse
Spanisch, verhandlungssicher
Polnisch, Muttersprache
[Bildnachweis: makrushka, cougarsan by Shutterstock.com]

Weiterführende Quellen und Ratgeber

Tipps zur Bewerbung
Bewerbungsvorlagen
11 Bewerbungsformen
ABC der Bewerbungstipps
Bewerbungsmappe
Bewerbungsfoto
Deckblatt
Kurzprofil

Tipps zum Lebenslauf
Tabellarischer Lebenslauf
Lebenslauf Vorlagen
Praktika im Lebenslauf
Hobbys im Lebenslauf
Arbeitslosigkeit im Lebenslauf
Lücken im Lebenslauf

Tipps zum Anschreiben
Bewerbungsschreiben
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Interessen im Anschreiben
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Tipps zum Arbeitszeugnis
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19. Oktober 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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