Familienstand im Lebenslauf: Angeben oder weglassen?

In der Bewerbung wird jede Angabe auf die Goldwaage gelegt. Das gilt auch für den Familienstand im Lebenslauf. Über diese kleine und scheinbar nebensächliche Information wird viel diskutiert und Bewerber fragen sich regelmäßig, ob sie den Familienstand im Lebenslauf angeben müssen oder weglassen sollten. Auch andere private Daten werden in den Unterlagen genannt – aber gehört der Familienstand im Lebenslauf wirklich dazu und muss einem potenziellen Arbeitgeber mitgeteilt werden? Wir erklären, was Sie zum Familienstand im Lebenslauf wissen müssen…

Familienstand im Lebenslauf: Angeben oder weglassen?

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Familienstand im Lebenslauf: Ist die Angabe Pflicht?

Der Lebenslauf soll dem Personaler einen Überblick über alle relevanten Informationen zum Kandidaten geben. Neben den wichtigen Informationen zu Ausbildung und bisheriger Berufserfahrung zählen dabei natürlich auch die persönlichen Informationen. Gleich zu Beginn möchte der Verantwortliche im Unternehmen wissen: Mit wem habe ich es bei dieser Bewerbung zu tun? Viele Bewerber denken kaum weiter darüber nach: Vollständiger Name, Geburtsdatum sowie -ort, aktuelle Anschrift, Kontaktinformationen (Telefon und Mail) und Familienstand im Lebenslauf werden eingetragen.

Lange Zeit war dies auch Standard für die Bewerbungsunterlagen. Mittlerweile hat sich das jedoch geändert. Der Familienstand im Lebenslauf ist keine Pflichtangabe mehr. Dahinter steht das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das darauf abzielt, allen Bewerbern die gleichen Chancen einzuräumen und Benachteiligungen zu verhindern.

Familienstand im Lebenslauf ist keine ausschlaggebende Information

Der Familienstand im Lebenslauf sagt nichts über die Qualifikationen eines Bewerbers aus und stellt deshalb für Unternehmen keine relevante Information dar. So soll verhindert werden, dass Kandidaten aufgrund des angegebenen Familienstands im Lebenslauf unterschiedlich behandelt und bewertet werden. Durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz wurde der Familienstand im Lebenslauf zu einer optionalen Angabe, bei der Bewerber die Wahl haben – wie etwa auch beim Bewerbungsfoto. Jeder Kandidat soll nach seinen Fähigkeiten und seiner Eignung für die Stelle beurteilt werden – und nicht nach anderen Angaben, die nichts mit dem Job zu tun haben, wie etwa der Familienstand.

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Interpretationen für den Familienstand im Lebenslauf

Auf den ersten Blick scheint es schwer vorstellbar, dass jemand aufgrund des Familienstands im Lebenslauf diskriminiert oder schlechter gestellt wird. Tatsächlich ist das jedoch nicht nur möglich, sondern passiert immer wieder. Zwar hat der Familienstand im Lebenslauf nichts mit der Eignung eines Kandidaten zu tun, doch stecken in den Angaben durchaus Interpretationen, die Entscheidungen von Personalern beeinflussen können. Dabei kann der Familienstand positiv als auch negativ interpretiert werden, was zu einer Ungleichbehandlung der Kandidaten führt. Natürlich stehen dahinter lediglich Annahmen, Vermutungen und Interpretationen, keine Fakten. Trotzdem können Sie die Bewertung beeinflussen.

Familienstand Argument
Ledig ➠ Für ledige Bewerber spricht ihre Flexibilität. Ortswechsel, Überstunden, Dienstreisen – eher unproblematisch. Unterstellt wird zudem, dass Beruf und Karriere bei Ihnen die Hauptrolle spielen.
➠ Der Familienstand im Lebenslauf beinhaltet ebenso eine geringere Loyalität zum Arbeitgeber. Jobwechsel sind ebenfalls kein Problem. Es gibt ja keine Familie, auf die Rücksicht genommen werden muss.
Verheiratet ➠ Verheiratete Bewerber vermitteln den Eindruck von Langfristigkeit, Verlässlichkeit und Zukunftsorientierung. Wer einen Ehepartner hat, der in der gleichen Stadt (oder in der Nähe) arbeitet, ist auf eine lange Zusammenarbeit aus.
➠ Negativ ausgelegt werden Verheirateten mögliche Prioritäten: Familie vor Job. In Sachen Überstunden sind sie deutlich weniger flexibel.
Verlobt ➠ Die Angabe ist sinnlos und macht auch steuerlich keinen Unterschied. Solange nichts fest ist, besser „ledig“ schreiben.
Geschieden ➠ Geschiedene sind zunächst wieder „ledig“. Die gescheiterte Ehe zu erwähnen, wirft – unnötigerweise – ein schlechtes Licht auf die langfristige Beziehungstauglicheit. Auch im Job?
Verwitwet ➠ Gleiche Logik: Verwitwete sind wieder „ledig“. Diesen Familienstand im Lebenslauf zu erwähnen, klingt nach nicht überwundener Trauer. Der Mitarbeiter könnte gerade wenig belastbar sein. Weglassen!



Weitere Auswirkungen auf die Wertung kann es haben, wenn nicht nur der Familienstand im Lebenslauf angegeben wird, sondern auch die Anzahl der Kinder. Bei leidigen Kandidaten bedeutet ein Kind möglicherweise, dass der künftige Mitarbeiter häufiger ausfallen könnte, weil er sich alleine um den Nachwuchs kümmern muss. Für verheiratete Bewerber kann anders herum interpretiert werden: Gibt es keine Kinder, läuft die Familienplanung vielleicht noch. Aus Sicht des Unternehmens steht damit eine Babypause und Elternzeit an. Diese Einschätzung trifft vor allem verheiratete, kinderlose Frauen.

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Argumente für und gegen den Familienstand im Lebenslauf

Die möglichen negativen Auswirkungen auf die Bewerbungschancen kombiniert mit dem Fakt, dass der Familienstand im Lebenslauf keine Pflichtangabe ist, scheint einen eindeutigen Schluss nahezulegen: Sie sollen den Familienstand im Lebenslauf von vornherein weglassen und sich auf die anderen persönlichen Informationen beschränken. Aber ist das wirklich die richtige Entscheidung? Auf der einen Seite ist es Ihr gutes Recht, eine optionale Angabe wie den Familienstand im Lebenslauf zu streichen. Gleichzeitig gibt es durchaus Argumente, die dafür sprechen, den Familienstand im Lebenslauf trotzdem anzugeben.

Wir haben die Argumente gegenüber gestellt, damit Sie sich ein besseres Bild machen können, ob Sie Ihren Familienstand im Lebenslauf nennen wollen:

Das spricht dafür Das spricht dagegen
Das Unternehmen findet Ihren Familienstand früher oder später ohnehin raus – spätestens über Ihre Steuerklasse. Sie sind nicht dazu verpflichtet und können den Familienstand im Lebenslauf problemlos auslassen.
Sie zeigen Ehrlichkeit und etablieren gegenseitiges Vertrauen Neben Ihren Fähigkeiten fließen andere Aspekte in Ihre Bewertung mit ein.
Sie würden ohnehin nicht für einen Arbeitgeber arbeiten wollen, der Sie aufgrund Ihres Familienstands im Lebenslauf aussortiert oder schlechter behandelt. Ihre Chancen auf den Job können möglicherweise darunter leiden. Im Nachhinein können Sie nichts dagegen tun, da sich der Grund für eine Absage nicht nachvollziehen lässt.


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So geben Sie den Familienstand im Lebenslauf an

Sie haben das Für und Wider abgewogen und sind zu dem Schluss gekommen, dass Sie den Familienstand im Lebenslauf angeben? Dann geht es im letzten Schritt darum, den Familienstand richtig in Ihren Lebenslauf einzubauen. Der Familienstand im Lebenslauf zählt zu Ihren persönlichen Daten, die – in den meisten Lebenslauf-Designs – bereits oben im Seitenkopf aufgelistet werden. Bei der Reihenfolge wird der Familienstand meist ans Ende geschoben, da die anderen Informationen zu Ihrer Person wichtiger sind. Es ist aber auch möglich, den Familienstand über den Kontaktdaten einzufügen.

Wie die Angabe für den Familienstand im Lebenslauf aussehen kann, zeigen die folgenden Muster:

Familienstand im Lebenslauf: Einfache Angabe

Persönliche Daten Max Mustermann
Geburtsdatum: TT.MM.JJJJ
Geburtsort: Musterhausen
Adresse: Haupstraße 1, 12345 Musterhausen
Telefon: 01234/56789
Mail: m.mustermann@online.de
Familienstand: Ledig

Familienstand im Lebenslauf: Angabe mit Kindern

Persönliche Daten Martina Musterfrau
Geburtsdatum: TT.MM.JJJJ
Geburtsort: Fantasiestadt
Adresse: Gartenweg 9, 98765 Fantasiestadt
Telefon: 04321/98765
Mail: m.musterfrau@mail.de
Familienstand: Verheiratet, 2 Kinder (7,12)
[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

Weiterführende Quellen und Ratgeber

Tipps zur Bewerbung
Bewerbungsvorlagen
11 Bewerbungsformen
ABC der Bewerbungstipps
Bewerbungsmappe
Bewerbungsfoto
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Tabellarischer Lebenslauf
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27. November 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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