Diskriminierung: Definition, Arten, Hilfe

Diskriminierung ist nie in Ordnung. Und dennoch begegnen wir ihr recht häufig. Menschen werden diskriminiert, weil sie zu dick oder zu dünn, zu alt oder zu jung sind. Weil sie das „falsche“ Geschlecht haben. Die „falsche“ Religion. Oder sich in irgendeiner Form nicht an die gesellschaftlich am weitesten verbreitete Norm anpassen wollen. Je nachdem, in welchem Umfeld sich jemand bewegt, können schon eine auffällige Frisur oder die falschen Klamotten zur Ausgrenzung beitragen. Welche Arten von Diskriminierung es gibt und Tipps, wie Sie sich helfen können…

Diskriminierung: Definition, Arten, Hilfe

Diskriminierung: Definition in der Soziologie

Diskriminierung Arten Beispiele Duden strafbar Definition Soziologie synonym Frauen am ArbeitsplatzDie Soziologie versteht unter Diskriminierung die Benachteiligung oder Herabsetzung anderer. Diskriminierung kann mit Demütigung, ungerechter Behandlung und/oder Entwürdigung einhergehen, das heißt, anderen wird ein geringerer Wert beziehungsweise weniger Geltung zugesprochen.

In der Praxis kann das für die diskriminierte Person in Beschimpfungen, Beleidigungen und bis zu körperlicher Gewalt resultieren. Aber auch Ausgangssperren oder Boykottaufrufe gehören zur Diskriminierung.

Das Wort Diskriminierung leitet sich ab vom lateinischen Verb discriminare = absondern, abgrenzen, trennen, unterscheiden. Die dem Wortsinn nach neutrale Bedeutung ist seit dem späten 20. Jahrhundert zunehmend um die negative Bedeutung im Sinne von „benachteiligen, herabsetzen oder zurücksetzen“ erweitert worden.

In der ursprünglich neutralen Bedeutung wird Diskriminierung noch in anderen Forschungsbereichen wie etwa der Psychologie oder den Naturwissenschaften verwendet.

Synonyme für Diskriminierung sind:

  • Absonderung
  • Ausgrenzung
  • Benachteiligung
  • Differenzierung
  • Diskrimination
  • Entehrung
  • Geringschätzung
  • Herabsetzung
  • Herabwürdigung
  • Sonderung
  • Trennung
  • Unterscheidung
  • Verächtlichmachung
  • Willkür
  • Zurücksetzung

Diskriminierung: Arten und Formen der Benachteiligung

Diskriminierung hat viele Gesichter. Es kann zwischen verschiedenen Kategorien der Diskriminierung unterschieden werden:

  • Gruppenkategorien

    Hier wird einzelnen Menschen eine kollektive Identität zugeschrieben, in dem sie in abstrakte, nicht reale Gruppen sortiert werden. Nicht real und abstrakt deshalb, weil die Mitglieder dieser Gruppe sich untereinander nicht bekannt sind. Stattdessen handelt es sich zum Zuschreibungen von Eigenschaften von außen, in denen sie sich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden. Zu diesen Gruppen gehören beispielsweise Juden, Migranten, Muslime, Sinti und Roma.

  • Personenkategorien

    In diesem Fall werden einzelnen Personengruppen individuelle, problematische Eigenschaften zugeschrieben. Sie betreffen mögliche Behinderungen, psychisch Erkrankte, Kriminelle oder die sexuelle Identität von Menschen.

Außerdem kann Diskriminierung struktureller, institutioneller oder sprachlicher Art, direkt oder indirekt sein:

  • Strukturell

    Strukturelle Diskriminierung liegt vor, wenn die Benachteiligung bestimmter Gruppen quasi systemimmanent, weil gesellschaftlich verankert, ist. Beispielsweise war es Frauen in Deutschland bis 1919 verboten zu wählen. Auch existierte oftmals keine Möglichkeit zu studieren. Zwar waren sie nicht explizit ausgeschlossen, jedoch durften Frauen keine Professorinnen sein. Mit Verknüpfung des Abiturs als Studienvoraussetzung war Frauen im 19. Jahrhundert vorerst jede Möglichkeit zum Zugang an die Universität genommen, da Schulen für Frauen keinen Erwerb des Abiturs ermöglichten.

  • Institutionell

    Die institutionelle Diskriminierung ist häufig mit der strukturellen verwoben. Auch hier sind es weniger individuell bedingte Handlungen oder Überzeugungen, sondern mehr Strukturen und Verfahrensweisen von Institutionen. Die können dazu führen, dass selbst wenn die handelnden Personen keinerlei Vorurteile pflegen, bestimmte Gruppen benachteiligt werden. So zum Beispiel an Schulen, Betrieben und Hochschulen, wenn Deutsch als Muttersprache vorausgesetzt und gleichzeitig Nichtmuttersprachlern keinerlei Möglichkeit geboten wird, die Sprache zu erlernen.

  • Sprachlich

    Die Sozialpsychologie vertritt die These, dass diskriminierendes Handeln bereits durch Diskriminierung in der Sprache vorbereitet wird. Geringschätzige und beleidigende Begriffe wie Neger/Nigger für Menschen mit dunklerer Hautfarbe, Schlampe als Bezeichnung für Frauen, Krüppel für Behinderte sind eine Form der sprachlichen Diskriminierung. Die sprachliche Ausgrenzung findet neben eindeutigen Schmähbegriffen auch in Bemerkungen statt wie: „Dafür, dass er Türke ist, arbeitet er ganz ordentlich.“ Das heißt, die Grundannahme, dass eine bestimmte Bevölkerungsgruppe automatisch von der Norm abweicht, taucht hier sprachlich auf.

Nicht selten vereint eine Person mehrere Merkmale in sich – beispielsweise dunkle Hautfarbe und homosexuell -, die häufig Diskriminierung in verschiedenen Zusammenhängen durch andere zur Folge haben. Bei Mehrfachdiskriminierung wird von intersektioneller Diskriminierung gesprochen.

Direkte beziehungsweise unmittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn Regelungen und Verhaltensweisen sich direkt auf ein Diskriminierungsmerkmal wie das Geschlecht oder das Alter beziehen. Mittelbare oder indirekte Diskriminierung ist der Fall, wenn sich scheinbar neutrale Regelungen diskriminierend auswirken.

Gesetze zum Schutz vor Benachteiligung

Gemäß verschiedener Gesetze, die zum Schutz von Minderheiten gedacht sind, ist Diskriminierung strafbar. Das umgangssprachlich als Antidiskriminierungsgesetz bezeichnete Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hat 2006 das Beschäftigtenschutzgesetz abgelöst.

Damit soll verhindert werden, dass Menschen aufgrund…

  • des Geschlechts
  • der ethnischen oder kulturellen Herkunft
  • der Religion oder Weltanschauung
  • des Alters
  • der sexuellen Identität oder
  • einer Behinderung

benachteiligt werden.

Lange zuvor hat allerdings bereits das Grundgesetz in Artikel 3 festgestellt, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind. Weiter heißt es:

Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Daneben existiert eine Nichtdiskriminierungsklausel in der Kinderrechtskonvention, die im Wesentlichen die hier genannten Punkte auflistet.

Ähnlich formuliert es die Europäische Menschenrechtskonvention in Artikel 14.

Ausnahmen: Keine oder positive Diskriminierung

Obwohl Diskriminierung strafbar ist, gibt es dennoch etliche Beispiele von Ungleichbehandlung – und die sind zum Teil gesellschaftlich gewollt beziehungsweise akzeptabel. Dann nämlich, wenn es um besondere Schutzwürdigkeit geht, wie im Falle von Kindern, Schwangeren und Menschen mit Behinderung.

Dieser Fall liegt beispielsweise bei der Frauenquote vor, die gerne mal als Diskriminierung von Männern ausgelegt wird. Hier geht es um eine vorübergehende Ungleichbehandlung zum Zwecke des Ausgleichs.

Ähnlich verhält es sich bei jugendlichen Arbeitnehmern, schwangeren Frauen und Menschen mit Behinderung, denen beispielsweise mehr Urlaubstage und/oder andere Ruhezeiten zugestanden werden. Hier geht es nicht um Diskriminierung, sondern um gesundheitlichen Schutz, der sich faktisch begründen lässt.

Eine weitere Ausnahme, die nicht als Diskriminierung nach dem AGG betrachtet wird, ist eine Stellenanzeige, in der ein bestimmtes Merkmal aufgrund der Art der Tätigkeit unabdinglich ist. Muss beispielsweise für eine Serie die Rolle eines 50-jährigen Vaters besetzt werden, ist es zulässig, nach einem Schauspieler Ausschau zu halten.

Diskriminierung am Arbeitsplatz: AGG schafft Klarheit

Mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) 2006 wird nun ausdrücklich Arbeitnehmern, Auszubildenden und Bewerbern die Möglichkeit gegeben, gegen Diskriminierung seitens des Arbeitgebers vorzugehen.

Im Einzelfall ist es oftmals schwer nachweisbar, ob ein Arbeitnehmer tatsächlich nicht die notwendigen Qualifikationen mitbringt oder ein Arbeitgeber ihn diskriminiert.

Denn Diskriminierung kann sich bereits subtil, das heißt mittelbar äußern. So zum Beispiel, wenn für eine Stelle herausragende Kenntnisse in einem Bereich gefordert werden, die nicht unmittelbar mit der Stelle zusammenhängen. Oder die Arbeit wäre mit deutlich geringerem Anspruch ebenfalls zu erledigen.

So jedoch werden bestimmte Menschen jedenfalls von der Bewerbung ausgeschlossen. Frühere Formulierungen in Stellenanzeigen wurden in jüngerer Vergangenheit zunehmend als Diskriminierung interpretiert.

Deshalb verbietet das AGG nun beispielsweise, in einer Stellenanzeige ausdrücklich nach einem männlichen Mitarbeiter – beispielsweise Bankkaufmann – zu suchen oder bestimmte Altersangaben zu fordern.

Dennoch ist bei Formulierungen wie „Du hast gerade deinen Bachelor in … gemacht“ klar, dass sich in der Regel Bewerber angesprochen fühlen, die sich typischerweise direkt nach dem Abitur an der Universität eingeschrieben und ihren Bachelor-Abschluss gemacht haben.

Ein Arbeitgeber wird hier also eher einen 20- oder 21-jährigen Absolventen und keinen Berufseinsteiger von 38 Jahren nach einem Jobwechsel erwarten.

Diskriminierung am Arbeitsplatz

Wie erwähnt, gibt es trotz AGG einige Ausnahmen, in denen eine Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts oder anderer Merkmale möglich ist. So beispielsweise auch bei der Religion:

Konfessionelle Arbeitgeber dürfen ein Stellenangebot für einen ebenfalls christlichen Arbeitnehmer aufgeben. Teilweise kann es allerdings zu Einschränkungen dieses Vorzugs von Kirchen und Religionsgemeinschaften kommen; dann nämlich, wenn die Konfession keinerlei Auswirkungen auf die Stelle hat.

Somit dürfte ein evangelischer Kindergarten problemlos eine protestantische Erzieherin suchen. Wenn sie allerdings einen Gärtner sucht und einen muslimischen Bewerber aufgrund seines Glaubens ablehnt, könnte das Probleme geben.

Ähnlich verhält es sich in der Diskussion ums Kopftuch. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im März 2017 darf der Arbeitgeber beispielsweise das Tragen des Kopftuchs verbieten, wenn im Unternemen generell weltanschauliche Zeichen nicht erlaubt sind.

Um Diskriminierung aufgrund ausländischer Namen und der Herkunft sowie des Geschlechts zu minimieren, sind seit einigen Jahren im anglo-amerikanischen Bereich anonyme Bewerbungen üblich.

Über die Wirksamkeit streiten sich die Geister – so wurde in Nordrhein-Westfalen beispielsweise nach einer fünfjährigen Testphase die anonyme Bewerbung im öffentlichen Dienst wieder abgeschafft, weil keine Unterschiede beziehungsweise Vorteile erkennbar waren.

Kritiker der anonymen Bewerbung argumentieren, dass spätestens im Vorstellungsgespräch die Merkmale offen zutage träten, wegen derer häufig diskriminiert werde. Befürworter hingegen meinen, dass aufgrund der Diskriminierung viele Bewerber es nicht einmal ins Vorstellungsgespräch schafften.

Das jedoch gäbe oftmals die Möglichkeit, durch persönliches und gewinnendes Auftreten den Personaler von sich zu überzeugen.

Was Sie gegen Benachteiligung tun können

Trotz der Gesetzeslage ist es nicht ganz einfach, Diskriminierung nachzuweisen, denn die Beweislast liegt beim Arbeitnehmer. Selbst wenn jemand über Merkmale verfügt, wegen derer schnell diskriminiert wird, muss das nicht der Grund dafür sein, dass jemand beispielsweise bei einer Beförderung übergangen wurde.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass es bei Ihnen auf der Arbeit nicht mit rechten Dingen zugeht, können Sie Folgendes tun:

  • Suchen Sie das Gespräch.

    Bevor Sie lange spekulieren oder womöglich Gerüchte säen, sollten Sie das direkte Gespräch suchen. Ganz gleich, ob es sich um einen Kollegen handelt, der Ihnen gegenüber Vorbehalte zu haben scheint, oder Ihren Chef. Sprechen Sie konkret Ihren Verdacht an, schildern Sie Ihren Eindruck. Geht es um eine Beförderung, sollten Sie zuvor Ihre Argumente gut vorbereitet haben, die für Sie sprechen.

  • Sammeln Sie Beweise.

    Geht es allgemein um ein merkwürdiges Verhalten Ihnen gegenüber, sammeln Sie Beweise. Notieren Sie den Tag und die Situation, in der Ihr Kollege etwas gesagt oder getan hat, wobei Sie sich despektierlich behandelt fühlten. Diese Beweise sind notwendig, falls es zu einer Klage kommen sollte.

  • Wenden Sie sich an andere.

    Suchen Sie sich Hilfe. Das können andere Kollegen sein, die Sie als Zeugen unterstützen. Unterstützung moralischer Art werden Sie übrigens auch von Freunden und Familie brauchen, weshalb Sie Menschen einweihen sollten, die Ihnen nahe stehen. Als nächste Instanz sollten Sie den Betriebsrat aufsuchen und die Formen der Diskriminierung schildern.

Tragen diese Mittel im Kampf gegen Diskriminierung keine Früchte, bleibt noch der Gang zu einem Anwalt oder Sie wenden sich an die Presse. Fraglich ist allerdings, ob Sie in einem Unternehmen weiter arbeiten wollen, in dem Arbeitnehmer offen diskriminiert werden.

[Bildnachweis: ESB Professional by Shutterstock.com]
10. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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