Arbeiten mit Behinderung: Was steht Ihnen zu?

Musiker, Arzt oder Entwicklungshelfer – Traumjobs gibt es viele. Jeder kennt die Herausforderungen, denen man sich stellen muss, um die eigenen beruflichen Ziele und Träume zu verwirklichen. Noch schwieriger ist es für Menschen mit einer Behinderung. Noch immer gibt es zu viele Ressentiments bezüglich der Beschäftigung gehandicapter Arbeitnehmer. In einer Leistungsgesellschaft, in der Menschen zum Humankapital und entsprechend ihrer wirtschaftlich nutzbaren Fähigkeiten und Kenntnisse bewertet werden, haben Menschen mit einer Behinderung einen schwierigen Stand auf dem Arbeitsmarkt. In Deutschland gibt es zahlreiche Hilfsangebote für Arbeitnehmer mit Behinderung. Es bleiben jedoch noch die Fragen: Was steht mir zu? Und: Wo kann ich mich informieren?

Arbeiten mit Behinderung: Was steht Ihnen zu?

Arbeiten mit Behinderung: Daten und Fakten

Rollstuhl-Behinderte-ArbeitsplatzIm Jahr 2006 verabschiedeten die Vereinten Nationen das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, das die Lebenssituation behinderter Menschen definiert, um ihnen die gleichberechtigte Teilnehme am gesellschaftlichen Leben zuzusichert.

In Deutschland gibt es das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG). Es ist dafür da, um vor einer Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Weltanschauung, Alter, Behinderung oder sexueller Identität zu schützen. Das Gesetzt regelt sowohl Alltagssituation als auch Rechte in der Arbeit. Bezogen auf die Arbeit werden beispielsweise Auswahlkriterien, berufliche Aufstiegschancen sowie die Arbeitsvergütung durch dieses Gesetzt geregelt.

Zusätzlich gibt es eine Quote, die Arbeitgebern vorschreibt, wie viele ihrer Arbeitsplätze sie für Arbeitnehmer mit Behinderung zur Verfügung stellen müssen. Bei einer Unternehmensgröße von mehr als 20 Angestellten liegt diese Quote bei privaten Arbeitgebern bei fünf Prozent und bei öffentlichen Arbeitgebern bei sechs Prozent.

Bei Nichteinhaltung wird eine Strafzahlung für jeden nicht besetzten Arbeitsplatz in Höhe von 105 bis 260 Euro fällig. Die Quote gilt für eine Person mit einer Schwerbehinderung von 50 Prozent und mehr oder für Personen, die gleichgestellt sind, das bedeutet, die einen Grad der Schwerbehinderung von 30 Prozent haben.

Besondere Rechte von Behinderten

ParagrafArbeitnehmer mit einer Behinderung haben besondere Rechte am Arbeitsplatz:

  • Anspruch auf mehr Urlaub: Zusätzlich zu den gesetzlichen Urlaubstagen stehen Ihnen fünf weitere Tage zu.
  • Besonderer Kündigungsschutz: Ein Arbeitnehmer mit einer Behinderung kann nach Ablauf der Probezeit nur mit Einwilligung des Integrationsamtes gekündigt werden.
  • Arbeitsplatzgestaltung: Behinderten steht es zu, dass der Arbeitsplatz an ihre Bedürfnisse angepasst wird. Dabei kann es sich um die Anschaffung einer ergonomischen Tastatur oder eines speziellen Monitors für Menschen mit Sehbehinderung sowie um die Barrierefreiheit des gesamten Arbeitsplatzes für Rollstuhlfahrer handeln. Unterstützt werden sie dabei vom Integrationsamt sowie vom Arbeitgeber.

Menschen mit Behnderung: Die Zurückhaltung vieler Unternehmen

Genau diese besonderen Rechte führen zu Verunsicherung vieler Arbeitgeber. Laut der Bundesagentur für Arbeit beschäftigten im Jahr 2011 rund 26 Prozent der Arbeitgeber keine Schwerbehinderten und nur knapp über die Hälfte der Arbeitgeber mit schwerbehinderten Beschäftigten erfüllten vorgegebene Quote. 2011 blieben so im Jahresdurchschnitt 257.380 für Arbeitnehmer mit Behinderung vorgesehene Stellen unbesetzt.

Unternehmen fürchten sich besonders vor dem gesonderten Kündigungsschutz sowie den zusätzlichen Kosten durch die Umgestaltung des Arbeitsplatzes. Dies muss jedoch nicht sein, denn bei den Kosten werden Arbeitgeber vom Staat unterstützt.

Zutreffend ist, dass nachdem ein Arbeitsplatz unter Bezuschussung des Integrationsamtes behindertengerecht umgestaltet wurde, dieser für eine Dauer von sechs bis 50 Monaten auch von einem Arbeitnehmer mit Behinderung in Anspruch genommen werden muss.

Sich auf solche Handicaps zu fokussieren und einen Bewerber aus diesen Gründen abzulehnen, bedeutet das Wesentliche zu übersehen, nämlich die Tatsache, dass jeder Mensch selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen möchte.

Soll die Behinderung bereits in der Bewerbung erwähnt werden?

Extra-Tipp-IconSie sind nicht dazu verpflichtet Ihre Behinderung bereits bei der Bewerbung offenzulegen. Selbstverständlich können Sie im Anschreiben darauf hinweisen. Allerdings gehen Experten davon aus, dass die Angabe der Behinderung in der Bewerbung die Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, eher verschlechtert. Spätestens beim persönlichen Gespräch sollten Sie mit offenen Karten spielen, insbesondere wenn der Personalchef Sie explizit danach fragt.

Sollte später bekannt werden, dass Sie Ihre Behinderung vertuscht haben, kann dies ein Kündigungsgrund sein. Zusätzlich können keine Ansprüche wie extra Urlaubstage geltend gemacht werden.

Informationsangebote für Behinderte

Um gut gerüstet in die Jobsuche zu starten, sollten Sie sich vorher bei den zuständigen Stellen informieren. Hier finden Sie dazu ausführliche Informationen:

  • Agentur für Arbeit: Informationen zu Aus- und Weiterbildung, finanzieller Unterstützung sowie zur Gleichstellung.
  • Integrationsämter: Infothek mit Angeboten wie beispielsweise einem Fachlexikon und gezielten Informationen zum Thema Arbeit mit Behinderung.
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Informationen zu barrierefreien Jobs sowie zur Förderung der Ausbildung und Beschäftigung.
  • Sozialgesetzbuch: Sollten Sie sich tiefer in die Materie einarbeiten wollen, finden Sie hier die originalen Gesetzestexte.

Die folgenden Hinweise können Ihnen wiederum die Jobsuche erleichtern:

  • Suchen Sie gezielt nach Stellen, bei denen Ihr Handicap Sie nicht bei der Ausübung der Arbeit behindert und bei der Sie trotzdem mit Ihrem Wissen punkten können.
  • Nehmen Sie die Beratungsangebote der Integrationsstellen und der Bundesagentur für Arbeit wahr. Dort informiert man Sie über Förderungsmöglichkeiten.
  • Ziehen Sie in Erwägung sich bei der Formulierung Ihres Anschreibens professionelle Unterstützung zu suchen. Bewerbungscoaches können Ihnen bei der richtigen Formulierung helfen.

Der ersten Schritte in Richtung Traumjob sind immer schwierig, doch mit den geeigneten Informationen können auch Bewerber mit Behinderung den Einstieg finden.

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[Bildnachweis: Phovoir, Pressmaster by Shutterstock.com]
20. März 2014 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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