Öffentlicher Dienst: Vorteile, Jobs und Tarife

Mit dem Begriff öffentlicher Dienst verbinden viele Arbeitnehmer eine hohe Arbeitsplatzsicherheit und transparente Bezahlung. Damit liegen sie auch nicht falsch. Ob als Beamter, Angestellter oder Arbeiter: Im öffentlichen Dienst gibt es die verschiedensten Berufe und Arbeitgeber. Sogar viele attraktive: Bei einer Umfrage gaben erst kürzlich rund 80 Prozent der Führungskräfte in der freien Wirtschaft an, dass sie sich vorstellen könnten, auch einmal in den Staatsdienst zu treten. Aus gleich mehreren Gründen. Warum der öffentliche Dienst für viele ein interessanter Arbeitsbereich ist…

Öffentlicher Dienst: Vorteile, Jobs und Tarife

Öffentlicher Dienst: Was versteht man darunter?

Öffentlicher Dienst: Was versteht man darunter?Öffentlicher Dienst ist ein Sammelbegriff, der stellvertretend für alle Arbeitsverhältnisse und Strukturen steht, die ein intakter Staat benötigt. Dazu gehört, dass…

  • es ein funktionierendes Bildungs- und Gesundheitswesen gibt (Schulen, Krankenhäuser),
  • ausgebaute Verkehrsnetze und Transportwege existieren (Verkehrsplanung),
  • ein Staat seine Bürger schützen kann, sowohl vor Angriffen von außen als auch von innen (Bundeswehr, Polizei, Feuerwehr),
  • dies auf Grundlage existierender Gesetze passiert (Verwaltung, Gerichte).

Beschäftigte im öffentlichen Dienst nehmen Aufgaben in der Verwaltung und im Staat ein. Diese Tätigkeiten kommen der Gesamtheit, also der Öffentlichkeit zugute.

Damit sind sie mit dafür verantwortlich, dass die staatlichen Leistungen in Deutschland in der gewohnten Form aufrecht erhalten bleiben. Kurzum, Beschäftigte im öffentlichen Dienst tragen zum Wohl des Gemeinwesens bei.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes ist ungefähr die Hälfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst im Landesbereich (2.387.540) angestellt. Die übrigen Beschäftigten teilen sich auf den

  • kommunalen Bereich (1.487.590),
  • den Bundesbereich (493.405)
  • und die Sozialversicherungen (370.065)

auf. Früher wurde der Begriff öffentlicher Dienst sehr weit gefasst, da das Beamtentum wesentlich stärker verbreitet war. So zählten auch Beschäftigte der Post (später Telekom) und Bahn dazu.

Tarif und TVöD-Entgelttabellen im öffentlichen Dienst

Der TVöD ist der Tarifvertrag, der für die Angestellten im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen gültig ist. Das sind zwar nicht alle Angestellte, aber immerhin ein großer Teil von ihnen. Nämlich 2,3 von insgesamt 4,69 Millionen Beschäftigte werden aktuell auf der Grundlage des TVöD bezahlt.

Im Abstand von zwei Jahren wird der Tarifvertrag zwischen den Tarifparteien neu verhandelt. Auf der einen Seite sind das die Gewerkschaften

  • Beamtenbund
  • Gewerkschaft der Polizei (GdP)
  • Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
  • IG BAU
  • ver.di

und auf der anderen Seite die Arbeitgeber

  • Bundesinnenministerium
  • Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA)

Ein großer Pluspunkt für Beschäftigte im öffentlichen Dienst ist die transparente Lohnentwicklung. Dadurch können Sie leicht einsehen, was Sie in den nächsten Jahren verdienen werden. Denn die Stufen innerhalb der jeweiligen Entgeltgruppe folgen einem ganz einfachen Schema: Je länger Sie bei Ihrem Arbeitgeber beschäftigt sind, umso höher die Stufe, nach der Sie bezahlt werden.

Weiterer Vorteil: Gehaltsanstiege stellen sich schnell und vor allem ohne eine vorhergehende Gehaltsverhandlung ein. Bereits nach einem Jahr werden Beschäftigte schon nach der zweiten Stufe bezahlt und nach insgesamt drei Jahren beim Arbeitgeber oder Dienstherr folgt schon die nächste Stufe.

Natürlich kann es nicht in dieser rasanten Geschwindigkeit weiter gehen. Trotzdem ist die höchste Stufe im öffentlichen Dienst nach insgesamt 15 Jahren beim Arbeitgeber erreicht.

Außerdem sollten Beschäftigte die folgende Ausnahme kennen: In der Entgeltgruppe E1 gibt es keine Stufe 1. Um in eine höhere Stufe befördert zu werden, müssen Angestellte grundsätzlich vier Jahre warten.

Grundsätzlich kann man bei dem Tarifvertrag des öffentlichen Diensts zwei Entgelttabellen unterscheiden:

  • Die Entgelttabelle für die Kommunen (VKA)
  • Die Entgelttabelle des Bundes

Anhand dieser Tabellen können Sie ablesen, wie viel Sie im öffentlichen Dienst verdienen können – natürlich in Abhängigkeit von der Beschäftigungsdauer.

Entgelttabelle für die Kommunen (VKA)

Stufe 1
Stufe 2
Stufe 3
Stufe 4
Stufe 5
Stufe 6
E 15Ü5943,836588,417199,087606,227701,19
E 154788,355141,235481,386004,846517,616854,95
E 144335,984655,425025,895451,945950,886293,73
E 133996,724335,424685,325093,035586,515842,91
E 123582,233956,454407,894890,865465,085734,95
E 113457,103803,914119,434477,634972,555242,43
E 103331.933613,933915,014238,324628,444749,89
E 9c3233,213480,403750,804026,594337,534545,92
E 9b3020,163258,723403,993824,854085,404370,07
E 9a2926,823133,753324,853748,353843,434086,04
E 82769,152971,273102,323231,303370,303439,92
E 72598,382822,582958,183089,213209,213279,17
E 62549,582739,942866,462990,933107,943173,47
E 52445,992630,062748,572873,032985,283045,87
E 42329,992514,192663,272755,212847,132900,97
E 32293,392488,412537,242642,502721,492793,85
E 2Ü2148,832368,882447,932553,332625,772679,82
E 22122,602316,972366,142432,352577,862730,08
E 11903,091935,391975,782013,432110,33


Die TVÖD Entgelttabelle der Kommunen haben wir hier noch einmal als kostenloses PDF für Sie zum Download bereitgestellt.

Neben einer Entgelttabelle für den Bereich der kommunalen Arbeitgeberverbände (KVA) gibt es auch eine entsprechende Gruppierung und Entgelttabelle für Angestellte des Bundes:

Entgelttabelle des Bundes

Stufe 1
Stufe 2
Stufe 3
Stufe 4
Stufe 5
Stufe 6
E 15Ü5869,176513,787124,447531,577626,56
E 154788,355141,235481,366004,846517,616854,95
E 144335,984655,425025,895451,945950,886293,73
E 133996,724335,524685,325093,035586,515842,91
E 123582,233956,454407,894890,865465,085734,95
E 113457,103803,914119,434477,634972,555242,43
E 103331,933613,933915,014238,324628,444749,89
E 9c2952,163416,403689,634022,454365,604498,65
E 9b2952,163196,803451,453764,114088,704358,55
E 9a2952,163167,803222,843398,613751,333877,90
E 82769,142971,273102,323231,303370,303439,92
E 72598,382822,592958,183089,213209,213279,17
E 62549,582739,942866,462990,933107,943173,47
E 52445,992630,062748,572873,032985,283045,87
E 42329,992514,192663,272755,212847,132900,97
E 32293,392488,412537,242642,502721,492793,85
E 2Ü2148,322368,882447,932553,332625,772730,08
E 22122,602316,972366,142432,352577,862730,08
E 11903,091935,391975,782013,432110,33


Auch diese Entgelttabelle für den Bund haben wir als kostenloses PDF zum Herunterladen bereitgestellt.

Vorteile des Beschäftigungsverhältnisses

Seinen Beschäftigten bietet der öffentliche Dienst eine ganze Reihe von Vorteilen. Sie zu kennen, kann die Entscheidung erleichtern, sich für einen Job in diesem Sektor zu bewerben.

  • Die Bezahlung

    Wie aus den oben aufgeführten Tabellen ersichtlich, ist die Bezahlung (oder die Besoldung) im öffentlichen Dienst überaus transparent und nachvollziehbar. Für viele Menschen ist genau das ein wichtiges Argument, da damit die Gehaltserhöhungen ganz von allein kommen.

  • Die Sicherheit

    Das Geld wird pünktlich gezahlt. Vor allem als Beamter im öffentlichen Dienst muss man sich in den allermeisten Fällen um Arbeitslosigkeit keine Gedanken machen. Gerade bei Wirtschaftskrisen zahlt sich ein Dienstverhältnis mit dem Staat aus. Denn das Dienstverhältnis bedeutet nicht nur persönliche Sicherheit, sondern gibt vor allem Planungssicherheit, so dass Familiengründung und langfristige Pläne deutlich einfacher angegangen werden können.

    In den alten Bundesländern können sich Angestellte und Beamte, die auf Bundes- oder Landesebene beschäftigt sind, noch auf das Prinzip der Unkündbarkeit berufen. Nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit und ab einem Alter von 40 Jahren haben sie kaum noch etwas zu befürchten.

  • Die Jahressonderzahlung

    Jeder Beschäftigte im öffentlichen Dienst erhält Weihnachtsgeld. Das ist im Tarifvertrag TVöD geregelt.

    Für Beschäftigte im Westen von Deutschland liegt das Weihnachtsgeld bei 60 bis sogar 90 Prozent des durchschnittlichen monatlichen Einkommens. Im Osten wird weniger gezahlt.

  • Die Arbeitsbedingungen

    Auch die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst können sich sehen lassen. Angestellte, die nach dem TVöD eingruppiert werden, haben einen jährlichen Urlaubsanspruch von 30 Tagen.

    Daneben profitieren die meisten Beschäftigten von flexiblen Arbeitszeitmodellen. Beispielsweise ist im Tarifvertrag das sogenannte Zeitwertkonto vorgesehen. Damit wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert.

  • Die Mitbestimmungsrechte

    Mitbestimmung der Arbeitnehmer wird im öffentlichen Dienst groß geschrieben. So ist es nicht verwunderlich, dass Personalräte sehr gut angesehen sind und sich für die Belange der Beschäftigten einsetzen.

    Die Personalräte, die übrigens schon in Betrieben ab fünf Mitarbeitern eingesetzt werden können, sichern die hohe Qualität der Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst.

  • Die Vergünstigungen

    Ist der Arbeitgeber im öffentlichen Dienst ein kommunales oder öffentliches Unternehmen wie beispielsweise die Stadtwerke, Betreiber von öffentlichen Bädern oder Verkehrsbetrieben, so profitieren die Mitarbeiter häufig von weiteren geldwerten Vorteilen:

    • vergünstigter Eintritt ins Schwimmbad
    • günstigere Strom-, Gas- und Wassertarife
    • Monatskarten für den öffentlichen Nahverkehr
    • Dienstwagen
    • Werkwohnung

Berufe im öffentlichen Dienst: Wer gehört dazu?

Wie eingangs erwähnt, sind im öffentlichen Dienst die Jobs und Berufe sehr vielfältig. Sie lassen sich in fünf verschiedene Gruppen aufteilen, die staatsrechtlich betrachtet den öffentlichen Dienst ausmachen. Im Einzelnen sind das die folgenden:

  1. Beamte

    Häufig werden sie auch als Staatsdiener bezeichnet, wenngleich längst nicht jeder Beamte direkt beim Bund angestellt ist, sondern ebenso gut beim Land, beim Landkreis oder einer Gemeinde beschäftigt sein kann. Allen gemeinsam ist, dass sie eine Ernennungsurkunde als Beamter besitzen und in einem besonderen Dienst- und Treueverhältnis zu ihrem Dienstherren (= Arbeitgeber) stehen. Verbunden ist damit ein rechtlicher Status, der sie von anderen Arbeitnehmern unterscheidet und in mancherlei Hinsicht sogar einschränkt. Verbeamteten Lehrern ist es beispielsweise verboten zu demonstrieren.

  2. Richter

    Grundsätzlich unterscheidet man zwischen den sogenannten Berufsrichtern und den Schöffen, die als ehrenamtliche Richter nötig sind. Da zu einer Beschäftigung im öffentlichen Dienst gehört, dass nur Personen dazu gezählt werden, die ständig den Dienst ausüben, können Schöffen nicht zu dieser Personengruppe gezählt werden. Das Ehrenamt üben sie nur sporadisch aus.

    Richter gelten zwar nicht als Beamte, sind ihnen allerdings in etlichen Bereichen wie etwa Besoldung und Versorgung gleichgestellt. Es folgt eine vierjährige Probezeit, in deren ersten zwei Jahren er ohne Angabe besonderer Gründe entlassen werden kann. Im dritten beziehungsweise vierten Jahr ist noch eine Entlassung wegen mangelnder Eignung möglich – gibt es keine Bedenken, werden Richter üblicherweise auf Lebenszeit ernannt. Eine Ausnahme bilden Richter am Bundesverfassungsgericht, die nicht auf Lebenszeit, sondern nur für zwölf Jahre ernannt werden.

  3. Soldaten und Wehrpflichtige

    Diese Personengruppe ist sehr genau definiert. Hierzu zählen nur diejenigen Personen, die (früher) auf der Grundlage der Wehrpflicht oder aufgrund einer freiwilligen Verpflichtung in ein Wehrdienstverhältnis eingetreten sind und damit der Wehrpflicht unterliegen.

  4. Kirchenbeamte

    Da die christlichen Kirchen in Deutschland über den Status einer Körperschaft verfügen, dürfen sie Beamte ernennen. Die Kirche wird dadurch zum Dienstherr im klassischen Sinne. Somit können sowohl Personen, die für die evangelische als auch Personen, die für die katholische Kirche tätig sind, als Beschäftigte im öffentlichen Dienst gelten.

  5. Angestellte und sonstige Beschäftigte

    Angestellte und sonstige Beschäftigte gelten dann als Beschäftigte im öffentlichen Dienst, wenn sie nach einem speziellen Tarifvertrag vergütet werden.

    Das kann entweder

    • der Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD) oder
    • der Tarifvertrag für die Länder (TV-L)

    sein. Daneben qualifiziert auch die Anwendung einer der folgenden Tarifverträge dazu, als Beschäftigter im öffentlichen Dienst zu gelten:

    • Arbeitsvertragsrichtlinien des Deutschen Caritasverbandes (AVR)
    • Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst des Landes Hessen (TV-H)
    • Tarifvertrag Nahverkehr (TV N)
    • Tarifverträge – AGV – Arbeitgeberverband AWO Deutschland e.V. (TV AWO)

Personen, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, können ganz unterschiedliche Berufe ausüben. Allein für Beamtenlaufbahnen werden 30 Ausbildungsgänge angeboten, die Bundesverwaltung hat 80 Ausbildungsberufe und in den Bundesbehörden sind es sogar 130 staatlich anerkannte Ausbildungen.

So können Sie zum Beispiel als

arbeiten. Sie können Anwärter, Arbeiter, Praktikant, Beamter oder Angestellter sein. Dies sagt weniger über ihren Beruf als über ihren (rechtlichen) Status aus: Lehrer waren früher beispielsweise grundsätzlich verbeamtet, mittlerweile werden sie häufig auch im Angestelltenverhältnis beschäftigt.

Damit gehen nicht nur veränderte Rechte und Pflichten, sondern meist auch eine geringere Bezahlung einher. Dennoch bleiben sie Beschäftigte im öffentlichen Dienst.

Ebenso vielfältig wie die Berufe sind die Arbeitgeber. Dazu gehören:

  • Kommunen
  • Bundesländer
  • Bund
  • Öffentlich-rechtliche Stiftungen
  • Öffentlich-rechtliche Körperschaften
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Sozialversicherungsträger
  • Deutsche Bundesbank
  • Anstalten des öffentlichen Rechts

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25. April 2019 Karrierebibel Autoren Logo Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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