Erzieherin: Ausbildung, Gehalt, Karriere, Bewerbung

Man könnte meinen, das Berufsbild der Erzieherin wäre vergleichsweise einfach: ein bisschen Spielen hier, ein bisschen Basteln dort. Die Arbeit mit Kindern wird jedoch oft unterschätzt. Es wird häufig vergessen, dass es sich bei einer Erzieherin meist um die erste Vorbildsperson außerhalb der Familie handelt, deren Ausbildung durchaus anspruchsvoll und abwechslungsreich ist. Zudem bietet der Beruf ausgezeichnete Jobchancen.

Erzieherin: Ausbildung, Gehalt, Karriere, Bewerbung

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Ausbildung: Wie wird man Erzieherin?

Wer eine Ausbildung zur Erzieherin beginnen möchte, benötigt mindestens einen Realschulabschluss. Da der Frauenanteil in diesem Berufsbild bei über 80 Prozent liegt, werden insbesondere männliche Bewerber von den Erzieher-Schulen händeringend gesucht.

Die Schwerpunkte in der theoretischen Ausbildung haben einen starken entwicklungspsychologischen und pädagogischen Fokus. Angehende Erzieherinnen lernen so zum Beispiel, die Verhaltensweisen von Kindern unterschiedlichen Alters zu interpretieren, Konfliktsituationen einzuschätzen und sich entsprechend zu verhalten, um so die Kinder in jeder Lebenslage zu begleiten und zu betreuen.

Daher ist ein Fachpraktikum beziehungsweise ein sozialpädagogisches Jahr fester Bestandteil der Ausbildung. Nur so kann das theoretisch erlernte Wissen in der Praxis angewandt werden.

Die Erzieher-Ausbildung beansprucht in der Regel zwischen zwei und fünf Jahren. In einigen Bundesländern gliedert sich die Ausbildung dabei in ein ein- bis zweijähriges Vorpraktikum mit Theorieanteil, an das sich ein meist zweijähriger Schulbesuch in Vollzeit anschließt. Darauf folgt ein Anerkennungsjahr.

Neben den – je nach Bundesland – unterschiedlichen, klassischen Ausbildungsangeboten der Fachakademien, Berufskollegs, Berufsfachschulen und Fachschulen für Sozialpädagogik gibt es noch zwei weitere Möglichkeiten, den Beruf zu erlernen:

Zum einen bieten manche Bundesländer seit einiger Zeit die sogenannte Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) an, die sich insbesondere an Bewerberinnen richtet, die bereits über Berufserfahrung verfügen.

Im Gegensatz zur klassischen Erzieher-Ausbildung, ist die PiA eine dreijährige duale Ausbildung, bei der die Teilnehmerinnen neben der Schule noch regelmäßig in einer Kindertagesstätte (KITA) arbeiten. Daher erhalten die PiA-Erzieherinnen im Gegensatz zur klassischen Schulausbildung mit Praktika eine Vergütung. Da sie einen Arbeitsvertrag abschließen, haben sie aber im Gegensatz zu ihren Kolleginnen in der klassischen Ausbildung nicht in den Schulferien frei, sondern haben den üblichen frei verfügbaren, aber geringeren Urlaubsanspruch.

Eine zweite Variante ist die akademische Ausbildung: das Studium der Pädagogik der frühen Kindheit. Die sogenannten Kindheitspädagogen können ihr Studium vor allem an pädagogischen Hochschulen und an Hochschulen für Soziale Arbeit absolvieren. Hierfür ist mindestens eine Fachhochschulreife erforderlich.

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Berufsbild: Was macht eine Erzieherin?

Erzieherinnen sind pädagogische Fachkräfte, die tagtäglich ein beachtliches Pensum ableisten. In der Arbeit mit den ihnen anvertrauten Kindern müssen sie gewissenhaft und sorgsam sein. Dabei müssen sie zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten in kurzer Zeit hin und her switchen:

  • Sie entwickeln im Team gemeinsam mit der Leitung für die Einrichtung Förderkonzepte
  • Sie bieten gezielte Lernaktivitäten für die Kinder an
  • Sie fördern die motorische und kognitive Entwicklung der Kinder
  • Sie sind als Streitschlichterinnen gefragt
  • Sie führen Elterngespräche, um eine Kooperation in der Erziehung der Kinder zu gewährleisten
  • Sie ergänzen die Erziehung des Elternhauses mit erweitertem Wissen
  • Sie bereiten die Kinder auf die Anforderungen der Schule vor
  • Sie achten auf Integration von Minderheiten und Inklusion

Dabei ist der Beruf nichts für schwache Nerven und ein sensibles Immunsystem. Die körpernahe Arbeit mit Kindern sorgt oft dafür, dass Erzieherinnen überdurchschnittlich oft von Erkältungen geplagt sind. Zudem ist das Arbeitsumfeld laut und lebhaft.

Dennoch bereitet gerade diese Lebhaftigkeit vielen Erzieherinnen Freude, insbesondere wenn sie sehen, wie ihre pädagogische Arbeit bei den Kindern schnelle Entwicklungsfortschritte ermöglicht.

Der Arbeitsmarkt für Erzieherinnen ist durchweg positiv. Deutschlandweit gibt es mehr offene Stellen als Bewerberinnen. Jobanwärterinnen können sich also gewissermaßen ihren Arbeitsplatz aussuchen und inhaltlich gewisse Ansprüche geltend machen.

Jedoch sind Bezahlung und unter Umständen die Arbeitszeiten eher die Kehrseite der Medaille. Ganztagsbetreuungen und vereinzelte Wochenendausflüge gehören zum Berufsbild dazu.

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Gehalt: Was verdient eine Erzieherin?

Das Gehalt einer Erzieherin fällt im Vergleich zu ihrer Verantwortung eher gering aus. In der Ausbildungszeit bekommen die Schülerinnen erst im praktischen Jahr oder wenn sie eine PiA absolvieren eine Vergütung. Diese beläuft sich auf rund 1.400 bis 1.500 Euro brutto pro Monat.

Als eine Option besteht für die angehenden Erzieherinnen die Möglichkeit, Meister-BAföG zu beantragen, welches jedoch nach dem Abschluss teilweise zurückbezahlt werden muss.

Da sich die meisten Einrichtungen in kirchlicher oder staatlicher Trägerschaft befinden, bemisst sich der Lohn nach der Ausbildung zumeist nach Tarifvertrag. So kann man je nach Bundesland von einem Einstiegsgehalt von circa 2.300 bis 2.600 Euro brutto monatlich ausgehen.

Private Träger bezahlen häufig deutlich weniger, bieten dafür aber oftmals mehr Flexibilität in der Arbeit. Hier sollte sich die angehende Erzieherin gründlich über die Arbeitsbedingungen und die Mitbewerber informieren und sich intensive Gedanken machen, welchen Mehrwert sie der Einrichtung anbieten kann, um in der Gehaltsverhandlung entsprechend punkten zu können.

Nach einigen Jahren Berufserfahrung ist für eine Erzieherin eine Gehaltssteigerung auf rund 2.800 bis 3.400 Euro brutto möglich.

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Karriere: Chancen und Aussichten als Erzieherin?

Die Berufschancen für eine Erzieherin sind exzellent. Viele Bewerberinnen können sich zwischen mehreren Angeboten entscheiden. Die meisten Arbeitsstellen finden sich im traditionellen Bereich wie zum Beispiel:

  • Krippen
  • Kindertagesstätten
  • Kinderheime
  • Horte

Darüber hinaus bietet sich der Erzieherin eine Vielzahl an Entwicklungschancen. In einigen Teilen Deutschlands berechtigt die erfolgreich abgeschlossene Erzieherausbildung in Kombination mit einer Zusatzprüfung zu einem Hochschulstudium. Verwandte Studiengänge sind:

  • Pädagogik
  • Soziale Arbeit
  • Psychologie

Im Anschluss daran lassen sich weitere Berufsfelder im pädagogischen Bereich erschließen.

Ferner können Erzieherinnen eine einjährige Fachwirt-Weiterbildung absolvieren, die sie dazu berechtigen, eine Leitungsposition auszuüben und eine Einrichtung zu führen.

Andere Weiterbildungen und Spezifikationen sind auf folgenden Gebieten möglich:

  • Gesundheitspädagogik
  • Medienkompetenz
  • Musik- oder Theaterpädagogik
  • Entspannungstherapie
  • Sprech- und Sprachkompetenz
  • Begabtenförderung

Mit diesen Spezialfähigkeiten lassen sich Tätigkeiten in besonderen Behinderteneinrichtungen oder Institutionen, die sich der Migration von Kindern, die Minderheiten angehören, ausführen.

Stellenangebote für Erzieherinnen.
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Bewerbung als Erzieherin: Tipps, Formulierungen, Vorlage

Für das Berufsprofil sind folgende Talente und Fähigkeiten eine notwendige Voraussetzung und sollten Eingang in die Bewerbungsunterlagen finden:

  • Sensibilität
  • Einfühlungsvermögen
  • pädagogisches Gespür
  • Geduld
  • Durchsetzungsvermögen
  • Kreativität
  • Musikalität
  • Frustrationstoleranz
  • Zeitmanagement
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Konfliktfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • handwerkliches Geschick

BILDUm sich für das Berufsbild Erzieherin bewerben zu können, haben wir für Sie zudem ein Musteranschreiben verfasst, das Sie sich hier auch gleich bequem als Word-Dokument oder PDF-Datei kostenlos herunterladen und privat nutzen können. Bitte beachten Sie: Unser Anschreiben dient in erster Linie als Vorlage und Formulierungshilfe. Ihre eigene Bewerbung sollten Sie individuell anpassen.

Gerade die Soft Skills sollten im Anschreiben der Bewerbung deutlich gemacht werden. Sie lassen sich zum Beispiel folgendermaßen formulieren:

Meine Geduld und meine Liebe zur Arbeit mit Kindern geben mir täglich die Energie, um mit Freude und Motivation in die Gruppe zu kommen. Ich freue mich, wenn ich sehe, wie unsere Arbeit die Entwicklung der Kinder jeden Tag positiv beeinflusst.

In meiner Erzieherausbildung habe ich mir ein umfangreiches Fachwissen angeeignet. Doch das wichtigste ist für mich, stets offen, vorbehaltlos und proaktiv auf die Kinder zuzugehen.

[Bildnachweis: Lordn by Shutterstock.com]

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22. September 2020 Tilman Schulze Autor: Tilman Schulze

Tilman Schulze arbeitet freiberuflich als Kommunikationstrainer, Coach und Mediator in Freiburg und Umgebung. Er ist Autor verschiedner Bücher.

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