Pfarrer: Ausbildung, Gehalt, Karriere, Bewerbung

Nicht jeder kann sich vorstellen, in der Kirche zu arbeiten, doch für manche ist der Beruf als Pfarrer wie eine Berufung. Der Weg bis zum Arbeit als Pfarrer ist lang, dafür sind die Aufgaben vielfältig, oftmals mit sehr schönen Momenten verbunden, teilweise aber auch traurig und emotional. In den letzten Jahren stand die Kirche immer wieder in der Kritik, was sich nicht nur in sinkenden Zahlen der Gemeindemitglieder, sondern auch Nachwuchssorgen für die Position des Pfarrers. Wenn Sie als Pfarrer arbeiten, eine Gemeinde betreuen, Menschen in Glaubensfragen unterstützen und begleiten wollen, erfahren Sie hier alles, was Sie zum Beruf Pfarrer wissen sollten…

Pfarrer: Ausbildung, Gehalt, Karriere, Bewerbung

Ausbildung: Wie wird man Pfarrer?

Der berufliche Einstieg in eine Laufbahn als Pfarrer beginnt nicht in der Kirche, sondern auf dem akademischen Weg über ein Studium der Theologie. Die Regelstudienzeit beträgt dabei zehn Semester und ist somit deutlich länger als Bachelor-Studiengänge, die meist auf sechs Semester angelegt sind. Oftmals dauert das Theologie-Studium in der Praxis sogar noch länger. Grund dafür sind die benötigten Sprachkenntnisse.

Während des Studiums müssen sich angehende Pfarrer Kenntnisse in Latein, Griechisch und Hebräisch aneignen. Die weiteren Studieninhalte können sich zwischen evangelischer und katholischer Theologie unterscheiden. Die Inhalte für ein Studium der evangelischen Theologie sind breit gefächert und umfassen:

  • Umfassendes Studium des neuen und alten Testaments
  • Einführung in die theologische Forschung und Lehre
  • Kirchengeschichte
  • Systematische und praktische Theologie
  • Grundlagen des theologischen Denkens
  • Philosophie und Ethik
  • Rhetorik sowie Textauslegung und -verständnis
  • Philologie
  • Religionspädagogik
  • Religionswissenschaft
  • Ökumenische Theologie

Hinzu kommen im weiteren Studienverlauf vertiefende Inhalte zu unterschiedlichen theologischen Themengebieten. Zudem ist eine Spezialisierung im Masterstudiengang möglich.

Nach Abschluss des erfolgreichen Studiums beginnt jedoch nicht sofort der Einstieg in die Arbeit als Pfarrer. In der evangelischen Kirche steht zunächst das sogenannte Vikariat an, dabei handelt es sich um einen Vorbereitungsdienst. In einer Gemeinde sammeln Sie praktische Erfahrungen zu möglichst allen Bereichen und Aufgaben im späteren Pfarramt. Dabei werden Sie von einem bereits erfahrenen Pfarrer begleitet und unterstützt.

Zusätzlich nehmen Sie an Seminaren teil, um Ihre Fähigkeiten weiter zu schulen und gezielt auf den Einstieg in den Beruf als Pfarrer vorbereitet zu werden.

In der katholischen Kirche werden vor der Priesterweihe eine Praxiszeit im Rang des Kaplans sowie theoretische und praktische Prüfungen durchlaufen.

Berufsbild: Was macht ein Pfarrer?

Als Pfarrer haben Sie zahlreiche Aufgaben und damit einen sehr abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Zu den Hauptaufgaben zählt in erster Linie die Leitung der Pfarrei und der Gemeinde, für die Sie zuständig sind.

Die Tätigkeit setzt sich aus vielen unterschiedlichen Bereichen und Aufgaben zusammen:

  • Vorbereitung und Durchführung von Gottesdiensten
  • Schreiben und Üben von Predigten – mit religiösem Blick auf aktuelle Themen
  • Verwaltung und Organisation der Gemeinde
  • Führung von Kirchenbüchern
  • Dienstrechtliche Aufsicht der Mitarbeitenden
  • Seelsorge
  • Vorgespräche mit Angehörigen und Durchführung von Beerdigungen
  • Eheschließungen
  • Taufen
  • Kommunion beziehungsweise Konfirmation
  • Unterricht und Seminare zur Vorbereitung für Kommunion und Konfirmation
  • Ansprechpartner für Fragen und bei Sorgen
  • Organisation von Aktivitäten innerhalb der Gemeinde

Bei einigen dieser Aufgaben werden Sie zudem von ehrenamtlichen Mitarbeitern, Mitgliedern der Gemeinde oder Assistenten unterstützt.

Gehalt: Was verdient ein Pfarrer?

Pfarrer fühlen sich ihrer Aufgabe meist sehr verpflichtet und gehen dem Beruf nicht wegen der Bezahlung, sondern aus Überzeugung nach. Trotzdem bekommt ein Pfarrer natürlich ein Gehalt für seine Arbeit – und dieses kann sich durchaus sehen lassen.

Der Grund: Die Bezahlung eines Pfarrers wird vom Staat getragen und orientiert sich dabei an der Bezahlung von Beamten. Zugrunde gelegt wird dabei die Besoldungsgruppe A13, was genau dies für das Gehalt eines Pfarrers heißt, kann sich je nach Bundesland und Gemeinde unterscheiden. Während in einigen Bereichen etwas mehr für diese Besoldungsgruppe gezahlt wird, fallen die Gehälter in anderen Bundesländern etwas geringer aus.

Trotzdem verdient ein Pfarrer nirgendwo schlecht. In den ersten Jahren nach dem Einstieg ins Pfarramt sind je nach Region circa 2.700 Euro bis 3.400 Euro brutto pro Monat zu erwarten. Im Laufe der Zeit steigt die Bezahlung für Pfarrer weiter an und es ist ein Gehalt von 4.500 Euro bis 5.000 Euro monatlich möglich.

Zusätzlich dürfen sich Pfarrer vielerorts über weitere Zahlungen für Weihnachts- und Urlaubgsgeld freuen. Auch Zuschüsse zum Wohnraum sind ein häufiger Pluspunkt für Pfarrer.

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Karriere: Chancen und Aussichten als Pfarrer?

Wie andere Berufe, Branchen und Arbeitgeber leidet auch die Kirche unter Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen. Es gibt bereits seit einigen Jahren nicht mehr genügend junge Pfarrer, um die freien Stellen zu füllen, die aufgrund zahlreicher Eintritte in den Ruhestand entstehen.

Zudem schreiben sich nicht genügend Interessenten für ein Theologie-Studium ein, um in Zukunft ausreichend Pfarrer zur Verfügung stellen zu können. Das bedeutet auf der einen Seite, dass möglicherweise Gemeinden zusammengelegt werden und von einem Pfarrer betreut werden müssen – gleichzeitig verspricht es aber beste Aussichten für angehende Pfarrer.

Wenn Sie in der evangelischen Kirche als Pfarrer arbeiten, können Sie verschiedene weitere Aufgaben übernehmen und beispielsweise Dekan oder Bischof werden – damit ist jedoch kein direkter Aufstieg in einer Hierarchie verbunden.

Anders sieht es bei der katholischen Kirche aus, in der ein Aufstieg möglich ist. Hier beginnen Sie als Diakon oder Vikar, werden zum Pfarrer, anschließend vielleicht zum Dekan oder Bischof. In der Theorie steht Ihnen sogar die Möglichkeit offen, in Zukunft zum Papst gewählt zu werden.

Bewerbung als Pfarrer: Tipps, Formulierungen, Vorlage

Als Pfarrer arbeiten Sie natürlich vor allem in der Kirche, doch auch in Schulen beim Religionsunterricht oder in Krankenhäusern kann Ihre Betreuung und Unterstützung gefragt sein. Neben Ihrem Interesse und umfangreichen Wissen über religiöse Themen stehen dabei vor allem soziale Komponenten im Mittelpunkt, die Sie als Pfarrer unbedingt mitbringen sollten.

Dazu zählen…

Freie Stellen für Pfarrer werden beispielsweise im Amtsblatt mit allen nötigen Informationen veröffentlicht. Hilfreich und sinnvoll kann es sein, im Vorfeld die Gemeinde zu besuchen, mit dem Dekan und dem aktuellen Pfarrer das Gespräch zu suchen und so schon einmal persönlichen Kontakt aufzubauen und Interesse zu bekunden.

Im Anschluss erfolgt eine schriftliche Bewerbung, in der Sie sich noch einmal offiziell für die Pfarrstelle bewerben. Wichtige Punkte sind dabei natürlich Ihr abgeschlossenes Theologiestudium sowie die bisher gesammelten praktischen Erfahrungen. Ein weiterer Fokus liegt auf Ihren Fähigkeiten und Eigenschaften, die Sie nutzen und einbringen wollen, um die Gemeinde zu fördern.

Auch interessiert es die entscheidende Personalkommission, warum Sie sich genau für diese Gemeinde bewerben.

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9. April 2020 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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