Praktikum: Tipps zu Bewerbung, Bezahlung & Berufseinstieg

Das Praktikum ist für viele Studenten und Absolventen der Einstieg in den Job. Hier haben Praktikanten zum ersten Mal Berührung mit der beruflichen Praxis in einem bestimmten Job oder eine speziellen Branche. Dabei gibt es allerdings unterschiedliche Formen für ein Praktikum: freiwillige Praktika ebenso wie Pflichtpraktika (für Schüler und Studenten). Diese werden überdies unterschiedlich bezahlt. Kurzum: Wer den Job fürs Leben suchen und sich einen Traumjob angeln will, kommt an einem Praktikum kaum vorbei. Was Praktikanten in spe darüber wissen müssen: Rechte, Pflichte, Bezahlung, Urlaub, Auslandspraktikum – all das finden Sie hier…

Praktikum: Tipps zu Bewerbung, Bezahlung & Berufseinstieg

Definition: Was genau ist ein Praktikum?

Definition: Was genau ist ein Praktikum?Praktika sind dazu gedacht – in der Schulzeit, während des Studiums oder kurz vor dem Berufseinstiegfür eine begrenzte Zeit in Berufe oder Branchen hinein zu schnuppern sowie in den Betrieben erste Berufserfahrungen zu sammeln.

Ziel ist es, neue Kenntnisse und Fähigkeiten zu erarbeiten, die für den Beruf oder eine Branche wichtig und typisch sind. Oder bestehendes Wissen und Handwerkszeug zu erweitern und zu vertiefen. Im Vordergrund steht dabei der Einsatz in der Praxis, damit das Erlernte nicht nur Theorie bleibt.

Selbst wer schon weiß, welchem Beruf er später einmal nachgehen möchte, kann von einem Praktikum profitieren: Berufseinsteiger beispielsweise, die bisher noch kein Berufserfahrung sammeln konnten, haben es auf dem Arbeitsmarkt oft schwer. Ein Praktikum wertet ihre Bewerbung und den Lebenslauf auf und erhöht die Erfolgsaussichten.

Genauso kann es sinnvoll sein, zwischen zwei Jobs oder bei einer länger dauernden Jobsuche, ein Praktikum zu machen. So wird die Lücke im Lebenslauf nicht zu groß. Und Bewerber können nachweisen, dass Sie sich in der Zeit weiterentwickelt haben.

Dabei gibt es jedoch unterschiedliche Formen von Praktika. Unterschieden wird zwischen einem…

  • Schülerpraktikum

    Diese Praktika finden währen der Schulzeit – zwischen der 8. und 11. Klasse – statt, sind in der Regel im Lehrplan festgeschrieben und dauern oft nicht länger als ein bis zwei Wochen. Ziel ist es, den Schülern durch das Schülerpraktikum ein Gefühl für die Arbeitswelt zu vermitteln und eine erste Berufsorientierung zu geben.

  • Pflichtpraktikum

    Sie finden im Rahmen des Studiums statt. Manche dieser Praktika dienen sogar der Zulassungsvoraussetzung, wie etwa das Vorpraktikum im Maschinenbau. Ablauf und Dauer dieser Pflichtpraktika sind in der Regel durch die Studienordnung vorgegeben. Meist sind es zwei Pflichtpraktika bis zum Master-Abschluss. Für die Praktikanten besteht jedoch kein Urlaubsanspruch, die Vergütung (siehe unten) ist sozialversicherungsfrei und wird auf das BAföG angerechnet. Die Praktika dienen sowohl dem Erwerb erster berufsrelevanter Erfahrungen aber auch der Orientierung bei der späteren Berufswahl.

  • Freiwilliges Praktikum

    Darüber hinaus kann sich jeder auch freiwillig für ein Praktikum bewerben und so neben Berufserfahrungen auch Kontakte in ein Unternehmen oder eine Branche gewinnen. Oft werden Praktika auch dazu genutzt, sogenannte Soft Skills zu trainieren beziehungsweise im Lebenslauf nachzuweisen. Also beispielsweise das Arbeiten in Projekten und Teams.

Praktikumsstellen finden sich in nahezu in jedem Berufsfeld. Beliebt sind insbesondere Praktika in der Industrie (zum Beispiel bei Daimler), in der Informatik aber auch bei der Bundeswehr.

Bezahlung: Was verdient man im Praktikum?

Bei einem freiwilligen Praktikum ist das Gehalt seit der Einführung des Mindestlohns vorgeschrieben. Schüler- und Pflichtpraktika müssen dagegen nicht bezahlt werden. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Sie dabei auch nicht völlig ausgebeutet werden oder zu hohe Mehrkosten (etwa durch Reise- oder Wohnungskosten) entstehen.

Die gute Nachricht ist: Für ein bezahltes Praktikum steigen nach und nach die Praktikumsgehälter. Studien zufolge ist die Vergütung von Praktikanten aktuell auf durchschnittlich 1.240,18 Euro monatlich angestiegen. Zu verdanken ist dies auch der Einführung des Mindestlohns.

So sieht die durchschnittliche Bezahlung von Praktikanten (pro Monat) in den Branchen derzeit so aus:

  • Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung & Recht: 1.382,90 Euro
  • Personaldienstleistungen: 1.334,05 Euro
  • Finanzen, Banken & Versicherungen: 1.259,73 Euro
  • Maschinen- & Anlagenbau: 1.156,90 Euro
  • Freizeit, Touristik, Kultur & Sport: 1.150 Euro
  • Bildung & Training: 1.080,75 Euro
  • Vereine & NGOs: 700 Euro

Auch für freiwillige Praktika besteht laut § 26 des Berufsbildungsgesetz (BBiG) Anspruch auf eine Vergütung sowie unter Umständen auch Sozialversicherungspflicht:

  • Dauert das Praktikum weniger als drei Monate und erhält der Praktikant dafür monatlich weniger als 450 Euro, besteht keine Sozialversicherungspflicht.
  • Dauert das Praktikum aber länger als drei Monate, handelt es sich nicht mehr um eine um eine geringfügige Beschäftigung. In dem Fall muss der Arbeitgeber einen Beitrag zu Kranken- und Rentenversicherung zahlen. Dafür entfällt der Arbeitnehmeranteil. Einen BAföG-Anspruch haben diese Praktikanten allerdings nur bei Teilzeit-Praktika oder wenn das Praktikum in der vorlesungsfreien Zeit stattfindet.
  • Dauert das Praktikum länger als drei Monate und übersteigt das Praktikumsentgelt 450 Euro monatlich, besteht Sozialversicherungspflicht wie für einen Arbeitnehmer und der BAföG-Anspruch geht verloren. Immerhin besteht dafür ein anteiliger Urlaubsanspruch laut Bundesurlaubsgesetz von rund 2 Tagen pro Monat. Darüber hinaus fällt beim Überschreiten der Einkommensgrenze von monatlich 450 Euro im Monat die kostenlose Familienversicherung weg, sodass Krankenversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen.

Wer hat KEINEN Anspruch auf Mindestlohn?

Praktikum Mindestlohn Studenten Schüler AnspruchVon der Mindestlohnpflicht wiederum ausgenommen sind Schüler- und Pflichtpraktikanten. Ebenso alle Praktika, die weniger als drei Monate dauern, weil hierbei sonst die Kosten und der Aufwand zur Einarbeitung des Praktikanten zu hoch wären. Ebenfalls vom Mindestlohn bei einem Praktikum ausgenommen sind:

  • Pflichtpraktika im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium
  • Freiwillige Praktika begleitend zu Studium oder Ausbildung bis zu drei Monaten
  • Freiwillige Praktika bis zu drei Monaten, die zur Orientierung bei der Berufs- oder Studienwahl dienen
  • Einstiegsqualifizierungen nach § 54 a des Dritten Sozialgesetzbuches
  • Praktika zur Berufsausbildungsvorbereitung nach §§ 68–70 Berufsbildungsgesetz (BBiG)
  • Praxisphasen während eines dualen Studiums, generell bei ausbildungsintegrierten Studiengängen, sowie praxisintegrierten Studiengängen bei denen praktische Tätigkeiten regelmäßig innerhalb des Studiengangs verpflichtend sind.

Suche: Hier finden Sie das passende Praktikum

Machen Sie sich zunächst Gedanken über Ihren Berufswunsch und die mögliche Branche: Was möchten Sie arbeiten? Wo? In welchen Unternehmen? Unsere Berufsbilder und Jobprofile können Ihnen hierbei eine erste Orientierung geben.

Danach sollten Sie folgende Fragen klären:

  • Lage: Wann haben Sie Zeit und wie lange sollte das Praktikum dauern?
  • Finanzierung: Wird das Praktikum bezahlt oder ist es ein Pflichtpraktikum? Sind Ihre laufenden Kosten zwischenzeitlich gedeckt?
  • Kontakt: Telefonieren Sie rechtzeitig mit den in Frage kommenden Unternehmen oder Organisationen, schielen Sie dabei nicht nur auf die großen: gerade in kleinen Unternehmen ist die Betreuung oft persönlicher und engmaschiger.
  • Strategie: Idealerweise sollte ein roter Faden bei Ihren Praktika erkennbar sein und jedes sollte Sie beruflich voranbringen.

Für die Recherche nach vakanten Praktikumsplätzen können Sie zudem die klassischen Jobbörsen von Arbeitsagentur bis hin zu unserer eigenen, kostenlosen Stellenbörse Karrieresprung.de nutzen. Hier ein Auszug – nutzen Sie einfach die Suchfilter oben im Formular:

Praktika finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Darüber hinaus gibt es spezielle Praktikumsbörsen. Hier eine Auswahl (die Reihenfolge stellt keine Wertung dar):

Auslandspraktikum: Wo finde ich solche Stellen?

Auslandspraktikum findenEin Auslandspraktikum (während des Studiums) gehört heute zum guten Ton. Und geeignete Praktikumsplätze dafür zu finden, ist gar nicht so schwer. Hier ein paar Tipps:

  • Karriereseiten der Unternehmen

    In den Stellenbörsen vieler Unternehmen sind auch Praktika im Ausland ausgeschrieben. Auf diese können Sie sich direkt bewerben.

  • Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

    Falls Sie während des Praktikums auch noch Projekte in einem Entwicklungsland unterstützen möchten, dann sollten Sie die Jobbörse der GIZ aufsuchen. Dort werden bezahlte Praktika für einen Zeitraum zwischen drei bis sechs Monaten angeboten. Weil die Praktika beliebt sind, sind die Anforderung an Praktikanten entsprechend hoch.

  • Länderbüros politischer Stiftungen

    Auch in den Auslandsbüros politischer Stiftungen wie beispielsweise der Friedrich-Ebert-Stiftung oder der Konrad-Adenauer-Stiftung können Sie ein Praktikum absolvieren. Hierfür sollten Sie allerdings gute Sprachkenntnisse mitbringen. Diese Praktika werden jedoch nicht bezahlt.

  • Goethe-Institute im Ausland

    In den 140 Goethe-Instituten im In- und Ausland können Sie ebenfalls ein Praktikum absolvieren. Diese sind aber, wie bei den politischen Stiftungen, unbezahlt. Sie können zwischen einem Praktikum im Verwaltungsbereich, in der Programmarbeit oder in der Sprach- und Bildungskooperation wählen.

  • Max-Weber-Stiftung

    Das Programm der Max-Weber-Stiftung richtet sich an Studierende geisteswissenschaftlicher Studiengänge, die schon einen akademischen Abschluss erworben haben. Die Stiftung hat Institute in London, Paris, Moskau, Tokyo, Beirut, Istanbul, Rom, Warschau und Washington. Es können Praktika im wissenschaftlichen, im administrativen sowie im Bibliotheksbereich absolviert werden.

  • Vermittlungsagenturen

    Diese Praktikumsbörsen unterstützen Sie bei der Suche nach einem Praktikumplatz und der Planung des Auslandsaufenthaltes. Vermittlungsagenturen bieten ein breites Angebot an Praktika. Studenten aller Fachrichtungen, von angehenden Ingenieuren bis zu Rechtswissenschaftlern, werden hier fündig. Für die Vermittlung zahlen Bewerber allerdings eine Vermittlungsgebühr.

Bewerbung: So bewerben Sie sich für ein Praktikum

Ob Sie eine Festanstellung oder einen Praktikumsplatz suchen – der Ablauf der Suche, Recherche und Bewerbung ist immer gleich.

Die Unterschiede bei der Bewerbung für ein Praktikum liegen eher im Detail der Ansprache des Arbeitgebers und werden vor allem beim Formulieren des Anschreibens deutlich: Wer sich für ein Praktikum bewirbt, besitzt in der Regel keinerlei einschlägige Berufserfahrungen.

Folglich können Bewerber hierbei nicht über bisherige Erfolge, Kompetenzen oder Erfahrungen argumentieren. Was bleibt, ist allein die Motivation.

Im Anschreiben für ein Praktikum MUSS also deutlich werden, warum Sie sich (ausgerechnet) für diese Stelle bewerben, was Sie sich davon erhoffen und warum Sie an diesem Unternehmen so besonders interessiert sind. Ein Musteranschreiben könnte beispielsweise so formuliert sein:


Praktikumsbewerbung: Beispiel für ein Musteranschreiben

Sehr geehrte Frau ______________,

seit ich mit dem Bloggen begonnen habe, fasziniert mich der Beruf des Mediengestalters immer mehr. Ich habe auf Ihrer Website gesehen, dass Sie genau in diesem Bereich einen Praktikanten ab dem MM.JJJJ suchen. Genau dafür möchte ich mich hiermit bewerben.

Ich verfolge Ihre Online-Aktivitäten schon seit einiger Zeit und bin begeistert davon, was Sie alles realisiert haben – auf Twitter, Instagram – und Ihrer Karriereseite. Nur zu gerne würde ich meine bisherigen Erfahrungen bei Ihnen einbringen. Mehr aber noch erhoffe ich mir, Einblicke in das Jobprofil und den Arbeitsalltag in Ihrem Unternehmen zu gewinnen. Neben dem hervorragenden Ruf Ihres Unternehmens sprechen mich vor allem die zahlreichen Arbeitsbereiche und verschiedenen Aufgaben an. Sie sind da wirklich einzigartig, finde ich!

Was ich mitbringe? Eine schnelle Auffassungsgabe, Zuverlässigkeit, hohe Sorgfalt und viel Kreativität. Ich bin bestimmt nicht der Praktikant, der nur dasitzt und auf Impulse wartet. Von mir dürfen Sie ordentlich Elan und Verve erwarten. Das habe ich schon in den Praktika während meiner Schulzeit unter Beweis gestellt.

Falls ich Ihr Interesse geweckt habe, freue ich mich, alle noch offenen Fragen zu beantworten – am besten in einem persönlichen Gespräch. Auf die Einladung freue ich mich – ganz frech – schon jetzt und verbleibe bis dahin…

Mit freundlichen Grüßen

UNTERSCHRIFT

Gibt es eine konkrete Ausschreibung für das Praktikum, sollten Sie genau darauf eingehen und Schlüsselbegriffe exakt wiedergeben. Fachleute unterscheiden hier zwischen sogenannten…

Wird in der Stellenanzeige beispielsweise ausdrücklich erwähnt, dass der Praktikant einen Führerschein besitzen oder fließend Englisch können muss, brauchen Sie sich gar nicht erst ohne zu bewerben.

Finden sich dagegen in der Offerte weiche Formulierungen, wie „wünschenswert wäre“ oder „idealerweise bringen Sie auch … mit“, dann sind das Kann-Anforderungen, die Ihre Chancen verbessern, je mehr Sie davon bieten. Ihr Fehlen ist aber kein K.O.-Kriterium.

Ebenso ist es klug, sich in die Lage des Personalers zu versetzen: Die meisten Unternehmen schreiben nicht nur ein Praktikum, sondern mehrere aus.

Bewerben Sie sich daher nie für ein Praktikum, sondern ganz konkret für eines der ausgeschriebenen oder beschreiben Sie zumindest die Stelle genau, sonst weiß der Personaler gar nicht, wohin er Sie sortieren soll.

Was bei Bewerbern für ein Praktikum ebenfalls Pluspunkte bringt, sind außeruniversitäre oder ehrenamtliche Erfahrungen sowie weitere Praktika. Also unbedingt erwähnen, falls Sie…

  • schon andere, ähnliche Praktika absolviert haben.
  • sich in einer Studenteninitiative engagieren.
  • an Fachveranstaltungen teilnehmen oder diese gar mitorganisieren.
  • im Verein besondere und passende Fähigkeiten erwerben konnten.
  • über zusätzlich oder gar außergewöhnliche Spachkenntnisse verfügen.

Zählen Sie solche Erfahrungen und Fertigkeiten aber bitte nie listenhaft auf. Wählen Sie diese gezielt aus: In die Bewerbung kommt nur, was für die Praktikantenstelle relevant ist.

Bewerbungsmuster und Beispiel für ein Praktikum

Um Ihnen die Bewerbung für ein Praktikum zu erleichtern, haben wir für Sie kostenlose Muster und Vorlagen erstellt. Diese können Sie sich hier gerne herunterladen und privat immer wieder nutzen:

Praktikumsbewerbung 1
Praktikumsbewerbung 2
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Praktikumsbewerbung Vorlage Beispiel Muster01Praktikumsbewerbung Vorlage Beispiel Muster02Praktikumsbewerbung Vorlage Beispiel Muster03
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Dazu: Kostenlose Lebenslauf-Vorlagen fürs Praktikum



Mehr als 80 kostenlose Bewerbungsmuster und Lebenslauf-Vorlagen als Word-Datei oder PDF-Dokument finden Sie bei uns HIER.

Aufgaben: So wird das Praktikum zum Erfolg

Zu Beginn des Praktikums steht oft nur grob fest, was der oder die Praktikantin zu tun hat. Die Beschreibung in der Stellenanzeige spiegelt nicht zwingend das tatsächliche Spektrum oder die Realität wider.

Auch das obligatorische Kaffee kochen und Kopieren gehören mitunter zu den Tätigkeiten, die man Praktikanten auferlegt.

Seien Sie in dem Fall für nichts zu schade. Nutzen Sie die Chance aber auch, derlei vage Arbeitsinhalte zu präzisieren. Zum Beispiel so:

(zum Weiterlesen einfach auf die orangen Pfeile klicken)


Zeigen Sie Eigeninitiative

Gehen Sie produktiv mit Leerlauf um: Überlegen Sie, an welcher Stelle gerade jemand gebraucht wird und bieten Sie Ihre Hilfe an. Niemals abwarten und passiv rumsitzen! Fragen Sie lieber nach, wer Hilfe braucht. Den Kollegen und Ihrem Chef wird es positiv auffallen, dass Sie selbst solche Vorschläge machen und Eigeninitiative zeigen. Und wenn partout nichts zu tun ist, fragen Sie wenigstens, ob Sie in der Zeit Ihren Praktikumsbericht vorbereiten oder Fachzeitschriften lesen dürfen.

Gestalten Sie Ihr Praktikum mit

Warten Sie nicht darauf, dass einer der Kollegen Sie an die Hand nimmt und in sein Projekt einbezieht. Interessieren Sie sich besonders für einen bestimmten Bereich oder ein Projekt? Dann sprechen Sie den entsprechenden Kollegen an und bieten Sie ihm Ihre Unterstützung an. Auch auf diese Weise können Sie mitbestimmen, wie Ihr Praktikum verläuft.

Fragen Sie bei Unklarheiten nach

Es gibt kaum dumme Fragen, aber zu späte. Gerade am Anfang Ihres Praktikums gesteht man Ihnen Rückfragen eher zu, als wenn Sie schon einige Erfahrungen gemacht haben – und sich dann immer noch nach den Basics erkundigen. Das wirft ein schlechtes Licht auf Ihre bisherige Arbeit und Lernfähigkeit. Deshalb: Gerade am Anfang viele Notizen machen, lernen, umsetzen…

Seien Sie sich für nichts zu schade

Erledigen Sie auch die offensichtlichen Sisyphus-Arbeiten oder einfachste Tätigkeiten wie die Spülmaschine auszuleeren mit Interesse und Engagement. Das betont Ihren Teamgeist und statusfreies Denken. Diven und Superstars dagegen kann keiner leiden. Und (siehe erster Punkt): Je mehr Sie sich aktiv einbringen, desto weniger wird man Sie für den Krimskrams nutzen.




Es gibt aber auch ein paar handfeste Gefahren, die im Praktikum lauern. Lehrjahre sind keine Herrenjahre, heißt es zurecht. Als Praktikant stehen Sie (im Gegensatz zu Auszubildenden) zwar oft außerhalb der Hierarchie, dennoch sollten Sie zunächst bescheiden auftreten und nicht eine Bugwelle erzeugen, als seien Sie der Christus der Branche.

Mit ein wenig Empathie, Diplomatie und Fingerspitzengefühl lassen sich die meisten Klippen umschiffen. Folgende Fettnäpfe sollten Sie allerdings überspringen:


Häufig zu spät kommen

Wiederholt zu spät zu kommen sowie ohne Absprache früher zu gehen, ist ein absolutes No-Go. Arztbesuche sollten Sie in den ersten Wochen ebenfalls vermeiden, ansonsten bitte rechtzeitig ankündigen und Bereitschaft signalisieren, den Termin zu tauschen. Termine wie Familiengeburtstage klären Sie bitte ebenfalls vorher ab.

Den Arbeitscomputer privat nutzen

Auch wenn man Ihnen einen Computer mit Internetzugang zuteilt – klären Sie unbedingt vorher, ob Sie damit auch mal privat surfen dürfen. Dass Sie keine schlüpfrigen Seiten besuchen, versteht sich von selbst. Aber seien Sie auch zurückhaltend mit Besuchen in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Und schon gar nicht sollten Sie dort öffentlich und negativ über Ihr Praktikum plaudern.

Schlechte Manieren im Alltag zeigen

Wenn Sie sich einen Kaffee holen, fragen Sie doch einfach mal bei den Zimmerkollegen nach, ob diese auch einen möchten. Alles andere wäre stillos. Und trauen Sie sich ruhig die erste Runde zu spendieren – dann werden auch Sie eingeladen. Seien Sie auch sonst freundlich und zuvorkommend. Deswegen muss keiner devot werden. Aber gute Manieren sowie „Bitte“ und „Danke“ zu sagen, haben noch nie geschadet.

Sich an Lästereien beteiligen

Halten Sie sich beim Flurfunk zurück und lassen Sie sich nicht zu Lästereien hinreißen. Beobachten und analysieren Sie lieber die Situation und Gruppierungen, bis Sie ungefähr nachvollziehen können, welche Lager es gibt und wer mit wem verbandelt ist. Was dagegen erlaubt ist: Nutzen Sie den Flurfunk und den alltäglichen Umgang der Kollegen miteinander, um sich ein Bild von dem Unternehmen zu machen. Und fragen Sie sich, ob Sie sich in dieser Atmosphäre langfristig wohlfühlen können.

Als Besserwisser auftreten

Sie stecken voller Motivation und in Ihrem Kopf schwirren etliche Ideen, was man im Unternehmen verbessern oder anders angehen könnte. Grundsätzlich gut. Aber Eigeninitiative und Ideen werden vor allem dann geschätzt, wenn Sie nicht besserwisserisch vorgetragen werden. Verpacken Sie Ihre Vorschläge daher besser in Fragen: „Und wie wäre es, wenn wir…?“ Pluspunkte sammelt, wer es schafft, den Kollegen dabei das Gefühl zu geben, sie seien selbst auf die Idee gekommen.

Nicht kritikfähig sein

Niemand ist perfekt. Praktikanten schon per Definition nicht – sie lernen ja noch. Deshalb ist Kritik an Ihrer Arbeit ganz normal. Bitte nehmen Sie die nie persönlich, auch wenn es sich so anfühlt. Das ist nur das Ego, was sich da beschwert… Ignorieren! Hören Sie sich den Tadel lieber gut an, bleiben Sie locker und danken Sie für das Feedback. Danach sollten Sie versuchen, die Kritik umzusetzen und es beim nächsten Mal besser zu machen. So wachsen Sie nicht nur selbst – Sie signalisieren auch Lernwille und -fähigkeit.




Praktikum nutzen: So knüpfen Sie wertvolle Kontakte

Praktikum nutzen Netzwerk aufbauenDas Praktikum sollten Sie nicht nur dazu nutzen, Berufspraxis zu schnuppern. Sie können in dieser Zeit auch wertvolle Kontakte ins Unternehmen und die Branche knüpfen. Das sogenannte Vitamin B schadet schließlich nur dem, der es nicht hat.

So nutzen Sie das Praktikum zum Netzwerken:

  • Geben Sie einen Einstand

    Ihr Praktikum fängt im Prinzip mit einem gelungenen Einstieg an: Stellen Sie sich vor, schreiben Sie vielleicht eine kurze Rundmail oder nutzen Sie die erste Frühstückspause, um mit Ihren Kollegen Bekanntschaft zu machen. Was immer gut ankommt und nicht zu teuer ist: Kuchen. Geben Sie Ihren Einstand und schmeißen Sie eine kleine Runde mit selbst gebackenem Kuchen oder Cupcakes. Selbst über so Banalitäten wie Kuchenrezepte kommt man häufig schon ins Gespräch.

  • Suchen Sie das Gespräch mit Kollegen

    Nehmen Sie jede Gelegenheit wahr, um sich mit Kollegen auszutauschen – aber nicht nur in der eigenen Abteilung. Halten Sie beispielsweise in der Kaffeeküche kurz inne, um ein paar Worte zu wechseln oder gehen Sie mit anderen Mitarbeitern Mittagessen. Auch mit den anderen Praktikanten. Betreiben Sie Smalltalk und suchen Sie nach Gemeinsamkeiten. Tauschen Sie überdies Tipps und Erfahrungen aus.

  • Vernetzen Sie sich

    Haben Sie die Kollegen besser kennengelernt, fragen Sie nach, ob Sie sich auch auf Xing, Linkedin oder anderen sozialen Netzwerken vernetzen können. So bleiben Sie in Kontakt.

  • Geben Sie einen Ausstand

    Spätestens, wenn es etwas zu essen gibt, versammelt sich das Kollegium. Das gilt auch beim Abschied. Manche Kollegen haben vielleicht nicht mitbekommen, dass Ihr letzter Tag naht und können beim Ausstand die Gelegenheit ergreifen, sich von Ihnen zu verabschieden.

  • Halten Sie Kontakt

    Jedes Praktikum endet. Lassen Sie die Kontakte danach aber nicht einschlafen. Melden Sie sich ab und an bei den ehemaligen Kollegen oder schicken Sie denen ein Update, wie Sie sich weiterentwickelt haben oder kommentieren Sie deren Inhalte auf Twitter & Co. Auf diese Weise bleiben Sie im Gedächtnis und halten sich die Option offen, irgendwann einmal um einen Gefallen zu bitten.

Arbeitsrecht: Welche Rechte haben Praktikanten?

Viele Praktikanten trauen sich nicht, sich zum Beispiel über anspruchslose Aufgaben oder schlechte Bezahlung zu beschweren. Zum Teil auch, weil sie nicht wissen, was ihnen zusteht. Hier ein kleiner Überblick aus dem Arbeitsrecht: Das sind die Rechte von Praktikanten:

  • Arbeitszeit

    In der Regel entsprechen die Arbeitszeiten von Praktikanten denen der angestellten Arbeitnehmer. Wie lange ein Praktikant arbeitet, wird im Praktikumsvertrag schriftlich festgehalten.

  • Urlaub

    Beim Urlaubsanspruch gelten unterschiedliche Regelungen. Bei Pflichtpraktika unterliegen Studenten keinem arbeitsrechtlichen Schutz und haben auch keinen Anspruch auf Urlaub. Bei einem freiwilligen Praktikum gelten indes die gleichen Rechte wie bei Angestellten. Das bedeutet, dass Sie Anspruch auf mindestens 24 Tage im Jahr, also 2 Tage pro Monat, haben.

  • Kündigung

    Wurde im Vorfeld keine Kündigungsfrist vereinbart, können Sie jederzeit gehen. Sollte das Praktikum ganz und gar nicht Ihren Vorstellungen entsprechen, und Sie haben das Gefühl, nichts zu lernen, sollten Sie die Notbremse ziehen.

Ausführliche Informationen zu Rechten und Pflichten finden Praktikanten in unserem ausführlichen Artikel zum Thema Rechte von Praktikanten.

Praktikumszeugnis: Worauf sollte ich achten?

Nach jedem Praktikum können und sollten Sie um ein Abschlusszeugnis beziehungsweise Praktikumszeugnis bitten. Das brauchen Sie später für Ihre Bewerbungsunterlagen und um einen lückenlosen Lebenslauf zu dokumentieren.

Beim Zeugnis-Inhalt sollten Sie auf die Sprache achten: Personaler verklausulieren gerne ihre Zeugnisnoten. Wenn ein Mitarbeiter seine Aufgaben stets zur vollsten (1), stets zur vollen (2) oder stets zur Zufriedenheit (3) erledigte, macht das einen Unterschied.


Formulierungen: Mehr als 200 Codes entschlüsselt

Arbeitszeugnis Formulierungen Codes Pdf Ebook CoverWeil sich im Arbeitszeugnis regelmäßig negative Subbotschaften verstecken, haben wir eine umfangreiche Übersicht zusammengestellt mit mehr als 200 Arbeitszeugnis Formulierungen und Geheimcodes in der Zeugnissprache – samt Erklärung, Bedeutung und Notenentsprechung. So können Sie sofort entschlüsseln, ob Ihr Zeugnis „sehr gut“, „befriedigend“ oder gar „mangelhaft“ ist.

Das eBook können Sie sich als PDF gleich hier kostenlos herunterladen, ausdrucken und als Nachschlagewerk verwenden. Achten Sie beim Praktikumszeugnis aber bitte nicht nur darauf, was drinsteckt, sondern auch was NICHT drinsteht. Häufig kann auch das Weglassen von Standard-Formulierungen ein geheimes Signal für eine schlechte Note sein.

Beachten Sie überdies:

  • Das Zeugnis muss neben korrekten Personenangaben (Vorname, Name, Geburtsdatum), den genauen Tätigkeitszeitraum sowie die Art und Dauer aller vom Arbeitnehmer ausgeführten Tätigkeiten enthalten.
  • Ein qualifiziertes Zeugnis enthält neben der der reinen Positions- und Aufgabenbeschreibung zudem eine Bewertung der Leistung und des Sozialverhaltens des Arbeitnehmers.
  • Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch darauf, ein individuelles Zeugnis zu erhalten. Wenn Sie Ihr Praktikumszeugnis selber schreiben sollen, gibt Ihnen das die Chance, das Beste daraus zu machen. Achten Sie aber auch hier darauf, dass Sie sich durch eine unglückliche Formulierung nicht selbst eine schlechte Note geben.
  • Unterschrieben werden muss das Zeugnis von Ihrem Personalverantwortlichen, in der Regel vom direkten Vorgesetzten. Es reicht aber auch ein Kollege aus der Personalabteilung.

Berufseinstieg: Wie geht es nach dem Praktikum weiter?

Insbesondere abschlussnahe Studenten können über ein Praktikum schnell den Berufseinstieg finden. Das setzt voraus, dass Sie während des Praktikums mit guter Leistung, Verlässlichkeit und Engagement geglänzt haben.

Um Ihre Chancen zu maximieren, sollten Sie rechtzeitig aktiv werden und den Übergang vom Praktikum in einen möglichen Job vorbereiten. Die folgenden drei Schritte helfen Ihnen dabei.

  1. Bitten Sie um ein Abschlussgespräch

    Vereinbaren Sie einen Termin gegen Ende des Praktikums, an dem Sie das Praktikum mit Ihren Vorgesetzten Revue passieren lassen und sich Feedback einholen. Ein solches Gespräch bietet Ihnen die Gelegenheit, über eine weitere Zusammenarbeit zu sprechen. Nutzen Sie das, und schämen Sie sich nicht, danach zu fragen.

  2. Erkundigen Sie sich nach einem Job

    Vielleicht haben Sie Ihr Studium noch gar nicht abgeschlossen, sodass ein nahtloser Übergang in die Festanstellung unmöglich ist. Dann bleiben immer noch eine Tätigkeit als Werkstudent oder ein Studentenjob. Beides hält den Kontakt aufrecht – und eingearbeitet sind Sie auch schon. Fragen Sie nach, ob und wie viele Stunden Sie später pro Woche für das Unternehmen arbeiten könnten – und zu welchem Stundenlohn.

  3. Nutzen Sie den kleinen Dienstweg

    Falls der Jobeinstieg bald ansteht, suchen Sie gezielt die Kollegen in der Personalabteilung auf und fragen Sie diese nach Vakanzen. Solange das Praktikum noch läuft, haben Sie hier gleich drei Vorteile: einen physischen Zugang zu den Personalern; kurze Wege und Fürsprecher im Unternehmen (zum Beispiel den direkten Vorgesetzten sowie einflussreiche Kollegen). Eine Bewerbung über den „kleinen Dienstweg“ hat größere Aussichten als wenn Sie es später als externer Kandidat versuchen.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
18. Dezember 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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