Praktikumsvertrag: Pflicht, Inhalt, Muster

Wer einen Job antritt, unterschreibt einen entsprechenden Arbeitsvertrag. Bei einem Praktikum ist dies nicht immer der Fall. Der Praktikumsvertrag sollte jedoch nicht vernachlässigt werden. Er ist ein ebenso wichtiges Dokument für den Praktikanten und das Unternehmen.

Zum Praktikumsvertrag gibt es viele Fragen: Gibt es eine Pflicht, einen solchen aufzusetzen? Welcher Inhalt muss rein? Welche Unterschiede beim Praktikumsvertrag gibt es für verschiedenen Formen eines Praktikums? Der Praktikumsvertrag ist eine arbeitsrechtliche Vereinbarung, die entsprechend geprüft sein sollte.

Hier erfahren Sie, warum Sie unbedingt einen Praktikumsvertrag abschließen sollten, welcher Inhalt darin enthalten sein muss und alles, was Sie rund um den Praktikumsvertrag wissen müssen.

Praktikumsvertrag: Pflicht, Inhalt, Muster

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Ist ein Praktikumsvertrag Pflicht?

Wer bereits mehrere Praktika gemacht hat, wundert sich möglicherweise darüber, dass er manchmal einen Praktikumsvertrag unterschrieben hat und dies bei einem anderen Unternehmen nicht tun musste. Stellt sich die Frage: Gibt es eine Pflicht, einen Praktikumsvertrag zu vereinbaren?

Die kurze Antwort lautet: Nein, es gibt keine allgemeine Pflicht für einen Praktikumsvertrag. Zugrunde liegt hier § 26 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Dort heißt es:


Soweit nicht ein Arbeitsverhältnis vereinbart ist, gelten für Personen, die eingestellt werden, um berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder berufliche Erfahrungen zu erwerben, ohne dass es sich um eine Berufsausbildung im Sinne dieses Gesetzes handelt, […], dass die gesetzliche Probezeit abgekürzt, auf die Vertragsniederschrift verzichtet und bei vorzeitiger Lösung des Vertragsverhältnisses nach Ablauf der Probezeit […] Schadensersatz nicht verlangt werden kann.


Da es sich bei einem Praktikum in der Regel um genau diese Form der Beschäftigung handelt, kann auf einen Praktikumsvertrag verzichtet werden.

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Gründe für einen Praktikumsvertrag

Ein Praktikumsvertrag ist für die Zusammenarbeit somit nicht zwingend aus rechtlicher Sicht erforderlich. Ob in der Praxis tatsächlich darauf verzichtet werden sollte, ist jedoch fraglich. Es sollte sowohl im Interesse des Praktikanten als auch des Unternehmens liegen, die Rahmenbedingungen des Praktikums festzuhalten.

Gleich mehrere gute Gründe sprechen dafür, auch ohne Pflicht einen Praktikumsvertrag zu schließen:

  • Rechte und Pflichten werden geregelt
    Aus dem Praktikumsvertrag ist genau ersichtlich, welche Rechte der Praktikant hat und welche Ansprüche er entsprechend geltend machen kann. Auf der anderen Seite werden hier auch die Pflichten festgehalten, an die sich der Praktikant während der Zusammenarbeit halten muss. So werden Missverständnisse und Unklarheiten von Anfang an vermieden.
  • Praktikum wird nachweisbar
    Erst mit einem Praktikumsvertrag in der Hand können Sie nachweisen, dass das Unternehmen zugesichert hat, Sie im Rahmen eines Praktikums zu lehren, Ihnen Fähigkeiten beizubringen und Erfahrungen zu vermitteln. Gibt es keinen Praktikumsvertrag, können – theoretisch – beide Seiten kurzfristig abspringen.

    Deshalb sollte die Vereinbarung immer schriftlich erfolgen. Zwar sind grundsätzlich auch mündliche Praktikumsverträge wirksam, es ist jedoch schwierig bis unmöglich, dies zu einem späteren Zeitpunkt nachzuweisen oder die Absprachen zu belegen.
  • Praktikumsvertrag ist professionell
    Aus Sicht von Unternehmen gilt: Es macht einen professionelleren Eindruck, wenn ein Praktikumsvertrag geschlossen wird. In der beruflichen Zusammenarbeit gehört es dazu, die Bedingungen, Rechte, Pflichten und weitere Absprachen vertraglich zu fixieren.

Freiwilliges oder Pflichtpraktikum?

Bei der Art und Gestaltung eines Praktikums gibt es unterschiedliche Formen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem freiwilligen und einem Pflichtpraktikum. Um welche Form es sich handelt, kann sich auch auf den Praktikumsvertrag auswirken, da mit der jeweiligen Form andere Ansprüche und Rechte verbunden sind.

Wir stellen Ihnen die Formen mit den wichtigsten Auswirkungen vor:

  • Pflichtpraktikum
    Ein Pflichtpraktikum wird meist im Rahmen eines Studiums von Studenten oder von Schülern absolviert. Studenten müssen etwa im Rahmen vieler Studiengänge mindestens ein Praktikum mit einer bestimmten Dauer nachweisen. In einem Pflichtpraktikum werden die Studenten nicht als Arbeitnehmer gesehen, was rechtliche Auswirkungen hat, die auch den Praktikumsvertrag beeinflussen können.

    ➠ Kein Anspruch auf Vergütung
    ➠ Kein Anspruch auf Urlaub
    ➠ Keine Pflicht für einen Praktikumsvertrag
    ➠ Keine Pflicht zur Niederschrift
    ➠ Kein Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis
    ➠ Lediglich Anspruch auf Praktikumsbescheinigung
  • Freiwilliges Praktikum
    Um Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und sich auf einen Beruf vorzubereiten, kann jeder ein freiwilliges Praktikum machen. Der wichtige Unterschied: Bei diesem klassischen Praktikumsverhältnis wird der Praktikant als Arbeitnehmer gesehen. Hier greift das Berufsausbildungsgesetz, wodurch andere Ansprüche entstehen. Das zeigt sich meist auch im Praktikumsvertrag.

    ➠ Anspruch auf Vergütung bei Dauer von mehr als 3 Monaten
    ➠ Anspruch auf gesetzlichen Mindesturlaub (oder mehr Tage)
    ➠ Keine Pflicht für einen Praktikumsvertrag
    ➠ Pflicht zur Niederschrift nach §2a Nachweisgesetz (NachwG)
    ➠ Anspruch auf qualifiziertes Arbeitszeugnis


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Praktikumsvertrag Inhalt

Wird ein Praktikumsvertrag erstellt, sollte dieser alle relevanten Informationen, Rahmenbedingungen und Absprachen enthalten. Da es keine gesetzliche Pflicht gibt, fehlt es auch an konkreten Vorgaben für den Inhalt eines Praktikumsvertrags.

Als Orientierung kann die oben angesprochene Pflicht zur Niederschrift in § 2 des Nachweisgesetzes genutzt werden. Hier wird geregelt, welche Punkte in die Niederschrift aufzunehmen sind:

  • Name und Anschrift der Vertragsparteien
  • Lern- und Ausbildungsziele des Praktikums
  • Beginn und Dauer des Praktikums
  • Dauer der täglichen Praktikumszeit
  • Zahlung und Höhe der Praktikumsvergütung
  • Dauer des Urlaubs
  • Hinweise auf geltende Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen

Für einen Praktikumsvertrag sollten diese Mindestangaben noch um einige Aspekte erweitert werden. Der vollständige Inhalt eines Praktikumsvertrags sollte die folgenden Punkte umfassen:

➠ Name und Anschrift des Praktikanten und des Unternehmens
➠ Ziele des Praktikums
➠ Zeitraum des Praktikums
➠ Art des Praktikums
➠ Pflichten des Unternehmens
➠ Pflichten und Aufgaben des Praktikanten
➠ Regelmäßige Arbeitszeit
➠ Anspruch und Höhe der Vergütung
➠ Regelungen zum Urlaubsanspruch
➠ Regelungen zur Kündigung des Praktikumsvertrags
➠ Weitere Vereinbarungen nach Einzelfall

Muster für einen Praktikumsvertrag

Abschließend haben wir noch ein Muster für einen Praktikumsvertrag erstellt. An dieser Vorlage können Sie sehen, wie ein Praktikumsvertrag aussehen kann und beispielhaft aufgebaut wird.

Das hier abgebildete Muster dient als Orientierung und Informationsquelle. Es ersetzt keine Rechtsberatung oder Prüfung durch einen Anwalt.


Praktikumsvertrag

Zwischen Herrn Max Mustermann
Musterstraße 1
12345 Neustadt

– im folgenden Praktikant genannt –

und dem Praktikumsbetrieb Fantasiefirma GmbH
Gartenweg 25
12345 Neustadt

– im folgenden Arbeitgeber genannt –

wird für den Zeitraum vom

1. Januar 2021 bis zum 30. Juni 2021

folgender Praktikumsvertrag geschlossen.

§ 1 Art und Ziele des Praktikums

Im Rahmen dieses Pflichtpraktikums sollen dem Praktikanten Einblicke in den Arbeitsalltag als _________ ermöglicht werden. Dabei sollen zudem erste Fähigkeiten vermittelt werden, die dem Praktikanten helfen, ein detailliertes Bild über die Tätigkeit und Aufgaben als ________ zu erhalten.

§ 2 Pflichten des Arbeitgebers

Der Arbeitgeber verpflichtet sich,
➠ den Praktikanten in die tägliche Arbeit einzubinden, Informationen bereitzustellen und Kenntnisse zu vermitteln, um die Praktikumsziele zu erreichen.
➠ bei Fragen und Problemen bezüglich des Praktikums stets einen Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen.
➠ die Vorschriften des Arbeitsschutzes, insbesondere zum Jugendarbeitsschutz, einzuhalten.
➠ ein qualifiziertes Zeugnis über das Praktikum auszustellen.

§ 3 Pflichten des Praktikanten

Der Praktikant verpflichtet sich,
➠ sein Verhalten während des Praktikums am Praktikumsziel auszurichten.
➠ Anweisungen im Praktikumsbetrieb zu befolgen.
➠ ihm übertragene Aufgaben mit größter Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zu erledigen.
➠ firmeninterne Abläufe und Informationen vertraulich zu behandeln.
➠ eine Arbeitsverhinderung sofort telefonisch mitzuteilen und noch am selben Tag eine Bescheinigung des Arztes vorzulegen.

§ 4 Arbeitszeit

Die tägliche Arbeitszeit beträgt 8 Stunden und geht von 8 Uhr bis 17 Uhr. Reguläre Pausen sind in den Zeiten von 11:30 Uhr bis 12 Uhr und von 14:30 Uhr bis 15 Uhr.

§ 5 Vergütung

Für die Dauer des Praktikums erhält der Praktikant eine Vergütung in Höhe von 900 Euro brutto pro Monat. Die Zahlung erfolgt bargeldlos zum Ende des Monats auf das Konto des Praktikanten.

§ 6 Urlaub

Der Praktikant hat Anspruch auf 2 Urlaubstage für jeden vollen Monat des Praktikums. Über den gewünschten Urlaubszeitraum ist der Arbeitgeber frühzeitig zu informieren. Bei der Vergabe der Urlaubstage nimmt der Arbeitgeber Rücksicht auf die Wünsche des Praktikanten, solange diesen keine wichtigen Gründe entgegenstehen.

§ 7 Kündigung

Das Praktikum endet automatisch nach Ablauf des oben vereinbarten Zeitraums, ohne dass es dafür einer gesonderten Kündigung bedarf. Der Praktikumsvertrag kann zudem aus wichtigem Grund von beiden Parteien jederzeit gekündigt werden. Für eine solche Kündigung aus wichtigem Grund ist die Schriftform erforderlich.

§ 8 Sonstige Vereinbarungen

Darüberhinaus werden zwischen dem Praktikanten und dem Arbeitgeber folgende Vereinbarungen getroffen:

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______________________________


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Ort, Datum

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Unterschrift/Firmenstempel Arbeitgeber

____________________________
Unterschrift Praktikant


[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]
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7. August 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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