Geschäftsführervertrag: Das sollten Sie beachten

Damit ein Unternehmen nach außen agieren kann, braucht es jemanden (oder mehrere), der es vertritt. Diese Aufgabe übernimmt ein Geschäftsführer. Der Arbeitsvertrag legt die Rahmenbedingungen für den Mitarbeiter fest. Die Rechte und Pflichten eines Geschäftsführers sind wiederum im Geschäftsführervertrag geregelt. Für eine GmbH sind sowohl ein Geschäftsführer als auch eine Gesellschafterversammlung rechtlich vorgeschrieben. Wer zum Geschäftsführer bestellt wird, nimmt eine besondere Position im Unternehmen ein. Es geht darum, das Unternehmen zu repräsentieren und zu leiten. Gleichzeitig haftet der Geschäftsführer, wenn er Richtlinien nicht erfüllt. Worauf Sie als angehender Geschäftsführer in Ihrem Vertrag achten sollten…

Geschäftsführervertrag: Das sollten Sie beachten

Formalitäten: Inhalt des Geschäftsführervertrags

Als Geschäftsführer einer GmbH oder Mini-GmbH (UG) sind Sie kein normaler Arbeitnehmer. Beispielsweise gilt für Sie als Vertreter des Unternehmens kein Kündigungsschutz.

Geschäftsführer gelten nicht als Angestellte, denn sie vertreten eine juristische Person. Streitfälle werden daher nicht vor dem Arbeitsgericht, sondern vor einem ordentlichen Gericht verhandelt. Steuerrechtlich hingegen führen sie Lohnsteuer ab wie jeder andere Arbeitnehmer auch.

Dennoch könnten Sie – wie jeder andere Arbeitnehmer theoretisch auch – auf eine schriftliche Fixierung des Arbeitsverhältnisses verzichten. Aufgrund der besonderen Komplexität und um spätere Streitigkeiten vorzubeugen, empfiehlt sich jedoch die Schriftform mithilfe eines Geschäftsführervertrages.

Beim Geschäftsführervertrag handelt es sich um einen Anstellungsvertrag, der juristisch als selbstständiger Dienstvertrag des Geschäftsführers einer GmbH gilt.

Geschlossen wird er zwischen dem Unternehmen, vertreten durch seine Gesellschafter und dem angehenden Geschäftsführer. Meist umfasst er vielfältige Regelungen, die je nach Branche, Unternehmensgröße sowie Geschäftsbereich variieren können.

Bestimmte Komponenten sind typische Bestandteile eines Geschäftsführervertrages, zu klären sind unter anderem:

  • Bisheriges Arbeitsverhältnis
  • Aufgaben und Pflichten
  • Beginn, Dauer und Ende des Geschäftsführervertrags
  • Arbeitsort und Arbeitszeit
  • Haftung des Geschäftsführers
  • Jahresgehalt, Sonderzahlungen, geldwerte Vorteile
  • Urlaub
  • Nebentätigkeit
  • Geheimhaltung und Wettbewerbsverbot

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Geschäftsführervertrag PDF Alleingesellschafter IHK worauf achten GmbH kostenlos Muster Word BefristungBei einem Geschäftsführervertrag handelt es sich um ein sensibles juristisches Dokument, in dem auf jeden Fall bestimmte Fallstricke vermieden werden sollten.

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Knackpunkte des Dienstvertrages

Je konkreter das Dienstverhältnis im Geschäftsführervertrag definiert wird, desto besser können Unklarheiten im Konfliktfall vermieden werden. Im Folgenden werden mögliche Risiken benannt und wie Sie diesen begegnen können.

  • Vergütung

    Die Verantwortung von Geschäftsführern ist groß, was sich üblicherweise in der Vergütung niederschlägt. Auch hier wirken sich die Unternehmensgröße, die Branche und natürlich die konkrete Tätigkeit des Geschäftsführers aus.

    Das Gehalt besteht zumeist aus einem festen und einem variablen Teil (sogenannte Tantieme), der meist erfolgsabhängig ist. Dazu kommen diverse weitere Vergünstigungen wie Dienstwagen, Smartphone oder attraktiven Zusatzleistungen zur Alters-, Kranken- und Gesundheitsvorsorge.

    Tantiemenregelungen bei der Vergütung bieten dem Unternehmen größtmögliche Flexibilität: Läuft alles gut, gibt es eine Erfolgsbeteiligung. Das heißt aber auch, dass die Einkünfte des Geschäftsführers entsprechend schrumpfen, wenn die Umsätze mal nicht so gut sind. Die Vergütung spielt für Unternehmen insofern eine Rolle, als dass sie die steuerliche Bemessungsgrundlage mindern. Wer seinem Geschäftsführer eine hohe Vergütung bewilligt, zahlt weniger Unternehmenssteuern.

  • Arbeitsverhältnis

    Geschäftsführer tragen im Gegensatz zu normalen Arbeitgebern ein höheres Risiko, da das Kündigungsschutzgesetz für sie nicht gilt. Um im Falle einer Kündigung der Geschäftsführerposition finanziell abgesichert zu sein, empfiehlt sich mit einer Klausel entsprechend vorzubeugen. Darin steht, dass durch den Anstellungsvertrag Ihr bisheriges Arbeitsverhältnis ruht. Ihr alter Arbeitsvertrag lebt in dem Moment wieder auf, in dem der Geschäftsführervertrag ausläuft oder gekündigt wird.

  • Dauer

    Der nicht existente Kündigungsschutz wird bei Geschäftsführerverträgen kompensiert, indem sie üblicherweise über einen langen Zeitraum abgeschlossen werden. Meist sind sie ohne Kündigungsmöglichkeit oder aber sie enthalten eine lange Kündigungsfrist.

    Typisch sind daher Vertragslaufzeiten von mindestens zwei, eher fünf Jahren, und eine Kündigugnsfrist von drei oder sechs Monaten zum Quartal. Als Geschäftsführer sollten Sie daher auf Formulierungen achten wie „Das Dienstverhältnis ist ordentlich nicht kündbar. Das Recht einer außerordentlichen Kündigung des Dienstvertrages aus wichtigem Grund bleibt davon unberührt.“

    Oder: „Der Dienstvertrag kann innerhalb von fünf Monaten zum Quartal gekündigt werden.“ Hierbei ist festzustellen, dass die außerordentliche beziehungsweise fristlose Kündigung nach wie vor möglich ist, da sie gesetzlich zwingend vorgeschrieben ist.

    Wer also gegen das Gesetz verstößt und beispielsweise Diebstahl oder sexuelle Belästigung begeht, fliegt trotzdem, auch als Geschäftsführer.

  • Aufgabengebiete

    Gerade bei mehreren Geschäftsführern können völlig unterschiedliche Aufgabengebiete existieren. Daher sollten Sie darauf achten, dass der Geschäftsführervertrag genau die Ressortzuständigkeit festlegt. Wichtig ist zu wissen, ob Sie im Falle mehrerer Geschäftsführer die Erlaubnis zur Alleinvertretung für Entscheidungen erhalten, die Ihren Geschäftsbereich betreffen.

    Anderenfalls kann es passieren, dass Sie immer die Zustimmung Ihrer Kollegen brauchen. Bei einem Geschäftsführer mit Arbeitnehmereigenschaft enthält der Dienstvertrag zudem den Hinweis darauf, dass der Geschäftsführer seine Arbeitskraft dem Unternehmen voll und ganz zur Verfügung stellt. Er handelt gemäß seiner Pflichten und Verantwortlichkeiten gewissenhaft.

  • Haftung

    Als Geschäftsführer haften Sie im Falle von Pflichtverletzungen. Beispielsweise bei geschäftsschädigendem Verhalten den Gesellschaftern gegenüber. Aber auch, wenn Sozialbeiträge der Mitarbeiter nicht abgezogen oder Steuern nicht gezahlt wurden, werden Sie in von Krankenkassen oder dem Finanzamt in die Haftung genommen.

    Um Haftungsrisiken zu minimieren, haben Sie zwei Möglichkeiten: Zum einen kann der Geschäftsführervertrag entsprechende Haftungsbeschränkungen enthalten. Die kann beispielsweise die gesetzliche Verjährungsfrist von fünf auf zwei Jahre abkürzen, in denen noch Schadensersatzforderungen gestellt werden können.

    Ebenso können Sie die Haftung auf grobe Fahrlässigkeit begrenzen. Zum anderen sollten Sie aushandeln, dass das Unternehmen eine Di­rec­tors and Of­fi­cers-Ver­si­che­rung (D & O-Versicherung) für Sie abschließt. Die springt vor allem dann ein, wenn Dritte Forderungen an Sie stellen. Wichtig ist eine ausreichende Deckungshöhe (beispielsweise fünf Millionen Euro pro Schadensfall).

  • Krankheit

    Stellen Sie sicher, dass Ihr Geschäftsführervertrag angemessene Regelungen für den Krankheitsfall, aber auch Urlaub und Altersvorsorge enthält. Denn als Geschäftsführer haben Sie ebenso wenig Anspruch auf die Lohnfortzahlung bei Krankheit, noch besteht ein gesetzlicher Urlaubsanspruch.

    Daher obliegt es Ihnen, für entsprechende Regelungen Sorge zu tragen. Einen guten Orientierungspunkt bieten gesetzliche und tarifliche Regelungen. Das heißt, in Ihren Forderungen sollten Sie drei Monate Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle, sowie 30 Werktage (den Samstag mit eingerechnet) enthalten sein. Auch ein Vorsorgevertrag im Falle von Dienstunfähigkeit sowie Vergütung im Todesfalle können Bestandteil des Geschäftsführervertrages sein.

  • Wettbewerbsverbote

    Wie der Arbeitnehmer ist auch der Geschäftsführer zur Treue dem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet. Diese Treuepflicht ergibt sich aus verschiedenen gesetzlichen Regelungen, beispielsweise § 112 Handelsgesetzbuch.

    Arbeitsrechtlich spielt das Wettbewerbsverbot eine große Rollen, denn allgemein hat der Geschäftsführer (ebenso wie der Mitarbeiter) alles zu unterlassen, dass seinen Arbeitgeber in irgendeiner Form schädigen könnte. Allerdings besteht freie Berufswahl in Deutschland.

    Das heißt, mit dem Ausscheiden aus dem Unternehmen könnten Sie theoretisch bei der Konkurrenz anfangen. Entscheidend ist, was hier der Geschäftsführervertrag sagt. Hier kommt möglicherweise das nachvertragliche Wettbewerbsverbot ins Spiel. Es besagt, dass es Ihnen im Falle der Beendigung des Dienstverhältnisses untersagt ist, bei einem Unternehmen anzufangen, das in direkter oder indirekter Konkurrenz steht.

    Auch die Errichtung eines solchen Unternehmens oder die Beteiligung daran ist verboten. Um den möglichen Ausfall zu kompensieren, erhält ein Geschäftsführer für die Zeit des Wettbewerbverbotes eine Entschädigung. Achten Sie darauf, dass das Wettbewerbsverbot nicht länger als sechs Monate besteht und deutlich mehr als 50 Prozent Ihrer zuletzt erhaltenen Grundvergütung als Entschädigung festgelegt sind.

[Bildnachweis: LarsZ by Shutterstock.com]
6. September 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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