Urlaubsgeld
Urlaubsgeld: Das klingt nach doppeltem Glück, nach Cocktail mit Schirmchen. Erstens Urlaub, zweitens Cash. Doch erstens bekommt den Reiseproviant längst nicht jeder, zweitens sollte man die eine oder andere Klausel im Hinterkopf verankern. Habe ich Anspruch auf Urlaubsgeld? Muss ich es versteuern? Kann es auf den Mindestlohn angerechnet werden? Karrierebibel sagt Ihnen alles, was Sie zum Urlaubsgeld wissen müssen.

Urlaubsgeld: Wer bekommt es?

Laut Online-Umfrage der Plattform Lohnspiegel.de von 2016 dürfen sich 41 Prozent der Beschäftigten in Deutschland über Urlaubsgeld freuen. Die Seite, die vom Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung betrieben wird, hat außerdem herausgefunden:

  • Männer (49 Prozent) bekommen häufiger Urlausbgeld als Frauen (35 Prozent).
  • Beschäftigte in Westdeutschland (47 Prozent) erhalten es häufiger als Arbeitnehmer in Ostdeutschland (27 Prozent).
  • Größere Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern (57 Prozent) zahlen häufiger Urlaubsgeld als kleine Betriebe mit weniger als 100 Mitarbeitern (33 Prozent).
  • Gutverdiener mit einem Monatseinkommen von 5.000 bis 6.000 Euro (52 Prozent) erhalten häufiger Urlaubsgeld als Geringverdiener mit 1.000 bis 2.000 Euro im Monat (29 Prozent).

Urlaubsgeld Branchen: Wer kriegt wieviel?

Und das - gewerkschaftsnahe - Institut sagt zudem: Wer einen Tarifvertrag hat, darf mit höherer Wahrscheinlichkeit auch Urlaubsgeld einplanen.

Dabei fällt das Urlaubsgeld je nach Branche höchst unterschiedlich aus. Zwischen 155 und 2.270 Euro bekamen Beschäftigte 2016 in der mittleren Vergütungsgruppe als tarifliches Urlaubsgeld. Am wenigsten gab es in der Landwirtschaft und im Steinkohlenbergbau, am meisten in der Holz-, Kunststoff-, Druck- sowie Metallindustrie.

Gestiegen war das Urlaubgeld 2016 im Vergleich zum Vorjahr vor allem in der Textil-, Eisen- und Stahlindustrie sowie im Kfz-Gewerbe. Tarifliches Urlaubsgeld in der mittleren Vergütungsgruppe 2016 - hier einige Beispiele ...

Urlaubsgeld: Branchen-Beispiele

  • Holz- und Kunststoff Westdeutschland: 2.270 Euro
  • Druckindustrie: 1.805 Euro
  • Versicherungen: 1.457 Euro
  • Chemie: 614 Euro
  • Süßwaren Ostdeutschland: 267 Euro
  • Steinkohlenbergbau Ruhr: 156 Euro
[Quelle: WSI-Tarifarchiv]

Urlaubsgeld Anspruch: Habe ich einen?

Zunächst einmal nein. Einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld haben Arbeitnehmer prinzipiell nicht. Ob die Sonderzahlung ausgezahlt wird, hängt vor allem davon ab, ob sie im Tarifvertrag steht. Wer in einer Branche ohne Tarifbindung arbeitet, kann sich einen Urlaubsgeldanspruch wiederum in den Arbeitsvertrag schreiben lassen - Verhandlungssache. Auch können Betriebsvereinbarungen dazu geschlossen werden.

Aber auch ohne entsprechendes Schriftstück kann sich im Einzelfall immer noch ein Anspruch auf Urlaubsgeld für den Arbeitnehmer ergeben. Wenn etwa der Arbeitgeber dreimal hintereinander Urlaubsgeld gezahlt hat, sprechen Arbeitsrechtler von einer "betrieblichen Übung", also von einem Gewohnheitsrecht. Umgangssprachlich formuliert: Der Chef hat schon immer Urlaubsgeld gezahlt, also muss er es auch diesmal zahlen.

Der Arbeitgeber kann dieses Szenario umgehen, indem er vorab einen Vorbehalt ausspricht, wenn er also explizit und schriftlich darauf hinweist, dass er das Urlaubsgeld in diesem Jahr nur ausnahmsweise zahlt. Dieses Prinzip lässt sich auch auf den Arbeitsvertrag übertragen. Der Arbeitgeber kann eine Klausel einbauen, die es ihm unter bestimmten Umständen gestattet, von der Zahlung des Urlaubsgeld Abstand zu nehmen.

Wird aber nun im Betrieb Urlaubsgeld ausgezahlt, müssen alle Arbeitnehmer profitieren. Das besagt der Gleichbehandlungsgrundsatz im Verfassungsrecht. Ein Chef darf Ihnen also nicht, sofern er Sie aus irgendwelchen Gründen auf dem Kieker hat, das Urlaubsgeld verweigern, es allen anderen Kollegen aber zahlen.

Zusammengefasst: Ein Anspruch auf Urlaubsgeld ergibt sich durch ...

  • Tarifvertrag
  • Arbeitsvertrag
  • Betriebsvereinbarung
  • Betriebliche Übung
  • Verstoß gegen Gleichbehandlungsgrundsatz oder Diskriminierungsverbot

Urlaubsgeld: Ist es steuerfrei?

Beim Urlaubsgeld handelt es sich um (zusätzliches) Einkommen. Das bedeutet ganz eindeutig: Sie müssen es versteuern.

Neben der Einkommensteuer fallen auch Sozialabgaben an. Ärgerlich: Durch die kalte Progresson bleibt vom Urlaubsgeld unter Umständen nur ein Bruchteil übrig. Winzig kleines Trostpflaster: Sie zahlen auch mehr in die Rentenkasse ein und erhöhen somit Ihren Rentenanspruch.

Urlaubsgeld: Auch im Minijob?

Grundsätzlich gelten Regelungen wie Mindestlohn, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaubsgeld auch für Minijobber.

Verdi schreibt: "In einem Minijob steht ihnen in jedem Fall der gesetzliche Mindesturlaub (24 Werktage) nach dem Bundesurlaubsgesetz zu. Wenn ein Betrieb tarifgebunden ist, bestehen höhere Urlaubsansprüche entsprechend des Tarifvertrags. In einem Minijob haben Sie Anspruch auf ein anteiliges Urlaubs- und Weihnachtsgeld, sofern die Zahlung betriebsüblich ist bzw. nach Tarifvertrag gezahlt wird."

Arbeitet ein Minijobber also 20 Prozent der Arbeitszeit eines Vollzeitbeschäftigten, stehen ihm anteilig 20 Prozent des Urlaubsgeldes zu, das der Vollzeitbeschäftigte erhält.

Aber Achtung: Wird mit der Zahlung von Urlaubsgeld die 450-Euro-Schwelle überschritten, werden für den Minijob Steuern und Sozialabgaben fällig. Daher vorher genau durchrechnen - und gegebenenfalls die Arbeitszeit (nach unten) anpassen.

Urlaubsgeld Mindestlohn: Kann man ihn anrechnen?

Bis vor Kurzem lautete die Antwort auf diese Frage noch eindeutig: Nein. So hatte sich Anfang 2015 über das Thema Urlaubsgeld und Mindestlohn ein Rechtsstreit entzündet. Eine Arbeitnehmerin hatte geklagt, die bislang für einen Stundenlohn von 6,44 Euro zur Arbeit angetreten war - zuzüglich Schichtzuschlägen. Außerdem erhielt sie ein zusätzliches, regelmäßiges Urlaubsgeld sowie eine Jahressonderzahlung.

Nach der Einführung des Mindestlohnes wurde die eingekaufte Arbeitsleistung für die Arbeitgeberin teurer. Diese versuchte die Teuerung mit einer Änderungskündigung zu umgehen und bot der Klägerin an, das Arbeitsverhältnis mit einem Stundenlohn von 8,50 Euro fortzusetzen, jedoch ohne Leistungszulagen, Urlaubsgeld und die bislang gezahlte Jahressonderzahlung.

Die Angestellte empfand das als Ungerechtigkeit und zog vor Gericht. Die Richter in Berlin gaben ihr recht. In ihrem Urteil erklärte die Justiz die Änderungskündigung für unwirksam. Denn: Der gesetzliche Mindestlohn solle unmittelbar die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers vergüten. Der Arbeitgeber dürfe daher zusätzliche Leistungen wie Urlaubsgeld und die Jahressonderzahlung nicht auf den Mindestlohn anrechnen.

Die Änderungskündigung, mit der diese unzulässige Anrechnung erreicht werden sollte, stuften die Juristen als Umgehung des geltenden Gesetzes ein.

Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt folgte diesem Urteil im Jahr 2016 jedoch nicht. So kann der Mindestlohn bei Geringverdienern mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld verrechnet werden, um die gesetzlich fixierte Lohnuntergrenze zu erreichen. Diese lag im Jahr 2016 bei 8,50 Euro pro Stunde, wurde zu Beginn des Jahres 2017 auf 8,84 Euro angehoben.

Die Anrechnung gelte allerdings nur in Fällen, so das Gericht, in denen die Sonderzahlungen als Entgelt für erbrachte Arbeitsleistungen unwiderruflich wie ein 13. Gehalt gezahlt würden. Eine Cafeteria-Angestellte aus Brandenburg hatte geklagt, weil ihr zusätzlich zum Mindestlohn Urlaubs- und Weinachtsgeld zustünden - ohne Erfolg.

Fazit: Das Urlaubsgeld kann unter Umständen tatsächlich mit dem Mindestlohn verrechnet werden. Allerdings könnte nach Einschätzungen von Experten das Mindestlohngesetz in dieser Hinsicht noch einige Überraschungen bereithalten.

Urlaubsgeld: Was passiert nach einer Kündigung?

Der Arbeitgeber kann zu viel gezahltes Urlaubsgeld nach einer Kündigung anteilig zurückfordern.

Beispiel: Der Arbeitnehmer scheidet zum 31. August aus dem Betrieb aus, hat aber schon das volle Urlaubsgeld erhalten. Er muss ein Drittel des Urlaubsgeldes zurückzahlen. In der Regel geschieht das automatisch über den Gehaltsscheck.

Urlaubsgeld: Wann wird es ausgezahlt?

Falls es eine Regelung im Tarif- oder Arbeitsvertrag gibt, wird dort in der Regel auch der Zeitpunkt der Zahlung festgelegt. Meist wird das Urlaubsgeld zu Beginn der Reisesaison, also im Mai oder Juni überwiesen.

Urlaubsgeld Alternative: Erholungsbeihilfe

Das Urlaubsgeld muss voll versteuert werden - klarer Nachteil. Eine Alternative ist die so genannte Erholungsbeihilfe. Pro Jahr kann der Arbeitgeber 156 Euro an seine Arbeitnehmer verteilen - steuer- und sozialabgabenfrei. Für einen möglichen Ehepartner kommen 104 Euro dazu, für jedes Kind noch einmal 52 Euro. Eine vierköpfige Familie kann so auf eine Erholungsbeihilfe von 364 Euro kommen. Der Arbeitgeber versteuert den Betrag pauschal mit 25 Prozent.

Und noch ein Tipp: Auch Tankgutscheine können eine Alternative sein. Der Arbeitgeber kann sie bis zu 44 Euro pro Monat steuerlich absetzen.

[Syda Productions, wavebreakmedia by Shutterstock.com]

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