Urlaubsgeld: Alles zu Höhe, Pflicht und Berechnung

Das Urlaubsgeld ist für Arbeitnehmer ist ein willkommenener finanzieller Zuschuss. So macht der Urlaub gleich noch mehr Spaß, wenn Sie nicht nur freie Tage genießen, sondern durch das Urlaubsgeld die Reisekasse spürbar aufstocken können.

Zu voreilig sollten Sie das Urlaubsgeld jedoch nicht verplanen. Längst nicht jeder Angestellte über die Zahlung freuen, eine Pflicht gibt es nicht. Gleichzeitig kann die Urlaubsgeld Höhe stark variieren. Zunächst sollten Sie deshalb wissen, was beim Thema Urlaubsgeld für Sie persönlich gilt.

Haben Sie einen Anspruch auf Urlaubsgeld? Ist es steuerfrei oder fallen Abgaben an? Hier erfahren Sie, was Sie zum Urlaubsgeld wissen müssen

Urlaubsgeld: Alles zu Höhe, Pflicht und Berechnung

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Definition: Was ist das Urlaubsgeld?

Beim Urlaubsgeld handelt es sich um eine freiwillige zusätzliche Zahlung des Arbeitgebers, die über das normale Entgelt eines Mitarbeiters hinaus geht. Es handelt sich um eine Zusatzleistung, die üblicherweise einmal im Jahr ausgezahlt wird. Das Urlaubsgeld ist somit verwandt mit dem Weihnachtsgeld, diese beiden Zahlungen werden deshalb auch als 13. und 14. Monatsgehalt bezeichnet.

Trotz begrifflicher Ähnlichkeiten ist eine Unterscheidung zwischen Urlaubsgeld und Urlaubsentgelt sehr wichtig:

  • Urlaubsgeld
    Das Urlaubsgeld ist eine freiwillige Leistung des Unternehmens, über das Mitarbeiter sich zusätzlich freuen dürfen. Es kann beispielsweise als zusätzlicher Anreiz für Mitarbeiter gezahlt werden, um die Motivation zu steigern, die Bindung zum Unternehmen zu fördern oder auch Dankbarkeit den Angestellten gegenüber zu demonstrieren.
  • Urlaubsentgelt
    Als Urlaubsentgelt wird hingegen die verpflichtende Fortzahlung des Gehalts während des Urlaubs einer Mitarbeiters bezeichnet. Im Bundesurlaubsgesetz wird geregelt, dass jeder Arbeitnehmer Anspruch auf bezahlten Urlaub hat. In dieser Zeit wird das Urlaubsentgelt gezahlt, obwohl keine Arbeitsleistung erbracht wird.
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Pflicht: Ist das Urlaubsgeld gesetzlich geregelt?

Die ernüchternde Nachricht zuerst: Nein, es gibt für den Arbeitgeber keine Pflicht oder gesetzliche Vorgabe. Urlaubsgeld ist zunächst ausschließlich eine freiwillige Sonderzahlung. Ein Anspruch aus dem Arbeitsrecht besteht für Mitarbeiter nicht.

Ob Sie ein Urlaubsgeld erhalten, liegt somit zunächst im Ermessen Ihres Arbeitgebers. Dieser kann entscheiden, ob er dem Personal die zusätzliche Entgeltzahlung zukommen lassen möchte – oder eben auch nicht.



Wo kann ein Anspruch auf Urlaubsgeld festgeschrieben sein?

Auch ohne gesetzliche Pflicht für den Arbeitgeber können Sie aber einen Anspruch auf Urlaubsgeld haben. Dieser kann in verschiedenen Verträgen geregelt sein, die für Ihr Arbeitsverhältnis von Bedeutung sind…

Ob Sie einen Anspruch auf Urlaubsgeld haben, kann somit auch von Ihrem Verhandlungsgeschick abhängen. Wenn Sie durch eine Gehaltsverhandlung oder zu Beginn der Zusammenarbeit eine entsprechende Klausel in Ihrem Arbeitsvertrag haben, dürfen Sie sich auf Urlaubsgeld freuen.

Zusätzlich gibt es zwei weitere Möglichkeiten, aus denen sich ein Anspruch auf Urlaubsgeld ergeben kann:

  • Betriebliche Übung
    Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen regelmäßig über einen längeren Zeitraum Urlaubsgeld auszahlt – auch wenn dies nicht in Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt ist – sprechen Arbeitsrechtler von einer betrieblichen Übung, also einem Gewohnheitsrecht. Wenn das Unternehmen dreimal hintereinander ein gleichbleibendes Urlaubsgeld gezahlt hat, kann daraus ein zukünftiger Anspruch abgeleitet werden.

    Umgangssprachlich formuliert: Der Chef hat schon immer Urlaubsgeld gezahlt, also muss er es auch weiterhin tun.

    Der Arbeitgeber kann dieses Szenario umgehen, indem er vorab einen Vorbehalt ausspricht, wenn er also explizit und schriftlich darauf hinweist, dass er das Urlaubsgeld in diesem Jahr nur ausnahmsweise zahlt. Dieses Prinzip lässt sich auch auf den Arbeitsvertrag übertragen. Der Arbeitgeber kann eine Klausel einbauen, die es ihm unter bestimmten Umständen gestattet, von der Zahlung des Urlaubsgeld Abstand zu nehmen.

  • Verstoß gegen Gleichbehandlungsgrundsatz
    Zudem kann sich Ihr Anspruch auf Urlaubsgeld daraus ergeben, wenn Ihre Kollegen die freiwillige Zahlung des Arbeitgebers erhalten. Wird im Betrieb Urlaubsgeld gezahlt, müssen alle Mitarbeiter davon profitieren. Das besagt der Gleichbehandlungsgrundsatz. Ein Chef darf Ihnen das Urlaubsgeld nicht verweigern und allen anderen auszahlen.

    Ausnahme kann ein sachlicher Grund für die ungleiche Verteilung beim Urlaubsgeld sein. Wird beispielsweise eine Abteilung im Unternehmen durch das Urlaubsgeld für die besonderen Leistungen belohnt, kann dies erlaubt sein. Dann muss allerdings auch innerhalb der Abteilung die Gleichbehandlung eingehalten werden.

Wer bekommt Urlaubsgeld?

Jeder Arbeitnehmer wünscht sich Urlaubsgeld, die Realität sieht jedoch anders aus. Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat die Zahlung von Urlaubsgeld genauer analysiert. Das Ergebnis: Mit 47,4 Prozent bekommt nicht einmal jeder zweite Beschäftigte Urlaubsgeld.

Ob Sie gute Chancen auf Urlaubsgeld haben, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab:

  • Tarifbindung
    Ein gültiger Tarifvertrag ist für Mitarbeiter die beste Voraussetzung, um Urlaubsgeld zu erhalten. In 69 Prozent der Unternehmen, die tarifgebunden sind, bekommen Beschäftigte ein Urlaubsgeld. Gibt es für Arbeitnehmer keinen gültigen Tarifvertrag, sind es lediglich 36 Prozent, denen Urlaubsgeld gewährt wird.
  • Unternehmensgröße
    Hier gilt: Mitarbeiter bei großen Unternehmen sind im Vorteil. Je größer die Anzahl der Mitarbeiter, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Urlaubsgeld gezahlt wird. Bei Betrieben mit weniger als 100 Mitarbeitern liegt die Quote nur bei 36,9 Prozent. Ab 100 bis 500 Mitarbeiter sind es schon 53 Prozent – und Beschäftigte bei großen Unternehmen und Konzernen über 500 Mitarbeitern erhalten zu 60,6 Prozent Urlaubsgeld.
  • Standort
    Deutliche Unterschiede beim Urlaubsgeld gibt es auch zwischen den Standorten – gerade im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland. Im Westen gibt es mit 48,8 Prozent fast für die Hälfte der Beschäftigten Urlaubsgeld. Im Osten ist der Anteil mit 34,7 Prozent deutlich geringer. Grund dafür ist eine geringere Tarifbindung im Osten und die höhere Dichte großer Betriebe im Westen.

In der Studie wurde zudem ein Unterschied zwischen den Geschlechtern festgestellt. So bekommen 50,5 Prozent der Männer und nur 40,9 Prozent der Frauen Urlaubsgeld. Eine Erklärung ist der höhere Männeranteil in Berufen, die besonders häufig Urlaubsgeld bekommen, während mehr Frauen in Bereichen arbeiten, die tendenziell seltener Urlaubsgeld erhalten.

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Höhe: Wie viel bekomme ich Urlaubsgeld?

Das Urlaubsgeld für den namensgebenden Zweck verwenden und beispielsweise eine Reise finanzieren? Ob das möglich ist, hängt von der Höhe des Urlaubsgelds ab. Da es wie bereits angesprochen keine gesetzliche Regelung für das Urlaubsgeld gibt, fehlt es auch an einer rechtlichen Vorgabe über die Höhe der zusätzlichen Zahlung.

Wie viel Urlaubsgeld Sie bekommen, ist somit sehr großen Unterschieden unterworfen und hängt maßgeblich von der Branche ab. Auch hierzu hat das WSI Zahlen und Ergebnisse veröffentlicht. Demnach erhalten die Beschäftigten in der mittleren Vergütungsgruppe zwischen 155 Euro und 2.450 Euro Urlaubsgeld – eine riesige Spannweite zwischen den Branchen.



Urlaubsgeld Höhe in unterschiedlichen Branchen
Branche Westdeutschland Ostdeutschland
Holz- und kunststoffverarbeitende Industrie 2.450 Euro 1.492 Euro
Papierverarbeitende Industrie 2.272 Euro 2.112 Euro
Metallindustrie 2.235 Euro 1.983 Euro
Druckindustrie 1.874 Euro 1.980 Euro
Kfz-Gewerbe 1.748 Euro 1.691 Euro
Versicherungsgewerbe 1.543 Euro 1.543 Euro
Einzelhandel 1.290 Euro 1.168 Euro
Bauhauptgewerbe 1.282 Euro 1.215 Euro
Chemische Industrie 1.200 Euro 1.200 Euro
Gebäudereinigerhandwerk 831 Euro 775 Euro
Textilindustrie 792 Euro 625 Euro
Großhandel 644 Euro 409 Euro
Süßwarenindustrie 414 Euro 267 Euro
Hotel- und Gaststättengewerbe 240 Euro 190 Euro
Landwirtschaft 225 Euro 155 Euro


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Urlaubsgeld Berechnung: Individuelle Regelungen beachten

Für die Berechnung des Urlaubsgelds müssen die individuell geltenden Regelungen beachtet werden. Wie genau sich Ihr Urlaubsgeld berechnet, lässt sich also nicht allgemein sagen. Innerhalb von Branchen und zwischen Unternehmen können dabei unterschiedliche Vereinbarungen gelten.

Häufige Regelungen zur Bestimmung und Berechnung von Urlaubsgeld sind beispielsweise…

  • ein fester Betrag Urlaubsgeld jedes Jahr
  • ein festgelegter Betrag pro Urlaubstag.
  • ein Prozentsatz des monatlichen Gehalts – beispielsweise 50 Prozent.

Urlaub Checkliste:
Daran vor der Reise denken

Unsere Checkliste für den Urlaub enthält 50 Dinge, an die Sie vor der Abreise denken sollten. Am besten noch vor der Urlaubsreise herunterladen, ausdrucken, abhaken.

Beachten Sie, dass dies die Basis-Checkliste für Urlaube im Allgemeinen ist. Je nach Urlaubsziel müssen Sie diese anpassen – etwa für Reisen mit Babys oder für exotische Länder. Spezielle Checklisten hierfür finden Sie bei uns HIER.

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Häufige Fragen zum Urlaubsgeld

Zum Abschluss haben wir die häufigsten Fragen in einem kleinen FAQ zum Urlaubsgeld für Sie zusammengefasst und übersichtlich beantwortet:

  • Ist das Urlaubsgeld steuerfrei?

    Leider lautet die Antwort auf diese Frage: Nein, Das Urlaubsgeld ist nicht steuerfrei. Beim Urlaubsgeld handelt es sich um (zusätzliches) Einkommen, steuerrechtlich wird es als sonstiger Bezug neben Ihrem Arbeitslohn betrachtet. Das bedeutet ganz eindeutig: Sie müssen es versteuern.

    Neben der Steuer fallen zudem auch Sozialabgaben an. Wenn die gültigen Beitragsbemessungsgrenzen nicht überschritten werden, ist das Urlaubsgeld in voller Höhe sozialversicherungspflichtig.


  • Gibt es Urlaubsgeld im Minijob?

    Grundsätzlich gelten Regelungen wie Mindestlohn, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaubsgeld auch für Minijobber. Die Gewerkschaft ver.di schreibt dazu:

    In einem Minijob steht ihnen in jedem Fall der gesetzliche Mindesturlaub (24 Werktage) nach dem Bundesurlaubsgesetz zu. Wenn ein Betrieb tarifgebunden ist, bestehen höhere Urlaubsansprüche entsprechend des Tarifvertrags. In einem Minijob haben Sie Anspruch auf ein anteiliges Urlaubs- und Weihnachtsgeld, sofern die Zahlung betriebsüblich ist beziehungsweise nach Tarifvertrag gezahlt wird.

    Arbeitet ein Minijobber also 20 Prozent der Arbeitszeit eines Vollzeitbeschäftigten, stehen ihm anteilig 20 Prozent des Urlaubsgeldes zu, das der Vollzeitbeschäftigte erhält.

    Aber Achtung: Wird mit der Zahlung von Urlaubsgeld die 450-Euro-Schwelle überschritten, werden für den Minijob Steuern und Sozialabgaben fällig. Daher vorher genau durchrechnen – und gegebenenfalls die Arbeitszeit (nach unten) anpassen.


  • Was gilt für das Urlaubsgeld bei einer Kündigung?

    Unter bestimmten Umständen kann der Arbeitgeber einen Teil des gezahlten Urlaubsgelds bei einer Kündigung zurückfordern. In diesem Fall kann der Arbeitnehmer zur Rückzahlung des zuviel bereits gezahlten Urlaubsgelds verpflichtet werden.

    Dies ist etwa möglich, wenn das Urlaubsgeld als freiwillige Leistung zur Belohnung der Loyalität der Mitarbeiter gezahlt wird.

    Beispiel: Der Arbeitnehmer scheidet zum 31. August aus dem Betrieb aus, hat aber schon das volle Urlaubsgeld erhalten. Er muss ein Drittel des Urlaubsgeldes zurückzahlen. In der Regel geschieht das automatisch über den Gehaltsscheck.


  • Wann ist Urlaubsgeld auszuzahlen?

    Falls es eine Regelung im Tarif- oder Arbeitsvertrag gibt, wird dort in der Regel auch der Zeitpunkt der Zahlung festgelegt. Meist wird das Urlaubsgeld zu Beginn der Reisesaison, also im Mai oder Juni überwiesen.

  • Gibt es steuerfreie Alternativen zum Urlaubsgeld?

    Das Urlaubsgeld muss voll versteuert werden – klarer Nachteil. Eine Alternative ist die so genannte Erholungsbeihilfe. Pro Jahr kann der Arbeitgeber 156 Euro an seine Arbeitnehmer verteilen – steuer- und sozialabgabenfrei.

    Für einen möglichen Ehepartner kommen 104 Euro dazu, für jedes Kind noch einmal 52 Euro. Eine vierköpfige Familie kann so auf eine Erholungsbeihilfe von 364 Euro kommen. Der Arbeitgeber versteuert den Betrag pauschal mit 25 Prozent.

    Und noch ein Tipp: Auch Tankgutscheine können eine Alternative sein. Der Arbeitgeber kann sie bis zu 44 Euro pro Monat steuerlich absetzen.

[Bildnachweis: radovlad by Shutterstock.com]
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18. Juli 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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