Was ist Leisure Sickness?
Leisure Sickness bezeichnet das Phänomen, ausgerechnet in der Freizeit, am Wochenende oder im Urlaub krank zu werden. Auf Deutsch bedeutet der englische Begriff wörtlich „Freizeitkrankheit“, gelegentlich wird auch von „Wochenendkrankheit“ oder Gummiband-Effekt gesprochen. Typisch ist der Zeitpunkt: Während stressiger Arbeitstage funktionieren Betroffene noch – sobald der Druck aber nachlässt, entwickeln sie Kopfschmerzen oder Erkältungssymptome.
Leisure Sickness ist keine medizinische Diagnose. Der Begriff beschreibt vielmehr ein wiederkehrendes Muster von Beschwerden beim Wechsel von Anspannung zu Erholung. Geprägt wurde er Anfang der 2000er-Jahre durch den niederländischen Psychologen Ad Vingerhoets und seine Kollegin Maaike van Huijgevoort.
Leisure Sickness, Weekend Blues oder Post-Holiday-Syndrom?
Die Begriffe werden oft synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Phänomene. Leisure Sickness betrifft vor allem Beschwerden beim Übergang von Belastung zu Freizeit. Der Weekend Blues bezeichnet dagegen ein Stimmungstief rund um das Wochenende. Das Post-Holiday-Syndrom tritt wiederum erst bei der Rückkehr aus dem Urlaub auf und beschreibt eine Art Urlaubs-Rückkehrer-Blues.
Wie spricht man Leisure Sickness aus?
Die englische Aussprache lässt sich lautmalerisch ungefähr als „Läscher Sickness“ beschreiben. Bei „leisure“ liegt die Betonung auf der ersten Silbe.
Wie häufig ist Leisure Sickness?
Das Phänomen ist verbreiteter als lange angenommen. Eine repräsentative Studie der IU Internationalen Hochschule aus dem Jahr 2025 mit 2.004 Erwerbstätigen in Deutschland zeigte: Ganze 71,9 % der Beschäftigten in Deutschland haben sich an freien Tagen oder im Urlaub schon einmal krank oder erschöpft gefühlt, 19,3 % haben das Problem sogar häufig oder immer.
Leser-Umfrage
Typische Leisure-Sickness-Symptome
Leisure Sickness äußert sich nicht bei jedem gleich. Besonders interessant sind deshalb die Ergebnisse der IU-Studie. Gefragt wurde, wie häufig Betroffene bestimmte Beschwerden an freien Tagen oder im Urlaub haben:
Symptom |
Häufig oder immer |
| Müdigkeit / Erschöpfung | 36,1 % |
| Schlafprobleme | 27,6 % |
| Reizbarkeit | 18,9 % |
| Kopfschmerzen | 16,7 % |
| Erkältungssymptome | 14,2 % |
| Magen-Darm-Beschwerden | 11,2 % |
| Migräne | 6,9 % |
Die Zahlen zeigen zugleich: Leisure Sickness bedeutet nicht zwangsläufig, eine Erkältung, Schnupfen oder Fieber zu bekommen. Am häufigsten sind Erschöpfung und Schlafprobleme.
Leisure-Sickness-Ursachen
Als wichtigste Ursache gilt der abrupte Wechsel von längerer Belastung zu plötzlicher Erholung. Wer im Beruf zuvor unter starkem Druck stand, vielleicht noch Überstunden gemacht hat und dann von 100 auf Null runterfährt, sorgt dafür, dass auch das Immunsystem rapide abstürzt. Unter Stress ist der Sympathikus – der aktivierende Teil unseres vegetativen Nervensystems – besonders aktiv. Sinkt die Belastung zu abrupt, stellt der Körper auf Regeneration um. Erschöpfung und Beschwerden, die vorher weniger wahrgenommen wurden, brechen dann heraus.
Wer ist besonders anfällig für Leisure Sickness?
Ein erhöhtes Risiko haben vor allem Menschen, denen das Abschalten schwerfällt. Typische Verhaltensmuster sind:
- Häufige Überstunden und lange Arbeitstage
- Ständige berufliche Erreichbarkeit
- Arbeit gedanklich mit nach Hause nehmen
- Hoher Leistungsanspruch und Perfektionismus
- Zu wenig Pausen und Erholung während der Arbeitswoche
Entscheidend ist damit nicht nur, wie viel Sie arbeiten. Ebenso wichtig ist, ob es Ihnen zwischen den Belastungsphasen gelingt, tatsächlich abzuschalten.
Wie lange dauert Leisure Sickness?
Leisure Sickness dauert in der Regel nur kurz. Die IU-Gesundheitsexpertin Stefanie André spricht von wenigen Stunden bis maximal 2 Tagen. Andere medizinische Quellen beschreiben Beschwerden über einige Tage. Halten Beschwerden jedoch länger an, werden stärker oder treten unabhängig von Arbeit und Freizeit auf, sollten Sie eine andere mögliche Erkrankung ärztlich abklären lassen.
Leisure Sickness oder Erkältung?
Husten, Schnupfen und Halskratzen sind häufige Symptome bei Leisure Sickness – laut der IU-Studie erleben 14,2 % solche Erkältungssymptome an freien Tagen oder im Urlaub häufig. Diese können aber ebenso Zeichen einer echten Infektion sein. Der entscheidende Unterschied: „Leisure Sickness“ bezeichnet nur das Auftreten solcher Symptome. Eine echte Erkältung wird dagegen durch Viren verursacht. Wer im Urlaub tatsächlich einen Infekt bekommt, ist also nicht automatisch von Leisure Sickness betroffen.
Ist Leisure Sickness ansteckend?
Leisure Sickness selbst ist natürlich nicht ansteckend. Eine Erkältung, Grippe oder andere Infektion kann dagegen durchaus ansteckend sein. Was Arbeitnehmer beachten müssen, wenn sie tatsächlich im Urlaub krank werden, finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber dazu.
Leisure Sickness behandeln: Was hilft?
Eine spezielle Behandlung oder ein bestimmtes Medikament gegen Leisure Sickness gibt es nicht. Schließlich handelt es sich nicht um eine eigenständige Erkrankung mit einheitlicher Ursache. Sie können allenfalls konkrete Beschwerden angemessen behandeln sowie die Belastungs- und Erholungsmuster verändern. Bei wiederkehrender Freizeitkrankheit lohnt sich die Frage: „Warum benötigt mein Körper erst das Wochenende oder den Urlaub, um herunterzufahren?“
Medikamente sollten nicht vorbeugend gegen vermeintliche Leisure Sickness eingenommen werden. Bei Kopfschmerzen, Erkältung oder anderen konkreten Beschwerden gelten dieselben Regeln wie sonst auch: Bei Unsicherheit über Medikamente fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!
Leisure Sickness vorbeugen: 7 Tipps
Die beste Strategie gegen Leisure Sickness beginnt nicht am ersten Urlaubstag. Wer 5 Tage oder mehrere Wochen permanent unter Strom steht und erst in der Freizeit versucht, von 100 auf null herunterzufahren, verschiebt die notwendige Erholung lediglich nach hinten. So können Sie besser vorbeugen:
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Erholen Sie sich schon während der Arbeitswoche
Warten Sie mit der Regeneration nicht bis zum Wochenende. Regelmäßige Pausen, Bewegung und ein Feierabend ohne berufliche Verpflichtungen helfen, die Daueranspannung bereits im Alltag zu reduzieren.
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Fahren Sie vor dem Urlaub langsam herunter
Versuchen Sie nicht, am letzten Arbeitstag noch sämtliche offenen Projekte abzuschließen. Planen Sie wichtige Deadlines früher und reduzieren Sie die Belastung in den letzten Tagen vor dem Urlaub schrittweise, soweit das möglich ist.
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Schaffen Sie einen echten Feierabend
Wer nach Dienstschluss ständig berufliche Nachrichten liest, bleibt mental im Arbeitsmodus. Definieren Sie deshalb Zeiten, in denen E-Mail, Messenger und Firmenhandy bewusst ausgeschaltet bleiben.
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Bewegen Sie sich nach stressigen Tagen
Ein Spaziergang, Sport oder eine andere körperliche Aktivität schaffen einen Übergang zwischen Anspannung und Ruhe. Sie sollten nicht direkt vom hektischen Arbeitstag auf das Sofa wechseln.
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Achten Sie auf Ihren Schlaf
Dauerhafter Schlafmangel verschlechtert die Erholung zusätzlich. Versuchen Sie deshalb, nicht erst im Urlaub Schlaf nachzuholen, sondern bereits im Alltag einen möglichst regelmäßigen Schlafrhythmus einzuhalten.
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Reduzieren Sie Ihren Perfektionismus
Nicht jede Aufgabe muss vor dem Urlaub vollständig abgeschlossen sein. Eine saubere Urlaubsübergabe ist sinnvoller als mehrere extrem lange Arbeitstage unmittelbar vor der Abreise.
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Beobachten Sie wiederkehrende Muster
Notieren Sie einige Wochen lang, wann Beschwerden auftreten: immer freitagabends, am ersten Urlaubstag oder nach besonders stressigen Arbeitsphasen? Dadurch erkennen Sie leichter, ob ein Zusammenhang zwischen Belastung und Freizeit besteht.
Wann sollte ich mit den Beschwerden zum Arzt?
Leisure Sickness sollte nicht zur Selbstdiagnose für jede Erkrankung am Wochenende oder im Urlaub werden. Lassen Sie Beschwerden unbedingt ärztlich abklären, wenn diese ungewöhnlich stark sind, länger anhalten, regelmäßig wiederkehren oder Sie sich über deren Ursache unsicher sind. Das gilt insbesondere bei hohem Fieber, starken Schmerzen, Atemnot oder anderen ausgeprägten Beschwerden. Treten Ihre Beschwerden dagegen immer wieder genau nach intensiven Belastungsphasen auf, ist das ein guter Anlass, die grundsätzliche Frage zu stellen, ob in Ihrem Arbeitsalltag genügend Raum für Erholung bleibt.
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