Urlaubsentgelt: Berechnung und Anspruch

Wenn Arbeitnehmer Urlaub machen, bekommen sie Urlaubsentgelt – und zwar auf jeden Fall. Anders als Urlaubsgeld, ist das Urlaubsentgelt nämlich keine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Wer Erholungsurlaub macht, muss sich um die Lohnfortzahlung keine Sorgen machen. Aus der Verankerung im Gesetz folgt übrigens auch, dass Sie selbst nach einer Kündigung in den Genuss von Urlaubsentgelt kommen können. Unter bestimmten Voraussetzungen sogar auch als Minijobber…

Urlaubsentgelt: Berechnung und Anspruch

Urlaubsentgelt: Was versteht man darunter?

Urlaubsentgelt: Was versteht man darunter?Urlaubsentgelt und Urlaubsgeld werden gerne miteinander verwechselt, sind jedoch zwei völlig verschiedene Dinge.

Urlaubsgeld ist nämlich eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, die dieser zusätzlich zum regulären Gehalt zahlen kann, aber nicht muss. (Ausnahme: Der Arbeitgeber zahlt mehrere Jahre in Folge Urlaubsgeld, dann könnte er aufgrund des Gewohnheitsrechts dazu verpflichtet sein. Das gleiche gilt, wenn das Urlaubsgeld im Arbeitsvertrag festgeschrieben ist.)

Das Urlaubsentgelt dagegen ist eher mit der Lohnfortzahlung während einer Krankheit zu vergleichen. Auch hier hat der Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch darauf. Konkret bedeutet das, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, für die Zeit der vertraglich vereinbarten Urlaubstage seinem Arbeitnehmer den regulären Lohn weiterzuzahlen. In diesem Fall spricht man daher auch von bezahltem Urlaub.

Der Anspruch auf Urlaubsentgelt ist im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) im Paragraphen § 11 geregelt. Im ersten Absatz erfährt man, wie sich das Urlaubsentgelt berechnet, während sich der zweite Absatz damit beschäftigt, wann das Urlaubsentgelt zu zahlen ist.

Urlaubsentgelt berechnen: So geht’s

Die gute Nachricht gleich vorab: Wenn Sie sich fragen, wie Sie Ihr Urlaubsentgelt berechnen sollen, müssen Sie sich keine weiteren Gedanken machen. Eine zusätzliche Berechnung des Urlaubsentgelts entfällt nämlich. Ganz einfach aus dem Grund, dass das Geld, das Sie während Ihres Urlaubs bekommen genau dem Betrag entspricht, den Sie auch bekämen, wenn Sie ganz regulär weiterarbeiten würden.

Nehmen wir also an, Sie haben zwei Wochen Urlaub, arbeiten die restlichen beiden Wochen im Monat ganz regulär, dann kommen Sie trotz Urlaub auf Ihren regulären Lohn oder Ihr reguläres Gehalt, das Sie pro Monat beziehen. Allerdings reden wir hier natürlich von dem Grundgehalt.

Wenn Sie einen Job haben, in dem Sie regelmäßig Zuschläge bekommen, sieht die Sache schon wieder anders aus. In diesem Fall nimmt man das Durchschnittsgehalt, um das Urlaubsentgelt zu berechnen. Bis vor kurzem war das noch das Gehalt, das die Arbeitnehmer in den letzten 13 Wochen vor dem Urlaubsantritt bezogen haben. Mittlerweile – vermutlich weil es einfacher ist – zieht man zur Berechnung des Durchschnittsgehalts die letzten drei abgerechneten Monate heran.

Das bedeutet:

  • Zuschläge für Sonntags-, Nacht- und Feiertagsarbeit
  • Erschwernis- und Leistungszuschläge
  • Provisionen
  • Sachbezüge

haben einen Einfluss auf die Höhe des Urlaubsentgelts. Reisekosten oder Überstunden werden bei der Berechnung jedoch ausgeklammert.

Auch im Hinblick auf die zu zahlenden Sozialversicherungsbeiträge oder Lohnsteuer gibt es beim Urlaubsentgelt keine Überraschungen: Es läuft alles so weiter, wie gehabt.

Urlaubsentgelt in Teilzeit

Urlaubsentgelt in TeilzeitBei der Berechnung des Urlaubsentgelts bezieht man sich auf die letzten 13 Wochen (oder die letzten 3 abgerechneten Monate). Daher macht es keinen Unterschied, ob der Arbeitnehmer in Vollzeit oder Teilzeit arbeitet. Es ist sogar irrelevant, wie viele Stunden in Teilzeit gearbeitet haben.

Was Angestellte in Teilzeit jedoch kennen sollten, ist ihr Urlaubsanspruch. Dann wissen Sie nämlich auch, mit wie viel Urlaubsentgelt Sie rechnen können. Der gesetzliche Mindesturlaubsanspruch in Deutschland liegt bei 24 Werktagen, allerdings gilt bei dieser Berechnung auch der Samstag als Werktag und damit die 6-Tage-Woche als Standard.

Da jedoch nicht mehr allzu viele Arbeitnehmer in Deutschland noch sechs Tage pro Woche arbeiten, haben die meisten einen Mindesturlaub von 20 Tagen.

Wenn Sie nun in Teilzeit in einem Betrieb mit 5-Tage-Woche arbeiten, ist das Ihre Berechnungsgrundlage.

Bedeutet konkret:

20 Tage Urlaub durch fünf Werktage. Das Ergebnis multiplizieren Sie mit der Anzahl Ihrer Arbeitstage pro Woche. Schon wissen Sie, wie viel Urlaubsanspruch Sie pro Arbeitswoche haben.

Zur Verdeutlichung:

  • Sie arbeiten 4 Tage pro Woche: 20:5= 4*4= 16 Tage Urlaubsanspruch und damit auch Anspruch auf Urlaubsentgelt.
  • Sie arbeiten 3 Tage pro Woche: 20:5= 4*3= 12 Tage Urlaubsanspruch und damit auch Anspruch auf Urlaubsentgelt.

Urlaubsentgelt und Kündigung: Was nun?

Wenn Sie gekündigt haben und noch einen Anspruch auf Urlaubsentgelt haben, lohnt sich ein Blick ins Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Zwei unterschiedliche Fälle werden dabei nämlich genannt:

  • Die Kündigung fällt in die erste Hälfte des Jahres. Erfolgt also bis zum 30. Juni.
  • Die Kündigung fällt in die zweite Hälfte des Jahres und damit ab dem 01. Juli.

Im ersten Fall, also dann, wenn der Arbeitsvertrag vor dem 30. Juni gekündigt wurde, berechnet sich der Anspruch auf Urlaubsentgelt nach der Anzahl der Monate, die in diesem Jahr gearbeitet wurden. Pro Monat steht dem Arbeitnehmer ein Zwölftel des jährlichen Urlaubsentgelts zu.

Beispiel: Der Arbeitnehmer arbeitet die ersten vier Monate des Jahres noch voll im Unternehmen, bevor er kündigt. Bis zu diesem Zeitpunkt hat er noch einen Resturlaub von 21 Tagen. Vier volle Monate bringen ihm einen Anspruch von vier Zwölftel – oder besser gesagt einem Drittel – und damit sieben Tage, für die ihm Urlaubsentgelt zustehen. Gibt es keine Möglichkeit, dass der Arbeitnehmer noch vor seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen seinen Urlaub nimmt, muss ihm das Urlaubsentgelt ausbezahlt werden.

Kommt es erst nach dem 1. Juli zu einer Kündigung des Arbeitsvertrags, hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf seinen vollen Jahresurlaub – allerdings nur theoretisch. Noch eine weitere Voraussetzung muss erfüllt sein:

Der Arbeitnehmer muss die Wartezeit erfüllt haben. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer in dem aktuellen Jahr mindestens sechs Monate im Unternehmen gearbeitet haben muss. Erst nach diesen sechs Monaten besteht ein Anspruch in voller Höhe des Urlaubsentgelts. Kann er keine vollen sechs Monate nachweisen, beispielsweise deshalb, weil er erst im März ins Unternehmen gekommen ist, wird das Urlaubsentgelt anteilig (wie oben beschrieben) berechnet.

Urlaubsentgelt im Minijob: Was ist zu beachten?

Nicht alle Arbeitnehmer, die einen Minijob ausüben, bekommen auch Urlaubsentgelt – einige aber schon. Das hängt davon ab, ob Sie als Minijobber jeden Monat genau 450 Euro verdienen oder ob Ihnen Ihr Lohn oder Gehalt anhand der Stunden ausgezahlt wird, die Sie tatsächlich in dem betreffenden Monat gearbeitet haben. In diesem Fall haben Sie nämlich ein flexibles Einkommen und bei dieser Regelungen bekommen Sie auch kein Urlaubsentgelt.

Bekommen Sie dagegen jeden Monat fix 450 Euro, unabhängig davon, wie viel Sie im jeweiligen Monat tatsächlich gearbeitet haben, sieht die Sache schon wieder anders aus. Dann könnten Sie unter Umständen Urlaubsentgelt bekommen. Doch auch in diesem Fall gibt es noch etwas zu beachten.

Bei einem Minijob müssen Arbeitnehmer immer die Grenze für die maximale Höhe des Jahresgehalts beachten. Lassen Sie sich nach einer Kündigung das Urlaubsentgelt ausbezahlen, statt den Urlaub zu nehmen, können Sie unter Umständen über die Entgeltgrenze kommen und nicht mehr als Minijobber, sondern als Midijobber geführt werden. Welche Auswirkungen das haben kann, können Sie in unserem Artikel zum Thema Midijob nachlesen.

[Bildnachweis: Maridav by Shutterstock.com]
19. März 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.


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