Was ist Bildungsurlaub?
Bildungsurlaub ist eine gesetzlich geregelte Freistellung von der Arbeit für anerkannte Weiterbildung. Je nach Bundesland heißt er auch „Bildungszeit“, „Bildungsfreistellung“, „Arbeitnehmerweiterbildung“ oder – ab 2027 in Sachsen – „Qualifizierungszeit“. Entscheidend ist immer das Bundesland, in dem Sie arbeiten, nicht Ihr Wohnort.
Während des Bildungsurlaubs zahlt der Arbeitgeber das Gehalt weiter. Die Kosten für Kurs, Anreise oder Unterkunft tragen Arbeitnehmer grundsätzlich selbst. Der Bildungsurlaub wird nicht von Ihrem Erholungsurlaub abgezogen.
Bildungsurlaub |
Regelung |
| Anspruch | In 15 von 16 Bundesländern |
| Dauer | Meist 5 Tage pro Jahr bzw. 10 Tage in 2 Jahren |
| Gehalt | Wird vom Arbeitgeber weitergezahlt |
| Kurskosten | Trägt der Arbeitnehmer |
| Maßgeblich | Bundesland des Arbeitsplatzes |
| Antrag | Frist und Verfahren unterscheiden sich je nach Bundesland |
| Bayern | 2027 kein gesetzlicher Anspruch |
Habe ich Anspruch auf Bildungsurlaub?
Ob Sie Anspruch auf Bildungsurlaub haben, hängt von Ihrem Arbeitsort ab. Ab 1. Januar 2027 existiert in 15 Bundesländern eine gesetzliche Regelung. Neu dabei ist Sachsen: Das Sächsische Qualifizierungszeitgesetz tritt 2027 in Kraft und gibt Beschäftigten erstmals einen Anspruch auf drei bezahlte Arbeitstage pro Kalenderjahr für berufliche, politische oder ehrenamtliche Weiterbildung. Bayern bleibt damit das einzige Bundesland ohne eigenes Bildungsurlaubsgesetz.
Zusätzlich gelten je nach Landesgesetz unterschiedliche Voraussetzungen – etwa Wartezeiten, Regeln für kleine Betriebe, Teilzeitkräfte oder Auszubildende. Deshalb reicht die Frage „Habe ich grundsätzlich Bildungsurlaub?“ nicht aus. Entscheidend ist, ob Sie die Voraussetzungen Ihres Bundeslandes erfüllen und die gewählte Weiterbildung dort anerkannt ist.
Bildungsurlaub Schnellcheck
- In welchem Bundesland liegt Ihr Arbeitsplatz?
- Erfüllen Sie dort Wartezeit und weitere Voraussetzungen?
- Ist die gewünschte Weiterbildung für dieses Bundesland anerkannt?
- Halten Sie die vorgeschriebene Antragsfrist ein?
- Haben Sie Anerkennungsnachweis, Programm und Anmeldung vorliegen?
Können Sie diese Punkte abhaken, können Sie den Bildungsurlaub beim Arbeitgeber beantragen.
Bildungsurlaub nach Bundesland
Die Regeln sind nicht bundeseinheitlich. Typisch sind 5 Tage pro Kalenderjahr oder 10 Tage innerhalb von 2 Jahren. Die genaue Berechnung, Übertragung, Wartezeit und Anerkennung von Veranstaltungen richtet sich jedoch nach dem jeweiligen Landesgesetz.
Bundesland |
Bildungsurlaub 2027 |
| Baden-Württemberg | 5 Tage pro Jahr |
| Bayern | Kein gesetzlicher Landesanspruch |
| Berlin | 5 Tage pro Jahr |
| Brandenburg | 10 Tage innerhalb von 2 Jahren |
| Bremen | 10 Tage innerhalb von 2 Jahren |
| Hamburg | 10 Tage innerhalb von 2 Jahren |
| Hessen | 5 Tage pro Jahr |
| Mecklenburg-Vorpommern | 5 Tage pro Jahr |
| Niedersachsen | 5 Tage Bildungszeit pro Jahr |
| Nordrhein-Westfalen | 5 Tage pro Jahr |
| Rheinland-Pfalz | 10 Tage innerhalb von 2 Jahren |
| Saarland | Bis zu 5 Tage pro Jahr nach Landesregelung |
| Sachsen | Neu: 3 Tage Qualifizierungszeit pro Jahr |
| Sachsen-Anhalt | 5 Tage pro Jahr bzw. Zusammenfassung möglich |
| Schleswig-Holstein | 5 Tage pro Jahr |
| Thüringen | 5 Tage pro Jahr |
Neu beim Bildungsurlaub 2027
- Sachsen: Ab 1. Januar 2027 gilt erstmals ein gesetzlicher Anspruch auf 3 Tage bezahlte Qualifizierungszeit pro Kalenderjahr. Möglich sind berufliche, politische und ehrenamtliche Weiterbildung.
- Niedersachsen: Aus „Bildungsurlaub“ wird zum 1. Januar 2027 „Bildungszeit“. Der Anspruch beträgt weiterhin 5 Arbeitstage pro Jahr. Neu sind unter anderem flexiblere einzelne Bildungstage sowie ausdrücklich geregelte Online- und Hybridangebote. Die Anmeldung beim Arbeitgeber muss künftig mindestens 8 Wochen vor Beginn erfolgen.
Bildungsurlaub beantragen: So geht es in 4 Schritten
Beim Antrag sollten Sie nicht zuerst einen beliebigen Kurs buchen und anschließend prüfen, ob Sie dafür freigestellt werden. Gehen Sie besser in dieser Reihenfolge vor:
-
Anspruch prüfen
Prüfen Sie zuerst die Regeln für das Bundesland Ihres Arbeitsplatzes. Neben dem grundsätzlichen Anspruch können Wartezeiten, Betriebsgröße und Beschäftigungsstatus eine Rolle spielen.
-
Anerkannten Kurs auswählen
Die Weiterbildung muss die Voraussetzungen Ihres Landes erfüllen. Lassen Sie sich vom Anbieter die erforderlichen Anerkennungsunterlagen geben.
-
Antragsfrist beachten
Die Fristen unterscheiden sich erheblich. Stellen Sie den Antrag deshalb nicht erst kurz vor Kursbeginn. Je nach Bundesland müssen mehrere Wochen Vorlauf eingehalten werden.
-
Antrag mit Unterlagen einreichen
Reichen Sie Antrag, Anmeldebestätigung, Anerkennungsnachweis und gegebenenfalls das Seminarprogramm rechtzeitig beim Arbeitgeber ein. Bewahren Sie einen Nachweis über die Abgabe auf.
Bildungsurlaub-Antrag: kostenlose Vorlage
Gibt es im Unternehmen kein eigenes Formular, können Sie den Bildungsurlaub mit einem formlosen Schreiben beantragen. Wichtig sind der gewünschte Zeitraum und die notwendigen Unterlagen zur anerkannten Bildungsveranstaltung.
Beispielstr. 1
12345 Musterstadt
Name Arbeitgeber
Musterweg 99
54321 Beispielstadt
Antrag auf Bildungsurlaub
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit beantrage ich für die Zeit vom TT.MM.JJJJ bis TT.MM.JJJJ die Freistellung zur Teilnahme an der beigefügten anerkannten Bildungsveranstaltung.
Die Anmeldebestätigung, den Nachweis über die Anerkennung sowie die Unterlagen zu Inhalt und Ablauf der Veranstaltung habe ich beigefügt.
Bitte bestätigen Sie mir den Eingang meines Antrags sowie die Freistellung für den genannten Zeitraum schriftlich.
Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift
Vorlage kostenlos als Word-Datei herunterladen:
Bildungsurlaub Antrag (Word-Vorlage)
Welche Frist gilt für den Bildungsurlaub Antrag?
Es gibt bundesweit keine einheitliche Antragsfrist. Genau deshalb sollten Sie zuerst das für Ihren Arbeitsplatz geltende Landesgesetz prüfen. Je nach Bundesland beträgt der notwendige Vorlauf mehrere Wochen. Besonders wichtig ist Niedersachsen: Nach dem neuen Bildungszeitgesetz muss die geplante Bildungszeit mindestens 8 Wochen vor Veranstaltungsbeginn in Textform mitgeteilt werden. Reagiert der Arbeitgeber bis spätestens 4 Wochen vor Beginn weder mit einer Ablehnung noch mit einer Entscheidung über die Genehmigung, gilt die Bildungszeit als genehmigt.
Auch in anderen Ländern gelten konkrete Fristen. In Nordrhein-Westfalen muss die Inanspruchnahme beispielsweise mindestens 6 Wochen vor Beginn schriftlich mitgeteilt werden, in Baden-Württemberg spätestens 9 Wochen vorher.
Tipp: Antrag immer dokumentieren
Reichen Sie Ihren Antrag so ein, dass Sie Datum, Unterlagen und Zugang später nachweisen können. Lassen Sie sich bei persönlicher Abgabe den Empfang bestätigen oder nutzen Sie ein dokumentierbares betriebliches Verfahren. Das kann wichtig werden, wenn später über die Einhaltung einer Antragsfrist gestritten wird.
Kann der Arbeitgeber Bildungsurlaub ablehnen?
Ein gesetzlicher Anspruch bedeutet nicht, dass jeder Antrag genehmigt werden muss. Ablehnungsgründe und Verfahren unterscheiden sich nach Bundesland: Eine Ablehnung ist etwa möglich, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt sind, die Veranstaltung nicht anerkannt ist, die vorgeschriebene Frist versäumt wurde oder zulässige betriebliche Gründe entgegenstehen. Auch für kleinere Betriebe sehen einige Landesgesetze Sonderregeln oder Belastungsgrenzen vor. In Nordrhein-Westfalen besteht beispielsweise in Betrieben mit weniger als 10 Beschäftigten kein Anspruch auf Bildungsurlaub.
Wird Ihr Antrag abgelehnt, prüfen Sie zuerst die konkrete Begründung und das Landesgesetz. Je nach Fall können Personal- oder Betriebsrat, Gewerkschaft oder eine Rechtsberatung weiterhelfen.
Muss Bildungsurlaub berufsbezogen sein?
Nicht generell. Ob eine Weiterbildung anerkannt wird, richtet sich ebenfalls nach den Landesgesetzen. Neben beruflicher Weiterbildung erlauben verschiedene Länder auch politische Bildung oder Qualifizierungen für ehrenamtliches Engagement. Ein direkter Bezug zu Ihrer aktuellen Tätigkeit ist deshalb nicht bundesweit Voraussetzung. Entscheidend ist vielmehr, ob die Veranstaltung die gesetzlichen Anforderungen des Bundeslandes erfüllt, in dem Sie arbeiten.
Welche Angebote werden als Bildungsurlaub anerkannt?
Als Bildungsurlaub kommen deutlich mehr Weiterbildungen infrage als klassische Fachseminare. Anerkannte Angebote gibt es beispielsweise für Sprachen, IT und KI, Kommunikation und Rhetorik, berufliche Fachthemen, politische Bildung, Gesundheit und Prävention oder persönliche Kompetenzen. Auch Weiterbildungen im Ausland oder Online-Kurse können je nach Landesrecht möglich sein. Entscheidend ist jedoch nicht die Überschrift des Seminars: Nur weil ein Anbieter mit „Bildungsurlaub“ wirbt, bedeutet das nicht automatisch, dass der Kurs für Ihren Arbeitsort anerkannt ist!
In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen funktioniert die Anerkennung zudem anders als in vielen anderen Ländern: Dort werden grundsätzlich Bildungsträger bzw. Einrichtungen anerkannt, während in anderen Bundesländern die konkrete Veranstaltung anerkannt wird. Prüfen Sie deshalb vor einer verbindlichen Buchung immer den Anerkennungsnachweis für Ihr Bundesland und die Stornierungsbedingungen des Anbieters.
Wer bezahlt den Bildungsurlaub?
Beim Bildungsurlaub teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Kosten. Der Arbeitgeber stellt Sie für die anerkannten Bildungstage frei und zahlt Ihr Gehalt weiter. Kursgebühren sowie Kosten für Anreise, Unterkunft oder Lernmaterial tragen wiederum Sie selbst, sofern Arbeitgeber, Tarifvertrag oder Förderprogramme nichts anderes vorsehen. Beruflich veranlasste Weiterbildungskosten können als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Ob das für Ihren Bildungsurlaub gilt, hängt jedoch von Art und Zweck der Weiterbildung ab.
Kann ich Bildungsurlaub ins nächste Jahr übertragen?
Auch dafür gibt es leider keine bundesweit einheitliche Regel. Einige Länder gewähren den Anspruch unmittelbar innerhalb eines Zweijahreszeitraums, andere ermöglichen eine Zusammenfassung oder Übertragung, wieder andere lassen dies nicht zu. Deshalb sollten Sie nicht davon ausgehen, dass 5 ungenutzte Bildungstage automatisch ins Folgejahr wandern. Prüfen Sie frühzeitig die Regelung Ihres Bundeslandes, wenn Sie beispielsweise 10 Tage für einen längeren Sprachkurs oder eine andere Weiterbildung bündeln möchten.
Für Niedersachsen gilt ab 2027 eine neue Regel: Nicht genutzte Bildungszeit aus dem Vorjahr kann im laufenden Jahr nachgeholt werden. Mit Zustimmung des Arbeitgebers können zusätzlich Ansprüche aus den beiden davorliegenden Kalenderjahren genutzt werden.
Ist Bildungsurlaub auch in Teilzeit möglich?
Grundsätzlich können auch Teilzeitbeschäftigte Bildungsurlaub bzw. Bildungszeit beanspruchen, sofern sie unter das jeweilige Landesgesetz fallen. Die Zahl der freien Bildungstage orientiert sich regelmäßig an der Verteilung der Arbeitstage. Wer beispielsweise nur an 3 Tagen pro Woche arbeitet, erhält daher nicht denselben Anspruch wie ein Beschäftigter mit 5 regelmäßigen Arbeitstagen. Entscheidend sind wiederum die konkreten Vorschriften des Bundeslandes.
Was passiert nach dem Bildungsurlaub?
Lassen Sie sich vom Veranstalter eine Teilnahmebescheinigung ausstellen und reichen Sie diese beim Arbeitgeber ein, wenn das Landesrecht oder der Arbeitgeber den Nachweis verlangt. Bewahren Sie außerdem Rechnungen und Belege auf, wenn Sie Weiterbildungskosten später steuerlich geltend machen wollen. Damit ist der Bildungsurlaub abgeschlossen – ohne dass dafür ein Tag Ihres normalen Jahresurlaubs verloren geht.
Was andere dazu gelesen haben
