Workation: Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Arbeit und Urlaub – das müssen keine Gegensätze sein. In der modernen Arbeitswelt setzen sich flexible Modelle immer mehr durch. Dazu zählt auch Workation – ein Konzept, das die Grenzen zwischen Job und Urlaub aufweicht. Workation erlaubt das Arbeiten an den schönsten Orten der Welt – dort, wo andere Urlaub machen. Ob Informatiker, Blogger, Designer – wer ortsunabhängig und digital arbeiten kann, sollte Workation kennen. Wir erklären, wie das Modell funktioniert, welche Vorteile es hat und worauf Sie beim „remoten“ Arbeiten achten müssen…

Workation: Arbeiten, wo andere Urlaub machen

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Definition: Was ist Workation?

Workation ist ein Hybrid-Wort, das sich aus den englischen Begriffen „Work“ und „Vacation“ zusammensetzt – also Arbeit und Urlaub (oder Ferien). Es beschreibt eine Form der Arbeit, bei dem Arbeitnehmer oder Selbstständige an einen anderen (Urlaubs-)Ort, um dort ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Im Fokus steht die Verschmelzung von Urlaub und Arbeit, die üblicherweise im Gegensatz zueinander stehen.

Anders als bei Work and Travel, bei dem die Selbsterfahrung junger Menschen durch das Bereisen der Welt und deren Finanzierung durch Gelegenheitsjobs im Vordergrund steht, wird bei Workation der Hauptjob dort ausgeübt, wo andere Urlaub machen.

Möglichkeiten für Workation

Das kann für ein paar Tage, aber auch Wochen oder einen noch längeren Zeitraum sein. Gerade Freiberufler, deren Arbeit digital zu erledigen ist und keine feste Anwesenheit an einem bestimmten Ort erfordert, können an fernen Traumorten wie Bali, den Seychellen oder Australien arbeiten. Viele entfliehen auch dem Winter, um ihren Lebensmittelpunkt während den kalten Monaten beispielsweise nach Mallorca oder auf die Kanaren zu verlegen.

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Vorteile von Workation

An einem tollen Ort statt im tristen Büro arbeiten? Klingt verlockend – und tatsächlich sprechen einige Vorteile für Workation. Wir haben einige gute Gründe zusammengestellt:

  • Kreativität
    Workation kann helfen, die Dinge aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen und die Kreativität anregen. Der Wechsel an einem völlig neuen und aufregenden Arbeitsort sorgt für neue Ideen und Gedankengänge, die alte Muster aufbrechen können.
  • Zufriedenheit
    An einer Strandhütte oder am Pool zu arbeiten kann für große Zufriedenheit mit der Arbeit und der eigenen Lebenssituation sorgen.
  • Erholung
    Natürlich müssen Sie bei Workation arbeiten – in der Atmosphäre eines Urlaubsortes sind viele Arbeitnehmer jedoch weniger gestresst und können auch nach Feierabend besser abschalten.
  • Teambuilding
    Workation muss kein Solo-Aufenthalt sein. Teams können die Möglichkeit gemeinsam nutzen und so den Zusammenhalt in der Gruppe stärken, sich besser kennenlernen und ein größeres Wir-Gefühl entwickeln.
  • Flexibilität
    Der Wunsch nach Flexibilität wird immer größer – Workation ermöglicht dabei nicht nur zeitliche, sondern auch örtliche Ungebundenheit. Statt Mitarbeiter fest an den Arbeitsplatz zu koppeln, können diese überall auf der Welt arbeiten. Es zählt das Ergebnis und die Leistung, nicht die Anwesenheit.

Zielgruppe: Wer kann Arbeit und Urlaub kombinieren?

Bei allen Vorteilen muss auch gesagt werden: Längst nicht jeder Arbeitnehmer kann Workation nutzen und das Konzept umsetzen. Wer beispielsweise drei Mal pro Woche einen persönlichen Termin mit Kunden hat, kann nicht für einen Monat auf einer sonnigen Insel arbeiten. Klare Zielgruppe sind Mitarbeiter, Selbstständige oder Freiberufler, die ausschließlich digital arbeiten und Ihre Leistung – ohne persönliche Anwesenheit – über das Internet erbringen können. Dazu zählen:

  • Blogger
  • Designer
  • Programmierer
  • Digitale Nomaden
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Voraussetzungen: Was braucht es für Workation?

Neben den beruflichen Voraussetzungen braucht es auch einige persönliche Eigenschaften, die Sie für erfolgreiches Workation mitbringen sollten. Besonders wichtig sind:

  1. Disziplin
    Es erfordert ein deutlich höheres Maß an Disziplin, um sich auch an den schönsten Orten der Welt zur Arbeit motivieren zu können.
  2. Kommunikationsfähigkeit
    Absprachen, klare Organisation und Zuordnungen erfordern ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit, gerade wenn Sie nicht vor Ort sind. Umso wichtiger, dass alle Informationen weitergegeben werden.
  3. Mut
    Solch neue Modelle der Arbeit auszuprobieren erfordert Mut. Nicht jeder traut sich, den Arbeitgeber nach der Möglichkeit zu fragen oder die Option tatsächlich umzusetzen. Wer lieber seine gewohnten Abläufe im Büro hat, wird mit Workation kaum glücklich.
  4. Selbstbewusstsein
    Sicher werden Sie hin und wieder auf Unverständnis und Kritik stoßen – hier braucht es Selbstbewusstsein, um die eigene Arbeitsweise zu vertreten. Oftmals ist es auch versteckter Neid auf die Arbeit an schönen Orten, der zu Kritik führt.
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Workation organisieren: Die nötigen Schritte

Sie sind interessiert und wollen die Verschmelzung von Arbeit und Urlaub ausprobieren? Dann haben Sie verschiedene Möglichkeiten, die Workation organisieren zu können:

Workation selbst planen

Ihre erste Option ist es, die Organisation komplett selbst zu übernehmen. Hier planen, buchen und gestalten Sie den Aufenthalt in Eigenregie und übernehmen die volle Verantwortung für die gesamte Reise und deren Ablauf. Die wichtigsten Aspekte, um die Sie sich kümmern müssen, sind:

  • Zustimmung vom Chef (falls notwendig)
  • Organisation der Finanzierung
  • Mögliche Einladung weiterer Teilnehmer, wenn Sie als Gruppe zur Workation reisen wollen
  • Suche und Buchung des Reiseortes und des Hotels
  • Klärung der Arbeitsmöglichkeiten vor Ort (vor allem Internet- und Telefon)
  • Buchung von Hin- und Rückflügen

Workation Angebote

Mittlerweile gibt es auch professionelle Angebote für Workation, die Sie als Gesamtpaket buchen können. Hier sparen Sie sich eine Menge Arbeit und Stress im Vorfeld – zahlen dafür aber in der Regel mehr, als wenn Sie alles selbst übernehmen. Mit etwas Recherche ist ein Workation nahezu überall buchbar, ob Sie an einen schönen Strand in der Sonne oder einen ruhigen Rückzugsort in den Bergen wollen.

Einige Workation Angebote finden Sie hier:

  • Workation Wireless
  • Robinson
  • Coconat Workation
  • TUI Magic Life

Preise für Workation

Es ist schwer allgemein zu sagen, mit welchen Kosten Sie für Workation rechnen müssen. Entscheidende Faktoren sind nicht nur Ort, Unterkunft sowie die Dauer des Aufenthalts und die damit verbundenen Reisekosten. Auch die Anzahl der Teilnehmer, die Jahreszeit und die Möglichkeiten vor Ort müssen an das Budget angepasst werden. So sollten Sie sich bei der Suche nach Angeboten immer einige Fragen stellen:

  • Wer und wieviele nehmen an der Workation teil?
  • Welches Ziel wird mit der Workation verfolgt?
  • Welcher Zeitraum wird benötigt, um das Ziel zu verfolgen?
  • An welchem Ort ist dieses Ziel am besten zu erreichen?

So ist zum Beispiel ein Teambuilding-Event mit gemeinsamen Kochabenden oder dem Besuch eines Hochseilgartens sicher auch in Deutschland möglich. Für eine ausführliche Klausurtagung mit einer Neuausrichtung einer Abteilung, verbunden mit dem intensiven Kennenlernen der Kollegen im zwanglosen Kontext bietet sich hingegen eher ein längerer Aufenthalt im Süden am Meer an.

Die Preise reichen von 25 Euro bis zu 200 Euro pro Tag und Person. Ein Luxus-Ressort bietet dabei natürlich andere Standards als gehobene Campingmöglichkeiten für Selbstversorger, muss aber auch finanzierbar sein.

Checkliste: So gelingt Workation

Wer die Möglichkeit hat, Workation umsetzen zu können, sollte auf einiges achten. Die Online-Psychologen, Expats, Auswanderer und Langzeitreisende Sarah Kistner und Klemens Lühr haben eine Checkliste erstellt, mit der sie eine Workation erfolgreich organisieren können:

  • Definieren Sie ein inhaltliches Ziel
    An welcher Aufgabenstellung soll gearbeitet werden? Was soll innerhalb der Workation erreicht werden?
  • Klären Sie Arbeitszeiten
    Workation ist eben nicht nur Urlaub, sondern auch Job. Legen Sie deshalb möglichst frühzeitig klare Arbeitszeiten fest – und einen ebenso klaren Feierabend, damit Urlaub und Erholung beginnen können.
  • Einigen Sie sich auf Ort und Zeitdauer
    Als Chef können Sie dies mit dem Team gemeinsam entscheiden – dabei darf das Budget nicht aus dem Blick geraten. Meistens müssen entsprechende Kompromisse gefunden werden
  • Wer kommt mit?
    Wenn die Abteilung zu groß ist, finden Sie eine inhaltliche Logik und Personalauswahl: nicht Sympathie, sondern Funktion entscheidet. Das schützt vor Neid.
  • Legen Sie Regeln für den Reiserücktritt und -abbruch fest
    Sprechen Sie auch über Notfallregelungen: Darf ich als Mitarbeiter abreisen, wenn zu Hause mein Kind Erkältung hat oder die Katze weggelaufen ist?
  • Informieren Sie alle wichtigen Personen
    Überprüfen Sie, welche Kunden und daheimbleibenden Kollegen über Ihren neuen Arbeitsort informiert sein müssen.

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