Coaching: Was es kann, wer es nicht kann

Coaching boomt. Jeder zweite Manager hat sich in den vergangenen fünf Jahren coachen lassen. Die Menschen lassen sich heute in allen Lebenslagen und Lebensfragen begleiten, beraten und bei der Selbstoptimierung unterstützen. Bewerbung, Job und Karrieregestaltung, Gesundheit und Ernährung, Partnerschaft und Liebe, Persönlichkeitsentwicklung und Image, Kapital und Kompetenz – Coaching gibt es überall. Überall geht es darum, besser zu werden, Schwächen zu erkennen, sie auszubügeln, Stärken zu stärken, noch mehr aus sich heraus zu holen. Ständig auf dem Weg zum besseren Ich. Bevor Sie sich in ein Coaching stürzen, sollten Sie aber überlegen, was Sie damit erreichen wollen und ob ein Coach Ihnen dabei wirklich helfen kann. Worauf kommt es beim Coaching an? Worauf sollte ich bei der Auswahl eines Coaches achten? Wir klären auf…

Coaching: Was es kann, wer es nicht kann

Definition: Was ist Coaching?

Coaching Definition Arten Methoden Kritik Kosten PreiseCoaching scheint ein wahres Wundermittel zu sein. Wer alleine nicht weiterkommt, sucht sich einen Coach und in kürzester Zeit lassen sich die gesteckten Ziele erreichen, Veränderungen durchführen, Denkweisen verbessern und Erfolge erzielen. Bei diesem Ruf ist es nicht überraschend, dass es nicht nur unzählige Coaches und Trainer gibt, sondern auf der anderen Seite ebenso zahlreiche Coachees, Kunden und Klienten.

Hinter dem Trend zum Coaching steht dabei nicht selten Angst und Unsicherheit. Gehe ich in der masse unter? Kann ich noch mithalten? Bin ich gut genug? Coaching verspricht Hilfe und Unterstützung. Allerdings haben viele zunächst eine falsche Vorstellung davon, was Coaching wirklich ist und wie der Prozess abläuft.

Falsch ist, dass ein Coaching Ihnen Antworten auf dem Silbertablett präsentiert, Ihnen sagt und vorgibt, was Sie zu tun haben. Ebenso wenig ist ein Coach dafür zuständig, Ihnen neue Fähigkeiten oder Kompetenzen beizubringen. Noch viel weniger ist Coaching Ersatz für die Arbeit eines Psychotherapeuten: Kindheitstrauma, Angstzustände, Depressionen, Burnout oder Suchtprobleme sind nicht das Einsatzgebiet für klassisches Coaching.

Der Coach ist eher eine Art mentaler Unterstützer, ein Wegweiser, der seinem Gegenüber dabei hilft, selbst Erkenntnisse zu gewinnen und das Beste aus sich herauszuholen – wenn es sein muss durch schonungslose Ehrlichkeit.

Erfolgreiches Coaching orientiert sich dabei an einigen Grundsätzen:

  • Coaching ist interaktiv

    Beim Coaching geht es nicht darum, dass eine Seite arbeitet und redet, während die andere Seite nur passiv zuhört und sich berieseln lässt. Erfolgreiches Coaching erfordert Zusammenarbeit von Coach und Coachee.

  • Coaching ist prozessorientiert

    Ziel eines Coachings ist es nicht, vorgefertigte Lösungen zu präsentieren oder das Problem eines Klienten in passende Schablonen zu pressen. Ein guter Coach begleitet und unterstützt beim Prozess der Lösungsfindung. Dabei ermöglicht er es dem Coachee, seinen eigenen individuellen Weg zu finden und passende Strategien zu entwickeln.

  • Coaching ist neutral

    Der Coach sollte keine eigenen Ziele verfolgen oder seinen Coachee in eine bestimmte Richtung lenken wollen. Das Coaching sollte möglichst neutral und unabhängig sein, damit der Klient seine eigenen Ansichten hinterfragen und Ideen entwickeln kann.

  • Coaching ist gleichberechtigt

    Im besten Fall sollte Coaching möglichst auf Augenhöhe stattfinden und nicht das Gefühl verschiedener Hierarchien vermitteln. Der Coach steht nicht über dem Coachee, sondern Schulter an Schulter direkt an seiner Seite. Ein sinnvolles Coaching entwickelt sich zu einem Dialog, bei dem der Coach, fragt, nachhakt und genau hinhört.

  • Coaching ist freiwillig

    Coaching muss auf freiwilliger Basis und aus Motivation des Coachee heraus erfolgen. Wird ein Coaching aufgezwungen oder nur widerwillig durchgeführt, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit kein Erfolg einstellen.

Wichtig ist deshalb auch zu verstehen, was Coaching kann – und was es eben nicht kann. Ein Coach kann vorhandene Begabungen Wecken, Impulse geben, auf Verbesserungen hinarbeiten, Selbstreflexion anregen und Sie bei der Persönlichkeitsentwicklung unterstützen.

Es kann aber eben doch keine Wunder bewirken, es macht nicht auf magische Weise erfolgreich, sondern kann lediglich auf dem Weg dahin helfen, wenn Sie bereit sind, die nötige Arbeit zu investieren und teilweise unangenehme Schritte und Veränderungen durchzumachen. Auch sollten Sie nicht erwarten, dass ein Coaching innerhalb kurzer Zeit einen komplett neuen Menschen aus Ihnen macht.

Glossar: Unterschiede zwischen Coaching, Training, Beratung

Coaching Arten Bereiche Methoden Kritik Kosten UnterschiedeBeim Coaching werden viele Begriffe in einen Topf geworfen, synonym verwendet, durcheinander gebracht und verwechselt. So ist es oftmals schwer, die Unterschiede zu erkennen und zu verstehen, worum es überhaupt geht. Tatsächlich sind aber zum Beispiel Coaching und Beratung nicht identisch, auch wenn diese gerne gleichgesetzt werden.

Zur besseren Abgrenzung und Orientierung haben wir deshalb ein Glossar zu Coaching, Training, Supervision, Mentoring, Mediation & Co. zusammengestellt:

  • Coaching

    Coaching hat in der Regel die Persönlichkeit des Klienten im Fokus. Der Coach hilft dem Coachee spezielle (berufliche) Fähigkeiten auszubauen oder zu verbessern, wobei dieser Entwicklungsprozess in erster Linie eine Art Selbstreflexion und Hilfe zur Selbsthilfe bleibt. Im Gegensatz zur Beratung soll der Coachee die Lösung selber finden. Coaching kann aber auch ein Mix sein aus Beratung, Feedback und praxisorientiertem Training.

  • Training

    Training dient in erster Linie dem Erlernen konkreter Fähigkeiten oder Verhaltensweisen. Dabei konzentriert sich der Trainer – anders als beim Coaching – weniger auf die Selbstreflexion seines Klienten, sondern auf konkrete Übungen und ein klares Trainingsziel. Die Rollen sind klar verteilt: Der Trainer ist der Experte und Meister, der Klient sein Schüler.

  • Mentoring

    Mentoring ist ein Instrument der Personalentwicklung. Dabei kommt es zu einer Patenschaft zwischen einer (unerfahrenen) Führungskraft, dem Mentee und einem meist älteren, erfahreneren Manager, dem Mentor, der sein Wissen und seine Erfahrungen an den Protegé weitergibt. Ziel ist, dem Mentee bei seiner persönlichen oder beruflichen Entwicklung auf die Sprünge zu helfen. Im Unterschied zum Coaching nimmt der Mentor keine neutrale Position ein, auch hier herrscht vorrangig ein Meister-Schüler-Verhältnis. Falls beide für dasselbe Unternehmen arbeiten verfolgt der Mentor zudem oft die Interessen des Arbeitgebers und nicht zwingend die seines Mentees.

  • Mediation

    Mediation ist ein freiwilliges und außergerichtliches Schlichtungsverfahren bei akuten Konflikten. Beide mediierenden Parteien müssen dem Verfahren deshalb vorher zustimmen. Der Mediator ist zur Überparteilichkeit verpflichtet. Er trifft daher auch keine Entscheidungen, sondern leitet neutral die Aussprache und unterbreitet anschließend Einigungsvorschläge. Auch Beratung ist dabei eher unüblich.

  • Supervision

    Supervision wiederum ist eine Beratungsform. Dabei werden in der Regel die Interaktionen und Verhaltensmuster innerhalb eines Teams oder einer Organisationen analysiert, um sie entweder zu verbessern oder potenzielle Konfliktherde zu beseitigen. Supervisor und Klienten legen vorher fest, nach welchen Spielregeln das Ganze abläuft. Im Prozess selbst werden dann oft konkrete Situationen und das Innenleben der Beteiligten reflektiert, um die jeweiligen Motive transparenter zu machen.

  • Psychotherapie

    Psychotherapie dagegen konzentriert sich auf die Behandlung von Menschen mit geistig-seelischen, körperlichen und psychosomatischen Krankheiten. Diese Aufgabe dürfen nur entsprechend ausgebildete Psychotherapeuten (mit Einschränkungen auch Heilpraktiker) übernehmen. Zwei Formen sind dabei besonders häufig: In der Tiefenpsychologie setzt sich der Patient vor allem mit seinem Unterbewusstsein auseinander. In der Verhaltenstherapie wird ihm geholfen, sich seine Gedanken und Bewertungen bewusst zu machen und – falls gewünscht – zu verändern.

Voraussetzungen: Sind Sie bereit für ein Coaching?

Ein Coaching lohnt sich immer und für jeden? Nicht ganz, denn Sie sollten einige Voraussetzungen erfüllen, um wirklich von einem Coaching profitieren zu können. Ansonsten verschwenden Sie möglicherweise Ihre Zeit und auch eine Menge Geld, ohne einen Nutzen daraus ziehen zu können.

Bevor Sie ein Coaching beginnen, sollten Sie sich fragen, ob die folgenden Punkte auf Sie zutreffen. Es handelt sich dabei um wichtige (mentale) Voraussetzungen für ein Coaching:

  1. Sie wollen sich verändern

    Ich bleibe genau so, wie ich bin. Zufriedenheit mit sich selbst ist gut, doch wer glaubt, bereits perfekt zu sein und davon keinen Millimeter abrücken will, ist bei einem Coaching falsch aufgehoben. In einem solchen Fall suchen Sie lediglich Bestätigung, ein Coaching führt aber raus aus Ihrer Komfortzone und stellt Sie vor neue Herausforderungen.

  2. Sie sind neugierig auf die Möglichkeiten

    Ein guter Coach, wird Ihnen dabei helfen, Horizonte zu erweitern, neue Ziele zu entdecken und zu verfolgen. Damit daraus ein Erfolg wird, sollten Sie nicht nur Veränderungswille mitbringen, sondern echten Abenteuerwillen. Die Lust und Neugier darauf, Neues zu lernen. Das ist etwas anderes als: „Na gut, dann probier ich das halt mal…“

  3. Sie können Ehrlichkeit vertragen

    Vor allem dann, wenn es weh tut? Ein guter Coach wird Ihnen den Spiegel vorhalten, womöglich auch Kritik üben. Zwar immer konstruktiv, aber wirken kann das nur, wenn Sie nicht sofort in die Defensive gehen, zuhören und das Gehörte ehrlich reflektieren. Ein Coaching kann durchaus unangenehme Facetten haben, an denen Sie wachsen müssen, statt sich zu verschließen.

  4. Sie können sich selbst hinterfragen

    Der Punkt ist mit den ersten beiden verwandt, geht aber einen Schritt weiter: Er bedeutet, dass Sie sich wirklich auf Ihr neues Selbstbild einlassen, sich dafür engagieren. Aber auch ein komplettes und ehrliches Bild Ihrer aktuellen Situation akzeptieren.

Nutzen Sie zur Orientierung und als Entscheidungshilfe ebenfalls unser kostenloses Booklet „40 Gründe, sich einen Coach zu suchen„. Hier kostenlos als PDF herunterladen.

Ablauf: 7 typische Phasen des Coachings

Ein Coaching ist natürlich immer individuell und sollte auf die Ziele, Fragen, Bedürfnisse und Erwartungen des Coachees angepasst werden. Es lassen sich aber trotzdem klassische Phasen im Ablauf eines Coachings identifizieren.

Diese sollten Sie kennen, um ein besseres Bild davon zu haben, was in einem Coaching auf Sie zukommen kann – und sollte. In der Praxis werden diese natürlich nie so klar und scharf abgegrenzt, zur Verdeutlichung haben wir aber trotzdem den Ablauf in 7 typische Phasen beim Coaching unterteilt:

  1. Vorgespräch

    In dieser ersten Aufwärmphase lernen sich Coach und Coachee kennen, klären berufliche Hintergründe und Arbeitsweisen, bauen gegenseitiges Vertrauen auf und identifizieren die Schwerpunkte des Coachings. Oft wird dabei schon die aktuelle Situation angesprochen sowie die Ziele und der zeitliche Rahmen für das Coaching geklärt.

  2. Vereinbarung

    Die Chemie stimmt. Doch bevor es losgeht, müssen beide noch den Rahmen fixieren: Ziele? Erwartungen? Wie viele Sitzungen soll es geben? Wo und wann finden sie statt? Was ist, wenn einer absagt? Und natürlich: Was wird das Coaching kosten? Die wichtigsten Punkte müssen im Vorfeld geklärt werden, damit es keine Missverständnisse geben kann.

  3. Analyse

    Das Coaching beginnt. Der Coach stellt nun vor allem Fragen, sammelt Informationen, identifiziert Problemfelder, konkretisiert sie und analysiert mögliche Blockaden und Potenziale beim Klienten. Zunächst geht es vor allem darum, den Status Quo zu verstehen.

  4. Veränderung

    Der Coach gibt nun erstes Feedback, reflektiert seine Analyse, stellt Handlungsoptionen und Strategien vor. Das sind jedoch keine Anweisungen, vielmehr moderiert er die vom Klienten gewünschten Veränderungsschritte. Allenfalls hinterfragt er noch Details oder verstärkt den Coachee in seiner Entscheidung.

  5. Umsetzung

    Jetzt gibt es Hausaufgaben: Der Coach überträgt die identifizierten Handlungsschritte in konkrete Alltagsaufgaben. Entscheidend ist jetzt vor allem der Wille und die Disziplin des Coachees. Denn leicht ist die Umsetzung meist nicht, sondern erfordert Überwindung und Anpassung an die eigenen Ziele.

  6. Erfolgskontrolle

    Was ist passiert? Was hat sich verändert? Coach und Coachee analysieren nun die Effizienz und den Erfolg der vereinbarten Strategien. Daraus leiten sie weitere Schritte ab oder aber beide orientieren sich neu und entwickeln neue Strategien und Aufgaben, wenn der bisherige Weg nicht die angestrebten Ziele erreichen konnte.

  7. Abschluss

    Das Coaching sollte nie einfach auslaufen. Es endet erst mit einem abschließenden Resümee: Was hat der Coachee gelernt? Welche Methoden und Kompetenzen hat er neu entwickelt? War er mit der Beratung zufrieden? Und traut er sich zu, die behandelten Probleme künftig ohne Coach zu meistern? Ein Ziel hat jedes Coaching: Die Hilfe zur Selbsthilfe – und sich selbst damit (in diesem Problemfall) überflüssig zu machen.

Coaching: Kosten und Übernahme durch den Arbeitgeber

Wer bezahlt das Coaching? Argumente für ArbeitgeberEin Coaching ist immer eine Investition – zum Teil sogar eine sehr große. Wer sich über einen längeren Zeitraum coachen lassen möchte, muss dabei möglicherweise ganz schön tief in die Tasche greifen. Wie hoch die Kosten für ein Coaching sind, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab.

Besonders wichtig sind…

  • die Qualifikation, die ein Coach mitbringt
  • die Erfahrung des Coaches
  • Zertifikate und Spezialisierungen
  • Art des Coachings (Einzelcoaching oder Gruppencoaching)

Wollen Sie ein gutes und professionelles Coaching, müssen Sie mindestens mit einem Stundenlohn von 100 Euro rechnen, in den meisten Fällen liegen Sie eher zwischen 130 Euro und 150 Euro. Ein Qualitätsmerkmal sind die Kosten zwar nicht, doch sollten Sie bei sehr günstigen Angeboten vorsichtig sein.

Im besten Fall können Sie Ihren Arbeitgeber überzeugen, dass dieser das Coaching bezahlt oder zumindest einen Zuschuss leistet. Schließlich hat das Coaching einige Vorteile, von denen auch Unternehmen fast unmittelbar profitieren. Durch Coaching können Mitarbeiter…

  • Stressresistenz oder Stressbewältigungsstrategien verbessern.
  • persönlich wachsen, ihren Horizont erweitern – und ihre neuen Erkenntnisse auch im Job einbringen.
  • ihre Prioritäten neu setzen und dadurch fokussierter an ihre Aufgaben gehen.
  • ihre Balance zwischen Arbeit und Privatleben finden – und das Burnout-Risiko drastisch senken.
  • Kreativität freisetzen und neue Ideen auch am Arbeitsplatz einbringen.
  • ihre Ressourcen und Grenzen besser kennen lernen und so Überlastung vermeiden.

Die Punkte eignen sich allerdings nur dann als Argument für die Finanzierung eines Einzel- oder Gruppencoachings, wenn Chef und Geschäftsführung den Zusammenhang zwischen persönlicher Entwicklung und Arbeitsleistung verstehen. Es liegt deshalb an Ihnen, in einem Gespräch die Vorzüge zu verdeutlichen und klar zu machen, warum es sich lohnt, wenn der Chef die Kosten für ein Coaching übernimmt.

Checkliste: So finden Sie den richtigen Coach

Auf der Suche nach einem Coaching werden Sie schnell auf eines der größten Probleme stoßen. Gemeint ist die Frage: Wie finde ich den richtigen und für mich passenden Coach? Es gibt nahezu unzählig viele Angebote von Coaches, die alle große Versprechungen machen und professionell klingen.

Gar nicht so leicht, den richtigen zu finden. Das vielleicht wichtigste Kriterium für die Wahl eines Coachings ist dabei die Chemie zwischen Ihnen und dem Coach. Nur wer seinem Coach voll und ganz vertraut, kann von der Zusammenarbeit profitieren und lässt sich wirklich auf den Austausch ein.

Auf was Sie darüber hinaus achten und wie Sie Ihren Coach auswählen sollten, finden Sie in der folgenden Checkliste:

  • Recherche

    Vor der Wahl eines Coaches sollte eine gründliche Recherche stehen. Nehmen Sie nicht gleich das erste Angebot, sondern schauen Sie sich Alternativen an. Eine gute Quelle ist auch Ihr berufliches Netzwerk. Fragen Sie die Leute in Ihrem Umfeld (Personaler, Vorgesetzte, Kollegen, Bekannte), wer gute Erfahrungen mit einem Coach gemacht hat. Orientierung bieten auch Datenbanken im Internet: Als seriös gelten zum Beispiel die Karriereexperten, Coach-Datenbank.de oder das Coachingportal.

  • Referenzen

    Seriöse Anbieter können nachprüfbare Referenzen nennen. Meist sind das Personalentwickler in Unternehmen. Obacht allerdings bei Zertifikaten: Im deutschsprachigen Raum gibt es rund 300 Institutionen, die Coaches ausbilden, zudem über 20 Coaching-Verbände, die allesamt teils eigene Qualitätsstandards propagieren und eigene Zertifikate vergeben. Gute Coachs haben sich hingegen meist auf bestimmte Branchen, Bereiche und Themen spezialisiert. Fragen Sie auch danach, ob sich der Coach selbst regelmäßig von einem Experten begutachten lässt.

  • Ausbildung

    Achten Sie auf die Qualifikation des Coachs. Er sollte mindestens 30 Jahre alt sein, ein Hochschulstudium (ideal sind Wirtschaftswissenschaften und Psychologie) sowie eine 12- bis 15-monatige Coachingausbildung absolviert haben. Zudem sollte er oder sie mindestens drei Jahre Berufserfahrung mitbringen und sich in der Wirtschaft auskennen. Jemand, der noch nie ein Unternehmen von innen gesehen hat, wird Ihre beruflichen Probleme nur schwer verstehen.

  • Methoden

    Top-Coaches sind in der Lage verschiedene Perspektiven einzunehmen und unterschiedliche Methoden anzuwenden. Fragen Sie also nach dessen praktischen Erfahrungen in unterschiedlichen Jobs und nach seinen Qualifizierungen. Ein guter Coach versteht es, verschiedene Gesprächstechniken passend zur Situation einzusetzen. Sätze wie „Wenn Sie Karriere machen wollen, müssen Sie…“, haben dabei nichts zu suchen. Gute Coachs bilden sich regelmäßig weiter. Auch das sollten sie dokumentieren können.

  • Vorgespräch

    Üblich ist ein kostenloses Vorgespräch mit dem Coach. Seien Sie aber vorsichtig: Scharlatane laden gern zu unverbindlichen Schnuppersitzungen und stellen diese später in Rechnung, falls kein Auftrag folgt. Dagegen gibt es kaum eine juristische Handhabe, weil Sie vor Gericht nur schwer nachweisen können, nicht beraten worden zu sein. Im Vorgespräch geht es darum zu klären, was Sie erreichen wollen, ob der Coach Ihnen dabei helfen kann, mit welchen Methoden und ob Sie beide einen Draht zueinander finden. Sympathie ist für den weiteren Prozess essenziell. Bitten Sie den Coach aber auch, einen beispielhaften Prozess zu schildern. So sehen Sie konkret, wie er arbeitet.

  • Kosten

    Unterschreiben Sie nie einen Vertrag beim Erstkontakt. Seriöse Anbieter informieren, nennen mögliche Konditionen der Zusammenarbeit und gewähren Bedenkzeit. Übliche Kosten sind wie bereits erwähnt Stundensätze zwischen 100 und 200 Euro. Oft sind Sitzungen auch mehr als eine Stunde lang, um konzentriert gemeinsam arbeiten zu können und wirklich etwas zu erreichen.

Kritik: Vorsicht vor falschem Coaching

Die Schattenseite des Coachings: Ein undurchsichtiger MarktBei all dem Hype und der Beliebtheit des Coachings gibt es trotzdem regelmäßig Kritik. Der wahrscheinlich größte Kritikpunkt dabei: Der Begriff Coach ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung und somit kann grundsätzlich jeder selbsternannte Coach diverse Coachings anbieten. Klienten laufen somit tendenziell Gefahr, an einen Quacksalber, Scharlatan und Trittbrettfahrer zu geraten, der keinerlei Kompetenz, Erfahrung oder Wissen im Bereich des Coachings mitbringt.

Ein weiteres Problem der Branche: Der Coaching-Markt ist aufgrund der fehlenden Reglementierungen höchst unübersichtlich. Gerade in den letzten Jahren schießen immer mehr Coaches aus dem Boden und die Zahl der Anbieter explodiert. Und leider tummeln sich darunter und viele fragwürdige Gestalten, die sich Coach, Trainer oder ähnliches nennen und mit ihrer gutgläubigen Klientel alles Mögliche zelebrieren – vom Glasscherbenlaufen bis zur Urschreitherapie. Nur eben kein wirkliches Coaching.

Unzählige dieser selbsternannten Menschenverbesserer überschwemmen den Coaching-Markt, während die Zahl der echten Profis mit einer qualifizierten Ausbildung weit darunter liegt.

Wie so oft liegt es daher am Einzelnen, genau zu prüfen, wem er sich anvertraut, wie der Coach seine Leistung definiert, wie er Erfolg und Vertraulichkeit sicherstellt, welche Kompetenzen und Referenzen er nachweisen kann und wie er am Ende abrechnet.

Vorsicht Coach: 6 Sätze, die unseriöse Coachs entlarven



Sie werden sich danach auf jeden Fall besser fühlen.

Die Aussage mag gut gemeint sein, doch wenn sich der Nutzwert des Coachings darauf beschränkt, sollten Sie lieber die Finger davon lassen. Ernsthaftes Coaching kann sogar dazu führen, dass Sie sich zwischenzeitlich schlechter fühlen und mit aufkommenden Emotionen oder unangenehmen Erkenntnissen zu kämpfen haben. Diese Phasen vergehen zwar, sind für manche Veränderung und manchen Prozess jedoch notwendig.

Die Beförderung schaffen Sie, ist nur eine Frage der Zeit.

Selbst wenn Ihr erklärtes Ziel eine Beförderung ist, sollte eine solche Aussage nicht von einem seriösen Coach kommen. Erstens kann der keine Erfolgsgarantie geben; zweitens kann sich im Coaching zeigen, dass eine Beförderung vielleicht gar nicht der für Sie passende Weg ist. Ein Coach, der Alternativen von vornherein ausschließt, ist keine echte Hilfe.

Da habe ich genau die richtige Methode für Sie.

Wenn dieser Satz im Coaching-Prozess und im Kontext eines konkreten Problems fällt, ist er unproblematisch. Wird er jedoch zu Beginn des Coachings und nach einem Einstiegsgespräch geäußert, sollten Sie den Coach wechseln. Wer versucht, Ihnen Standard-Methoden überzustülpen, ohne Sie richtig kennenzulernen, wird Sie sicher nicht weiterbringen.

Meiner Meinung nach sollten Sie das ganz anders machen.

Stopp! Die Meinung eines Coachs ist nicht gefragt. Selbst wenn er seine Haltung und Meinung begründen kann, ist Vorsicht geboten. Ein seriöser Coach wird Ihnen nicht seine Meinung aufdrücken, sondern Sie durch Fragen und Rückmeldungen zur Reflexion anregen. Welche Schlüsse Sie daraus ziehen, liegt allein bei Ihnen.

Aber das brauchen Sie doch gar nicht.

Auch hier gilt: Ein guter Coach wird Sie durch gezielte Fragen und Impulse dazu bringen, Ihren Ansatz und Ihre Ausrichtung zu hinterfragen. Er wird Ihre Entscheidung jedoch auch akzeptieren und respektieren und Ihnen – wenn Sie den Reflexionsprozess durchlaufen haben – nicht widersprechen. Und er wird auf keinen Fall versuchen, Ihnen etwas auszureden.

Sie müssen einfach mal etwas mehr an sich glauben.

Hier handelt es sich um eine klassische Durchhalteparole, die vielleicht von pseudo-professionellen Motivationsgurus, nicht jedoch von einem seriösen Coach kommen darf. Wer einfache Lösungen und Durchhalteparolen nutzt, hat inhaltlich schlicht nichts zu bieten und macht sich keine Gedanken über die mögliche Wirkung seiner Aussagen.




Große Kritik wird auch immer wieder an den Methoden im Coaching laut. Es handelt sich dabei nicht um wissenschaftlich fundierte Methoden, weshalb Kritiker an der Wirksamkeit und dem nutzen des Coaching zweifeln.

Anleitung zum Selbstcoaching: Diese Fragen sollten Sie sich stellen

Nachdem Sie viel über Coaches und Coaching gelesen haben, möchten wir Ihnen nicht vorenthalten, dass Sie natürlich auch ohne fremde Hilfe an sich arbeiten können – im Selbstcoaching.

Das kann bei ernsthaften Problemen eine professionelle Persönlichkeitsentwicklung zwar nicht ersetzen. Es kann Ihnen aber Hinweise und Impulse liefern, ob Sie noch immer Ihre eigenen Ziele verfolgen und auf dem richtigen Weg dazu sind.

Wie beim Coaching helfen auch hier gezielte Fragen, die Sie sich selbst stellen können. Am besten immer wieder – denn wer (sich) fragt, der führt (sich) auch…



Allgemeine Fragen

  • Was war die größte Leistung, der größte Erfolg der vergangenen Woche? Vorsicht: Sagen Sie jetzt nicht, Sie hatten keinen Erfolg. Es gibt immer einen – vielleicht ist es eben nur ein kleiner. Und hierbei geht es um den relativ größten davon. Loben Sie sich dafür, seien Sie stolz auf sich. Und fragen Sie sich gleich dazu, ob Sie dieses Paradestück in der kommenden Woche wiederholen können: Oder gar steigern? Wie?
  • Wem könnte oder sollte ich danken? Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie verbessert sowohl die Beziehungen zu anderen Menschen, wie auch deren Einstellung und Motivation. Und sie macht selber glücklicher.
  • Wie komme ich zu neuer Kraft? Insbesondere falls hinter Ihnen eine Horrorwoche liegt. Natürlich gehört dazu auch die Frage: Wie kommen Sie jetzt erst einmal wieder runter von dem hohen Stresslevel? Beides gehört aber zusammen und wirkt meist symbiotisch.
  • Mit wem sollte ich mich mal wieder treffen oder reden? In der Frage stecken gleich zwei mögliche Ziele. Das erste ist offensichtlich: netzwerken. Jobkontakte muss man schließlich pflegen. Das zweite ist jedoch oft wichtiger: persönliche private Beziehungen erhalten. Jeder Mensch braucht gute Freunde. Und wenn der Stress im Alltag wächst, verliert man solche Beziehungen leicht aus dem Blickfeld. Nicht gut. Denn hier stecken die wahren Stressreduzierer, Ratgeber, Leitplanken.
  • Welchen Streit sollte ich dringend klären? Ärger gibt es immer wieder. Vor allem im Job. Wenn solche Auseinandersetzungen unausgesprochen bleiben und schwelen, können daraus leicht Intrigen oder gar veritable Feindschaften erwachsen. Ein offenes persönliches Gespräch (nicht per Telefon, schon gar nicht per E-Mail!) nimmt manchem Ärgernis den Stachel.

Fragen zum Job

  • Warum tue ich das? Haben Sie sich schon dabei erwischt, an etwas zu arbeiten ohne zu wissen warum? Das ist uns allen schon passiert, denke ich, also kein Grund zum Zweifel. Dennoch sollten wir uns alle ab und an fragen: Wozu ist das gut, was ich gerade mache? Wer profitiert davon? Was ist meine Motivation dafür? Wer die Antwort auf diese Fragen kennt, bekommt sofort bessere Laune und neuen Schwung für den Job.
  • Welches Problem löse ich damit? Oder anders gefragt: Was ist überhaupt das Problem? Hilft das unseren Kunden? Hilft es uns? Und lost das, woran ich arbeite, wirklich ein reales Problem? Nicht wenige exekutieren nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, statt wirkliche Probleme aus der Welt zu schaffen. Und allein letzteres bringt einen persönlich und das Unternehmen weiter.
  • Ist das nützlich, was ich tue? Die Frage korrespondiert mit der davor, geht aber noch einen Schritt weiter. Es reicht ja nicht nur ein Problem zu lösen – es muss dafür auch eine Nachfrage geben. Oder anders gesagt: Was immer Sie entwickeln, es muss Ihrer Zielgruppe einen gefragten Nutzen bringen. Denn nur so haben Sie eine Chance, dass daraus auch ein Geschäftsmodell wird.
  • Wo liegt der Mehrwert? Und wie hoch ist dieser? Angenommen Sie entwickeln einen neuen Kugelschreiber: Sie lösen damit ein Problem (Wie schreibe ich es auf?) und Ihr Produkt ist nützlich (Schreibt immer und verschmiert nicht). Aber welchen Mehrwert liefern Sie damit? Kugelschreiber gibt es längst in allen Ausführungen. Es gibt sie in bunt und billig, in ausgefallen und simpel. Was also können die Kunden aus Ihrem Schreiber mehr herausholen? Und manchmal – aber das nur am Rande – ist weniger mehr wert.
  • Was bewirkt es? Diese Frage sollten sich vor allem Forscher, Researcher, Berater & Co. stellen. Macht es einen Unterschied, wenn ich weiß, es sind 41 Prozent statt 39 Prozent? Hat es Folgen sich mit 0,04 Minuten oder 2,1 Promille zu beschäftigen. Manchmal ja, manchmal nein. Aber bevor man solche Informationen beschafft und analysiert, hat es mehr Sinn sich zu fragen, ob die Daten und das Ergebnis wirklich zu Veränderungen führen (sollen).
  • Geht es einfacher? Oft geht das so: Wir haben das Problem erkannt – und legen los, initiativ, inspiriert, intuitiv. Aber warum umständlich, wenn es auch leichter geht? Kurz darüber nachdenken, was der bessere Weg ist, kostet vielleicht etwas Zeit, spart hinterher aber mehr Ressourcen. Das Denken in Alternativen und Opportunitätskosten sollte zum Alltagsrepertoire gehören. Und diese Frage darf man sich nicht nur am Anfang stellen! Auch zwischendurch hat das immer wieder Sinn.

Fragen zum Lernen

  • Was habe ich vergangene Woche gelernt? Vielleicht ist es nur eine kleine Erkenntnis darüber, wie Sie Ihren Alltag künftig besser organisieren. Vielleicht aber auch eine persönliche Erfahrung mit Kollegen, denen Sie künftig besser nicht mehr trauen – oder jetzt erst recht. Vielleicht haben Sie aber auch etwas über die Liebe und das Leben gelernt. Jeder Mensch lernt jede Woche etwas hinzu. Wichtig ist nur, dass Sie die Lektion für sich festhalten und memorieren.
  • Was waren die schönsten Momente der vergangenen Woche? Gedanken haben Macht. Womit wir uns gedanklich beschäftigen, worüber wir grübeln, das prägt uns, unsere Gefühle und unser Handeln. Memorieren Sie also – entgegen der üblichen Gewohnheiten – vor allem positive Erlebnisse.
  • Was war der größte Fehler der Vergangenheit? Die Frage steht nicht im Widerspruch zur vorherigen. Sie soll nicht herunterziehen, sondern dient ebenfalls einem Lerneffekt. Denn daran schließen sofort die Fragen an: Machen Sie den Fehler chronisch? Können Sie ihn sich abgewöhnen? Wie? Was sind die typischen Folgen – und kann man das abändern?
  • Bin ich meinen Zielen näher gekommen? Auch hier gibt es zwei mögliche Perspektiven: Sind Sie den Zielen Ihres aktuellen Projektes näher gekommen – oder Ihren langfristigen Karrierezielen? Letztere sollten Sie nicht aus den Augen verlieren. Natürlich müssen Sie dabei keine Karriere-To-Do-Liste abhaken. Das wäre albern. Aber sich hin und wieder zu fragen: Wo will ich eigentlich hin – und bin ich noch auf meinem Weg? bringt Sie Ihrem Ziel in jedem Fall näher, mindestens aber hält es Sie auf Kurs.
  • Was hält mich ab? Oder anders gefragt: Was hindert Sie daran, Ihren Zielen näher zu kommen? Sind es (unbestimmte/unbegründete) Ängste, Kollegen, Konstellationen, mangelnder Mut, Planlosigkeit? Sie müssen in naher Zukunft ja nicht alle Hürden auf einmal ausräumen, Hauptsache Sie beginnen möglichst bald damit.

Fragen an die Zukunft

  • Was möchte ich verändern/verbessern? Das können Arbeitsabläufe sein, aber auch das eigene Image im Unternehmen sowie das Verhältnis zum Chef (was oft korreliert).
  • Warum ist mir dieses Ziel so wichtig? Welche Bedürfnisse würden damit befriedigt: mehr Selbstwert, Freiheit, finanzielle Sicherheit?
  • Was müsste ich tun, um diesem Ziel näher zu kommen? Und sind Sie bereit, jeden Preis dafür zu zahlen? Wann wäre Schluss? Worauf müssten Sie dafür verzichten? Könnten Sie das?
  • Was sind die Herausforderungen der kommenden Woche? Es ist gut sich seine Kräfte einzuteilen und sich auf die dicksten Brocken zuerst zu konzentrieren. Erstens, weil man dafür die meiste Zeit braucht, aber auch die größten Lorbeeren ernten kann. Zweitens, weil der Rest einem dann wesentlich leichter von der Hand geht.




[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
18. März 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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