Coaching: Was es kann, wer es nicht kann

Coaching boomt. Jeder zweite Manager hat sich in den vergangenen fünf Jahren coachen lassen. Die Menschen lassen sich heute in allen Lebenslagen und Lebensfragen begleiten, beraten und bei der Selbstoptimierung unterstützen.

Bewerbung, Job und Karrieregestaltung, Gesundheit und Ernährung, Partnerschaft und Liebe, Persönlichkeitsentwicklung und Image, Kapital und Kompetenz – Coaching gibt es überall. Und überall geht es darum, besser zu werden, Schwächen zu erkennen, sie auszubügeln, Stärken zu stärken, noch mehr aus sich heraus zu holen. Ständig auf dem Weg zum besseren Ich.

Bevor Sie sich in ein Coaching stürzen, sollten Sie aber überlegen, was Sie damit erreichen wollen und ob ein Coach Ihnen dabei wirklich helfen kann. Worauf kommt es beim Coaching an? Worauf sollte ich bei der Auswahl eines Coaches achten? Wir klären auf…

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Coaching: Was es kann, wer es nicht kann

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Was ist Coaching überhaupt?

Coaching scheint ein wahres Wundermittel zu sein. Wer alleine nicht weiterkommt, sucht sich einen Coach und in kürzester Zeit lassen sich die gesteckten Ziele erreichen, Veränderungen durchführen, Denkweisen verbessern und Erfolge erzielen. Bei diesem Ruf ist es nicht überraschend, dass es nicht nur unzählige Coaches und Trainer gibt, sondern auf der anderen Seite ebenso zahlreiche Coachees, Kunden und Klienten.

Hinter dem Trend zum Coaching steht dabei nicht selten Angst und Unsicherheit. Gehe ich in der masse unter? Kann ich noch mithalten? Bin ich gut genug? Coaching verspricht Hilfe und Unterstützung. Allerdings haben viele zunächst eine falsche Vorstellung davon, was Coaching wirklich ist und wie der Prozess abläuft.

Falsch ist, dass ein Coaching Ihnen Antworten auf dem Silbertablett präsentiert, Ihnen sagt und vorgibt, was Sie zu tun haben. Ebenso wenig ist ein Coach dafür zuständig, Ihnen neue Fähigkeiten oder Kompetenzen beizubringen. Noch viel weniger ist Coaching Ersatz für die Arbeit eines Psychotherapeuten: Kindheitstrauma, Angstzustände, Depressionen, Burnout oder Suchtprobleme sind nicht das Einsatzgebiet für klassisches Coaching.

Der Coach ist eher eine Art mentaler Unterstützer, ein Wegweiser, der seinem Gegenüber dabei hilft, selbst Erkenntnisse zu gewinnen und das Beste aus sich herauszuholen – wenn es sein muss durch schonungslose Ehrlichkeit.

Erfolgreiches Coaching orientiert sich dabei an einigen Grundsätzen:

Coaching ist interaktiv

Beim Coaching geht es nicht darum, dass eine Seite arbeitet und redet, während die andere Seite nur passiv zuhört und sich berieseln lässt. Erfolgreiches Coaching erfordert Zusammenarbeit von Coach und Coachee.

Coaching ist prozessorientiert

Ziel eines Coachings ist es nicht, vorgefertigte Lösungen zu präsentieren oder das Problem eines Klienten in passende Schablonen zu pressen. Ein guter Coach begleitet und unterstützt beim Prozess der Lösungsfindung. Dabei ermöglicht er es dem Coachee, seinen eigenen individuellen Weg zu finden und passende Strategien zu entwickeln.

Coaching ist neutral

Der Coach sollte keine eigenen Ziele verfolgen oder seinen Coachee in eine bestimmte Richtung lenken wollen. Das Coaching sollte möglichst neutral und unabhängig sein, damit der Klient seine eigenen Ansichten hinterfragen und Ideen entwickeln kann.

Coaching ist gleichberechtigt

Im besten Fall sollte Coaching möglichst auf Augenhöhe stattfinden und nicht das Gefühl verschiedener Hierarchien vermitteln. Der Coach steht nicht über dem Coachee, sondern Schulter an Schulter direkt an seiner Seite. Ein sinnvolles Coaching entwickelt sich zu einem Dialog, bei dem der Coach, fragt, nachhakt und genau hinhört.

Coaching ist freiwillig

Coaching muss auf freiwilliger Basis und aus Motivation des Coachee heraus erfolgen. Wird ein Coaching aufgezwungen oder nur widerwillig durchgeführt, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit kein Erfolg einstellen.

Wichtig ist deshalb auch zu verstehen, was Coaching kann – und was es eben nicht kann. Ein Coach kann vorhandene Begabungen Wecken, Impulse geben, auf Verbesserungen hinarbeiten, Selbstreflexion anregen und Sie bei der Persönlichkeitsentwicklung unterstützen.

Es kann aber eben doch keine Wunder bewirken, es macht nicht auf magische Weise erfolgreich, sondern kann lediglich auf dem Weg dahin helfen, wenn Sie bereit sind, die nötige Arbeit zu investieren und teilweise unangenehme Schritte und Veränderungen durchzumachen. Auch sollten Sie nicht erwarten, dass ein Coaching innerhalb kurzer Zeit einen komplett neuen Menschen aus Ihnen macht.

Coaching, Training, Beratung: Die Unterschiede

Beim Coaching werden viele Begriffe in einen Topf geworfen, synonym verwendet, durcheinander gebracht und verwechselt. So ist es oftmals schwer, die Unterschiede zu erkennen und zu verstehen, worum es überhaupt geht. Tatsächlich sind aber zum Beispiel Coaching und Beratung nicht identisch, auch wenn diese gerne gleichgesetzt werden.

Zur besseren Abgrenzung und Orientierung haben wir deshalb ein Glossar zu Coaching, Training, Supervision, Mentoring, Mediation & Co. zusammengestellt:

Coaching

Coaching hat in der Regel die Persönlichkeit des Klienten im Fokus. Der Coach hilft dem Coachee spezielle (berufliche) Fähigkeiten auszubauen oder zu verbessern, wobei dieser Entwicklungsprozess in erster Linie eine Art Selbstreflexion und „Hilfe zur Selbsthilfe“ bleibt. Im Gegensatz zur Beratung soll der Coachee die Lösung selber finden. Coaching kann aber auch ein Mix sein aus Beratung, Feedback und praxisorientiertem Training.

Training

Training dient in erster Linie dem Erlernen konkreter Fähigkeiten oder Verhaltensweisen. Dabei konzentriert sich der Trainer – anders als beim Coaching – weniger auf die Selbstreflexion seines Klienten, sondern auf konkrete Übungen und ein klares Trainingsziel. Die Rollen sind klar verteilt: Der Trainer ist der Experte und Meister, der Klient sein Schüler.

Mentoring

Mentoring ist ein Instrument der Personalentwicklung. Dabei kommt es zu einer Patenschaft zwischen einer (unerfahrenen) Führungskraft, dem „Mentee“ und einem meist älteren, erfahreneren Manager, dem „Mentor“, der sein Wissen und seine Erfahrungen an den Protegé weitergibt. Ziel ist, dem Mentee bei seiner persönlichen oder beruflichen Entwicklung auf die Sprünge zu helfen. Im Unterschied zum Coaching nimmt der Mentor keine neutrale Position ein, auch hier herrscht vorrangig ein Meister-Schüler-Verhältnis. Falls beide für dasselbe Unternehmen arbeiten verfolgt der Mentor zudem oft die Interessen des Arbeitgebers und nicht zwingend die seines Mentees.

Mediation

Mediation ist ein freiwilliges und außergerichtliches Schlichtungsverfahren bei akuten Konflikten. Beide mediierenden Parteien müssen dem Verfahren deshalb vorher zustimmen. Der Mediator ist zur Überparteilichkeit verpflichtet. Er trifft daher auch keine Entscheidungen, sondern leitet neutral die Aussprache und unterbreitet anschließend Einigungsvorschläge. Auch Beratung ist dabei eher unüblich.

Supervision

Supervision wiederum ist eine Beratungsform. Dabei werden in der Regel die Interaktionen und Verhaltensmuster innerhalb eines Teams oder einer Organisationen analysiert, um sie entweder zu verbessern oder potenzielle Konfliktherde zu beseitigen. „Supervisor“ und Klienten legen vorher fest, nach welchen Spielregeln das Ganze abläuft. Im Prozess selbst werden dann oft konkrete Situationen und das Innenleben der Beteiligten reflektiert, um die jeweiligen Motive transparenter zu machen.

Psychotherapie

Psychotherapie dagegen konzentriert sich auf die Behandlung von Menschen mit geistig-seelischen, körperlichen und psychosomatischen Krankheiten. Diese Aufgabe dürfen nur entsprechend ausgebildete Psychotherapeuten (mit Einschränkungen auch Heilpraktiker) übernehmen. Zwei Formen sind dabei besonders häufig: In der Tiefenpsychologie setzt sich der Patient vor allem mit seinem Unterbewusstsein auseinander. In der Verhaltenstherapie wird ihm geholfen, sich seine Gedanken und Bewertungen bewusst zu machen und – falls gewünscht – zu verändern.

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Voraussetzungen: Sind Sie bereit für ein Coaching?

Ein Coaching lohnt sich immer und für jeden? Nicht ganz, denn Sie sollten einige Voraussetzungen erfüllen, um wirklich von einem Coaching profitieren zu können. Ansonsten verschwenden Sie möglicherweise Ihre Zeit und auch eine Menge Geld, ohne einen Nutzen daraus ziehen zu können.

Bevor Sie ein Coaching beginnen, sollten Sie sich fragen, ob die folgenden Punkte auf Sie zutreffen. Es handelt sich dabei um wichtige (mentale) Voraussetzungen für ein Coaching:

  1. Sie wollen sich verändern
    „Ich bleibe genau so, wie ich bin.“ Zufriedenheit mit sich selbst ist gut, doch wer glaubt, bereits perfekt zu sein und davon keinen Millimeter abrücken will, ist bei einem Coaching falsch aufgehoben. In einem solchen Fall suchen Sie lediglich Bestätigung, ein Coaching führt aber raus aus Ihrer Komfortzone und stellt Sie vor neue Herausforderungen.
  2. Sie sind neugierig
    Ein guter Coach, wird Ihnen dabei helfen, Horizonte zu erweitern, neue Ziele zu entdecken und zu verfolgen. Damit daraus ein Erfolg wird, sollten Sie nicht nur Veränderungswille mitbringen, sondern echten Abenteuerwillen. Die Lust und Neugier darauf, Neues zu lernen. Das ist etwas anderes als: „Na gut, dann probier ich das halt mal…“
  3. Sie können Ehrlichkeit vertragen
    Vor allem dann, wenn es weh tut? Ein guter Coach wird Ihnen den Spiegel vorhalten, womöglich auch Kritik üben. Zwar immer konstruktiv, aber wirken kann das nur, wenn Sie nicht sofort in die Defensive gehen, zuhören und das Gehörte ehrlich reflektieren. Ein Coaching kann durchaus unangenehme Facetten haben, an denen Sie wachsen müssen, statt sich zu verschließen.
  4. Sie können sich selbst hinterfragen
    Der Punkt ist mit den ersten beiden verwandt, geht aber einen Schritt weiter: Er bedeutet, dass Sie sich wirklich auf Ihr neues Selbstbild einlassen, sich dafür engagieren. Aber auch ein komplettes und ehrliches Bild Ihrer aktuellen Situation akzeptieren.

Nutzen Sie zur Orientierung und als Entscheidungshilfe ebenfalls unser kostenloses Booklet „40 Gründe, sich einen Coach zu suchen“. Hier kostenlos als PDF herunterladen.

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Ablauf: 7 Phasen des Coachings

Ein Coaching ist natürlich immer individuell und sollte auf die Ziele, Fragen, Bedürfnisse und Erwartungen des Coachees angepasst werden. Es lassen sich aber trotzdem klassische Phasen im Ablauf eines Coachings identifizieren.

Diese sollten Sie kennen, um ein besseres Bild davon zu haben, was in einem Coaching auf Sie zukommen kann – und sollte. In der Praxis werden diese natürlich nie so klar und scharf abgegrenzt, zur Verdeutlichung haben wir aber trotzdem den Ablauf in 7 typische Phasen beim Coaching unterteilt:

  1. Vorgespräch
    In dieser ersten Aufwärmphase lernen sich Coach und Coachee kennen, klären berufliche Hintergründe und Arbeitsweisen, bauen gegenseitiges Vertrauen auf und identifizieren die Schwerpunkte des Coachings. Oft wird dabei schon die aktuelle Situation angesprochen sowie die Ziele und der zeitliche Rahmen für das Coaching geklärt.
  2. Vereinbarung
    Die Chemie stimmt. Doch bevor es losgeht, müssen beide noch den Rahmen fixieren: Ziele? Erwartungen? Wie viele Sitzungen soll es geben? Wo und wann finden sie statt? Was ist, wenn einer absagt? Und natürlich: Was wird das Coaching kosten? Die wichtigsten Punkte müssen im Vorfeld geklärt werden, damit es keine Missverständnisse geben kann.
  3. Analyse
    Das Coaching beginnt. Der Coach stellt nun vor allem Fragen, sammelt Informationen, identifiziert Problemfelder, konkretisiert sie und analysiert mögliche Blockaden und Potenziale beim Klienten. Zunächst geht es vor allem darum, den Status Quo zu verstehen.
  4. Veränderung
    Der Coach gibt nun erstes Feedback, reflektiert seine Analyse, stellt Handlungsoptionen und Strategien vor. Das sind jedoch keine Anweisungen, vielmehr moderiert er die vom Klienten gewünschten Veränderungsschritte. Allenfalls hinterfragt er noch Details oder verstärkt den Coachee in seiner Entscheidung.
  5. Umsetzung
    Jetzt gibt es Hausaufgaben: Der Coach überträgt die identifizierten Handlungsschritte in konkrete Alltagsaufgaben. Entscheidend ist jetzt vor allem der Wille und die Disziplin des Coachees. Denn leicht ist die Umsetzung meist nicht, sondern erfordert Überwindung und Anpassung an die eigenen Ziele.
  6. Erfolgskontrolle
    Was ist passiert? Was hat sich verändert? – Coach und Coachee analysieren nun die Effizienz und den Erfolg der vereinbarten Strategien. Daraus leiten sie weitere Schritte ab oder aber beide orientieren sich neu und entwickeln neue Strategien und Aufgaben, wenn der bisherige Weg nicht die angestrebten Ziele erreichen konnte.
  7. Abschluss
    Das Coaching sollte nie einfach auslaufen. Es endet erst mit einem abschließenden Resümee: Was hat der Coachee gelernt? Welche Methoden und Kompetenzen hat er neu entwickelt? War er mit der Beratung zufrieden? Und traut er sich zu, die behandelten Probleme künftig ohne Coach zu meistern? Ein Ziel hat jedes Coaching: Die Hilfe zur Selbsthilfe – und sich selbst damit (in diesem Problemfall) überflüssig zu machen.

Coaching Kosten: Übernahme durch den Arbeitgeber?

Ein Coaching ist immer eine Investition – zum Teil sogar eine sehr große. Wer sich über einen längeren Zeitraum coachen lassen möchte, muss dabei möglicherweise ganz schön tief in die Tasche greifen. Wie hoch die Kosten für ein Coaching sind, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab.

Besonders wichtig sind…

  • die Qualifikation, die ein Coach mitbringt
  • die Erfahrung des Coaches
  • Zertifikate und Spezialisierungen
  • Art des Coachings (Einzelcoaching oder Gruppencoaching)

Wollen Sie ein gutes und professionelles Coaching, müssen Sie mindestens mit einem Stundenlohn von 100 Euro rechnen, in den meisten Fällen liegen Sie eher zwischen 130 Euro und 150 Euro. Ein Qualitätsmerkmal sind die Kosten zwar nicht, doch sollten Sie bei sehr günstigen Angeboten vorsichtig sein.

Im besten Fall können Sie Ihren Arbeitgeber überzeugen, dass dieser das Coaching bezahlt oder zumindest einen Zuschuss leistet. Schließlich hat das Coaching einige Vorteile, von denen auch Unternehmen fast unmittelbar profitieren. Durch Coaching können Mitarbeiter…

  • Stressresistenz oder Stressbewältigungsstrategien verbessern.
  • persönlich wachsen, ihren Horizont erweitern – und ihre neuen Erkenntnisse auch im Job einbringen.
  • ihre Prioritäten neu setzen und dadurch fokussierter an ihre Aufgaben gehen.
  • ihre Balance zwischen Arbeit und Privatleben finden – und das Burnout-Risiko drastisch senken.
  • Kreativität freisetzen und neue Ideen auch am Arbeitsplatz einbringen.
  • ihre Ressourcen und Grenzen besser kennen lernen und so Überlastung vermeiden.

Die Punkte eignen sich allerdings nur dann als Argument für die Finanzierung eines Einzel- oder Gruppencoachings, wenn Chef und Geschäftsführung den Zusammenhang zwischen persönlicher Entwicklung und Arbeitsleistung verstehen. Es liegt deshalb an Ihnen, in einem Gespräch die Vorzüge zu verdeutlichen und klar zu machen, warum es sich lohnt, wenn der Chef die Kosten für ein Coaching übernimmt.

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Checkliste: So finden Sie den richtigen Coach

Auf der Suche nach einem Coaching werden Sie schnell auf eines der größten Probleme stoßen. Gemeint ist die Frage: Wie finde ich den richtigen und für mich passenden Coach? Es gibt nahezu unzählig viele Angebote von Coaches, die alle große Versprechungen machen und professionell klingen.

Gar nicht so leicht, den richtigen zu finden. Das vielleicht wichtigste Kriterium für die Wahl eines Coachings ist dabei die Chemie zwischen Ihnen und dem Coach. Nur wer seinem Coach voll und ganz vertraut, kann von der Zusammenarbeit profitieren und lässt sich wirklich auf den Austausch ein.

Auf was Sie darüber hinaus achten und wie Sie Ihren Coach auswählen sollten, finden Sie in der folgenden Checkliste:

Recherche

Vor der Wahl eines Coaches sollte eine gründliche Recherche stehen. Nehmen Sie nicht gleich das erste Angebot, sondern schauen Sie sich Alternativen an. Eine gute Quelle ist auch Ihr berufliches Netzwerk. Fragen Sie die Leute in Ihrem Umfeld (Personaler, Vorgesetzte, Kollegen, Bekannte), wer gute Erfahrungen mit einem Coach gemacht hat. Orientierung bieten auch Datenbanken im Internet: Als seriös gelten zum Beispiel die Karriereexperten, Coach-Datenbank.de oder das Coachingportal.

Referenzen

Seriöse Anbieter können nachprüfbare Referenzen nennen. Meist sind das Personalentwickler in Unternehmen. Obacht allerdings bei Zertifikaten: Im deutschsprachigen Raum gibt es rund 300 Institutionen, die Coaches ausbilden, zudem über 20 Coaching-Verbände, die allesamt teils eigene Qualitätsstandards propagieren und eigene Zertifikate vergeben. Gute Coachs haben sich hingegen meist auf bestimmte Branchen, Bereiche und Themen spezialisiert. Fragen Sie auch danach, ob sich der Coach selbst regelmäßig von einem Experten begutachten lässt.

Ausbildung

Achten Sie auf die Qualifikation des Coachs. Er sollte mindestens 30 Jahre alt sein, ein Hochschulstudium (ideal sind Wirtschaftswissenschaften und Psychologie) sowie eine 12- bis 15-monatige Coachingausbildung absolviert haben. Zudem sollte er oder sie mindestens drei Jahre Berufserfahrung mitbringen und sich in der Wirtschaft auskennen. Jemand, der noch nie ein Unternehmen von innen gesehen hat, wird Ihre beruflichen Probleme nur schwer verstehen.

Methoden

Top-Coaches sind in der Lage verschiedene Perspektiven einzunehmen und unterschiedliche Methoden anzuwenden. Fragen Sie also nach dessen praktischen Erfahrungen in unterschiedlichen Jobs und nach seinen Qualifizierungen. Ein guter Coach versteht es, verschiedene Gesprächstechniken passend zur Situation einzusetzen. Sätze wie „Wenn Sie Karriere machen wollen, müssen Sie…“, haben dabei nichts zu suchen. Gute Coachs bilden sich regelmäßig weiter. Auch das sollten sie dokumentieren können.

Vorgespräch

Üblich ist ein kostenloses Vorgespräch mit dem Coach. Seien Sie aber vorsichtig: Scharlatane laden gern zu unverbindlichen Schnuppersitzungen und stellen diese später in Rechnung, falls kein Auftrag folgt. Dagegen gibt es kaum eine juristische Handhabe, weil Sie vor Gericht nur schwer nachweisen können, nicht beraten worden zu sein. Im Vorgespräch geht es darum zu klären, was Sie erreichen wollen, ob der Coach Ihnen dabei helfen kann, mit welchen Methoden und ob Sie beide einen Draht zueinander finden. Sympathie ist für den weiteren Prozess essenziell. Bitten Sie den Coach aber auch, einen beispielhaften Prozess zu schildern. So sehen Sie konkret, wie er arbeitet.

Kosten

Unterschreiben Sie nie einen Vertrag beim Erstkontakt. Seriöse Anbieter informieren, nennen mögliche Konditionen der Zusammenarbeit und gewähren Bedenkzeit. Übliche Kosten sind wie bereits erwähnt Stundensätze zwischen 100 und 200 Euro. Oft sind Sitzungen auch mehr als eine Stunde lang, um konzentriert gemeinsam arbeiten zu können und wirklich etwas zu erreichen.

Kritik: Vorsicht vor falschem Coaching

Bei all dem Hype und der Beliebtheit des Coachings gibt es trotzdem regelmäßig Kritik. Der wahrscheinlich größte Kritikpunkt dabei: Der Begriff „Coach“ ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung und somit kann grundsätzlich jeder selbsternannte Coach diverse Coachings anbieten. Klienten laufen somit tendenziell Gefahr, an einen Quacksalber, Scharlatan und Trittbrettfahrer zu geraten, der keinerlei Kompetenz, Erfahrung oder Wissen im Bereich des Coachings mitbringt.

Ein weiteres Problem der Branche: Der Coaching-Markt ist aufgrund der fehlenden Reglementierungen höchst unübersichtlich. Gerade in den letzten Jahren schießen immer mehr Coaches aus dem Boden und die Zahl der Anbieter explodiert. Und leider tummeln sich darunter und viele fragwürdige Gestalten, die sich Coach, Trainer oder ähnliches nennen und mit ihrer gutgläubigen Klientel alles Mögliche zelebrieren – vom Glasscherbenlaufen bis zur Urschreitherapie. Nur eben kein wirkliches Coaching.

Unzählige dieser selbsternannten Menschenverbesserer überschwemmen den Coaching-Markt, während die Zahl der echten Profis mit einer qualifizierten Ausbildung weit darunter liegt.

Wie so oft liegt es daher am Einzelnen, genau zu prüfen, wem er sich anvertraut, wie der Coach seine Leistung definiert, wie er Erfolg und Vertraulichkeit sicherstellt, welche Kompetenzen und Referenzen er nachweisen kann und wie er am Ende abrechnet.

Vorsicht Coach: 5 Sätze, die unseriöse Coachs entlarven

„Sie werden sich danach besser fühlen.“

Die Aussage mag gut gemeint sein. Wenn sich aber der Nutzen des Coachings nur darauf beschränkt, sollten Sie die Finger davon lassen. Ernsthaftes Coaching kann sogar dazu führen, dass Sie sich zwischenzeitlich schlechter fühlen und mit aufkommenden Emotionen oder unangenehmen Erkenntnissen zu kämpfen haben. Diese Phasen vergehen zwar, sind für manche Veränderung und manchen Prozess jedoch notwendig.

„Die Beförderung schaffen Sie.“

Selbst wenn Ihr erklärtes Ziel eine Beförderung ist, sollte diese Aussage nicht von einem seriösen Coach kommen. Erstens kann der keine Erfolgsgarantie geben; zweitens kann sich im Coaching zeigen, dass eine Beförderung vielleicht gar nicht der für Sie passende Weg ist.

„Ich habe genau die richtige Methode für Sie.“

Obacht! Wer versucht, Ihnen Standard-Methoden überzustülpen, ohne Sie richtig kennenzulernen, wird Sie nicht weiterbringen.

„Meiner Meinung nach sollten Sie das anders machen.“

Stopp! Die Meinung eines Coachs ist nicht gefragt. Ein seriöser Coach wird vielmehr durch Fragen und Rückmeldungen zur Reflexion anregen. Welche Schlüsse Sie daraus ziehen, liegt allein bei Ihnen.

„Sie müssen mehr an sich glauben.“

Eine klassische Durchhalteparole, die vielleicht von pseudo-professionellen Motivationsgurus, nicht jedoch von einem seriösen Coach kommen darf. Wer zum Durchhalten animieren muss, hat inhaltlich nichts mehr zu bieten.

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Selbstcoaching: Eine Alternative?

Nachdem Sie viel über Coaches und Coaching gelesen haben, möchten wir Ihnen nicht vorenthalten, dass Sie natürlich auch ohne fremde Hilfe an sich arbeiten können – im Selbstcoaching.

Das kann bei ernsthaften Problemen eine professionelle Persönlichkeitsentwicklung zwar nicht ersetzen. Es kann Ihnen aber Hinweise und Impulse liefern, ob Sie noch immer Ihre eigenen Ziele verfolgen und auf dem richtigen Weg dazu sind.

Wie beim Coaching helfen auch hier gezielte Fragen, die Sie sich selbst stellen können. Am besten immer wieder – denn wer (sich) fragt, der führt (sich) auch…

    Allgemeine Fragen
  • Was macht mich zutiefst glücklich?
  • Was sind meine persönlichen Stärken?
  • Was ist mir bisher besonders gut gelungen?
  • Wem könnte oder sollte ich danken?
  • Was war der größte Erfolg diese Woche?
  • Was habe ich diese Woche gelernt?
  • Wie komme ich zu neuer Kraft?
  • Mit wem sollte ich mich mal wieder treffen?
  • Welchen Streit sollte ich klären?
  • Fragen zum Selbst

  • Was macht mir Mut?
  • Welche Werte habe ich?
  • Welche Rolle spielen Beziehungen/Freunde/Familie?
  • Wie will ich leben?
  • Was/wer baut mich auf?
  • Was kann ich bei Ängsten und Zweifeln tun?
  • Wie kann ich mehr auf mich achten?
  • Fragen zum Job

  • Wie sehr erfüllt mich meine Tätigkeit?
  • Was motiviert mich?
  • Welche Tätigkeiten liegen mir?
  • Womit habe ich Schwierigkeiten?
  • Woran bin ich bisher gescheitert?
  • Wie wirken sich die Probleme aus?
  • Wie will ich arbeiten?
  • Wer unterstützt mich?
  • Wie kann ich mich weiterbilden?
  • Warum tue ich, was ich tue?
  • Ist das sinnvoll, was ich tue?
  • Was bewirke ich damit?
  • Fragen zum Lernen

  • Was habe ich vergangene Woche gelernt?
  • Was waren die schönsten Momente der vergangenen Woche?
  • Was war der größte Fehler der Vergangenheit?
  • Was hält mich davon ab?
  • Fragen an die Zukunft

  • Was will ich in meinem Leben erreichen?
  • Bringt mich meine Arbeit meinen Zielen näher?
  • Was will ich künftig anders machen?
  • Was sollte ich öfter tun?
  • Was kann ich (heute) tun, um meinem Ziel näher zu kommen?
[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
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18. März 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt mehr als 20 Jahre als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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