Selbstcoaching: Wie Sie sich selbst helfen

Jeden Tag besser werden. Und das aus eigener Kraft. Das ist das Ziel von Selbstcoaching und Persönlichkeitsentwicklung. Obendrein ist es eine kostengünstige Alternative zum Coaching. Übungen, Ratgeber, Tipps und Bücher zum Thema Selbstcoaching gibt es inzwischen viele. Ganz so einfach wie es klingt, ist es aber nicht. Die tägliche Auseinandersetzung mit sich selbst braucht die richtigen Fragen und kluge Methoden. Wie Selbstcoaching funktioniert – seine Vor- und Nachteile…

Selbstcoaching: Wie Sie sich selbst helfen

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Definition: Was bedeutet Selbstcoaching?

Sei dein eigener Coach! – So die knappe Definition von Selbstcoaching. Beim klassischen Coaching gibt es einen außenstehenden Coach, der seinem Klienten, den Coachee, Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Durch systemische Fragen, durch Feedback, durch eine Anleitung zur Selbstreflexion. Oft mit dem Ziel, die eigene Karriere voranzutreiben. Beim Selbstcoaching fallen die Rollen von Coach und Coachee zusammen.

Selbstcoaching eignet sich für viele Bereiche. Für das Berufsleben ebenso wie für die Ernährung, Fitness oder Konfliktmanagement. Praktisch alle Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung. Nach einer Definition von Roland Jäger, selber Coach für Führungskräfte, ist Selbstcoaching „die selbsteingeleitete Analyse und Optimierung der persönlichen Kompetenz.“ Selbstcoaching geht somit über das reine Selbstmanagement hinaus. Es fördert zugleich bewusste und unbewusste Potenziale, die in jedem Menschen stecken.

Wie funktioniert Selbstcoaching?

Selbstcoaching aktiviert die Fähigkeiten zur Selbstanalyse und trägt so zur Weiterentwicklung bei. Nachdem Sie die Selbstcoaching Methoden erworben haben, besitzen Sie die Fähigkeit zur Selbstführung. Nun können Sie sich selbst in krisenbehafteten Situationen helfen. Sie müssen nicht auf Hilfe durch Außenstehende – wie etwa einen Coach oder Therapeuten – zurückgreifen.

Soweit die Theorie. Kritiker wenden ein, dass Selbstcoaching ein Widerspruch in sich sei. Eigentlich erfülle der Coach die Funktion des Sparringpartners. Er hilft seinem Coachee dabei, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Genau diese Hilfe fehle beim Selbstcoaching. Es fehle die neutrale Sicht von außen.

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Der eigene Coach sein: Veränderungen aktiv gestalten

Die Soziologie geht davon aus, dass die Entwicklung des persönlichen Werte- und Normensystems etwa mit 29 Jahren abgeschlossen ist. Wir ändern nicht mehr so leicht unsere Meinung. Das macht Menschen mittleren Alters resistenter gegenüber schädlichen Einflüssen, etwa radikalen Strömungen oder Organisationen.

Es erschwert allerdings auch die Flexibilität, wo sie wichtig wäre. Die Veränderungen und Chancen einer modernen Arbeitswelt überfordern so manchen. Arbeitsabläufe und Berufsbilder verändern sich. Wissen veraltet rasant. Oder es entspricht nicht mehr Ihren Interessen. Selbstcoaching hilft dabei, sich über die eigenen Ziele und Wünsche im Klaren zu werden und von dort aus zu erkennen, welche Schritte Sie unternehmen müssen.

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Selbstcoaching Methoden: Voraussetzungen für Ihr Vorhaben

Selbstcoaching ist ein Weg, Orientierung im Dickicht der Möglichkeiten zu erlangen. Dazu stehen Ihnen verschiedene Selbstcoaching-Methoden beziehungsweise Selbstcoaching-Tools zur Verfügung, die unterschiedlich zeitintensiv sind. Der große Vorteil beim Selbstcoaching: Sie entscheiden selbst, wann und ob Sie diese Methoden anwenden, da Sie allein den Überblick über Ihre zeitlichen Kapazitäten haben. Das Problem: Die Angebote sind schier unendlich. Es gibt zahlreiche Selbstcoaching-Seminare, Übungen, Videos oder Bücher. Drei Tipps:

1. Wählen Sie einen geeigneten Zeitrahmen

Wer beispielsweise als Selbstcoaching-Methode Brainstorming betreibt, braucht weniger Zeit aufzuwenden als jemand, der ein 15-stündiges Selbstcoaching Online-Seminar besucht.

2. Geben Sie sich eine Struktur

Räumen Sie sich jeden Tag etwas Zeit fürs Selbstcoaching ein. Ein geeignetes Selbstcoaching-Tool vieler erfolgreicher Menschen dafür ist beispielsweise das Erfolgsjournal. Sie führen es am besten wie ein Tagebuch täglich. Es hilft Ihnen dabei, Ihre Ziele und Wünsche zu strukturieren.

3. Nehmen Sie die Rolle des Kritikers ein

Je nachdem, ob Sie sich beruflich verändern, Ihrer Beziehung neues Leben einhauchen oder Ihre Gesundheit fördern wollen: Beim Selbstcoaching müssen Sie die Rolle Ihres schärfsten Kritikers übernehmen – natürlich konstruktiv. Keiner verlangt, dass Sie sich selbst in die Pfanne hauen.

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Die richtigen Fragen stellen

Wer sich für Selbstcoaching entscheidet, muss sich die richtigen Fragen stellen. Das heißt, sich auch unbequeme Fragen zu stellen beziehungsweise solche, die unerfreuliche Tatsachen an die Oberfläche bringen. Wäre alles super, gäbe es keinen Bedarf, etwas zu ändern. Wer wirklich an sich arbeiten und etwas verändern will, wird sich mit Themen auseinandersetzen, die er optimieren will.

Durch das Selbstcoaching gelangen Sie unter Umständen zu unerfreulichen Erkenntnissen. Fragen Sie sich ehrlich, ob Sie Konsequenzen aus den Ergebnissen ziehen und wirklich etwas verändern wollen. Denn Sie sind die einzige Person, die etwas ändern kann. Je nach Umfang der zu lösenden Probleme kann Unterstützung von außen durch einen Coach oder Therapeuten sehr sinnvoll sein. Dreh- und Angelpunkt des Selbstcoachings sind immer folgende Fragen:

  • Wer bin ich?
    Diese Frage beschäftigt sich damit, welche Werte und Normen Sie vertreten, was Ihre Probleme sind, wie Sie Dinge wahrnehmen, was Sie im Alltag und im Berufsleben hemmt.
  • Was will ich?
    Hier geht es darum zu erkennen, was Ihnen wichtig ist, was sich verändert hat. Ebenfalls können hier Ihre Stärken und Potenziale erkennbar werden.
  • Wie kann ich es erreichen?
    Hier werden konkrete Lösungswege für aktuelle Schwierigkeiten gesucht. Ebenso werden durch Perspektivwechsel neue Wege und Handlungsoptionen gezeigt.

Die elementaren Fragen des Selbstcoachings können Sie bei ehrlicher Beantwortung und Bearbeitung weiter voranbringen. In diesem Prozess lernen Sie sich selbst besser kennen. Das fördert mehr Einfühlungsvermögen gegenüber anderen Menschen. Da es sich hierbei um eins der wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale im Umgang mit anderen handelt, kommt es Ihnen sowohl auf der Arbeit als auch im privaten Leben zugute. Nachfolgend haben wir die wichtigsten Selbstcoaching Fragen als Übung für Sie gelistet:

Fragen zum beruflichen Umfeld

  • Wie sehr erfüllt mich meine Tätigkeit?
  • Was motiviert mich?
  • Welche Tätigkeiten liegen mir?
  • Wo habe ich Schwierigkeiten?
  • Wie wirken sich die Probleme aus?
  • Wie will ich arbeiten?
  • Wer unterstützt mich?
  • Wie kann ich mich weiterbilden?
  • Was kann ich gegen meine Nervosität tun?
  • Wie kann ich besser im Team arbeiten?
  • Wie stark überwiegen die positiven/negativen Momente?
  • Wie kann ich mich mehr einbringen?

Fragen zum Selbst

  • Woraus schöpfe ich Energie?
  • Was macht mir Mut?
  • Wer übt Druck aus?
  • Was stresst mich?
  • Welche Werte vertrete ich?
  • Welche Rolle spielen Beziehungen/Freunde/Familie?
  • Wie will ich leben?
  • Wie werde ich selbstbewusster?
  • Wer/was baut mich auf?
  • Was kann ich bei Ängsten und Zweifeln tun?
  • Wie kann ich mehr auf mich achten?
  • Wie kann ich mit Ärger und Wut umgehen?

Weitere wichtige Fragen als Übung fürs Selbstcoaching finden Sie hier als kostenlosen Download:

50 Fragen zum Selbstcoaching (PDF)

Selbstcoaching Vor- und Nachteile

Wer zu der Erkenntnis gelangt ist, dass er etwas ändern möchte, ist bereits einen großen Schritt weiter. Ob Selbstcoaching für Sie der richtige Weg ist, müssen Sie letztlich selbst entscheiden. (Hier können Sie nachlesen, welches Coaching zu Ihnen passt.) Es gibt einige Punkte, die für Selbstcoaching sprechen, andere dagegen:

Vorteile

  • Selbstcoaching ist kostenlos
    Jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Allerdings sollten Sie den Zeitaufwand einkalkulieren, den die Recherche einnimmt. Selbstcoaching-Materialien, Seminare und Online-Kurse hingegen sind nicht kostenlos. Diese werden Sie finanzieren müssen, denn irgendwie müssen Sie sich die Selbstcoaching-Methoden aneignen, bevor Sie sie an sich anwenden können.
  • Sie kennen sich selbst am besten
    Manchmal ist es schwierig, einem Gegenüber exakt zu vermitteln, was man meint. Sie selbst brauchen sich das nicht zu erklären. Wer sich im Rahmen seines Selbstcoachings mit einer Stärken-Schwächen-Analyse auseinandergesetzt hat, kennt außerdem die Situationen, in denen er beispielsweise Schwierigkeiten hat.
  • Sie brauchen keine Terminabsprachen
    Sie haben ganz einfach dann Zeit, wenn Sie wollen. Sie können auch kurzfristig einspringen. Ein Coach kommt möglicherweise nicht aus dem selben Ort, hat einen Anfahrtsweg.

Nachteile

  • Es findet keine Auseinandersetzung statt
    Sie mögen sich zwar einerseits am besten kennen, aber jeder hat einen blinden Fleck. Eine Person, die Sie nicht in- und auswendig kennt, guckt noch einmal ganz anders auf Sie als ein guter Freund oder Sie selbst. Im Gegensatz zum Selbstcoaching geht ein Coach völlig unvoreingenommen und unvorbelastet ins Coaching mit Ihnen. Da er emotional nicht involviert ist, kann er sachlich auf die Probleme schauen.
  • Im Selbstcoaching fehlt das Feedback
    Sie bekommen keine andere Meinung von außen. Das kann unter Umständen bedeuten, dass Sie sich in etwas verrennen, wenn Sie gedanklich auf einem Irrweg sind. Ebenso fehlen neue Impulse, wenn Sie an einem Punkt feststecken. Ihre Entwicklung kann im Selbstcoaching einen ganz anderen Verlauf nehmen als wenn Sie mit einem Coach zusammenarbeiten würden.

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