Selbstcoaching: Wie Sie sich selbst helfen

Sicher hat der eine oder andere schon mal überlegt, ob es nicht gut wäre, einen Coach aufzusuchen. Gerade wenn es um die berufliche Neuorientierung, um Weiterentwicklung oder Themen wie Selbstmanagement geht, kann ein Coaching eine gute Maßnahme sein, um Klarheit über die eigenen Ziele und Wünsche zu erlangen. Ein Coaching ist im Regelfall nicht kostenlos, und selbst wenn: Der Markt ist schwer überschaubar für Außenstehende. Die Lösung: Ein Selbstcoaching. Wie Sie sich selbst helfen können…

Selbstcoaching: Wie Sie sich selbst helfen

Selbstcoaching Definition: Sei dein eigener Coach

Selbstcoaching kostenlos Methoden Tools Übungen Definition onlineBeim Coaching gibt es einen Coach und seinen Klienten, den Coachee. Diesen begleitet der Coach durch eine Mischung aus Beratung, Feedback und praxisorientiertem Training bei der Selbstreflexion. Diese ist vom Klienten gewünscht, um beispielsweise die Karriere voranzutreiben.

Coaching ist im Prinzip aber für alle möglichen Bereiche anzuwenden – auch wenn es um Probleme im zwischenmenschlichen Bereich, Ernährungsberatung, Konfliktmanagement oder anderweitige Themen im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung geht. Nach einer Definition von Roland Jäger, Coach für Führungskräfte und Unternehmensberater, ist Selbstcoaching die…

selbsteingeleitete Analyse und Optimierung der persönlichen Kompetenz für sich selbst und in Kontakt mit anderen auf der Beziehungsebene und Verhaltensebene. Dabei geht das Selbstcoaching über das reine Selbstmanagement hinaus und integriert alle bewussten und unbewussten Energiepotentiale, die in jedem Menschen vorhanden sind.

Nachdem Sie die Selbstcoaching Methoden erworben haben, haben Sie die notwendigen Mittel an der Hand, sich selbst in krisenbehafteten Situationen helfen zu können, ohne auf Hilfe durch Außenstehende – wie etwa einen Coach oder Therapeuten – zurückgreifen zu müssen.

Soweit die Theorie. Kritiker wenden ein, dass Selbstcoaching ein Widerspruch in sich sei, denn eigentlich erfülle ein Coach die Funktion eines Sparringpartners. Er hilft einem Coachee also dabei, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Genau diese Hilfe fehle beim Selbstcoaching.

Der eigene Coach sein: Veränderungen aktiv gestalten

Was Sie sich vorab klarmachen sollten: Wir alle unterliegen einem ständigen Veränderungsprozess, vor allem in jungen Jahren. Einige Soziologen gehen davon aus, dass etwa mit 29 Jahren im Wesentlichen die Entwicklung des persönlichen Werte- und Normensystems abgeschlossen ist.

Das ist einerseits eine recht weitgefasste Auslegung von „Jugend“, andererseits lässt sich immer wieder beobachten, dass Menschen, die älter sind, nicht mehr so leicht ihre Meinung ändern. Das hat durchaus seine positiven Seiten – nicht zuletzt durch Lebenserfahrung sind Menschen mittleren Alters nicht so anfällig für schädliche Einflüsse, etwa durch radikale Strömungen oder Organisationen.

Aber ein geringeres Maß an Flexibilität ist eben auch alterstypisch. Gleichzeitig bringt die moderne Berufswelt viele Möglichkeiten und Veränderungen mit sich, die den einen oder anderen überfordern.

Arbeitsabläufe verändern sich, Berufsbilder ebenfalls. Was in der Ausbildung oder im Studium noch galt, ist längst überholt. Oder es entspricht nicht mehr Ihren Interessen. Selbstcoaching hilft dabei, sich über die eigenen Ziele und Wünsche im Klaren zu werden und von dort aus zu erkennen, welche Schritte Sie unternehmen müssen.

Selbstcoaching Tools: Voraussetzungen für Ihr Vorhaben

Selbstcoaching ist ein Weg, Orientierung im Dickicht der Möglichkeiten zu erlangen. Dazu stehen Ihnen verschiedene Selbstcoaching-Methoden beziehungsweise Selbstcoaching-Tools zur Verfügung, die unterschiedlich zeitintensiv sind.

Der große Vorteil beim Selbstcoaching: Sie entscheiden selbst, wann und ob Sie diese Tools anwenden, da Sie den Überblick über Ihre zeitlichen Kapazitäten haben.

Das Problem: Die Angebote sind schier unendlich. Es gibt zahlreiche Selbstcoaching-Seminare, Videos oder Bücher. Wer beispielsweise als Selbstcoaching-Methode Brainstorming betreibt, braucht weniger Zeit aufzuwenden als jemand, der ein 15-stündiges Selbstcoaching Online-Seminar besucht.

Ein weiteres Selbstcoaching-Tool vieler erfolgreicher Menschen ist beispielsweise das Erfolgsjournal. Es wird am besten wie ein Tagebuch täglich geführt und hilft Ihnen dabei, Ihre Ziele und Wünsche zu strukturieren.

In jedem Fall sollten Sie folgende Voraussetzungen mitbringen: Wer sich für Selbstcoaching entscheidet, muss anfangen, Fragen an sich zu stellen. Und es müssen die richtigen Fragen sein, also auch unbequeme beziehungsweise solche, die unerfreuliche Tatsachen an die Oberfläche bringen. Wäre alles super, gäbe es keinen Bedarf, etwas zu ändern.

Je nachdem, ob Sie sich beruflich verändern, Ihrer Beziehung neues Leben einhauchen oder Ihre Gesundheit fördern wollen: Beim Selbstcoaching müssen Sie eben die Rolle Ihres schärfsten Kritikers übernehmen – natürlich konstruktiv.

Keiner verlangt, dass Sie sich selbst in die Pfanne hauen.

Für weitere Infos zum Thema Selbstcoaching Tools empfehlen wir diesen Artikel von Oliver Bartsch.

Die richtigen Fragen stellen

Wer wirklich an sich arbeiten und etwas verändern will, wird sich mit Themen auseinandersetzen, die er optimieren will. Durch das Selbstcoaching werden Sie unter Umständen mit unangenehmen Erkenntnissen konfrontiert. Fragen Sie sich ehrlich, ob Sie Konsequenzen aus den Ergebnissen ziehen und wirklich etwas verändern wollen.

Denn Sie sind die einzige Person, die etwas ändern kann. Je nach Umfang der zu lösenden Probleme kann Unterstützung von außen durch einen Coach oder Therapeuten sehr sinnvoll sein.

Dreh- und Angelpunkt des Selbstcoachings sind immer folgende Fragen:

  • Wer bin ich? Diese Frage beschäftigt sich damit, welche Werte und Normen Sie vertreten, was Ihre Probleme sind, wie Sie Dinge wahrnehmen, was Sie im Alltag und im Berufsleben hemmt.
  • Was will ich? Hier geht es darum zu erkennen, was Ihnen wichtig ist, was sich verändert hat. Ebenfalls können hier Ihre Stärken und Potenziale erkennbar werden.
  • Wie kann ich es erreichen? Hier werden konkrete Lösungswege für aktuelle Schwierigkeiten gesucht. Ebenso werden durch Perspektivwechsel neue Möglichkeiten und Handlungsoptionen gezeigt.

Die elementaren Fragen des Selbstcoachings können Sie bei ehrlicher Beantwortung und Bearbeitung weiter voranbringen. In diesem Prozess lernen Sie sich selbst besser kennen. Das wiederum hilft Ihnen dabei, mehr Einfühlungsvermögen für andere Menschen zu entwickeln.

Das wiederum ist eins der wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale im Umgang mit anderen Menschen und kommt Ihnen sowohl auf der Arbeit als auch im privaten Leben zugute.

Fragen zum beruflichen Umfeld

  • Wie sehr erfüllt mich meine Tätigkeit?
  • Was motiviert mich?
  • Welche Tätigkeiten liegen mir?
  • Wo habe ich Schwierigkeiten?
  • Wie wirken sich die Probleme aus?
  • Wie will ich arbeiten?
  • Wer unterstützt mich?
  • Wie kann ich mich weiterbilden?
  • Was kann ich gegen meine Nervosität tun?
  • Wie kann ich besser im Team arbeiten?
  • Wie stark überwiegen die positiven/negativen Momente?
  • Wie kann ich mich mehr einbringen?

Fragen zum Selbst

  • Woraus schöpfe ich Energie?
  • Was macht mir Mut?
  • Welche Werte vertrete ich?
  • Welche Rolle spielen Beziehungen/Freunde/Familie?
  • Wie will ich leben?
  • Wie werde ich selbstbewusster?
  • Was/wer baut mich auf?
  • Was kann ich bei Ängsten und Zweifeln tun?
  • Wie kann ich mehr auf mich achten?
  • Wie kann ich mit Ärger und Wut umgehen?

Selbstcoaching Vor- und Nachteile

Wer zu der Erkenntnis gelangt ist, dass er etwas ändern möchte, ist bereits einen großen Schritt weiter. Ob Selbstcoaching für Sie der richtige Weg ist, müssen Sie letztlich selbst entscheiden. Es gibt einige Punkte, die für Selbstcoaching sprechen, andere dagegen:

Vorteile

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  • Selbstcoaching ist kostenlos. Jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Allerdings sollten Sie den Zeitaufwand einkalkulieren, den die Recherche einnimmt. Selbstcoaching-Materialien, Seminare und Online-Kurse hingegen sind nicht kostenlos. Diese werden Sie finanzieren müssen, denn irgendwie müssen Sie sich die Selbstcoaching-Methoden aneignen, bevor Sie sie an sich anwenden können.
  • Sie kennen sich selbst am besten. Manchmal ist es schwierig, einem Gegenüber exakt zu vermitteln, was man meint. Sie selbst brauchen sich das nicht zu erklären. Wer sich im Rahmen seines Selbstcoachings mit einer Stärken-Schwächen-Analyse auseinandergesetzt hat, kennt außerdem die Situationen, in denen er beispielsweise Schwierigkeiten hat.
  • Sie brauchen keine Terminabsprachen. Sie haben ganz einfach dann Zeit, wenn Sie wollen. Sie können auch kurzfristig einspringen. Ein Coach kommt möglicherweise nicht aus dem selben Ort, hat einen Anfahrtsweg.

Nachteile

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  • Es findet keine Auseinandersetzung statt. Sie mögen sich zwar einerseits am besten kennen, aber jeder hat einen blinden Fleck. Eine Person, die Sie nicht in- und auswendig kennt, guckt noch einmal ganz anders auf Sie als ein guter Freund oder Sie selbst. Im Gegensatz zum Selbstcoaching geht ein Coach völlig unvoreingenommen und unvorbelastet ins Coaching mit Ihnen. Da er emotional nicht involviert ist, kann er sachlich auf die Probleme schauen.
  • Im Selbstcoaching fehlt das Feedback. Sie bekommen keine andere Meinung von außen. Das kann unter Umständen bedeuten, dass Sie sich in etwas verrennen, wenn Sie gedanklich auf einem Irrweg sind. Ebenso fehlen neue Impulse, wenn Sie an einem Punkt feststecken. Ihre Entwicklung kann im Selbstcoaching einen ganz anderen Verlauf nehmen als wenn Sie mit einem Coach zusammenarbeiten würden.
[Bildnachweis: ra2studio by Shutterstock.com]
8. Januar 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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