Brainstorming: Regeln, Methoden, Tipps für mehr Ideen

Einfach hinsetzen, nachdenken und die Geistesblitze zählen: So einfach funktioniert Brainstorming leider nicht. Gute Ideen zu finden, ist oftmals harte Kopfarbeit. Mehr Frust als Lust. Brainstorming kann dabei helfen, neue und innovative Einfälle anzuregen, viele Ideen zusammenzutragen und zu bewerten. Gerade in Meetings eine wichtige Methode. Hier ist es oft so, dass sich die Teilnehmer keineswegs gegenseitig befruchten, sondern vielmehr behindern, blockieren und lähmen – Eitelkeiten sei Dank. Forscher um den Sozialpsychologen Wolfgang Stroebe von der Universität Utrecht kamen gar zu dem Ergebnis, dass Gruppen weniger gute Ideen produzieren als Einzeldenker. Damit Brainstorming funktionieren kann, braucht es deshalb feste Regeln. Tipps, wie Sie künftig erfolgreicher brainstormen…

Brainstorming: Regeln, Methoden, Tipps für mehr Ideen

Brainstorming: Definition und Ablauf der Methode

Brainstorming deutsch Definition Methode Synonym Themen Vorteile Tipps AblaufEntwickelt wurde die Methode des Brainstormings von Alex Osborn schon im Jahr 1939. In der von ihm mitgegründeten Werbeagentur BDO (später BBDO) gab es zig Meetings, die alles andere als inspirierend waren: Sie dauerten ewig, ermüdeten und hemmten jede Form der Kreativität. Kurz: Sie waren der Gau für ein Unternehmen, das sein Geld damit verdient, kreativ zu sein.

Osborn war sich der Bedrohung bewusst und erinnerte sich an die mehr als 400 Jahre alte indische Kreativitätstechnik des Prai-Barshana. Aus deren Mantra – using the brain to storm a problem – leitete er das heutige Brainstorming ab.

Inzwischen gilt Brainstorming als DER Klassiker unter den Kreativitätsmethoden – und funktioniert im Grund ganz einfach: Während des Brainstormings geben die Teilnehmer eines Meetings (bewährt haben sich fünf bis acht Personen) eine Zeit lang spontan ihre Ideen zur Lösung eines konkreten Problems ab.

Dadurch, dass der Gedankenaustausch öffentlich und in der Gruppe geschieht, entstehen zahlreiche neue Ideenkombinationen. Es werden also mehr Lösungen und Ergebnisse angeregt, als tatsächlich gebraucht würden. Das macht aber nichts. Denn nach dem Brainstorming folgt in der Regel eine Diskussion und Art Filter, bei dem die guten Ideen von den schlechten wieder getrennt und letztere verworfen werden.

Eine solche Brainstorming-Sitzung besteht daher immer aus zwei wesentlichen Phasen:

  • Ideenfindung (30 bis 45 Minuten)

    Im ersten Teil findet das eigentliche Brainstorming, der Gedankenaustausch statt. Über einen festgelegten Zeitraum werden von allen Teilnehmern Ideen gesammelt. Entweder gemeinsam oder von einem Moderator werden alle Beiträge zusammengetragen und gesammelt.

  • Ideenbewertung (30 bis 60 Minuten)

    Aus dem Pool der (hoffentlich) zahlreichen Ideen muss nun eine geordnete Liste werden. Dafür werden die gesammelten Vorschläge analysiert, gefiltert, bewertet und sortiert. Das Ziel beim Brainstorming ist es, am Ende eine Liste mit den vielversprechendsten Ideen, Lösungsvorschlägen und Einfällen zu erhalten.

Die Kreativtiätstechnik eignet sich nicht nur zur Ideenfindung, sondern auch zur Produktentwicklung, zum Aufbrechen festgefahrener Situationen oder Problemlösung. Sie kann auch eine Vorstufe für weitere Kreativtechniken sein.

Brainstorming braucht 4 Grundregeln

Brainstorming Synonym deutsch Grundregeln Tipps Ablauf Vorteile MethodeBrainstorming als Methode ist zunächst sehr einfach und scheint vollkommen selbsterklärend zu sein. Durch die Bekanntheit und Verbreitung reicht es aus, wenn der Chef sagt Lasst uns dazu mal ein Brainstorming machen… und es kann sofort losgehen. So kann der entstehende Gedankensturm enorm produktiv sein, zahlreiche hervorragende Ideen bringen und zu guten Problemlösungen und Strategien führen. Die Praxis zeigt jedoch: Das ist nicht immer der Fall und beim Brainstorming kann eine Menge schiefgehen. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein:

  • Manchmal ist den Teilnehmern die Fragestellung überhaupt nicht klar.
  • Oder das Problem ist viel zu komplex, um es per Brainstorming lösen zu können.
  • Es fehlen zeitliche Grenzen oder eine Moderation, sodass der Gedankensturm zu einem Hurrikan auswächst.
  • Die Teilnehmer trauen sich nicht, ihre Ideen vorzubringen.
  • Es kommen nur sehr wenige Ideen zusammen.

Brainstorming funktioniert somit nur, wenn bei der Methode feste Regeln beachtet werden. Ansonsten sitzen Sie beim Brainstorming zusammen, verschwenden viel Zeit und sind am Ende frustriert, weil kein nennenswertes Ergebnis zustande gekommen ist.

Um erfolgreiches Brainstorming durchzuführen, müssen dabei vier Grundregeln eingehalten werden. Wir stellen diese Regeln zur Methode kurz vor und erklären, warum diese für das Brainstorming so wichtig sind:

  1. Brainstorming-Regel: Keine Kritik

    Jede Idee – egal, wie verrückt – ist zunächst willkommen. Während des Prozesses findet keinerlei Bewertung statt. Diskutieren, Totschlagargumente und Kritik sind streng verboten. Das beinhaltet verbale und nonverbale Kritik gleichermaßen.

    Es ist also verboten, während der Ideenfindung die Idee eines anderen als Schwierig umsetzbar oder Völlig am Problem vorbei zu kritisieren. Auch mit den Augen rollen, seufzen oder andere Formen der nonverbalen Kritik haben beim Brainstorming keinen Platz.

    Leider halten sich viele Teilnehmer nicht an diese Regel. Das Ergebnis: Aus Angst vor Kritik bleiben Ideen ungesagt – möglicherweise sogar die besten. Zudem leidet die Atmosphäre ungemein.

  2. Brainstorming-Regel: Masse statt Klasse

    Was zählt, ist anfangs die bloße Anzahl der Ideen. Je mehr, desto besser. Quantität vor Qualität. Selbst wenn Sie nicht zu hundert Prozent sicher sind, ob Ihr Vorschlag wirklich gut ist, sollten Sie diesen zunächst vorbringen. Natürlich möchte jeder gleich den perfekten Geistesblitz haben, die zündende Idee, mit der alle Probleme auf einmal gelöst werden können – das klappt leider nur selten.

    Indem Sie zunächst möglichst viele Ideen im Brainstorming sammeln, begrenzen Sie die Vorschläge nicht von vornherein. Es gibt also kein Ach, das klappt bestimmt nicht oder Die Idee finden die anderen bestimmt doof. Stattdessen werden alle Ideen gesammelt und möglichst für alle sichtbar aufgeschrieben.

    Oft entstehen daraus im weiteren Verlauf des Brainstormings neue Ideen und weitergesponnene Gedanken. Es lohnt sich deshalb immer, zunächst auf Masse zu setzen.

  3. Brainstorming-Regel: Kein Copyright

    Das Weiterspinnen von fremden Ideen ist wie gerade angesprochen nicht nur erwünscht, sondern ein wichtiger Aspekt beim Brainstorming. Einen Urheberschutz oder so etwas wie meine Idee gibt es nicht. Ziel im Brainstorming ist es, als Team die beste Lösung für ein Problem zu finden – am Ende haben alle gemeinsam daran gearbeitet.

    Es mag schwer fallen, doch beim Brainstorming müssen die Teilnehmer das eigene Ego hintenanstellen. Ansonsten wird nicht zusammen, sondern gegeneinander gearbeitet.

    Wer nun befürchtet, dass die Lorbeeren für den eigenen Vorschlag von einem Kollegen geerntet werden, braucht sich selten sorgen zu machen. Oft ist der Chef beim Brainstorming anwesend und bekommt durchaus mit, wer welche Idee hatte – für den Ablauf ist es jedoch schädlich, darauf zu pochen.

  4. Brainstorming-Regel: Unbedingt Querdenken

    Freies Assoziieren, aber auch Abschweifen, Spinnen und Fantasieren ist während des Gedankensturms ebenso ausdrücklich erwünscht. Lassen Sie Ihre Gedanken schweifen, denken Sie außerhalb der klassischen Schubladen und gehen Sie ein Problem ruhig unkonventionell an.

    Sie können auch versuchen, Lösungen aus einem anderen Bereich auf die aktuelle Fragestellung zu übertragen. Das ist nicht immer direkt möglich, sondern erfordert vielleicht einige Anpassungen – doch Sie müssen das Rad nicht immer ganz neu erfinden.

    Das kann gleich mehrere Vorteile haben: Sie vergrößern in jedem Fall das Lösungsfeld, denn auch scheinbar abwegige Ideen werden gesammelt. Und Sie regen die Kreativität weiter an. Es entstehen neue Gedankengänge, auch die anderen Teilnehmer erweitern den eigenen Denkansatz und so nähern Sie sich der besten Lösung.

Tipps für erfolgreiches Brainstorming

Soweit die Grundregeln. Natürlich reicht das noch nicht. Damit der Ablauf reibungslos funktioniert, muss die Kreativtechnik geführt und moderiert werden. Sonst bleibt sie eher ein Sturm im Wasserglas.

Dabei spielen die soziale Komponente sowie Silodenken keine zu vernachlässigende Rolle: Warum hat die Kollegin immer so gute Einfälle? Behalte ich die vermeintliche Schnapsidee vielleicht doch lieber für mich? Muss der Kollege immer so schreien, wenn er etwas vorträgt? Solche Gedanken lenken, würgen ab und lassen die Ideenfindung im Keim ersticken.

Entscheidend ist daher:

  • Klima schaffen

    Die Kraft des kollektiven Gedankenaustauschs liegt darin, dass alle ungehemmt lossprudeln können. Wenn sie glauben, dass sie für ihre Vorschläge später gerügt werden, halten sie die Klappe. Ebenso muss ein Klima vermieden werden, das Vorschläge bewertet. Auch nach dem Brainstorming. Auszeichnungen für die beste Idee sind daher unbedingt zu vermeiden. Das Ergebnis ist immer eine Teamleistung!

  • Vielfalt erzeugen

    Brainstorming nur einzusetzen, um Ideen aufzuwirbeln, ist eindimensional. Wenn verschiedene Abteilungen oder Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen daran teilnehmen, können sie ebenso voneinander lernen und Ressentiments abbauen. Gerade diese bunte Zusammensetzung der Brainstorming-Gruppe sorgt für bessere Ideen und mehr Gruppendynamik (Stichwort: Diversität).

  • Prozess moderieren

    Das klingt paradox, da es beim Brainstorming ja gerade darum geht, völlig frei zu denken. Ein Kurzschluss: Freiheit ohne Grenzen existiert nicht. Die Aufgabe des Gruppenleiters besteht darin, Freiheit zu erhalten, indem er andere beschränkt – etwa Vielredner oder Kritiker. Ebenso gilt es, während der Sitzung stillere Teilnehmer zu motivieren und zu ermutigen. Oder – falls sich die Gruppe an einem Punkt festgefahren und in Detailfragen verrannt hat – die Situation wieder aufzubrechen. Zum Beispiel durch einen Perspektivwechsel, wie bei der Osborn-Methode. Die stammt übrigens auch von Alex F. Osborn.

  • Ideensammlung visualisieren

    Gemeint ist damit weniger, dass alle bunte Bilder malen (was aber – je nach Thema – auch erlaubt sein könnte), sondern vielmehr, dass die Vorschläge sichtbar gesammelt werden, um im Sturmgetöse nicht gleich wieder zu verhallen. Dafür bietet sich zum Beispiel eine Pinnwand an. Oder eine Mindmap. Ziel ist schließlich, dass alle durch die aufgeführten Vorschläge stimuliert und daraus so neue Ideen generiert werden. Auch sollten die Teilnehmer eigene Gedanken unmittelbar notieren können (Stift und Papier bereitstellen!). Müssen die Teilnehmer ihre eigenen Gedanken im Kopf behalten, während ein anderer seine Idee in den Raum wirft, können sie sich weder auf das eine noch das andere richtig konzentrieren.

  • Zeit beschränken

    Brainstorming-Sitzungen sollten von vornherein begrenzt werden – mindestens aber die eigentliche Sturmphase (Ideenfindung). Für diese hat sich eine Dauer von 30 bis 45 Minuten bewährt. Für die anschließende Bewertungsphase (Ideenbewertung) sollten Sie ebenfalls noch einmal 30 bis 60 Minuten ansetzen. Diese zeitlichen Limits reichen für ein umfangreiches Brainstorming aus – schließlich soll die Methode nicht ausarten, sondern Ergebnisse liefern.

  • Ideen umsetzen

    Der Unterschied zwischen einem Ideenfeuerwerk und einer Innovation liegt in der Produktivität. Brainstorming fördert Kreativität, am Ende aber müssen daraus wenigstens Prototypen entstehen. Ohne Nachbereitung verkommen solche Treffen zu Kaffeekränzchen und wirken demotivierend: Wenn Menschen merken, dass von ihren Vorschlägen nichts realisiert wird, stellen sie das Denken irgendwann wieder ein.

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Ohne solche Regeln, ohne Moderator und eine konkrete Fragestellung kann Brainstorming nicht wirklich funktionieren. Die Bedeutung der Regeln ist nicht zu unterschätzen. Sonst führt der Gedankensturm – trotz zahlreicher Vorteile (siehe Grafik) – zu einer reinen Verschwendung von Arbeitszeit.

Brainstorming Vorteile Nachteile

Brainstorming: Die wichtige Rolle des Moderators

Brainstorming Methode Vorteile alleine deutsch synonym Themen Tipps ModeratorDem Moderator kommt beim Brainstorming eine entscheidende Rolle zu. Er soll motivieren, stimulieren, fokussieren, strukturieren. Eine große Verantwortung! Aber ohne geht es nicht.

Ein Brainstorming, das nicht professionell moderiert wird, ufert aus, verwildert und wird irgendwann bizarre Slapstick. Die Leute haben vielleicht Spaß miteinander, aber der Austausch ist nicht mehr zielführend.

Der Moderator eines Brainstormings sollte daher jemand sein, der mitdenken und mitspinnen kann, zugleich aber den Überblick behält und parteilos bleibt. Das bedeutet: Auch er darf Ideen nicht fördern, nur weil sie ihm persönlich gut gefallen. Der Moderator ist zur Neutralität verpflichtet – vielleicht mehr als alle anderen. Idealerweise übernimmt die Rolle daher nicht der Chef.

Folgende Aufgaben gehören zur Moderation eines Brainstormings:

  • Brainstorming vorbereiten: Fragestellung und Ziel für alle transparent machen.
  • Agenda formulieren: Ablauf, Dauer und Zeiten müssen festgelegt sein.
  • Regeln festlegen: Die Regeln sollten noch einmal deutlich vorab und für alle verbindlich festgelegt werden.
  • Einhaltung sicherstellen: Die besten Regeln nutzen nichts, wenn sie ignoriert werden. Das ist die aktivste Aufgabe des Moderators: Schwätzer bremsen, Schweiger animieren, Ideenfindung von Ideenbewertung trennen.
  • Analyse strukturieren: Sobald der Sturm abgeklungen ist, müssen die Ideen bewertet werden. Auch nicht leicht, da manche Seele Kritik immer persönlich nehmen. Umso mehr muss die Ideenbewertung (sowie Eitelkeiten) moderiert und strukturiert werden.
  • Ergebnis dokumentieren: Am Ende sollten die Ergebnisse natürlich noch gesammelt, gebündelt, sortiert, protokolliert oder dokumentiert und an alle verteilt werden. Dies kann man dem Moderator auch noch aufbürden. Fairer ist aber meist, hierfür noch einen Protokollführer zu benennen.

Ziemlich komplex, wie Sie sehen. Die Hauptaufgabe des Moderators bleibt aber, dass alle zu Wort kommen, keine(r) diskrimminiert wird und der Prozess beziehungsweise die Arbeitsgruppe nicht ins Stocken gerät.

Alternativen zum Brainstorming: Methode 635, Brainwriting und Brainswarming

Zum klassischen Brainstorming haben sich mittlerweile zahlreiche Alternativen und Abwandlungen entwickelt. Denn neben vielen Anhänger hat das Brainstorming auch viele Kritiker, die einige Nachteile in der Methode ausmachen. Allen voran: Nicht alle Teilnehmer bringen sich beim Brainstorming gleichermaßen ein und die Ergebnisse sind – trotz der oben genannten Grundregeln – oftmals nicht sehr einfallsreich.

Sollten Sie beim ursprünglichen Brainstorming auf Probleme stoßen oder wenn Sie mehr Abwechslung in Ihre Kreativmethoden bringen wollen, können Sie die folgenden Alternativen zum Brainstorming nutzen:

  • Brainswarming

    Schon der Begriff verrät die Ähnlichkeit der beiden Methoden. Entwickelt wurde das Brainswarming vom Amerikaner Tony McCaffrey, weil dieser beim Brainstorming immer wieder feststellte, dass es die extrovertierten Teammitglieder in der Gruppe sind, die sich durchsetzen. Sie dominieren die Ideenfindung, bringen mehr Vorschläge ein und Sie übernehmen auch einen Großteil der Diskussion. Schüchterne Teilnehmer im Brainstorming gehen unter – inklusive ihrer Vorschläge.

    Beim Brainwriting rückt die Selbstdarstellung in den Hintergrund. Der entscheidende Unterschied: Die Ideenfindung findet nicht wie beim Brainstorming mündlich in der Gruppe statt. Alle Teilnehmer schreiben Ihre Ideen zunächst auf kleine Klebezettel (Post Its) – jeder alleine, für sich selbst, ganz ohne Druck. Im nächsten Schritt werden die Notizen an eine gemeinsame Pinnwand geheftet, um Ideen miteinander zu verknüpfen, weiterzuspinnen und letztlich die besten Lösungsvorschläge zu analysieren und zu bewerten.

  • Brainwriting

    Das Brainwriting hat die gleiche Schwachstelle im Brainstorming identifiziert und umgeht diese auf ähnliche Art. Auch bei dieser Alternative findet die Sammlung der Ideen nicht offen und in mündlicher Form statt, sondern jeder Teilnehmer schreibt seine Ideen anfangs auf einen Zettel – dieser sollte beim Brainwriting größer Ausfallen als Notiz-Zettel, beispielsweise ein DIN A4 Blatt.

    Nach der ersten Phase der Ideenfindung werden die Vorschläge dann untereinander weitergereicht. So hat jeder die Möglichkeit, die Ideen anderer Teilnehmer zu erweitern und zu ergänzen.

  • Methode 635

    Eine spezielle Form des Brainwriting ist die Methode 635. Der Grundgedanke bleibt erhalten, durch einen genauen Ablauf können bei der Methode 635 aber innerhalb kurzer Zeit mehr als 100 Ideen generiert werden.

    Der Name setzt sich dabei aus den wichtigsten Eckpfeilern der Methode zusammen: Sechs Teilnehmer schreiben zu Beginn jeweils drei Ideen auf ein Blatt und anschließend werden die Ideenblätter insgesamt fünf Mal weitergegeben. So hat jeder Teilnehmer einmal jedes einzelne Blatt und ergänzt die dort vorhandenen Vorschläge mit eigenem Input und weiteren Ergänzungen.

  • Kopfstand-Methode

    Normales Brainstorming bringt nicht weiter oder es braucht mehr Abwechslung? Dann kann die Kopfstand-Methode neue Erkenntnisse liefern. Dafür müssen Sie glücklicherweise nicht sich selbst, sondern nur Ihre Denkansätze auf den Kopf stellen.

    Statt sich zu fragen: Welche Idee hat die besten Aussichten auf Erfolg?, geht es bei der Kopfstand-Methode um Was klappt auf keinen Fall? Oft fällt es leichter, sich solche Worst-Case-Szenarien auszumalen. Zusätzlich wird die Kreativität bei dieser Variante des Brainstormings angeregt, weil Sie umdenken müssen. Zum Schluss lassen sich die gefundenen Anti-Vorschläge dann wieder umdrehen, um Strategien zu entwickeln.

  • Provokationstechnik

    Auch bei der Provokationstechnik müssen Sie beim Brainstorming umdenken. Hier werden zu Beginn gezielte Änderungen, Verfälschungen, Übertreibungen, Umkehrungen oder auch Idealfälle ausgemacht – sogenannte Provokationen – die bei der Sammlung von Ideen gelten. Dabei ist fast alles erlaubt, so können Naturgesetze umgekehrt werden oder auch andere Tatsachen weggelassen werden.

    Ein Beispiel könnte lauten: Jeder Mitarbeiter hat doppelt so viel Urlaub wie bisher. Das ist natürlich nicht wahr, regt aber zum Nachdenken an. Wie würde sich die Arbeitsweise verändern? Käme es zu Personalengpässen oder würde sich der Urlaub verteilen? Sind Mitarbeiter dadurch mehr motiviert oder lässt die Einstellung nach? Durch solche Änderungen lassen sich zahlreiche Ideen generieren, um ausgefallene Lösungen zu finden.

    Die Herausforderung der Methode besteht darin, am Ende sinnvolle und umsetzbare Strategien abzuleiten, die in der Realität bestehen können.

Brainstorming alleine: So nutzen Sie die Methode für sich persönlich

Natürlich lässt sich die Brainstorming Methode auch anwenden, wenn Sie alleine sind. Mit einigen Tricks und Kniffen können Sie so die Gehirnzellen ankurbeln und der eigenen Kreativität auf die Sprünge helfen. Das Wochenende eignet sich übrigens ideal dazu. Wir haben daher hier noch einige Anregungen zusammengestellt.

Der Königsweg ist übrigens, möglichst viele davon miteinander zu kombinieren…

  • Hart arbeiten

    Brainstorming ist keine Spaßveranstaltung für zwischendurch, sondern erfordert Konzentration und Disziplin. Nur wer seine Gehirnwendungen ernsthaft bemüht, wird am Ende belohnt.

  • Alleine sein

    Das Dauerbombardement durch E-Mails, Handy, Facebook und Twitter macht es unmöglich, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Beseitigen Sie daher, zumindest vorübergehend, die diversen Störfaktoren. Die goldene Regel für Brainstormer: Kapseln Sie sich für eine Weile vollständig ab, denken Sie ganz alleine und in der Stille intensiv nach.

  • Spazieren gehen

    Wer tagein, tagaus auf die gleiche graue Wand schaut, wird nicht sonderlich inspiriert. Neue Orte produzieren neue Eindrücke produzieren neue Ideen. Ein Spaziergang durch Wald und Flur stellt neue Assoziationen her, weckt Ideenreichtum und Erfindergeist. Noch vor wenigen Monaten bestätigten Forscher der Uni Stanford die kreative Kraft eines Spaziergangs.

  • Limits setzen

    Kauen Sie auf einer mittelmäßigen Idee nicht zu lange herum. Wenn Sie merken, dass der Weg ins Nichts führt, biegen Sie lieber auf einen anderen ab.

  • Ideen aufschreiben

    Nehmen Sie sich ein Blatt Papier mit und schreiben Sie alles auf, was Ihnen zum vorgegebenen Thema einfällt. Aus den ungeordneten Gedankenschnipseln können hinterher brauchbare Ansätze herausgefiltert werden.

  • Pausen einlegen

    Dass Pausen die Produktivität erhöhen, dürfte bekannt sein. Effektiver als ein mühevoller Brainstorming-Marathon sind daher mehrere Sprints.

  • Erwartungen dämpfen

    Ein Brainstorming führt noch nicht zu einem fertigen Produkt. Erst kommt die Grundidee, danach die Fein- und Fleißarbeit. Machen Sie sich bewusst, das mit dem Brainstorming noch nicht die gesamte Arbeit erledigt ist.

  • Ausschuss produzieren

    Dass die meisten Ideen im Abfalleimer landen, sollte kein Grund für Frustrationen sein. Je mehr Ideen, desto größer die Wahrscheinlichkeit eines Treffers. So gilt auch beim Brainstorming alleine, dass Sie anfangs auf Masse statt Klasse setzen sollten.

Schlechte Idee: Wie Sie auf zweifelhafte Anregungen reagieren

Schlechte Idee: Wie Sie auf zweifelhafte Anregungen reagierenNichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Leider sind manche Geistesblitze ihrer Zeit entweder weit voraus (bestenfalls) oder total daneben. Vor allem in Debatten, Podiumsdiskussionen und Brainstormings kommt es immer wieder vor, dass Sie mit einem Einwand oder Vorschlag konfrontiert werden, der, nun ja, unkonventioneller nicht sein könnte. Dann coram publico seinem Gegenüber zu sagen, was man wirklich davon hält, wäre aber taktisch unklug.

Was also tun, wenn Sie mal in einem Meeting (aber keinem Brainstorming!) oder Workshop sitzen und ein Kollege einen Vorschlag macht, der so genial ist wie Kaminholzverleih im Internet?

Klar, Sie könnten sagen: „Was für eine bescheuerte Idee! So ein Bullshit!“ oder „Hahahahaha“ und dann weitermachen. Macht man aber nicht. Außerdem könnte unter der Oberfläche vielleicht doch noch ein guter Einfall lauern, den Sie gerade gnadenlos abbügeln. Zum Glück gibt es Alternativen…

  1. Fragen Sie nach Details

    Ein Vorschlag ist schnell ventiliert. Wie gut durchdacht dieser ist, offenbart sich aber erst im Konkreten und in dessen Konsequenzen. Fragen Sie also zum Beispiel nach, wie diese Idee ganz pragmatisch umgesetzt werden soll, wie sie wirkt und warum. Auch das wirkt wie ein Ventil – und lässt bei vielen Ideen die heiße Luft raus.

  2. Bitten Sie um einen Beweis

    Vor allem wenn Ihr Gegenüber eine steile und suggestive These formuliert, die zunächst sehr einleuchtend klingt, sollten Sie um einen Beleg bitten: „Hat das denn schon irgendwo bereits funktioniert? Wo? Warum?“ Bekommen Sie hierauf eine gute Antwort, haben Sie auf jeden Fall was gelernt – oder aber Ihre Ruhe.

  3. Klären Sie die Variablen

    Was zunächst nach einer cleveren Idee aussieht, funktioniert oft nur unter bestimmten Voraussetzungen (wie diese Tipps letztlich auch, weshalb sie nicht alle jederzeit gelten). Stimmen Sie dem Vorschlag zu, um weniger konfrontativ zu wirken, aber fragen Sie auch nach den entscheidenden Variablen: „Ein guter Einwand! Damit das funktioniert, muss aber X gegeben und Y tatsächlich vorhanden sein. Ist das so? Und was wäre, wenn nicht?“

  4. Kombinieren Sie ein Ziel

    Bedanken Sie sich zunächst für den Vorschlag und dann verbinden Sie diesen anschließend mit einem Ziel: „Danke für die Anregung. Wir sind ja heute hier zusammen, um unseren Umsatz um zehn Prozent zu steigern. Wie, glauben Sie, wird uns das diesem Ziel näher bringen?“ Vor allem Teilnehmer, die sich ständig in Nebenschauplätzen verrennen, bringen Sie damit schnell wieder auf die Spur zurück.

  5. Bitten Sie um eine Bewertung

    Besonders elegant ist es, wenn Sie zunächst das Publikum fragen, die Anregung zu bewerten: „Wie finden die anderen das?“ Damit gewinnen Sie nicht nur Bedenkzeit, sondern sammeln erst einmal Argumente, bevor Sie sich selbst dazu äußern und Stellung beziehen.

Und nicht zuletzt können Sie natürlich auch immer auf Ihre Gefühle rekurieren. Sie sagen also nicht, dass Sie die Idee für groben Unfug halten, sondern stattdessen:

Das klingt ja alles ganz gut. Aber ich habe bei diesem Vorschlag nach wie vor Bauchschmerzen. Mein Gefühl sagt mir, das ist noch nicht ausgereift. Lassen Sie uns das noch ein bisschen diskutieren.

Blafft Ihr Gegenüber sofort zurück, disqualifiziert er sich selbst. Andernfalls geben Sie sich beiden die Chancen, zu erkennen, was wirklich in dem Einfall steckt – und etwa mit einem Brainstorming weitermachen.

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[Bildnachweis: PROKOPEVA IRINA man by Shutterstock.com]
19. Mai 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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