Was ist Plussing?
Plussing ist eine Kreativitäts- und Feedbackmethode zur Weiterentwicklung vorhandener Ideen, Entwürfe oder Konzepte. Der Begriff leitet sich von „Plus“ beziehungsweise dem Pluszeichen (+) ab: Ein Beitrag soll dem bisherigen Vorschlag etwas Konstruktives hinzufügen. Bekannt wurde das Prinzip hauptsächlich durch die kreative Arbeitsweise von Pixar. Ideen werden dabei nicht einfach abgelehnt oder mit pauschaler Kritik zerlegt. Wer einen Schwachpunkt erkennt, bietet möglichst zugleich eine Ergänzung oder Verbesserung an. Das Grundprinzip lautet deshalb: „Ja, und…“ statt „Ja, aber…“
Ein „Ja, aber…“ richtet den Blick schnell auf Grenzen und Einwände. „Ja, und…“ nimmt den vorhandenen Gedanken zunächst auf und spinnt ihn weiter. Das bedeutet nicht, dass jeder Vorschlag gut ist oder umgesetzt werden muss. Entscheidend ist vielmehr, aus Kritik einen Impuls für die nächste Version zu machen.
Plussing einfach erklärt
| Prinzip | Vorhandene Ideen um ein konkretes „Plus“ ergänzen |
| Ziel | Vorschläge gemeinsam verbessern und weiterentwickeln |
| Leitsatz | „Ja, und…“ statt „Ja, aber…“ |
Wie funktioniert Plussing?
Plussing beginnt mit einer vorhandenen Idee oder einem ersten Arbeitsergebnis. Das kann ein Konzept, eine Präsentation, ein Produktentwurf oder das Ergebnis eines Brainstormings sein. Anschließend betrachten die Beteiligten den Vorschlag gemeinsam: Was daran funktioniert bereits? Wo besteht Verbesserungspotenzial? Welche Ergänzung könnte die Idee stärker, einfacher oder praktikabler machen? Der Ablauf lässt sich auf vier Schritte reduzieren:
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Idee vorstellen
Der Ideengeber präsentiert den aktuellen Stand. Verständnisfragen sind erlaubt, eine sofortige Grundsatzdiskussion ist noch nicht sinnvoll.
-
Potenzial erkennen
Die anderen Teilnehmer schauen zunächst auf das Brauchbare: Was ist interessant? Welcher Gedanke lohnt sich? Worauf können wir aufbauen?
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Ein Plus anbieten
Nun folgen konkrete Ergänzungen. Statt „Das funktioniert nicht“ heißt es beispielsweise: „Das könnte funktionieren, wenn wir zusätzlich…“
-
Idee weiterentwickeln
Die sinnvollsten Anregungen werden aufgenommen, kombiniert oder verändert. Die neue Version kann anschließend erneut „geplusst“ werden.
Plussing funktioniert sowohl zu zweit als auch in einer Gruppe. Bei mehreren Teilnehmern entsteht häufig eine Kettenreaktion: Ein Verbesserungsvorschlag liefert den Ausgangspunkt für den nächsten.
Plussing-Beispiel: Plus für Plus zur besseren Idee
Angenommen, ein Team möchte die interne Kommunikation verbessern. Die Ausgangsidee lautet: „Wir führen einen monatlichen Team-Newsletter ein.“ Statt sofort einzuwenden „Newsletter liest doch niemand“, entwickeln die Beteiligten den Vorschlag gemeinsam weiter:
Schritt |
Idee + Plus |
| Idee | „Wir führen einen monatlichen Team-Newsletter ein.“ |
| 1. Plus | „Ja, und wir stellen darin jeden Monat ein Teammitglied vor.“ |
| 2. Plus | „Ja, und die Person gibt einen persönlichen Arbeitstipp.“ |
| 3. Plus | „Ja, und Kollegen können Themen für die nächste Ausgabe vorschlagen.“ |
| 4. Plus | „Ja, und wir begrenzen den Newsletter auf fünf kurze Punkte.“ |
Aus einer groben Idee entsteht so schrittweise ein konkreteres Konzept. Der Vorteil: Niemand muss allein den perfekten Vorschlag liefern. Die Qualität wächst durch die unterschiedlichen Beiträge.
Plussing vs. Brainstorming: Was ist der Unterschied?
Plussing und Brainstorming ergänzen sich, verfolgen aber unterschiedliche Ziele. Beim klassischen Brainstorming sollen zunächst möglichst viele neue Einfälle entstehen. Bewertungen werden bewusst zurückgestellt. Plussing eignet sich dagegen vorwiegend dazu, bereits vorhandene Ansätze weiterzuentwickeln.
Brainstorming |
Plussing |
| Neue Ideen erzeugen | Vorhandene Ideen verbessern |
| Kritik zunächst vermeiden | Konstruktive Einwände zulassen |
| Viele Einfälle sammeln | Vorschläge ergänzen und verfeinern |
| „Was fällt uns ein?“ | „Was können wir hinzufügen?“ |
In der Praxis lassen sich beide Kreativitätstechniken hervorragend kombinieren: Sammeln Sie zunächst unterschiedliche Ansätze und nutzen Sie Plussing anschließend, um die vielversprechendsten Ideen auszubauen.
Welche Regeln gelten beim Plussing?
Damit Plussing nicht zu einer gewöhnlichen Kritikrunde mit freundlicher Verpackung wird, helfen fünf einfache Regeln:
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Idee zunächst annehmen
Versuchen Sie zu verstehen, worauf der andere hinauswill. Wer innerlich sofort nach Gegenargumenten sucht, kann kaum konstruktiv weiterdenken.
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Auf Vorhandenem aufbauen
Ergänzen Sie den bisherigen Ansatz, statt ihn bei jeder Gelegenheit durch Ihre eigene Idee zu ersetzen.
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Kritik konkret formulieren
Pauschale Urteile wie „funktioniert nicht“ oder „schlechte Idee“ bringen den Prozess nicht weiter. Benennen Sie den problematischen Punkt möglichst genau.
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Ein Verbesserung anbieten
Verbinden Sie einen Einwand möglichst mit einer Alternative, Ergänzung oder Lösung. Genau darin liegt das eigentliche „Plus“.
-
Person und Vorschlag trennen
Diskutiert wird die Sache, nicht der Mensch dahinter. Abwertungen, persönliche Angriffe und Ironie blockieren die gemeinsame Ideenentwicklung.
Warum kann konstruktive Kritik die Kreativität fördern?
Beim klassischen Brainstorming gilt zunächst ein Kritikverbot. Das soll verhindern, dass unfertige Einfälle vorschnell abgeschossen werden. Forschung zur Gruppen-Kreativität zeigt jedoch, dass Diskussion und Widerspruch ebenfalls neue Gedanken anregen können. In einer bekannten Untersuchung von Charlan Nemeth und Kollegen entwickelten Gruppen Lösungen gegen Verkehrsprobleme in der San Francisco Bay Area. Teilnehmer, die ausdrücklich diskutieren und kritisieren durften, produzierten insgesamt mehr Ideen als klassische Brainstorminggruppen. Die Untersuchung testete allerdings nicht Plussing selbst. Sie liefert vielmehr einen interessanten Hinweis darauf, dass konstruktive Auseinandersetzung Kreativität nicht zwangsläufig behindert.
Entscheidend ist der Umgang mit dem Widerspruch: Kritik sollte sachlich bleiben, neue Gedanken anstoßen und möglichst einen Weg nach vorn eröffnen. Genau für diese Form der Diskussion liefert Plussing eine einfache Struktur.
Wann eignet sich Plussing?
Plussing ist besonders hilfreich, wenn bereits erste Ideen oder Arbeitsergebnisse vorliegen, diese aber noch nicht ausgereift sind. Die Methode lässt sich deshalb direkt nach einer Ideenfindung oder unabhängig davon einsetzen.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Ideen und Konzepte verfeinern
- Produkte oder Dienstleistungen verbessern
- Präsentationen und Texte überarbeiten
- Projektpläne diskutieren
- Prototypen weiterentwickeln
- Workshops und Kreativmeetings gestalten
- konstruktives Feedback geben
Weniger geeignet ist die Methode, wenn Sie zunächst vollkommen neue Ansätze suchen. Dann sind offene Verfahren wie Brainstorming oder Brainwriting meist der bessere Einstieg.
Welche Vor- und Nachteile hat Plussing?
Auch diese Methode hat spezifische Vor- und Nachteile, die Sie sich vorab bewusst machen sollten. Hier ein kompakter Überblick:
Plussing Vorteile
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Aus Einfällen werden Lösungen
Erste Ansätze gewinnen durch mehrere Ergänzungen an Substanz und können bis zu einem umsetzbaren Konzept reifen.
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Feedback wird lösungsorientierter
Einwände beschreiben nicht nur ein Problem, sondern liefern möglichst einen Ansatz zur Verbesserung.
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Unterschiedliche Perspektiven fließen ein
Die Lösung entsteht nicht allein im Kopf des Ideengebers. Wissen und Erfahrungen mehrerer Personen können sich ergänzen.
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Ideen werden weniger schnell abgewürgt
Der Fokus auf das Weiterdenken reduziert pauschale Totschlagargumente und erleichtert den konstruktiven Austausch.
Plussing Nachteile
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Nicht jede Idee lässt sich retten
Ein schwacher Ausgangspunkt wird durch zusätzliche Ergänzungen nicht automatisch überzeugend. Manchmal ist Verwerfen die bessere Entscheidung.
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Das Prinzip kann künstlich wirken
Wird „Ja, und…“ nur als Sprachregel verstanden, entstehen schnell höfliche Formulierungen ohne echten Mehrwert.
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Gruppendynamik bleibt ein Faktor
Dominante Teilnehmer können die Richtung bestimmen. Bei größeren Teams hilft deshalb eine Moderation.
5 Tipps für erfolgreiches Plussing
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Definieren Sie den Ausgangspunkt
Alle Beteiligten sollten verstehen, welche Idee verbessert werden soll und welches Ziel dahintersteht. Sonst entstehen Ergänzungen in gänzlich unterschiedliche Richtungen.
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Fragen Sie zuerst nach Stärken
„Was daran sollten wir unbedingt erhalten?“ lenkt die Aufmerksamkeit auf das Potenzial und verhindert, dass eine Runde sofort zur Fehlersuche wird.
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Machen Sie das Plus konkret
„Das müsste moderner werden“ hilft wenig. „Wir könnten die drei wichtigsten Informationen auf einer Seite bündeln“, lässt sich dagegen unmittelbar prüfen.
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Bauen Sie aufeinander auf
Das interessanteste Plus muss nicht das erste sein. Greifen Sie Ergänzungen anderer auf und entwickeln Sie daraus weitere Varianten.
-
Beenden Sie Plussing rechtzeitig
Nicht jede Idee wird besser, je länger daran gearbeitet wird. Prüfen Sie nach einigen Runden, welche Ergänzungen tatsächlich einen Mehrwert schaffen – und ob der Ansatz weiterverfolgt, getestet oder verworfen werden sollte.
Aus Kritik wird ein Plus
Plussing verbindet kreative Ideenentwicklung mit konstruktivem Feedback. Der entscheidende Unterschied zur bloßen Kritik: Ein Einwand soll einen Gedanken nicht beenden, sondern möglichst weiterbringen. Besonders wirkungsvoll ist die Methode deshalb, wenn bereits erste Vorschläge vorliegen und ein Team daraus gemeinsam bessere Lösungen entwickeln möchte. Aus „Ja, aber…“ wird „Ja, und…“ – und aus einem unfertigen Einfall Schritt für Schritt eine tragfähigere Idee.
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