Brainwriting: Methode, 5 Schritte + 7 Tipps

Brainwriting ist eine Kreativitätstechnik, bei der Sie Ideen nicht zurufen, sondern zunächst schriftlich sammeln. Alle Teilnehmer können dadurch gleichzeitig nachdenken und eigene Vorschläge entwickeln. Anschließend werden die Einfälle geteilt, ergänzt und ausgewertet. Das Verfahren eignet sich besonders für Gruppen, in denen Redeanteile, Hierarchien oder vorschnelle Diskussionen die Ideenfindung bremsen. Wir zeigen, wie Brainwriting in fünf Schritten funktioniert – mit Beispiel, Methoden sowie Vor- und Nachteilen…

Brainwriting Definition Methode Ablauf Brainstorming

Einfach erklärt: Was ist Brainwriting?

Brainwriting ist eine schriftliche Methode zur Ideenfindung. Statt Vorschläge spontan in die Gruppe zu rufen, notieren alle Teilnehmer ihre Gedanken zunächst für sich. Je nach Variante werden die Aufzeichnungen anschließend ausgetauscht, ergänzt oder gemeinsam ausgewertet. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „brain“ (Gehirn) und „writing“ (Schreiben) zusammen. Das Grundprinzip ähnelt dem Brainstorming: Zunächst sollen möglichst viele Einfälle entstehen, ohne diese sofort zu kritisieren oder auf ihre Machbarkeit zu prüfen.

Der entscheidende Unterschied liegt im Kommunikationsweg. Beim Brainwriting können mehrere Personen parallel arbeiten. Dadurch hängt die Ideensammlung weniger davon ab, wer besonders schnell, laut oder überzeugend spricht.

Brainwriting einfach erklärt

Ziel Viele unterschiedliche Ideen schriftlich entwickeln und anschließend weiterbearbeiten
Prinzip Teilnehmer notieren zunächst eigene Vorschläge und greifen später Gedanken anderer auf
Hilfsmittel Papier, Karten, vorbereitete Formulare oder eine gemeinsame digitale Arbeitsfläche
Geeignet für Gruppenideen, offene Probleme und Situationen, in denen alle möglichst gleichberechtigt beitragen sollen
Bekannte Variante 6-3-5-Methode mit festgelegter Teilnehmerzahl, Ideenmenge und mehreren Schreibrunden
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Was ist der Unterschied zwischen Brainwriting und Brainstorming?

Beim Brainstorming äußern die Teilnehmer ihre Einfälle typischerweise mündlich. Alle hören die Vorschläge sofort und können spontan daran anknüpfen. Brainwriting verlagert zumindest die erste Phase ins Schriftliche. Mehrere Personen können gleichzeitig überlegen, niemand muss auf eine Wortmeldung warten und die ersten Vorschläge beeinflussen die anderen zunächst weniger.

Brainstorming

Brainwriting

Mündlich Ideen werden schriftlich gesammelt
Nacheinander sprechen Alle können gleichzeitig arbeiten
Spontaner Austausch Mehr Raum für eigene Überlegungen
Ideengeber bekannt Je nach Variante auch anonym möglich

Beide Verfahren lassen sich kombinieren: Lassen Sie die Gruppe zunächst einige Minuten schreiben und diskutieren Sie die gesammelten Ansätze anschließend gemeinsam. So verbinden Sie unabhängiges Denken mit gegenseitiger Inspiration.

Wie funktioniert Brainwriting?

Für Brainwriting gibt es keinen vorgeschriebenen Ablauf. Eine einfache Variante funktioniert bereits mit einer konkreten Frage, Papier und einigen Minuten ungestörter Schreibzeit:

  1. Formulieren Sie eine konkrete Frage

    Beschreiben Sie das Problem so präzise, dass alle Teilnehmer dasselbe Ziel verfolgen. Statt „Wie verbessern wir unser Recruiting?“ fragen Sie beispielsweise: „Wie können wir mehr qualifizierte Bewerber auf unsere Stellenanzeigen aufmerksam machen?“

  2. Lassen Sie alle für sich schreiben

    Jeder notiert zunächst unabhängig eigene Einfälle. Stichworte reichen, sofern der Gedanke für andere verständlich bleibt. Während dieser Phase wird weder diskutiert noch bewertet.

  3. Tauschen Sie die Vorschläge aus

    Geben Sie die Aufzeichnungen weiter oder machen Sie die Ergebnisse für die Gruppe sichtbar. Die vorhandenen Ansätze werden nun zu neuen Denkanstößen.

  4. Entwickeln Sie fremde Ideen weiter

    Ergänzen, verändern oder kombinieren Sie die Vorschläge anderer Teilnehmer. Je nach Brainwriting-Methode kann dieser Austausch in mehreren Runden erfolgen.

  5. Werten Sie die Ergebnisse aus

    Erst nach Abschluss der Schreibphase werden ähnliche Einfälle gebündelt und Favoriten ausgewählt. Entscheiden Sie anschließend, welche Ansätze geprüft, getestet oder umgesetzt werden.

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Brainwriting-Beispiel: Mehr Bewerbungen gewinnen

Angenommen, ein Unternehmen möchte mehr qualifizierte Kandidaten erreichen. Die Ausgangsfrage lautet: „Wie können wir mehr geeignete Bewerber auf unsere Stellen aufmerksam machen?“ Zunächst schreibt jeder Teilnehmer eigene Vorschläge auf. Anschließend werden die Notizen ausgetauscht und von anderen weiterentwickelt:

Ausgangsidee

Mögliche Weiterentwicklung

Mitarbeitervideos Beschäftigte zeigen in kurzen Clips ihren tatsächlichen Arbeitsalltag und beantworten typische Bewerberfragen
Empfehlungsprogramm Mitarbeiter empfehlen geeignete Kandidaten aus ihrem persönlichen oder beruflichen Netzwerk
Bewerbung vereinfachen Für den Erstkontakt reichen wenige Angaben; weitere Unterlagen werden erst im nächsten Schritt angefordert
Job kennenlernen Interessenten können vor einer Bewerbung an einem digitalen Infoabend oder Kennenlerntag teilnehmen

Aus „Mitarbeitervideos“ könnte der nächste Teilnehmer beispielsweise einen regelmäßigen Social-Media-Takeover entwickeln. Ein anderer verbindet diesen Ansatz mit dem Kennenlerntag und schlägt einen Livestream mit Mitarbeitern vor. Genau dieses Weiterbauen ist charakteristisch: Vorhandene Einfälle werden nicht nur gesammelt, sondern zum Ausgangspunkt für zusätzliche Lösungsansätze.

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Wann eignet sich Brainwriting?

Die Methode eignet sich für offene Fragen, bei denen zahlreiche Lösungswege denkbar sind – etwa bei Produktideen, Marketingkonzepten, Prozessverbesserungen oder neuen Dienstleistungen. Besonders hilfreich kann die schriftliche Ideenfindung in folgenden Situationen sein:

Situation

Warum Brainwriting?

Unterschiedliche Redeanteile Alle Teilnehmer erhalten Gelegenheit, eigene Vorschläge einzubringen – unabhängig davon, wie häufig oder schnell sie normalerweise sprechen.
Hierarchische Gruppen Eine stille Anfangsphase kann verhindern, dass der erste Vorschlag einer Führungskraft sofort die Richtung vorgibt.
Neue Teams Teilnehmer können Gedanken zunächst formulieren, ohne diese unmittelbar vor einer noch unbekannten Gruppe präsentieren zu müssen.
Komplexere Ideen Beim Schreiben bleibt etwas mehr Zeit, einen Gedanken nachvollziehbar festzuhalten als bei einem spontanen Zuruf.

Braucht eine Aufgabe dagegen intensive Rückfragen, unmittelbare Diskussion oder umfangreiches Expertenwissen, sollten Sie die nötigen Informationen zunächst gemeinsam klären. Brainwriting ersetzt keine fachliche Analyse.

Welche Brainwriting-Methoden gibt es?

Brainwriting ist ein Oberbegriff. Die verschiedenen Methoden unterscheiden sich hauptsächlich darin, wann und wie Teilnehmer ihre Vorschläge austauschen.

Methode

So funktioniert sie

Freies Brainwriting Alle sammeln zunächst unabhängig voneinander Einfälle. Danach werden die Ergebnisse zusammengeführt, sortiert und gemeinsam weiterentwickelt.
Brainwriting Pool Beschriebene Karten oder Blätter landen in einem gemeinsamen Pool. Teilnehmer wählen fremde Vorschläge aus und ergänzen diese um weitere Gedanken.
6-3-5-Methode 6 Teilnehmer schreiben jeweils 3 Ideen auf. Die Blätter werden anschließend 5-mal weitergereicht, damit andere die vorhandenen Ansätze ergänzen.
Collective Notebook Teilnehmer sammeln über einen längeren Zeitraum Einfälle in einem gemeinsamen Notizsystem. Erst zu einem festgelegten Zeitpunkt werden die Beiträge zusammen ausgewertet.

Die bekannteste strukturierte Variante ist die 6-3-5-Methode. Brainwriting und 6-3-5-Methode sind deshalb keine Synonyme: Das eine bezeichnet das Grundprinzip, das andere einen konkreten Ablauf!

Welche Vorteile und Nachteile hat Brainwriting?

Die schriftliche Arbeitsweise entschärft einige typische Schwierigkeiten mündlicher Kreativsitzungen. Dafür verzichtet sie während der ersten Phase auf den spontanen Dialog.

Brainwriting Vorteile

  • Gleichzeitiges Arbeiten

    Alle Teilnehmer können parallel Ideen entwickeln. Niemand muss einen Gedanken zurückhalten, während eine andere Person spricht.

  • Ausgewogenere Beteiligung

    Die Menge der Beiträge hängt weniger von Redegewandtheit, Lautstärke oder Durchsetzungsvermögen ab.

  • Mehr unabhängige Einfälle

    Zumindest in der ersten Schreibphase kennen die Teilnehmer die Gedanken der anderen noch nicht und können eigene Richtungen verfolgen.

  • Dokumentierte Ergebnisse

    Die Vorschläge liegen bereits schriftlich vor und können dadurch leichter gesammelt, sortiert und später wieder aufgegriffen werden.

  • Gezielte Weiterentwicklung

    Beim Austausch dienen fremde Ansätze als Impulse. Teilnehmer können diese ergänzen, verändern oder mit anderen Vorschlägen verbinden.

Brainwriting Nachteile

  • Weniger spontane Dynamik

    Während der Schreibphase fehlen direkte Nachfragen, Diskussionen und spontane Reaktionen auf die Beiträge anderer.

  • Missverständliche Notizen

    Sehr knappe Stichworte können für andere schwer verständlich sein. Die Idee sollte deshalb zumindest in ihrem Kern nachvollziehbar bleiben.

  • Unterschiedliches Schreibtempo

    Starre Zeitvorgaben können Teilnehmer unter Druck setzen, die mehr Zeit benötigen, um Gedanken schriftlich auszudrücken.

  • Aufwendige Auswertung

    Viele schriftliche Vorschläge müssen anschließend gebündelt, priorisiert und auf ihre Eignung geprüft werden.

7 Tipps für erfolgreiches Brainwriting

Gute Ergebnisse hängen weniger vom Material als von einer klaren Fragestellung und einem passenden Ablauf ab.

  1. Grenzen Sie die Aufgabe ein

    Formulieren Sie eine offene, aber konkrete Frage. Die Teilnehmer sollten verstehen, welches Problem gelöst werden soll, ohne dass die gewünschte Antwort bereits vorgegeben ist.

  2. Erklären Sie den Ablauf vorher

    Klären Sie Schreibdauer, Anzahl der Runden und Art des Austauschs. So kann sich die Gruppe während der eigentlichen Übung auf die Inhalte konzentrieren.

  3. Verzichten Sie zunächst auf Beispiele

    Vorgegebene Musterlösungen können die ersten Gedanken bereits in eine bestimmte Richtung lenken. Lassen Sie die Teilnehmer möglichst unbeeinflusst beginnen.

  4. Schreiben Sie kurz, aber verständlich

    Ausformulierte Konzepte sind nicht nötig. Ein fremder Teilnehmer sollte dennoch erkennen können, was mit einem Stichwort gemeint ist.

  5. Passen Sie das Tempo an die Aufgabe an

    Komplexe Fragen benötigen mehr Denkzeit als einfache Assoziationen. Feste Intervalle sind ein Werkzeug und kein Selbstzweck.

  6. Ermutigen Sie zum Weiterdenken

    Die Teilnehmer sollen vorhandene Ideen nicht nur lesen. Auffällige Kombinationen, Ergänzungen und bewusste Veränderungen können besonders wertvolle neue Ansätze erzeugen.

  7. Treffen Sie anschließend Entscheidungen

    Sortieren Sie die Sammlung und wählen Sie aus, welche Vorschläge weiterverfolgt werden. Legen Sie bei Bedarf Verantwortlichkeiten und nächste Schritte fest.

Brainwriting lässt alle gleichzeitig denken

Brainwriting trennt die erste Ideenfindung vom offenen Gruppengespräch. Dadurch können alle Teilnehmer parallel eigene Vorschläge entwickeln, bevor fremde Einfälle die Denkrichtung beeinflussen. Besonders nützlich ist das bei unterschiedlichen Redeanteilen, Hierarchien oder Gruppen, die zunächst unabhängig denken sollen. Welche Variante am besten passt, hängt von Aufgabe, Team und gewünschtem Grad der Struktur ab. Weitere Verfahren finden Sie in unserer Übersicht der Kreativitätstechniken.


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