Fantasie: So lässt sie sich beflügeln

Fantasie und Kreativität sind nicht nur kurzweilig, sie sind die Triebfeder hinter neuen Ideen und Innovationen. Als Kinder sind wir alle noch fantasievoll, verlernen diese wichtige Eigenschaft aber oft im Laufe des Erwachsenwerdens. Unser Gehirn wird träge und möchte lieber Altbekanntes wiedergeben, statt Neues zu ersinnen. Dabei kann Fantasie enorm Spaß machen und die Motivation steigern. Gleichzeitig spielt sie eine wichtige Rolle bei der Berufswahl. Wie Sie mit einfachen Techniken die Geistesblitze wieder fördern

Fantasie: So lässt sie sich beflügeln

Definition und Schreibweise: Was ist überhaupt Fantasie?

Fantasie: Was ist das überhaupt?Fantasie (Englisch fantasy oder imagination) stammt aus dem Altgriechischen phantasía und bedeutet so viel wie „Vorstellung“, „Traumgesicht“. Gemeint ist damit die Fähigkeit, sowohl sprachlich als auch gedanklich eine Welt voller Bilder und Szenarien zu erzeugen. Fantasie ist daher eine Eigenschaft, wozu mutmaßlich nur der Mensch fähig ist.

Fantasie oder Phantasie – bei der Frage nach der korrekten Schreibweise gehen die Meinungen nach wie vor auseinander. Aus Gründen der Einheitlichkeit schreiben wir hier im Artikel Fantasie. Analog dazu fantastisch, Fantast, fantasieren oder fantasievoll. Möglich ist laut Duden ebenso die Schreibweise mit Ph. Das hat seinen Grund:

Bis zur Rechtschreibreform 1996 wurde der Begriff Fantasie in der Schreibweise Phantasie, also mit Ph, geschrieben. So wie viele andere Wörter griechischer Herkunft bis auf den heutigen Tag Ph enthalten, etwa die Philosophie.

Hier sträubten sich einige Leute und Institutionen gegen eine modernisierte Schreibweise. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir heutzutage ein Nebeneinander verschiedener (gültiger) Schreibweisen haben. Einige mögen sich auf lange Sicht durchsetzen, andere hingegen nicht.

Dass Fantasie inhaltlich wird recht unterschiedlich bewertet wird, zeigen bereits folgende Synonyme:

  • Anschauungskraft
  • Einbildung
  • Einfallsreichtum
  • Fiebertraum
  • Imagination
  • Tagtraum
  • Traumbild
  • Trugbild
  • Vorstellungsgabe
  • Vorstellungskraft
  • Vorstellungsvermögen
  • Wunschtraum

Egal, welches Synonym verwendet wird: Je konkreter diese Bilder und Szenarien sind und je mehr sich diese Fantasie in reale Produkte umsetzen lässt, desto eher wird Fantasie positiv bewertet werden. Dann wird gerne von einem Visionär statt einem Fantast gesprochen. Nicht immer kommen solche Leute noch zu Lebzeiten in den Genuss, alle ihre Visionen umsetzen zu können.

Gute Beispiele dafür sind Leonardo da Vinci und Jules Verne: Da Vinci träumte bereits von Fluggeräten wie Hubschraubern, lange bevor diese realisiert wurden. Gleiches gilt noch Jahrhunderte später im 19. Jahrhundert für Jules Verne:

Während andere noch im Kerzenlicht von dampfgetriebenen Maschinen träumten, schreibt Verne bereits ziemlich präzise über die Möglichkeiten der Elektrizität und entwirft Bilder von Flugzeugen, Raumschiffen und U-Booten lange bevor diese entwickelt werden. Spätere Konstrukteure werden sich einmal auf seine Schilderungen als Inspiration berufen.

Psychologie: Welchen Nutzen hat Fantasie?

In der Psychologie – genauer: in den Neurowissenschaften – ist die Fantasie noch relativ unerforscht. Bekannt ist, dass während fantasievoller Gedanken der Gedächtnisspeicher des Gehirns aktiv ist, während der Bereich des Frontallappens ruhig ist. Das ermöglicht es, Informationen neu zu kombinieren.

Nach psychologischer Lesart erfüllt Fantasie mehrere Funktionen. Vorrangig stellt sie eine Möglichkeit dar, wie wir die Wirklichkeit verarbeiten und wahrnehmen. Auf der positiven Seite steht, dass sich mit Fantasie eher unschöne Begebenheiten ausgleichen und das angeschlagene Selbstwertgefühl aufrichten lässt.

Auf der negativen Seite steht, dass sich mithilfe von Fantasie Menschen ebenso in etwas hineinsteigern können. Diese Auswirkungen lassen sich schlimmstenfalls in Form von Amokläufen beobachten.

Je nach Ausprägung hat Fantasie viele Vorteile, die Sie im Privaten als auch im Berufsleben weiterbringen können:

  • Fantasie steigert Kreativität

    Ob in der Kunst oder der Musik: Fantasie beflügelt. Man denke nur an verrückte Musikvideos einer Band oder die Kostümierung. Legendär die Auftritte von Bands wie Kiss oder Solokünstlern wie Madonna und Lady Gaga. Hierbei handelt es sich um die künstlerische Form der Kreativität. Kunstwerke, Musikstücke, Installationen, Literatur und andere Dingen, die zu den schönen Künsten zählen, basieren auf Fantasie.

  • Fantasie begünstigt Einfühlungsvermögen

    Wer Fantasie besitzt, dem gelingt der Perspektivenwechsel leichter. Er kann sich leichter in andere hineinversetzen. Das ist nützlich, wenn es darum geht, Kundenwünsche zu antizipieren. Es hilft natürlich auch in Konfliktsituationen, wenn Sie beispielsweise versuchen, den Ärger Ihres Kollegen nachzuvollziehen.

  • Fantasie ermöglicht Stressabbau

    Der Perspektivwechsel ist für Sie vor allem dann praktisch, wenn Sie gerade in Arbeit zu ertrinken drohen. Jetzt eine Pause, die kreisenden Gedanken völlig abschalten und an etwas Beruhigendes denken. Oder Sie haben sich über eine Person aufgeregt und ergötzen sich an gepfefferten Formulierungen, die Sie Ihr beim nächsten Mal sagen.

  • Fantasie fördert Innovationen

    Nun sind nicht alle Menschen beruflich in der Showbranche aktiv. Fantasie fördert auch eine ganz praktische Kreativität, bei der Trends beobachtet und aufgegriffen werden. Angepasst auf das eigene Unternehmen, können so neue Lösungsansätze für Probleme des Alltags oder Berufs entwickelt werden. Das ist gerade in wirtschaftlichen Zusammenhängen wichtig, sind Innovationen doch die Triebfeder des Fortschritts.

  • Fantasie erhöht die Lernfähigkeit

    Fantasievolle Menschen schaffen es schneller und leichter, sich Dinge anzueignen. Sie finden für sich unkonventionelle Möglichkeiten, Neues zu erlernen und entdecken oft überraschende Verknüpfungen um dieses Wissen auch dauerhaft zu behalten. Lernfähigkeit hängt also eng mit dem Ausmaß von Fantasie und der Möglichkeit zusammen, „out of the box“ zu denken.

Sprüche und Zitate zur Fantasie

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Nicht nur Einstein hat sich Gedanken über die Fantasie gemacht. Auch für andere große Denker spielte das Thema eine zentrale Rolle:

  • Das Fürchterlichste ist, wenn platte, unfähige Menschen zu Phantasten sich gesellen. Johann Wolfgang von Goethe
  • Wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt in großem Maß von der Einbildungskraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen. Astrid Lindgren
  • Kein Mann hat Fantasie genug, die weibliche Vernunft zu begreifen, deshalb nennt man sie Unvernunft. Eleonora Duse
  • Ohne Phantasie keine Güte, keine Weisheit. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Fantasie ist der Humor der Kreativität. Unbekannt
  • Keinen Drachen kann man so hoch steigen lassen wie den der Fantasie. Lauren Bacall
  • Wir spielen gerne mit der Einbildungskraft; aber die Einbildungskraft spielt eben so oft und bisweilen sehr ungelegen auch mit uns. Immanuel Kant
  • Gute Menschen reizen die Geduld, böse Menschen reizen die Phantasie… Oscar Wilde
  • Wer Blumen liebt, hat auch Phantasie. Chinesisches Sprichwort

Vorstellungskraft wichtig bei der Berufswahl

Fantasie ist längst nicht nur für tolle Innovationen im Berufsleben wichtig. Vorstellungskraft ist in unzähligen Situationen gefragt, das beginnt bereits im Feld der sozialen Kompetenzen: Wer sich nicht in andere Menschen hineinversetzen, also vorstellen kann, wie es ihnen gerade geht, dem mangelt es an Empathie.

Mindestens so wichtig aber auch: Fantasie ermöglicht Entscheidungen. Wie sollen Sie sich bei der Berufswahl vernünftig entscheiden, wenn Sie sich so gar nicht vorstellen können, in einem Bereich zu arbeiten? Natürlich ließe sich einwenden, dass kein Mensch sämtliche Berufe en détail kennen kann, ohne jemals etwas annähernd Ähnliches gemacht oder sich zumindest umfangreich informiert zu haben.

Aber die Berufswahl beginnt viel früher. Sie beginnt bereits bei der Überlegung, welche Stärken und Schwächen jemand hat. Es braucht Fantasie, Zeit und etwas Anstrengung, sich ernsthafte Gedanken dazu zu machen. Häufig fällt es Schülern und Schulabgängern schwer, sich realistisch zu verorten.

Und diese Schwierigkeiten begleiten viele Menschen später noch, weshalb sich Leute zum Studienabbruch oder Jobwechsel entschließen. Manchmal sind sie einer Wunschvorstellung aufgesessen und sind einem Fantasiejob gefolgt – bis die Realität sie eingeholt hat.


Welche Jobs setzen Fantasie voraus?

Welche Jobs setzen Fantasie voraus?Je nach Persönlichkeitstyp sind manche Jobs für Menschen besonders geeignet, andere weniger. Gemäß dem Big Five, einem Modell der Persönlichkeitspsychologie, kann man Menschen recht zuverlässig einer der fünf Hauptrichtungen zuordnen.

So wird Menschen mit starken Werten im Bereich „Offenheit“ ein höheres Maß an Fantasie, Experimentierfreudigkeit und Wissbegier zugeschrieben. Fantasievolle, offene Menschen benötigen in ihrem Beruf die Möglichkeit, sich entfalten und ausprobieren zu können.

Schauen Sie doch gerne gleich in unsere Jobbörse Karrieresprung.de um, welche Jobs dort angeboten werden, die zu Ihnen passen:


Ungeeignet sind indes Berufe, in denen es kaum um neue Ideen, sondern mehr um die Umsetzung bestimmter Aufgaben geht, beispielsweise als Sachbearbeiter. Wir haben für Sie eine Liste mit Berufen zusammengestellt, in denen Sie eine hohe Vorstellungsgabe benötigen.

Zum kostenlosen Download (PDF) klicken Sie auf nachfolgenden Link:

Realistisch bleiben: Traumjob oder Fantasiejob?

Fantasie hat zwei Seiten, es gibt tatsächlich ein Zuviel an Fantasie, nämlich wenn Sie Realität und Dichtung nicht mehr auseinanderhalten können und sich selbst betrügen. Manche Menschen geben sich in einem Maße ihren Tagträumen hin, dass sie jegliche Bodenhaftung verlieren.

Die Gedanken schweifen zu lassen und sich wilden Assoziationen hinzugeben, hat etwas ungemein Entspannendes und hilft, wieder neue Kraft für anstehende Aufgaben zu tanken. Kritisch wird es allerdings, wenn Sie sich regelrecht in die Tagträume flüchten, weil Ihr gegenwärtiger Job überhaupt nicht dem entspricht, was Sie sich ursprünglich vorgestellt hatten.

Mit Blick auf einen anderen Beruf ist eine nicht ganz unbedeutende Frage die, ob Sie tatsächlich einen Traumjob haben oder einer Fantasie nachhängen. Viele Arbeitnehmer haben die Vorstellung von einem ganz bestimmten Unternehmen, bei dem zu arbeiten schlagartig alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen ließe.

Nicht selten wird auf große Konzerne geblickt, die Glamour, Geld und Status versprechen. Allerdings dienen diese Traumjobs in Wirklichkeit oft nur der Flucht aus dem gegenwärtigen Dasein: Damit verknüpft sind oft völlig unrealistische Vorstellungen. Und damit wäre es letztlich reine Fantasie.

Sie können anhand dreier Merkmale überprüfen, ob Sie tatsächlich einem Traumjob gedanklich nachhängen oder einem Hirngespinst:

  • Sie werden erwählt.

    In Ihrer Vorstellung träumen Sie davon, dass eines Tages jemand vor Ihrer Tür steht und exakt Sie auswählt. Solange Sie kein begnadeter Spezialist in einem absolut gefragten Bereich sind, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Headhunter auf Sie zukommt.

  • Sie stecken im Trott.

    Eng damit verknüpft auch dieses Merkmal: Wer in einer tagtäglichen, öden Routine gefangen ist, zeigt wenig Neigung zum Spezialistentum. Zumindest würde ein Traumjob erfordern, dass Sie eben nicht nur routinierten Tätigkeiten nachgehen, vielmehr wäre Fantasie beim Lösen von Problemen gefragt. Diese würde Ihrem Job Sinn verleihen und Sie für andere sichtbar zum Experten machen.

  • Sie sind unerfahren.

    Solange Sie in dem Bereich, zu dem Ihr Traumjob gehört, keinerlei Erfahrungen gesammelt haben, gehören Ihre Träume womöglich ins Reich der Fantasie. Es kann sein, dass sich Ihre Vorstellungen und Wünsche bewahrheiten – endgültige Gewissheit können Sie allerdings erst erlangen, wenn Sie – beispielsweise durch ein Praktikum – Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt haben.

Methoden und Techniken für mehr Fantasie

Glücklicherweise gibt es einige Techniken, die die Fantasie beflügeln und uns zu mehr Kreativität verhelfen. Wir selbst können einen Rahmen schaffen, in dem wir unsere Fantasie beflügeln können. Dazu gehört:

  • Brainstorming

    Der Klassiker unter den Kreativitätstechniken funktioniert am besten in einer Gruppe aus Personen, die ihre Fantasie ankurbeln wollen.

    Beim Brainstorming werden unterschiedliche Ideen zu einem Thema geäußert und gesammelt. Es ist auch möglich, dass die Teilnehmer die Ideen anderer weiterentwickeln. Das geschieht entweder durch konstruktive Kritik oder Kombination mehrerer Ideen zu einer neuen.

  • Brainwriting

    Das Brainwriting ist eine Technik, die an das Brainstorming angelehnt ist. Im Gegensatz zu dem bisweilen stürmischen und lauten Brainstorming, ist Brainwriting eine eher ruhige Methode.

    Die Teilnehmer schreiben in ihrem eigenen Tempo neue Ideen und Eindrücke zu einem Thema nieder. Auch beim Brainwriting ist es möglich, dass sich die verschiedenen Teilnehmer gegenseitig zu neuen Ideen inspirieren, allerdings erst in der zweiten Phase des Prozesses.

    In der ersten Phase des Brainwriting ist eine Bewertung und Gruppendiskussion der Ideen verboten, so dass jeder Teilnehmer seiner Fantasie freien Lauf lassen kann.

  • Provokationstechnik

    Um Ihrer Fantasie auf die Sprünge zu helfen, können Sie sich scheinbar vom Problem entfernen. Beliebte Techniken dabei sind:

    • Umkehrung: Ein Smart muss möglichst bullig gebaut sein.
    • Übertreibung: Ein Smart muss in eine Streichholzschachtel passen.
    • Falschaussage: Ein Smart ist ein Fahrrad.
    • .

    Dadurch werden die Gedanken von der Fragestellung weg gelenkt – aber nur zum Teil. Wenn Sie sich später mit dem eigentlichen Problem befassen, haben Sie einen anderen Ansatzpunkt und können zu innovativen Ergebnissen gelangen.

    Bei der Provokationstechnik ist es wichtig, so viele Ideen wie möglich zu sammeln. Je größer die Auswahl, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Brauchbares dabei ist. Also bitte keine falsche Zurückhaltung!

  • Rollenspiele

    Rollenspiele sind eine Fortsetzung der Spiele, die Kinder bereits im Kindergarten spielen: Vater-Mutter-Kind, Räuber und Gendarm oder Cowboy und Indianer – jeder hat sowas früher in wechselnder Besetzung gespielt. Das können Sie auch im Erwachsenenalter wieder aufgreifen.

    Ganz gleich, ob Sie zu Brettspielen greifen oder verkleidet raus in den Wald rennen: Rollenspiele regen die Fantasie an. Wie verhält sich wohl ein Android in fernen Galaxien? Welche Eigenschaften muss ein durchtriebener Kaufmann, ein tollkühner Drachenbezwinger haben?

    Je nach Art und Gestaltung des Rollenspiels existieren bestimmte Vorgaben, erklärt ein Spielleiter die Rahmenbedingungen. Nebendem haben die Mitspieler einen großen Gestaltungsspielraum bei den Inszenierungen. Hier wird zum Teil auf bewährte Methoden des Improvisationstheaters zurückgegriffen.

  • Tagträume

    Wer häufig seinen Tagträumen nachgeht, sich entspannt und etwa spazieren geht, fördert seine Fantasie allein durch das Abschalten der andauernden Gedankenspirale.

    Innere Bilder oder Musik beruhigen und gestatten der Fantasie, Raum einzunehmen. All das beruhigt. Nachweislich kommen wir genau dann auf die besten Gedanken, wenn wir diese nicht krampfhaft erzwingen wollen, sondern ganz im Gegenteil loslassen. So fördern wir nicht nur die Fantasie, sondern auch unsere kreative Fähigkeit, Probleme zu lösen.

Gesellschaftlicher Stellenwert von Fantasie

Fantasie LügeDas Verhältnis zur Fantasie ist auch heutzutage noch nicht sehr entspannt. Zwar mag es einerseits mehr Fördermöglichkeiten für Menschen mit Ideen als noch vor 500 Jahren geben. Gleichzeitig hemmt die gesellschaftliche Haltung oft die Entwicklung von Fantasie.

Wenn jemand eine blühende Fantasie hat, dann steckt dahinter ein schöpferischer Akt – der beim Erzählen unter Umständen nah an den Bereich der Unwahrheit und damit des Lügens führt. Das ist ein Grund, warum Kinder früh ermahnt werden, bei der Wahrheit zu bleiben: Rationalität wird mit Wahrheit, Ausschmücken mit Lügen gleichgesetzt.

Diese Sichtweise erstickt sämtliche Fähigkeiten, denn Sprache formt Denken. Wenn bestimmte Begriffe allerdings nicht mehr benutzt werden sollen, weil sie als zu ausschmückend gewertet werden, dann nimmt damit auch die Vorstellungskraft ab. Das hat nachhaltige Folgen für die weitere Entwicklung.

So haben viele im Erwachsenenalter verlernt, wirklich kreativ und fantasievoll zu denken. Das liegt daran, dass wir seit unserer Schulzeit gelernt haben, möglichst effektiv und schnell zu Ergebnissen zu kommen. Kreativität und Fantasie haben dabei wenig Platz.

Produktivität und hohe Geschwindigkeit bei Arbeitsabläufen gehen oft mit routinierten Mustern und eingespielten Abläufen einher – und die sind das Gegenteil von Kreativität.

Wenn Sie auch im Erwachsenenalter Ihrer Fantasie freien Lauf lassen wollen, sind bestimmte Verhaltensmerkmale wichtig:



Sie bleiben neugierig

Kinder haben von Natur aus ein großes Interesse an ihrer Umwelt und neuen Situationen. Fantasievolle Menschen bewahren sie sich und treten ihrer Umwelt aufgeschlossen und unvoreingenommen gegenüber. Wenn Sie den Eindruck haben, dass bei Ihnen noch Luft nach oben ist, sollten Sie Folgendes probieren:

Wenn Sie das nächste Mal zu Fuß oder mit der Bahn auf einer bekannten Strecke unterwegs sind, müssen Sie fünf Dinge oder Gegenstände suchen, die Ihnen bisher noch nicht aufgefallen sind. Beim nächsten Mal erhöhen Sie die Anzahl auf zehn. Sie werden merken, dass Ihnen viele Dinge im alltäglichen Ablauf entgehen. Durch diese Übung werden Sie wieder aufmerksamer und erhalten neue Eindrücke.

Sie bauen Luftschlösser

Auch das kennen wir meist von Kindern. Sie können scheinbar aus dem Nichts neue, spannende Welten erfinden und fast real werden lassen. Auch Erwachsene können Luftschlösser bauen.

Stellen Sie sich vor, wie Ihre ideale Welt aussehen könnte. Was würden Sie ändern? Was würde gleich bleiben? Wer könnte davon profitieren und welche Rolle haben Sie in dem ganzen Spiel?

Sie sind kritisch

Warum machen wir XY so? Weil es immer schon so gemacht wurde! Das kann ja sein, bedeutet aber nicht, dass es die beste Lösung ist. Ein kritischer Geist gibt sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden.

Kritisches Denken und Hinterfragen von Routinen hilft fantasievollen Menschen dabei, den Alltag aus einem neuen Blickwinkel zu sehen und Verbesserungspotenzial zu entdecken.

Sie vertrauen Ihrem Bauchgefühl

Wer seine Fantasie beflügeln möchte, sollte seiner Intuition vertrauen. Entscheidungen und Ideen müssen nicht zwangsläufig objektiv begründet sein.

Scheinbar unlogische Entschlüsse basieren ebenfalls auf einem Erfahrungswissen, das lediglich kognitiv nicht sofort abrufbar ist. Solche Eingebungen können trotzdem zu einem sinnvollen Ergebnis führen.

Sie spinnen herum

Fantasie hat nicht zwangsläufig mit der Realität zu tun. Ihr Fantasieobjekt hat neuerdings sieben Räder?Akzeptieren Sie diesen Zustand und lassen Sie sich davon nicht beeindrucken. Keine Idee ist absurd genug, um nicht wenigstens überdacht zu werden.

Sollte sich Ihre Idee als komplett unrealistisch entpuppen, nehmen Sie das so hin. Die nächste kreative Idee wartet schon.

Sie gehen in die Natur

Das Grün der Natur hat eine entspannende Wirkung auf Menschen. Zwitschernde Vögel im Wald und Tiere zu beobachten, lenkt von Sorgen oder Grübelei ab. Wer über weite Wiesen und Felder wandert, weitet im wahrsten Sinne des Wortes seinen Blick.

Und tut seinem Gehirn Gutes: Das wird durch die Bewegung und die frische Luft besser mit Sauerstoff versorgt. Die Vorstellungskraft wird angekurbelt und wir können ganz andere Gedanken und Bilder produzieren, als wenn wir im beengten, muffigen Kämmerlein Fantasievolles zu Papier bringen sollen.

Sie behalten den Überblick

Es heißt zwar, das Genie beherrsche das Chaos. Zu chaotisch sollte es aber bei Ihrem Ausflug in die Welt der Fantasie nicht werden. Um zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen, sollten Sie bei komplexen Fragestellungen das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Wer gedanklich ständig abschweift, kommt nicht voran, verzettelt sich in Nebensächlichkeiten und gerät im ungünstigsten Fall unter Zeitdruck.

Sie sammeln die besten Ideen

Wenn es läuft, dann läuft’s. Sprudeln die Ideen wie wild aus Ihnen heraus, sollten Sie Stift und Papier (oder das digitale Pendant) zur Hand haben.

Vielleicht haben Sie einen Einfall, der sich zu einem späteren Zeitpunkt verwenden lässt und auf ein anderes Problem passt. Das gilt übrigens nicht nur für eigene Ideen. Kreative Anregungen anderer sollten Sie aufbewahren, um sie für zukünftige Probleme einsetzen zu können.


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[Bildnachweis: Dmitry Guzhanin by Shutterstock.com]
9. April 2020 Tilman Schulze Redakteur Autor: Tilman Schulze

Tilman Schulze, Jahrgang 1973, arbeitet zudem freiberuflich als Kommunikationstrainer, Coach und Mediator in Freiburg und Umgebung. Als Autor einiger Bücher ist er es gewohnt, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und mit der Sprache zu spielen.

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