Fantasie beflügeln: 5 Methoden + 8 Psychologie-Tipps

Fantasie ist das Auge der Seele. Oder wie es Jonathan Swift einmal formuliert hat: „Fantasie ist die Gabe, unsichtbare Dinge zu sehen.“ Sie ist die Triebfeder hinter neuen Ideen und Innovationen, der Motor aller Kreativität. Mittels Fantasie können wir unsere Motivation ebenso steigern wie unsere Möglichkeiten. Vorausgesetzt, aus den fantasievoll beflügelten Gedanken wird Realität.

Das aber ist das Problem der Vorstellungskraft: Zu viel Realismus ist Gift für sie, erstickt sie im Keim, sperrt sie in die enge Zelle des gerade Machbaren. „Unmöglich!“, ruft der Realist und schmäht den Visionär als „Fantasten“. Voreilig! Wir bräuchten mehr Fantasie. Überall. Schließlich spielt sie nicht nur eine wichtige Rolle bei Geistesblitzen, sondern sogar bei der Berufswahl. Wie Sie mit einfachen Methoden Ihre Fantasie beflügeln und fördern…

Fantasie beflügeln: 5 Methoden + 8 Psychologie-Tipps

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Definition: Was ist Fantasie?

Fantasie beschreibt die Fähigkeit, sprachlich und gedanklich eine neue Welt voller ungewöhnlicher Bilder und Szenarien zu erzeugen – sowohl in der Zukunft oder Vergangenheit. In der Fantasie gelten weder Naturgesetze, noch die Regeln der Logik. Grenzen gibt es nicht. Alles ist möglich und erlaubt. Der Begriff selbst (Englisch „fantasy“ oder „imagination“) stammt aus dem Altgriechischen „phantasía“ und bedeutet so viel wie „Vorstellung“ oder „Traumgesicht“. Entsprechend wird er auch mit „Vorstellungskraft“ übersetzt. Weitere Synonyme sind: Anschauungskraft, Einbildung, Einfallsreichtum, Fiebertraum, Imagination, Tagtraum, Traumbild, Trugbild, Vorstellungsgabe, Vorstellungsvermögen, Wunschtraum.

Fantasie ist eine Eigenschaft, zu der mutmaßlich nur der Mensch fähig ist. Reisen in diese Fantasiewelten können uns unterhalten, entspannen, glücklich machen. In der Literatur haben sich darum ganze Genres gebildet: Fantasy-Geschichten oder Science-Fiction-Romane. Je mehr diese fantastischen Geschichten oder Ideen jedoch an Realität gewinnen, desto positiver wird die Vorstellungskraft dieser Menschen bewertet. Das ist auch der Unterschied zwischen einem „Fantasten“ und einem „Visionär“: Letzterer versucht seine Fantasien und Visionen umzusetzen.

Selbst wem das zu Lebzeiten nicht gelingt, kann damit immer noch viele Generationen danach beflügeln. Beste Beispiele hierfür sind Leonardo da Vinci oder Jules Verne: Da Vinci träumte bereits von Fluggeräten wie Hubschraubern, lange bevor diese realisiert wurden. Gleiches gilt für Jules Verne im 19. Jahrhundert: Während andere noch im Kerzenlicht von dampfgetriebenen Maschinen träumten, beschreibt Verne schon bemerkenswert präzise die Möglichkeiten der Elektrizität und entwirft Bilder von Flugzeugen, Raumschiffen und U-Booten – lange bevor diese entwickelt werden. Spätere Konstrukteure berufen sich sogar auf seine Schilderungen als wichtige Inspiration.

Schreibweise: Fanstasie oder Phantasie?

„Fantasie“ oder „Phantasie“ – bei der Frage nach der korrekten Schreibweise gehen die Meinungen nach wie vor auseinander. Beide Schreibweisen sind aber laut Duden heute korrekt. Bis zur Rechtschreibreform 1996 wurde der Begriff „Fantasie“ in der Schreibweise „Phantasie“, also mit „Ph“, geschrieben. So wie viele andere Wörter griechischer Herkunft bis auf den heutigen Tag „Ph“ enthalten, etwa die „Philosophie“. Bei der „Phantasie“ aber gibt es inzwischen eine modernisierte Schreibweise und ein Nebeneinander verschiedener (gültiger) Schreibweisen. Aus Gründen der Einheitlichkeit schreiben wir hier im Artikel „Fantasie“. Analog dazu „fantastisch“, „Fantast“, „fantasieren“ oder „fantasievoll“.


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Fantasie Psychologie: Vorteile & Nutzen

In der Psychologie – genauer: in den Neurowissenschaften – ist die Fantasie noch relativ unerforscht. Bekannt ist, dass während fantasievoller Gedanken der Gedächtnisspeicher des Gehirns aktiv ist, während der Bereich des Frontallappens ruhig bleibt. Das ermöglicht es, Informationen neu zu kombinieren. Das macht die Fantasie zum Motor für Fortschritt und Innovationen. Während wir in Gedanken schwelgen und ihnen freien Lauf lassen, kommen wir auf ganz neue Gedanken. „Fantastische Ideen“ eben, die deswegen aber keinesfalls unrealistisch sein müssen. Sie sind nur neu, anders, ungewöhnlich.

Nach psychologischer Lesart erfüllt Fantasie gleich mehrere Funktionen: Vorrangig dient sie dazu, die Wirklichkeit zu verarbeiten und wahrzunehmen. Mittels Fantasie lassen sich sogar unschöne Erfahrungen oder Schicksalsschläge bewältigen oder das angeschlagene Selbstwertgefühl aufrichten. Eine positive Eigenschaft der Vorstellungskraft. Sie kann sich aber zugleich ins Negative verwandeln, wenn sich Menschen beispielsweise mittels Fantasie in etwas hineinsteigern. Die Auswirkungen dieser extremen Form lassen sich beispielsweise bei Amokläufen beobachten. Es überwiegen aber die positiven Seiten. Und je nach Ausprägung hat Fantasie viele Vorteile, die Sie im Privaten wie im Berufsleben weiterbringen können. Zum Beispiel:

  • Fantasie steigert Kreativität
    Ob in der Kunst oder der Musik: Fantasie beflügelt. Man denke nur an verrückte Musikvideos oder die Kostüme darin. Legendär die Auftritte von Bands wie Kiss und Daft Punk oder Solokünstlern wie Madonna und Lady Gaga. All diese künstlerischen Formen der Kreativität – Kunstwerke, Musikstücke, Installationen, Literatur – basieren letztlich auf Fantasie.
  • Fantasie begünstigt Einfühlungsvermögen
    Wer Fantasie besitzt, dem gelingt der Perspektivenwechsel leichter. So jemand kann sich leichter in andere hineinversetzen, selbst wenn man dieselbe Situation so nie erlebt hat. Fantasie ermöglicht somit Empathie. Das ist in Konflikten ebenso nützlich, wie es dabei hilft, Kundenwünsche zu antizipieren.
  • Fantasie ermöglicht Stressabbau
    Fantasie entspannt. Abschalten, zur Ruhe kommen, den Gedanken beim Verklären zuschauen… all das baut Stress ab. Wenn wir gedanklich abschweifen, Luftschlösser bauen oder in den Traumwelten gar Rachegelüste ausleben, dient die Fantasie als wichtiges Ventil, um Druck abzubauen oder Wünsche auszuleben. Diese Pausen und Tagträume nehmen kurzfristig den Leistungdruck raus, geben uns Raum zum Abreagieren und machen hinterher umso produktiver.
  • Fantasie fördert Innovationen
    Fantasie fördert und beflügelt nicht nur die Show-Branche oder den Kunstbetrieb. Sie führt mitunter auch zu ganz praktischen Lösungen und neuen Produkten oder Dienstleistungen. Zum Beispiel, in dem sie Trends beobachtet, aufgreift und daraus neue Lösungen für Probleme des Alltags oder Berufs entwickelt. Millionen von Do-It-Yourself (DIY) Anregungen auf Pinterest oder Youtube entsprangen einst der Fantasie ebenso kreativer wie pragmatischer Menschen.
  • Fantasie erhöht die Lernfähigkeit
    Fantasievolle Menschen schaffen es schneller und leichter, sich neues Wissen oder neue Fertigkeiten anzueignen. Sie finden oft unkonventionelle Möglichkeiten, Neues zu erlernen oder entdecken überraschende Verknüpfungen um dieses Wissen auch dauerhaft zu behalten. Eselsbrücken oder Abkürzungen aller Art basieren auf dieser besonderen Lernfähigkeit. Oder anders formuliert: Fantasie ermöglicht uns, „out of the box“ zu denken.
  • Fantasie steigert Glücksgefühle
    Unsere Gedankenwelt und unsere Gefühlswelt gehen Hand in Hand. Entsprechend stark beeinflusst unsere Fantasie unsere Emotionen – im Positiven wie Negativen. Wer Schlimmes erlebt hat oder Traumata verarbeitet, findet in seiner Fantasie eine Zufluchtsort. Entsprechend wird die Vorstellungskraft häufig in der Therapie eingesetzt. Sie kann uns aber auch direkt glücklich machen – indem wir Schönes erinnern oder Vorfreude erleben.

Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. (Albert Einstein)


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Mehr Fantasie: Methoden & Techniken

Kinder stecken noch voller Fantasie, viele Erwachsene ersticken sie. Schade. Dabei tut sie uns enorm gut. Die gute Nachricht ist: Unsere Vorstellungskraft geht nicht gänzlich verloren, wir müssen und können sie nur neu wecken. Dazu gibt es zahlreiche Methoden und Techniken, die die Fantasie beflügeln und uns zu mehr Kreativität verhelfen. Tatsächlich ist es gar nicht so schwer, einen Rahmen zu schaffen, in dem wir unsere Fantasie beflügeln können. Dazu gehören zum Beispiel:

Brainstorming

Der Klassiker unter den Kreativitätstechniken funktioniert am besten in einer Gruppe aus Personen, die ihre Fantasie ankurbeln wollen. Beim Brainstorming werden unterschiedliche Ideen zu einem Thema geäußert und gesammelt. Es ist auch möglich, dass die Teilnehmer die Ideen anderer weiterentwickeln. Das geschieht entweder durch konstruktive Kritik oder Kombination mehrerer Ideen zu einer neuen.

Brainwriting

Das Brainwriting ist eine Technik, die an das Brainstorming angelehnt ist. Im Gegensatz zu dem bisweilen stürmischen und lauten Brainstorming, ist Brainwriting eine eher ruhige Methode. Die Teilnehmer schreiben in ihrem eigenen Tempo neue Ideen und Eindrücke zu einem Thema auf. Auch beim Brainwriting ist es möglich, dass sich die verschiedenen Teilnehmer gegenseitig zu neuen Ideen inspirieren, allerdings erst in der zweiten Phase des Prozesses. In der ersten Phase des Brainwritings ist eine Bewertung und Gruppendiskussion der Ideen verboten, sodass jeder Teilnehmer erst einmal der eigenen Fantasie freien Lauf lassen kann.

Provokationstechnik

Um der Fantasie auf die Sprünge zu helfen, können Sie sich auch vom Problem entfernen. Beliebte Techniken dabei sind (am Beispiel für das Auto „Smart“):

  • Umkehrung: Ein Smart muss möglichst bullig gebaut sein.
  • Übertreibung: Ein Smart muss in eine Streichholzschachtel passen.
  • Falschaussage: Ein Smart ist ein Fahrrad.
  • .

Durch solche provokanten Gedanken wird der Geist von der ursprünglichen Fragestellung abgelenkt. Wenn Sie sich danach mit dem eigentlichen Problem befassen, bekommen Sie so völlig neue Ansätze und Verknüpfungen, die wiederum häufig zu innovativen Ergebnissen führen. Um das Potenzial der Provokationstechnik auszuschöpfen, sollten Sie dabei so viele „irre“ Ideen wie möglich sammeln. Je abwegiger die Provokationen zuvor, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Brauchbares herauskommt.

Rollenspiele

Rollenspiele sind eine Fortsetzung der Spiele, die Kinder bereits im Kindergarten spielen: „Vater-Mutter-Kind“, „Räuber und Gendarm“ oder „Cowboy und Indianer“ – jeder hat so etwas früher in wechselnder Besetzung gespielt. Das können Sie auch im Erwachsenenalter aufgreifen: Ganz gleich, ob Sie zu Brettspielen greifen oder unterschiedliche Charaktere mimen: Rollenspiele regen die Fantasie an. Die bekanntesten Formen dieser Rollenspiele sind etwa die DeBono-Denkhüte, die Belbin-Teamrollen oder die Disney-Methode. Sie können aber natürlich auch mithilfe eines Spielleiters und einer Inszenierung auf bewährte Methoden des Improvisationstheaters zurückgreifen.

Tagträume

Wer häufig seinen Tagträumen nachgeht, sich entspannt und etwa spazieren geht, fördert seine Fantasie allein durch das Abschalten der üblichen Gedankenspiralen. Wissenschaftler der Universität Stanford fanden etwa heraus, dass ein simpler Spaziergang die Kreativität um 60 Prozent steigern kann. Einfach, weil wir beim Wandern und schwelgen der Fantasie gestatten, Raum einzunehmen. Die sprichwörtliche Weitsicht, erweitert auch den geistigen Horizont. Nachweislich kommen wir auf die besten Ideen meist dann, wenn wir diese nicht krampfhaft erzwingen wollen, sondern loslassen: unter der Dusche, im Urlaub, auf der Toilette…

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Vorstellungskraft: Wichtig bei der Berufswahl

Fantasie beflügelt längst nicht nur Innovationen. Sie ermöglicht ebenso bessere Entscheidungen. Zum Beispiel bei der Berufswahl: Wie sollten Sie sich hierbei richtig entscheiden, wenn Sie sich nicht vorstellen können, ob und wie Sie in diesem Beruf (oder in der Branche) später arbeiten, Ihre Talente einsetzen, sich entwickeln, Karriere machen oder glücklich werden?!

Natürlich basiert die Berufswahl wesentlich auf einer – realistischen – Auseinandersetzung mit unseren Lebenszielen, den eigenen Stärken und Schwächen. Kurz: auf Selbstreflexion. Dazu benötigen wir zugleich aber Fantasie, um uns auszumalen, wie sich die einzelnen Szenarien aus dieser Analyse entwickeln könnten, um schließlich die für uns aktuell beste Wahl zu treffen.

Die muss nicht einmal in Stein gemeißelt sein. Auch dabei hilft die Fantasie – zum Beispiel, indem wir uns gedanklich und vorab mit dem Scheitern beschäftigen: Ein Studienabbruch oder Jobwechsel erwischt uns dadurch nicht mehr völlig kalt, weil wir das Szenario schon in der Fantasie durchlebt und etwaige Hindernisse überwunden haben. Dank der Fantasie haben wir einen Plan B in der Tasche.

Welche Jobs setzen Fantasie voraus?

Es gibt sogar Berufe und Jobs, die ihrerseits ein hohes Maß an Fantasie voraussetzen. Sie sind – je nach Persönlichkeitstyp – gerade für besonders fantasievolle Menschen geeignet. Gemäß den sogenannten „Big Five„, einem Modell der Persönlichkeitspsychologie betrifft dies vor allem Menschen mit starken Werten im Bereich „Offenheit„. Ihnen wird ein besonders hohes Maß an Fantasie, Experimentierfreudigkeit und Wissbegier zugeschrieben. Solche „fantasievollen“ Menschen benötigen in ihrem Beruf mehr Möglichkeiten, sich entfalten und ausprobieren zu können. Reine Verwaltungsjobs oder Sachbearbeiterjobs sind für sie die Hölle.

Schauen Sie doch gleich mal in unserer Jobbörse um, welche Jobs dort aktuell angeboten werden, die zu Ihnen passen. Zusätzlich haben wir für Sie eine Liste mit Berufen zusammengestellt, in denen Sie eine hohe Vorstellungsgabe benötigen. Sie können sich diese Liste jederzeit hier kostenlos herunterladen:

Download: Jobs mit Fantasie

Traumjob oder Fantasiejob?

Fantasie bei der Berufswahl hat allerdings zwei Seiten. Die Dosis macht auch hierbei das Gift. Zum Beispiel dann, wenn ein Zuviel an Fantasie zu unrealistischen Vorstellungen und Wünschen führt. Wenn Sie beispielsweise Ihre Talente überschätzen oder die Schwächen unterschätzen und sich so für einen Beruf entscheiden, in dem Sie überhaupt nicht reüssieren können. Ebenso kann die Fantasie dazu verleiten, an spätere Arbeitgeber und Jobs Ansprüche zu stellen, die sich gar nicht erfüllen können. Etwa, dass der „Traumberuf“ immer nur Spaß machen muss und Chefs immer nur motivierende Worte finden…

In diesem Fall führt die Fantasie zu Selbstbetrug und Enttäuschungen. Ob Sie tatsächlich Ihren „Traumjob“ finden oder nur einem Fantasiejob nachjagen, hängt nicht zuletzt davon ab, welche realistischen und eigenen (!) Ziele Sie verfolgen oder Sie sich nur am Glamour, Geld und Status orientieren.

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Gesellschaftlicher Stellenwert der Fantasie

Sagen wir es, wie es ist: Unser Verhältnis zur Fantasie ist bis heute gespalten. Zwar genießt sie einen guten Ruf, wenn es um einen schöpferischen Akt und realisierte Visionen geht. Der Vorstellungskraft wohnt aber zugleich etwas Infantiles inne. Wer eine „blühende Fantasie“ hat, gilt schnell als naiver Spinner. Oft und meist zurecht mahnen wir die Menschen (Kinder wie Erwachsene) dazu, „realistisch“ zu bleiben, „vernünftig“ zu sein, „logisch“ und „strukturiert“ zu handeln. Zu kurz kommt dabei allerdings die Freiheit, „quer“ zu denken, zu „träumen“ oder Unmögliches zu „wagen“. Rationalität wird mit Wahrheit gleichgesetzt, die Fantasie mit der Fabelwelt. Ein Denken in Schwarz-Weiß. Höchste Zeit umzudenken und der Fantasie wieder mehr Raum zu geben – in Beruf und Leben.

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Fantasie behalten: 8 Tipps

Effizienz, Produktivität und hohe Geschwindigkeit bei Arbeitsabläufen gehen oft mit routinierten Verhaltensmustern und eingespielten Abläufen einher. Für Fantasie bleibt da wenig Platz. Um diese nicht zu verlernen und ihr wieder mehr freien Lauf zu lassen, können Sie einiges unternehmen. Hier acht Tipps, wie Sie Ihre Fantasie erhalten und beflügeln:

Sie bleiben neugierig

Kinder haben von Natur aus ein großes Interesse an ihrer Umwelt und Neuem. Fantasievolle Menschen bewahren sich diese Neugier im Alltag. Sie versuchen ihre Umwelt ständig neu zu entdecken oder sie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Das lässt sich sogar üben: Wenn Sie das nächste Mal zu Fuß oder mit der Bahn auf einer bekannten Strecke unterwegs sind, versuchen Sie fünf Dinge oder Gegenstände zu entdecken, die Ihnen bisher noch nie aufgefallen sind. Beim nächsten Mal erhöhen Sie die Anzahl auf zehn. Durch diese Übung werden Sie aufmerksamer und erhalten völlig neue Eindrücke von Ihrem Umfeld.

Sie bauen Luftschlösser

Auch das kennen wir von Kindern: Sie können aus dem Nichts neue, spannende Welten erfinden und darin (fast real) leben und spielen. Auch Erwachsene können Luftschlösser bauen: Stellen Sie sich dazu einfach vor, wie Ihre ideale Welt aussehen müsste. Was würden Sie ändern? Was würde gleich bleiben? Wer könnte davon profitieren und welche Rolle haben Sie in dem ganzen Spiel? Wenn Sie mit dem Entwurf zufrieden sind, fragen Sie sich, was Sie davon abhält, dieser idealen Welt ein Stück näher zu kommen!

Sie sind kritisch

„Das haben wir schon immer so gemacht!“ – Ein typischer Ideenkiller-Satz, der jegliche Fantasie im Keim ersticken soll. Ein kritischer Geist aber gibt sich damit nicht zufrieden. Zu einfach! Kritisches Denken und Hinterfragen von Routinen hilft, ungenutzte Potenziale zu entdecken und zu befreien. Das bedeutet nicht, dass Sie aus Prinzip alles anders machen müssen. Manche Lösungen haben sich schließlich als Optimum über Jahre bewährt – wie etwa das Rad. Das muss man auch nicht neu erfinden. Anderes aber vielleicht schon.

Sie vertrauen Ihrem Bauchgefühl

Wer seine Fantasie beflügeln möchte, sollte öfter seiner Intuition vertrauen. Entscheidungen und Ideen müssen nicht zwangsläufig objektiv begründet sein. Scheinbar unlogische Entschlüsse basieren häufig auf Erfahrungswissen, das lediglich kognitiv nicht sofort abrufbar ist. Trotzdem können diese Eingebungen zu einem sinnvollen Ergebnis führen.

Sie spinnen herum

Fantasie hat nicht immer etwas mit der Realität zu tun. Muss sie auch nicht. Sie ist nicht das Ziel, sondern ein Weg dorthin. Lassen Sie sich von etwaigen Gesetzmäßigkeiten also einfach mal nicht beeindrucken. Keine Idee ist absurd genug, um nicht wenigstens überdacht zu werden. Sollte sie sich dennoch als komplett abwegig entpuppen, haben Sie ihr zumindest eine Chance gegeben. Die nächste Idee wartet schon…

Sie gehen in die Natur

Schon immer hat die Natur Dichtern und Denkern geholfen, ihren Geist erst zu durchlüften, dann zu beflügeln. Friedrich Nietzsche zum Beispiel galt als ausdauernder Spaziergänger, der die grandiose
Kulisse des Engadins zu nutzen wusste. Ludwig van Beethoven pflegte nach dem Mittagessen stets einen längeren Spaziergang zu unternehmen, zu dem er auch Papier und Stift mitnahm. Der Schriftsteller Charles Dickens wiederum lustwandelte am Nachmittag regelmäßig bis zu drei Stunden an der frischen Luft. Das Grün der Natur hat nicht nur eine entspannende Wirkung, es setzt auch manch schädlicher Grübelei ein Ende. Überdies tun wir unserem Gehirn Gutes: Durch die Bewegung und frische Luft wird es besser mit Sauerstoff versorgt, die Vorstellungskraft wird angekurbelt und wir können ganz andere Gedanken und Bilder produzieren als im beengten, muffigen Büro.

Sie behalten den Überblick

Es heißt zwar, das Genie beherrsche das Chaos. Zu chaotisch sollte es aber bei Ihrem Ausflug in die Welt der Fantasie nicht werden. Um zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen, sollten Sie bei komplexen Fragestellungen das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Wer gedanklich nur noch abschweift, kommt nicht mehr voran, verzettelt sich in Nebensächlichkeiten und gerät im ungünstigsten Fall unter Zeitdruck.

Sie sammeln die besten Ideen

Wenn es läuft, dann läuft’s: Sprudeln die Ideen erstmal wie wild aus der Oberstube heraus, sollten Sie diese aufschreiben (oder in das Smartphone tippen oder diktieren). Vielleicht haben Sie gerade einen Einfall, der sich erst zu einem späteren Zeitpunkt verwenden lässt. Notizen erweitern das Erinnerungsvermögen. Das gilt übrigens nicht nur für eigene Ideen. Kreative Anregungen anderer sollten Sie ebenfalls so aufbewahren, um sie für zukünftige Probleme nutzen zu können.

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[Bildnachweis: Dmitry Guzhanin by Shutterstock.com]
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22. September 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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