Fantasie: So lässt sie sich beflügeln

Fantasie und Kreativität sind nicht nur kurzweilig, sie sind die Triebfeder hinter neuen Ideen und Innovationen. Als Kinder sind wir alle noch fantasievoll, verlernen diese wichtige Eigenschaft aber oft im Laufe des Erwachsenwerdens. Unser Gehirn wird träge und möchte lieber Altbekanntes wiedergeben, statt Neues zu ersinnen. Dabei kann Fantasie enorm Spaß machen und die Motivation steigern. Gleichzeitig spielt sie eine wichtige Rolle bei der Berufswahl. Wie Sie mit einfachen Techniken die Geistesblitze wieder fördern

Fantasie: So lässt sie sich beflügeln

Definition: Was ist überhaupt Fantasie?

Fantasie: Was ist das überhaupt?Fantasie – bis zur Rechtschreibreform (und auch heute noch gültig) in der Schreibweise Phantasie – stammt von dem Altgriechischen phantasía und bedeutet so viel wie „Vorstellung“, „Traumgesicht“. Gemeint ist damit die Fähigkeit, sowohl sprachlich als auch gedanklich eine Welt voller Bilder und Szenarien zu erzeugen.

Fantasie wird recht unterschiedlich bewertet, das zeigen auch die jeweiligen Synonyme:

  • Anschauungskraft
  • Einbildung
  • Einfallsreichtum
  • Fiebertraum
  • Tagtraum
  • Traumbild
  • Trugbild
  • Vorstellungsgabe
  • Vorstellungskraft
  • Vorstellungsvermögen
  • Wunschtraum

Je konkreter diese Bilder und Szenarien sind und je mehr sich diese Fantasie in reale Produkte umsetzen lässt, desto eher wird Fantasie positiv bewertet werden. Dann wird gerne von einem Visionär statt einem Fantast gesprochen. Nicht immer kommen solche Leute noch zu Lebzeiten in den Genuss, alle ihre Visionen umsetzen zu können.

Gute Beispiele dafür sind Leonardo da Vinci und Jules Verne: Da Vinci träumte bereits von Fluggeräten wie Hubschraubern, lange bevor diese realisiert wurden. Gleiches gilt noch Jahrhunderte später im 19. Jahrhundert für Jules Verne:

Während andere noch im Kerzenlicht von dampfgetriebenen Maschinen träumten, schreibt Verne bereits ziemlich präzise über die Möglichkeiten der Elektrizität und entwirft Bilder von Flugzeugen, Raumschiffen und U-Booten noch bevor diese entwickelt werden. Spätere Konstrukteure werden sich einmal auf seine Schilderungen als Inspiration berufen.

Kunst und praktische Erfindungen basieren auf Fantasie

Die oben genannten Beispiele zeigen, dass die Begriffe Fantasie und Kreativität eng zusammenhängen – und sie werden von Personalern gerne als wichtige Eigenschaften eines idealen Kandidaten genannt.

In der Regel wird unterschieden zwischen…

  • der künstlerischen und
  • der praktischen

Kreativität und Fantasie.

  • Bei der künstlerischen Kreativität geht es um das Schaffen neuer Kunstwerke, Musikstücke, Installationen, Literatur und anderen Dingen, die zu den schönen Künsten zählen.
  • Die praktische Kreativität bezieht sich dagegen auf neue Lösungsansätze für Probleme des Alltags oder Berufs.

Wer viel Fantasie besitzt und kreativ ist, dem fallen unterschiedliche Lösungen zu den verschiedensten Problemen ein. Das ist gerade in wirtschaftlichen Zusammenhängen wichtig, sind Innovationen doch die Triebfeder des Fortschritts.

Leider haben viele von uns verlernt, wirklich kreativ und fantasievoll zu denken. Das liegt daran, dass wir seit unserer Schulzeit gelernt haben, möglichst effektiv und schnell zu Ergebnissen zu kommen. Kreativität und Fantasie haben dabei wenig Platz.

Produktivität und hohe Geschwindigkeit bei Arbeitsabläufen gehen oft mit routinierten Mustern und eingespielten Abläufen einher – und die sind das Gegenteil von Kreativität.

Fantasie oder Lüge?

Fantasie LügeDas Verhältnis zur Fantasie ist auch heutzutage noch nicht sehr entspannt. Zwar mag es einerseits mehr Fördermöglichkeiten für Menschen mit Ideen als noch vor 500 Jahren geben. Gleichzeitig hemmt die gesellschaftliche Haltung oft die Entwicklung von Fantasie.

Wenn jemand eine blühende Fantasie hat, dann steckt dahinter ein schöpferischer Akt – der beim Erzählen unter Umständen nah an den Bereich der Unwahrheit und damit des Lügens führt. Das ist ein Grund, warum Kinder früh ermahnt werden, bei der Wahrheit zu bleiben: Rationalität wird mit Wahrheit, Ausschmücken mit Lügen gleichgesetzt.

Diese Sichtweise erstickt sämtliche Fähigkeiten, denn Sprache formt Denken. Wenn bestimmte Begriffe allerdings nicht mehr benutzt werden sollen, weil sie als zu ausschmückend gewertet werden, dann nimmt damit auch die Vorstellungskraft ab. Das hat nachhaltige Folgen für die weitere Entwicklung.

Methoden und Techniken für mehr Fantasie

Glücklicherweise gibt es einige Techniken, die die Fantasie beflügeln und uns zu mehr Kreativität verhelfen. Wir selbst können einen Rahmen schaffen, in dem wir unsere Fantasie beflügeln können. Dazu gehört:

  • Brainstorming

    Der Klassiker unter den Kreativitätstechniken funktioniert am besten in einer Gruppe aus Personen, die ihre Fantasie ankurbeln wollen.

    Beim Brainstorming werden unterschiedliche Ideen zu einem Thema geäußert und gesammelt. Es ist auch möglich, dass die Teilnehmer die Ideen anderer weiterentwickeln. Das geschieht entweder durch konstruktive Kritik oder Kombination mehrerer Ideen zu einer neuen.

  • Brainwriting

    Das Brainwriting ist eine Technik, die an das Brainstorming angelehnt ist. Im Gegensatz zu dem bisweilen stürmischen und lauten Brainstorming, ist Brainwriting eine eher ruhige Methode.

    Die Teilnehmer schreiben in ihrem eigenen Tempo neue Ideen und Eindrücke zu einem Thema nieder. Auch beim Brainwriting ist es möglich, dass sich die verschiedenen Teilnehmer gegenseitig zu neuen Ideen inspirieren, allerdings erst in der zweiten Phase des Prozesses.

    In der ersten Phase des Brainwriting ist eine Bewertung und Gruppendiskussion der Ideen verboten, so dass jeder Teilnehmer seiner Fantasie freien Lauf lassen kann.

  • Provokante Ideen

    Um Ihrer Fantasie auf die Sprünge zu helfen, können Sie sich scheinbar vom Problem entfernen. Beliebte Techniken dabei sind:

    • Umkehrung: Ein Smart muss möglichst bullig gebaut sein.
    • Übertreibung: Ein Smart muss in eine Streichholzschachtel passen.
    • Falschaussage: Ein Smart ist ein Fahrrad.
    • .

    Dadurch werden die Gedanken von der Fragestellung weg gelenkt – aber nur zum Teil. Wenn Sie sich später mit dem eigentlichen Problem befassen, haben Sie einen anderen Ansatzpunkt und können zu innovativen Ergebnissen gelangen.

    Bei dieser Technik ist es wichtig, so viele Ideen wie möglich zu sammeln. Je größer die Auswahl, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Brauchbares dabei ist. Also bitte keine falsche Zurückhaltung!

Die Eigenschaften fantasievoller Menschen

Die Eigenschaften fantasievoller MenschenNicht nur Techniken, auch bestimmte Verhaltensmerkmale sind wichtig, wenn wir auch im Erwachsenenalter unserer Fantasie freien Lauf lassen wollen:

  • Sie bleiben neugierig

    Kinder haben von Natur aus ein großes Interesse an ihrer Umwelt und neuen Situationen. Fantasievolle Menschen bewahren sie sich und treten ihrer Umwelt aufgeschlossen und unvoreingenommen gegenüber. Wenn Sie den Eindruck haben, dass bei Ihnen noch Luft nach oben ist, sollten Sie folgendes probieren:

    Wenn Sie das nächste Mal zu Fuß oder mit der Bahn auf einer bekannten Strecke unterwegs sind, müssen Sie fünf Dinge oder Gegenstände suchen, die Ihnen bisher noch nicht aufgefallen sind. Beim nächsten Mal erhöhen Sie die Anzahl auf zehn. Sie werden merken, dass Ihnen viele Dinge im alltäglichen Ablauf entgehen. Durch diese Übung werden Sie wieder aufmerksamer und erhalten neue Eindrücke.

  • Sie bauen Luftschlösser

    Auch das kennen wir meist von Kindern. Sie können scheinbar aus dem Nichts neue, spannende Welten erfinden und fast real werden lassen. Auch Erwachsene können Luftschlösser bauen.

    Stellen Sie sich vor, wie Ihre ideale Welt aussehen könnte. Was würden Sie ändern? Was würde gleich bleiben? Wer könnte davon profitieren und welche Rolle haben Sie in dem ganzen Spiel?

  • Sie sind kritisch

    Warum machen wir XY so? Weil es immer schon so gemacht wurde! Das kann ja sein, bedeutet aber nicht, dass es die beste Lösung ist.

    Kritisches Denken und Hinterfragen von Routinen hilft fantasievollen Menschen dabei, den Alltag aus einem neuen Blickwinkel zu sehen und Verbesserungspotenzial zu entdecken.

  • Sie vertrauen Ihrem Bauchgefühl

    Wer seine Fantasie beflügeln möchte, sollte seiner Intuition vertrauen. Entscheidungen und Ideen müssen nicht zwangsläufig objektiv begründet sein. Scheinbar unlogische Entschlüsse können auch zu einem Ergebnis führen.

  • Sie spinnen herum

    Fantasie hat häufig nicht viel mit der Realität zu tun. Akzeptieren Sie diesen Zustand und lassen Sie sich davon nicht beeindrucken. Sollte sich Ihre Idee als komplett unrealistisch entpuppen, nehmen Sie das so hin. Die nächste kreative Idee wartet schon.

  • Sie behalten den Überblick

    Zu chaotisch sollte es bei Ihrem Ausflug in die Welt der Fantasie nicht werden. Um zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen, sollten Sie auch bei komplexen Fragestellungen das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

  • Sie sammeln die besten Ideen

    Wenn es läuft, dann läuft’s. Sprudeln die Ideen wie wild aus Ihnen heraus, sollten Sie Stift und Papier (oder das digitale Pendant) zur Hand haben.

    Vielleicht haben Sie einen Einfall, der sich zu einem späteren Zeitpunkt verwenden lässt und auf ein anderes Problem passt. Das gilt übrigens nicht nur für eigene Ideen. Kreative Anregungen anderer sollten Sie aufbewahren, um sie für zukünftige Probleme einsetzen zu können.

Der Unterschied zwischen guter und schlechter Langeweile

Im Job vermeiden die meisten von uns, offen zuzugeben, dass wir uns langweilen. Die Langeweile ist der Gegensatz zu wertvoller, produktiver Arbeit – aber nur auf den ersten Blick.

Aus der Langeweile können wichtige neue, innovative Ideen entstehen, nur wer Zeit hat, kann seiner Kreativität und Fantasie freien Lauf lassen. Im stressigen, von Routinen geprägten Arbeitsalltag hat die Fantasie kaum Platz.

Aber nicht jede Form der Langeweile ist wünschenswert. Es gibt die gute Langeweile, die uns Raum für Kreativität gibt und die schlechte Langeweile, die uns langfristig in den Boreout führen kann.

Die gute Form der Langeweile zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Sie bringt uns neue Energie

    Gute Langeweile lässt sich mit Entspannung gleichsetzen. In den Arbeitspausen können wir verschnaufen und uns zerstreuen. So bekommen wir den Kopf frei für kreative Leistungen.

  • Sie ist kurzweilig

    Obwohl ihr Name auf das Gegenteil hindeutet, ist die gute Langeweile nicht langweilig. Während wir scheinbar nichts zu tun haben, können wir den Dingen nachgehen, die uns interessieren. Das liefert neue Anregungen und bringt neuen Elan.

  • Sie lässt sich gut aushalten

    Aufgaben und Tätigkeiten, die uns im schlechten Sinn langweilen, lassen sich nur schwer ertragen. Um sie überhaupt zu erledigen, brauchen wir eine Menge Disziplin und Selbstkontrolle – das zermürbt auf Dauer.

    Positiv langweilige Aufgaben sind das Gegenteil. Sie lassen sich schnell nebenbei erledigen ohne unser Oberstübchen mit zu viel Input zu versorgen. Damit ist Platz für das positive Kreisen der Gedanken, aus dem neue Ideen entstehen können.

Vorstellungskraft wichtig bei der Berufswahl

Fantasie und BerufswahlFantasie ist längst nicht nur für tolle Innovationen im Berufsleben wichtig. Vorstellungskraft ist in unzähligen Situationen gefragt, das beginnt bereits im Feld der sozialen Kompetenzen: Wer sich nicht in andere Menschen hineinversetzen, also vorstellen kann, wie es ihnen gerade geht, dem mangelt es an Empathie.

Mindestens so wichtig aber auch: Fantasie ermöglicht Entscheidungen. Wie sollen Sie sich bei der Berufswahl vernünftig entscheiden, wenn Sie sich so gar nicht vorstellen können, in einem Bereich zu arbeiten? Natürlich ließe sich einwenden, dass kein Mensch sämtliche Berufe en détail kennen kann, ohne jemals etwas annähernd Ähnliches gemacht oder sich zumindest umfangreich informiert zu haben.

Aber die Berufswahl beginnt viel früher. Sie beginnt bereits bei der Überlegung, welche Stärken und Schwächen jemand hat. Es braucht Fantasie, Zeit und etwas Anstrengung, sich ernsthafte Gedanken dazu zu machen. Häufig fällt es Schülern und Schulabgängern schwer, sich realistisch zu verorten.

Und diese Schwierigkeiten begleiten viele Menschen später noch, weshalb sich Leute zum Studienabbruch oder Jobwechsel entschließen. Manchmal sind sie einer Wunschvorstellung aufgesessen und sind einem Fantasiejob gefolgt – bis die Realität sie eingeholt hat.

Realistisch bleiben: Traumjob oder Fantasiejob?

Fantasie hat zwei Seiten, es gibt tatsächlich ein Zuviel an Fantasie, nämlich wenn Sie selbst Realität und Dichtung nicht mehr auseinanderhalten können und sich selbst betrügen. Manche Menschen geben sich in einem Maße ihren Tagträumen hin, dass sie jegliche Bodenhaftung verlieren.

Die Gedanken schweifen zu lassen und sich wilden Assoziationen hinzugeben, hat etwas ungemein Entspannendes und hilft, wieder neue Kraft für anstehende Aufgaben zu tanken. Kritisch wird es allerdings, wenn Sie sich regelrecht in die Tagträume flüchten, weil Ihr gegenwärtiger Job überhaupt nicht dem entspricht, was Sie sich ursprünglich vorgestellt hatten.

Mit Blick auf einen anderen Beruf ist eine nicht ganz unbedeutende Frage die, ob Sie tatsächlich einen Traumjob haben oder einer Fantasie nachhängen. Viele Arbeitnehmer haben die Vorstellung von einem ganz bestimmten Unternehmen, bei dem zu arbeiten schlagartig alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen ließe.

Nicht selten wird auf große Konzerne geblickt, die Glamour, Geld und Status versprechen. Allerdings dienen diese Traumjobs in Wirklichkeit oft nur der Flucht aus dem gegenwärtigen Dasein: Damit verknüpft sind oft völlig unrealistische Vorstellungen. Und damit wäre es letztlich reine Fantasie.

Sie können anhand dreier Merkmale überprüfen, ob Sie tatsächlich einem Traumjob gedanklich nachhängen oder einem Hirngespinst:

  • Sie werden erwählt.

    In Ihrer Vorstellung träumen Sie davon, dass eines Tages jemand vor Ihrer Tür steht und exakt Sie auswählt. Solange Sie kein begnadeter Spezialist in einem absolut gefragten Bereich sind, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Headhunter auf Sie zukommt.

  • Sie stecken im Trott.

    Eng damit verknüpft auch dieses Merkmal: Wer in einer tagtäglichen, öden Routine gefangen ist, zeigt wenig Neigung zum Spezialistentum. Zumindest würde ein Traumjob erfordern, dass Sie eben nicht nur routinierten Tätigkeiten nachgehen, vielmehr wäre Fantasie beim Lösen von Problemen gefragt. Diese würde Ihrem Job Sinn verleihen und Sie für andere sichtbar zum Experten machen.

  • Sie sind unerfahren.

    Solange Sie in dem Bereich, zu dem Ihr Traumjob gehört, keinerlei Erfahrungen gesammelt haben, gehören Ihre Träume womöglich ins Reich der Fantasie. Es kann sein, dass sich Ihre Vorstellungen und Wünsche bewahrheiten – endgültige Gewissheit können Sie allerdings erst erlangen, wenn Sie – beispielsweise durch ein Praktikum – Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt haben.

[Bildnachweis: Pikoso.kz by Shutterstock.com]
20. Mai 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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