Disney Methode: Denkblockaden überwinden

Wenn Meetings sich uninspiriert und ineffektiv hinziehen, dann liegt oft an der Zusammensetzung der Gruppe. Dem Problem widmen sich zahlreiche Kreativtechniken. Eine der ältesten und bekanntesten ist die Disney-Methode (oder „Walt-Disney-Methode“), die auf drei wichtige Rollen innerhalb der Gruppe aufbaut. Tatsächlich sind sich Kreativitätsforscher heute einig, dass Gruppen umso kreativer arbeiten, je diverser sie sich zusammensetzen…

Disney Methode: Denkblockaden überwinden

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Disney-Methode: Träumer, Realist, Kritiker

Es ist das Kernproblem der moderenen Gleichmacherei, der Einfalt statt Vielfalt: Da, wo alle einer Meinung sind, ähnlich ticken und ähnliche Talente mitbringen, kommt entweder gar nichts oder nur Murks heraus. Die Gruppendynamik wird im Keim erstickt.

Bestehen Teams hingegen aus möglichst unterschiedlichen Menschen (Stichwort: Diversity), die sogar nur durchschnittlich sein können, schlagen sie in Sachen Innovationskraft jede noch so brillante Crew aus Tausendsassas. In der Forschung gibt es dazu drei dominante Gruppenmodelle, die sich sowohl in ihrer Differenzierung und zugleich in der Anzahl der Gruppenmitglieder unterscheiden:

Die Disney-Methode ist davon die einfachste, aber nicht minder effektive Kreativtechnik. Das Denk-Modell geht tatsächlich auf den Schöpfer von Micky Maus, Donald Duck, Goofy & Co. zurück: Walter „Walt“ Elias Disney.

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Wie funktioniert die Disney-Methode?

Der Kerngedanke der Walt Disney Methode ist, sich einem Problem oder einer Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven und verschiedenen Blickwinkeln zu nähern, um so zu einem runden Resultat zu kommen. Oder die eigenen Ideen immer weiter zu verfeinern und Stolperfallen frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen. Sie eignet sich sowohl für Gruppen wie auch für Einzelpersonen.

Der US-Filmproduzent Walt Disney entwickelte die Methode, um Denkblockaden zu überwinden. Ihren Durchbruch fand sie später durch Robert Dilts, den Mitbegründer des Neuro-Linguistischen Programmierens, kurz NLP. Für beide entstand Kreativität durch das zusammenwirken dreier Typen:

  1. Der Träumer

    (Auch: „Visionär“ oder „Ideenlieferant“) Er denkt vor allem in Bildern, chaotisch und visionär. Der Träumer lässt sich weder durch (logische) Regeln noch Traditionen einschränken. Seine Aufgabe ist es, die Ideen überhaupt erst zu ersinnen, herumzuspinnen, GROSS zu denken. Bei ihm ist alles erlaubt. Denkverbote gibt es nicht. Der Träumer orientiert sich allein an den Potenzialen und Möglichkeiten.

  2. Der Realist

    (Auch: „Macher“ oder „Pragmatiker“) Er konzentriert sich auf das Machbare – jedoch mit viel gutem Willen: Falls die Ideen des Träumers umgesetzt würden, was wäre dazu nötig? Was würden sie kosten? Welche Schritte müssten in welcher Reihenfolge unternommen werden? Der Realist ist der Pragmatiker im Trio und versucht Wege zu finden und so viel wie möglich zu realisieren. Wichtig ist, dass der Realist stets vor der dritten Rolle, dem Kritiker, angehört wird. Nur so bekommen die Visionen des Träumers eine Chance, Ihr tatsächliches Potenzial zu zeigen.

  3. Der Kritiker

    (Auch: „Fragensteller“ oder „Qualitätsmanager“) Als letzter schlägt der Kritiker zu. Er stellt konstruktive (!) Fragen, prüft, analysiert und verbessert das vorläufige Ergebnis. Seine Aufgabe ist, Schwachstellen zu finden – nicht, die Ideen zu beerdigen. Vielmehr analysiert er die Stärken und Schwächen der bisherigen Ergebnisse und nötigt zur Nachbesserung und Optimierung.

Ist der Kritiker fertig, beginnt der Prozess von vorne: Der Kritiker übergibt die aktuelle Lösung oder das Konzept zurück an den Träumer, der sie wieder weiterspinnt. Danach ist wieder der Realist an der Reihe und so weiter… Sobald der Kritiker keine offenen Fragen mehr hat, der Realist von dem Gelingen des Projekts überzeugt und der Träumer von dessen Strahlkraft begeistert ist, liegt ein optimales Ergebnis vor.

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Wie kann ich die Walt Disney Methode persönlich nutzen?

Der Legende nach verdankt der Zeichentrickkönig Walt Disney seinen Erfolg diesem Trio – Träumer, Realist, Kritiker -, dem er in seinem Büro drei Sessel widmete. Auf diese setzte er sich abwechselnd – einen zum Träumen, einen zum Planen, einem zum Verbessern. So kam er auf viele seiner genialen Ideen.

An dem Beispiel lässt sich erkennen, dass die Walt-Disney-Methode nicht für Gruppen oder Meetings gedacht war. Damit sie auch bei einem persönlich funktioniert, empfehlen Experten, nicht nur der Reihe nach die verschiedenen Blickwinkel der drei Rollen einzunehmen, sondern sich auch räumlich zu verändern. Walt Disney wechselte nur die Stühle – Sie hingegen könnten und sollten auch die Orte wechseln, um die Wirkung der Disney Methode zu verstärken:

  • Als Träumer spazieren
    Nutzen Sie beispielsweise für Rolle des Träumers einen Spaziergang im Freien. Oder setzen Sie sich in die „Träumerecke“ Ihres Lieblings-Cafés zum Brainstormen. Selbst das Fitness-Studio eignet sich für diese Rolle. Körperliche Bewegung, Ablenkung und Entspannung setzen nachweislich Ideen frei.
  • Als Realist an den Schreibtisch
    Für die anschließende Rolle des Machers oder Realisten ziehen Sie sich wiederum am besten an einen ruhigen und neutralen Ort zurück, an dem Sie gut arbeiten, die Ideen gründlich analysieren sowie ein paar Fakten und Hintergründe dazu recherchieren können – etwa den Schreibtisch.
  • Als Kritiker in die Stille
    Sobald Sie die Rolle des Kritikers einnehmen, empfiehlt sich entweder ein anderer ruhiger Ort zum Nachdenken – oder aber Sie suchen gezielt den Austausch mit anderen, die ebenfalls einen kritischen Blick auf Ihre Ideen werfen.

Walt Disney Methode Beispiel

Wichtig für diese Ortswechsel ist, dass Sie dazwischen einen kurzen „Separator“ setzen – also nicht nahtlos die jeweiligen Perspektiven einnehmen, sondern eine kurze, neutralisierende Pause machen und geistig auf Durchzug schalten, um besser zwischen den Rollen wechseln zu können. Fünf bis zehn Minuten reichen dazu völlig.

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Walt Disney Methode Beispiel: Wofür eineinsetzen?

Die Disney Methode eignet sich als Gedankenspiel für Einzelpersonen ebenso wie für Teams oder Gruppen. Mit der Kreativtechnik lassen sich nicht nur neue Ideen finden, sondern auch typische Problemfelder bearbeiten. Zum Beispiel:

  • Geschäftsideenfindung
  • Strategieentwicklung
  • Konfliktanalyse
  • Problemanalyse
  • Entscheidungsfindung
  • Karriereentwicklung und Karriereplan

Die Walt-Disney-Methode in der Gruppe

Innerhalb einer Gruppe lassen sich für den Einsatz der Disney Methode in einem Raum zum Beispiel die vier Ecken des Raumes nutzen, in denen Sie jeweils die Stühle für die Teilnehmer und Teammitglieder aufstellen. Jeder Ecke wird anschließend eine bestimmte Rolle zugewiesen. Gerade bei ungeübten Teams empfiehlt sich der Einsatz eines Gruppenleiters, Beobachters oder Moderators, der darauf achtet, dass es keine Denkverbote gibt und sich alle Teilnehmer in jeder Ecke rollenkonform verhalten (siehe Grafik als Fallbeispiel):

Walt Disney Methode Fallbeispiel Gruppe

Nachdem der Moderator die Aufgabenstellung erklärt hat, beginnt das Stühlerücken beziehungsweise Ecken-Umziehen. Bei größeren Gruppen können Sie diese entsprechend ihrer Stärken und Denkvorlieben auf die einzelnen Plätze verteilen und dann die Ideenpapiere, die die Träumer entwickeln der Reihe nach und gruppenweise durchgeben. Der Moderator übernimmt in dem Fall die Aufgabe des Weiterreichens und gegebenenfalls Erklärens.

Walt-Disney-Methode Nachteile: Die Schwächen der Gruppe

Natürlich haben solch einfache Modelle Schwächen. Im Alltag kommt es leider kaum vor, dass Teams aus genau diesen drei Personen gebildet werden können. Die Zusammensetzung richtet sich vielmehr oft danach, wer gerade verfügbar ist, nach der Hierarchie oder nach fachlicher Kompetenz. Ebenso wird bei der Disney-Methode vernachlässigt, dass es so etwas wie Konkurrenzstreben, Sympathien und auch Aversionen zwischen Teammitgliedern gibt, was deren gemeinsame Arbeit erheblich stört.

Hinzu kommt, dass die Walt Disney Methode in erster Linie eine Technik zur Ideenfindung darstellt. Der kreative Prozess selbst ist damit noch nicht abgeschlossen. Danach müssen meist noch Prototypen entwickelt oder reale Tests und Praxis-Checks durchgeführt werden. Oft lauern gerade in der Ausarbeitungsphase noch weitere Detailprobleme – und der Prozess beziehungsweise das Rollenspiel startet von vorne.

Kreativprozess Phasenmodell Grafik

Nützlich sind derlei Methoden und Kreativtechniken dennoch: Sie schärfen die Selbstwahrnehmung:

  • Welche Rollen sind im Team schon besetzt?
  • Welche entspricht mir am besten?
  • Aus welchen Perspektiven habe ich die Sache noch nicht betrachtet?

Wer seine optimale Funktion für die Gruppe erkennt, kann seine Stärken voll ausspielen und seine Defizite gezielt ausgleichen. Die Wahrscheinlichkeit für Teamversagen sinkt nachweislich, je kleiner die Kluft zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung der einzelnen Mitglieder ausfällt.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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