Visionär: Diese Fähigkeiten zeichnen ihn aus

Immer wieder ist davon zu lesen, dass es Visionen und Kreativität braucht, um ein Unternehmen voranzubringen. Einem Team ohne Visionär gehen die Ideen aus. Und das rächt sich auf Dauer. Dann steckt das Unternehmen im ewig Gleichen fest. Innovationen? Fehlanzeige. Das kann in einer Zeit der schnellen Veränderungen existenzbedrohlich sein. Die Konkurrenz zieht an einem vorbei und die Kundschaft wandert ab. Natürlich braucht es für Visionen den Mut zur Veränderung. Welche Eigenschaften und Fähigkeiten einen Visionär noch auszeichnen und warum es mehr Visionäre braucht…

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Visionär: Diese Fähigkeiten zeichnen ihn aus

Definition: Was bedeutet visionär?

Das Wort „visionär“ (Englisch = visionary) stammt aus dem Französischen von visionnaire und lässt sich mit „nach Art einer Vision wahrgenommen“ übersetzen. Eine Vision (von Lateinisch visio = das Sehen, Erscheinung, geistige Vorstellung) wird im Deutschen mit Erscheinung oder Trugbild, ja Traumgesicht übersetzt.

Hier wird bereits deutlich, dass der Begriff nicht vorbehaltlos positiv besetzt ist. Wurde unter religiösen Mystikern eine Vision als eine göttliche Erscheinung und religiöse Erleuchtung aufgefasst, haben Pragmatiker wenig schmeichelhafte Worte für Menschen mit Visionen übrig.

Nicht umsonst sagte Helmut Schmidt einst etwas flapsig, „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“ Denn ein Visionär setzt sich immer auch ein bisschen der Gefahr aus, als Spinner, Träumer oder Idealist abgestempelt zu werden.

Visionär kann sowohl als Adjektiv oder als Substantiv aufgefasst werden: Jemand hat visionäre Ideen beziehungsweise ist ein Visionär. Synonym zu visionär könnte man auch sagen:

  • ahnungsvoll
  • prophetisch
  • seherisch
  • vorausschauend
  • weitblickend

Das klingt noch immer ein bisschen schwurbelig. Vernunftbegabte, rationale Menschen vermuten bei Beschreibungen wie „seherisch“ eher ein aufgeblähtes Chichi oder irgendwelche obskuren Heilsversprechen.

Dabei ist dies nur eine Seite und auch unter Visionären gibt es Scharlatane (dazu unten mehr). Aber eine visionäre Gabe kann viel Gutes bewirken.

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Fähigkeiten: Was zeichnet Visionäre aus?

Ob die Vorstellungen eines Visionärs also auf fruchtbaren Boden treffen, ob er die Mittel und Wege hat, diese auch in die Realität umzusetzen, ist von einigen Eigenschaften und Umständen abhängig.

Eine Person ist vor allem dann ein Visionär und kein Träumer, wenn er ein Macher ist. Ganz gleich, ob Mann oder Frau – ein Visionär redet nicht nur, er handelt auch entsprechend seiner Ideen und Vorstellungen. Er sieht das große Ganze, kann sich vorstellen, wie es ist, wenn man Dinge verändert.

Diese Fähigkeiten zeichnen visionäre Menschen aus:

  • Gestaltungswille

    Visionäre folgen einem inneren Antrieb. Sie gehen mit offenen Augen durch die Welt, erkennen Probleme und wollen diese lösen. Das setzt voraus, dass sie um ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse wissen und gemäß ihrer Vorstellungen Dinge umformen oder neue erschaffen wollen.

    Mehr zu Engagement lesen Sie hier:

  • Inspiration

    Kein Mensch lebt im Vakuum – wir sind umgeben von anderen Menschen, die ebenfalls viele wertvolle Gedanken haben. Ein Visionär hat ein Netzwerk von Kontakten, die sich gegenseitig befruchten. Vorhandene Ideen anderer Personen werden aufgegriffen und verbessert. Während Visionäre damit beschäftigt sind, kommen ihnen völlig neue Ideen.

    Mehr zu Inspiration lesen Sie hier:

  • Kreativität

    Die Nähe zu Spinnern und Träumern kommt nicht von ungefähr: Visionäre ticken oft anders, trauen sich, gängige Erklärungen und Annahmen infrage zu stellen. Das lässt sie unter Umständen aus der Sicht anderer etwas verschroben erscheinen. Tatsächlich sind sie unglaublich kreativ und probieren verschiedene Mittel und Wege aus.

    Mehr zu Kreativität lesen Sie hier:

  • Neugier

    Wie kann man etwas besser machen? Warum funktioniert etwas nicht, oder: Wenn A klappt, müsste B auch klappen – solche Fragen und Überlegungen sind für einen Visionär typisch. Getrieben von einem Wissensdurst und sich nie mit einfachen Antworten zufrieden gebend: Das charakterisiert den Visionär.

    Mehr zu Neugier lesen Sie hier:

  • Intuition

    Ein Visionär mag nicht alles bis ins letzte Detail begründen können, aber er vertraut seiner Intuition. Die hat bereits häufiger dafür gesorgt, dass er seiner Nase gefolgt ist und instinktiv wusste, dass er auf dem richtigen Weg ist.

    Mehr zu Intuition lesen Sie hier:

  • Unabhängigkeit

    Wer völlig neue Wege beschreitet, bisherige „Wahrheiten“ infrage stellt, braucht ein gewisses Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit. Sich unbeirrt einer Sache zu verschreiben, während andere einen bereits für verrückt halten, ist ebenfalls visionär. Oft zeigt sich erst nach geraumer Zeit, dass der Visionär recht hatte.

    Mehr zu Unabhängigkeit lesen Sie hier:

  • Volition

    Zu den Fähigkeiten von Visionären gehört ein gewisser Biss. Sich trotz diverser Rückschläge nicht beirren zu lassen, die eigene Enttäuschung wieder zu bekämpfen, ist typisch. Manche Visionäre sind regelrechte Steh-auf-Männchen: Das erste Start-up ging den Bach hinunter – macht nichts. Beim nächsten ist klar, welche Fehler vermieden werden müssen!

    Mehr zu Volition lesen Sie hier:

Zu diesen Eigenschaften gibt es etwas, wovon Visionäre profitieren, das wir nicht nicht beeinflussen können: Zur rechten Zeit am rechten Ort sein. In welchem Jahrhundert ein Mensch geboren wird, kann er nicht bestimmen. Und nicht selten spielten in der Vergangenheit Gönner und Mäzen eine große Rolle.

Hätte Luther nicht unter dem Schutz des sächsischen Kurfürsten gestanden, hätte er vielleicht nie das Neue Testament in die deutsche Sprache übersetzen und so den Weg frei machen können: Ihm sind schließlich eine weitestgehend einheitliche deutsche Sprache und bedeutende reformatorische Neuerungen zu verdanken.

Visionäre der Geschichte

Die Geschichte ist voll von Visionären. Namen wie Jules Verne etwa oder Leonardo da Vinci, Galileo Galilei und viele andere fallen einem ein. Schnell ist man da beim Begriff „Genie“, denn diese Menschen haben zum Teil bahnbrechende Erfindungen und Erkenntnisse hervorgebracht.

Gleichzeitig muss man sagen, dass sie teilweise nicht nur als Spinner (Verne) abgetan und verspottet wurden, sondern wie da Vinci und Galilei sogar den Zorn der Kirche auf sich zogen und teilweise im Verborgenen arbeiten mussten.

Galilei beispielsweise wies nach, dass die Planeten mitnichten um die Erde, sondern um die Sonne kreisten – eine ungeheure Feststellung seinerzeit, die ihm Hausarrest durch die Inquisition einbrachte und nur deshalb das Leben rettete, weil er seine Thesen widerrief. Die Kirche brauchte auch nur 360 Jahre, um Galilei am 2. November 1992 schließlich zu rehabilitieren.

Visionär auch die Vorstellung eines gemeinsamen Europas des britischen Premierministers Winston Churchill. Unter dem Eindruck zweier Weltkriege und zur Sicherung zukünftigen Friedens machte er sich für eine deutsch-französische Versöhnung und für die „Vereinigten Staaten von Europa“ stark.

Nicht jede Erfindung hat gleich das Weltbild revolutioniert. Aber viele wären so noch vor einigen Jahrzehnten nicht denkbar gewesen, etwa das Internet oder autonome Fahrzeuge. Als Visionäre gelten beispielsweise:

  • Marie Curie
  • Rosalind Franklin
  • Bill Gates
  • Grace Hopper
  • Steve Jobs
  • Tim Brenners Lee
  • Elon Musk
  • Maria Telkes

Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Viele Erfindungen sind kein Ausdruck eines Geistesblitzes, sondern Resultat jahrelanger Tüftelei, getrieben von einem Ziel. Und nicht selten mit unmittelbaren Konsequenzen für den Visionär selbst: Marie Curie etwa, die als Entdeckerin der Radioaktivität gilt, ist ihr letzten Endes zum Opfer gefallen.

Wofür braucht es Visionäre?

Visionäre Vorstellungen allein reichen nicht dafür aus, etwas Gutes zu bewirken. Je nach persönlichen Werten und Charakter können solche Visionen auch mit Größenwahn und Allmachtsfantasien verbunden sein, man denke nur an Diktatoren.

Wenn wir im beruflichen Kontext eine Person als Visionär bezeichnen, dann meinen wir damit einen Menschen, der Vorstellungen von der Zukunft hat, eigenen Zukunftsentwürfen folgt. In dieser Bedeutung wird Visionär grundsätzlich positiv genutzt.

Er ist somit das Gegenteil von einem:

Diese letztgenannten Persönlichkeitstypen stehen (mitunter notwendigen) Neuerungsprozessen in Unternehmen kritisch gegenüber. Natürlich sollte nie bedenkenlos alles über Bord geworfen werden, nur weil sich bestimmte Vorgehensweisen über die Jahre etabliert haben.

Gleichzeitig ist es wichtig, ein Gespür für Trends zu behalten, Impulse aus der Branche aufnehmen und – orientiert an der eigenen Unternehmenskultur – umsetzen zu können. Visionäre stellen somit das erforderliche Maß an Agilität sicher.

[Bildnachweis: MJgraphics by Shutterstock.com]
17. Februar 2020 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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