Provokationstechnik: Kreativ zu neuen Ideen

Teams müssen in der Lage sein, gezielt Ideen zu entwickeln, um bestehende Probleme angehen oder Innovationen vorantreiben zu können. Auf Knopfdruck mal eben kreativ zu sein, ist gar nicht so leicht, weshalb es verschiedene Methoden gibt – eine ist die Provokationstechnik. Sie wurde von Edward de Bono, einem britischen Kognitionswissenschaftler, entwickelt. Die Provokationstechnik stellt eine Möglichkeit dar, durch unkonventionelle Denkweisen vermeintlich gesetzte Grundannahmen infrage zu stellen. Wie sie funktioniert und welche Vor- und Nachteile sie hat…

Provokationstechnik: Kreativ zu neuen Ideen

Was ist die Provokationstechnik?

Provokationstechnik ist eine Kreativitätstechnik von Edward de Bono, dem Vater der De-Bono-Denkhüte. Kreativitätstechniken verfolgen neue Ansätze, um neue Ideen zu generieren.

Bei der Provokationstechnik geht es um einen überraschenden Perspektivwechsel. Dabei werden bisherige Gesetzmäßigkeiten auf den Kopf gestellt und Aspekte wahrgenommen, die anderenfalls verborgen geblieben wären. Die Provokationstechnik ist ein Mittel des lateralen Denkens.

Mit dem Begriff „Provokation“ wird selten etwas Positives verbunden. Vom Wortsinn her wird er im Deutschen meist als Herausforderung und Kampfansage interpretiert.

Es gibt aber noch eine weitere Bedeutung und die liegt darin, dass etwas hervorgerufen werden soll. Dieses „Etwas“ sind Ideen, die dadurch entstehen, dass alle bisherigen Annahmen und Erfahrungen infrage gestellt werden.

Wie funktioniert die Provokationstechnik?

Innovative Ideen hervorzubringen scheitert häufig an bewährten Denkweisen – charakteristisch dafür ist eine Sichtweise, die sich in „Das haben wir schon immer so gemacht“ spiegelt. Hier steckt zwar einerseits viel Erfahrungswissen, aber andererseits nichts Neues. Es gilt also, ausgetretene Pfade zu verlassen, nur wie?

Für die Provokationstechnik werden mentale Provokationen angewandt, die sich zufällig ergeben können oder aber durch gezielte Verfälschungen: Expertise und Naturgesetze gelten ab sofort nichts mehr. Stattdessen sind unlogische, verrückte Aussagen willkommen.

In jedem Fall soll die vorgefertigte Denkweise überwunden werden. Damit dieser revolutionäre Ansatz auf möglichst breite Akzeptanz im Team stößt, empfiehlt de Bono den zu tätigenden Provokationen das Kunstwort PO voranzustellen.

Es dient als Signal, dass die folgende Aussage eine mentale Provokation darstellt und keineswegs als verifizierbare oder falsifizierbare Aussage gemeint ist. Anderenfalls wären Diskussionen die typische Folge.

Dies würde allerdings in eine Sackgasse führen, denn es geht nicht darum, eine Aussage auf seinen Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen und zu diskutieren, sondern Anregungen für neue Ideen zu bekommen.

Wie können Sie Provokationen generieren?

Ein Beispiel für so eine Provokation wäre der Satz: PO Der Regen fällt nach oben. Übersetzen lassen sich solche Aussagen, indem Sie mentale Provokationen mit einem „Was wäre, wenn…?“ auslegen, also: Was wäre, wenn der Regen nach oben fiele?

Was im ersten Moment noch unsinnig klingt – denn natürlich fällt der Regen nicht nach oben -, könnte mit Hilfe der Provokationstechnik zu völlig neuer Regenkleidung führen. Beispielsweise führt de Bono in seinem Buch Serious Creativity aus, dass die Provokation PO Autos haben quadratische Räder letztlich Auslöser für heutige Stoßdämpfer bei Kraftfahrzeugen war.

Es gibt fünf verschiedene Möglichkeiten, um Provokationen für die Provokationstechnik zu generieren:

  • Umkehrung

    Obiges Beispiel wurde mit der Umkehrung gewonnen, das heißt, eine Sache wird umgedreht beziehungsweise auf den Kopf gestellt (daher auch Kopfstand-Methode genannt). Zum Beispiel auch: PO Der Hund geht mit dem Frauchen Gassi.

  • Annahmen aufheben

    Eine andere Methode der Provokationsgewinnung ist, gängige Annahmen aufzuheben. Beispiele:

    • PO Im Meer gibt es kein Wasser.
    • PO Juristen kennen keine Gesetze.
    • PO Im Schlaf wird gearbeitet.

  • Idealfall

    Für den Idealfall formulieren Sie eine Situation, die zwar theoretisch möglich, aber in der Realität doch unwahrscheinlich ist. Beispiele:

    • PO Süßigkeiten machen nie dick.
    • PO Jeder See hat Trinkwasserqualität.
    • PO Alle Menschen verstehen sich hervorragend miteinander.

  • Übertreibung

    Provokationen durch Übertreibung können Sie gewinnen, indem Sie eine quantitative Eigenschaft verändern. Beispiele:

    • PO Jeder Arbeitnehmer hat drei Monate Urlaub.
    • PO In Deutschland gibt es hundert Bundesländer.
    • PO Der Arbeitstag dauert 30 Stunden.

  • Verfälschung

    Galten bei Übertreibungen noch quantitative Veränderungen, wird bei Provokationen durch Verfälschung eine Sache qualitativ verändert. Beispiele:

    • PO Auf Sonntag folgt Dienstag.
    • PO Fußball wird mit zwei Bällen gespielt.
    • PO Examenszeugnisse werden ohne Prüfungen einfach ausgehändigt.

Anwendung der Provokationstechnik

Zunächst formulieren Sie die Problemstellung, beispielsweise:

Wie können wir unser Hotel am See für Kunden interessanter machen?

Laut Graham Horton, Informatikprofessor an der Uni Magdeburg, wird die Provokationstechnik in drei Schritten umgesetzt:

  1. Es werden Beobachtungen über eine Ausgangssituation gesammelt,
  2. diese werden mittels obiger Methoden in Provokationen formuliert und
  3. schließlich werden daraus Ideen gewonnen.

In Anlehnung an obige Beispiele könnte das dann so aussehen:

  • PO Auf Sonntag folgt Dienstag.
  • PO Im Schlaf wird gearbeitet.
  • PO Jeder See hat Trinkwasserqualität.

Das Hotel bietet seinen Kunden ein besonders günstiges Übernachtungspaket an, wenn sie bis zum Dienstag bleiben. Während ihre Gäste sich noch ausruhen, sind die Angestellten bereits emsig bei der Sache. Für das Hotel sprechen nicht nur seine Lage mit idealer Verkehrsanbindung, sondern auch die ausgezeichnete Qualität des nahe gelegenen Sees, der zum Schwimmen einlädt.

Die Umsetzung der Provokationstechnik klingt simpel, ist aber gar nicht so einfach – ausgerechnet der so dringend benötigte letzte Schritt scheitert nämlich häufig. Grundvoraussetzung, um diese Technik anwenden zu können, ist die Fähigkeit zum Querdenken. Hier offenbaren sich die Vor- und Nachteile der Provokationstechnik.

Gelingt es den Anwendern, die vertrauten Denkmuster zu durchbrechen, kommen sehr innovative, fruchtbare Gedanken dabei heraus. Nachteilig ist allerdings, dass eben das gleichzeitig die größte Herausforderung darstellt. Nicht jeder kann mit den Provokationen umgehen und wenn sie zu realitätsfern sind, fällt die Ideengenerierung schwer.

Weitere Kreativitätstechniken zur Unterstützung

Bei Kreativitätstechniken geht es fast immer darum, die Perspektive zu wechseln. Das ist logisch, denn die bisherige Denkweise hat das bestehende Problem nicht gelöst – also muss etwas Neues her.

Wie eingangs erwähnt, hat de Bono auch die Denkhüte-Methode entwickelt. Dabei werden sechs Farben sechs Eigenschaften zugeordnet. Je nachdem, welchen Hut Sie bekommen, füllen Sie folgende Rolle aus:

  1. Der weiße Denkhut steht für analytisches Denken. Hier zählen Fakten, als Träger sammeln Sie Informationen und verschaffen sich einen Überblick.
  2. Der rote Denkhut steht für emotionales Denken. Als Träger dieses Hutes handeln Sie emotional, intuitiv und hören auf Ihre innere Stimme.
  3. Der schwarze Denkhut steht für kritisches Denken. Die vorhandenen Informationen werden gesichtet und bewertet: Wo lauern unbedachte Risiken und Gefahren? Was spricht gegen das Projekt?
  4. Der gelbe Denkhut steht für optimistisches Denken. Dieser Träger sieht das bestmögliche Ergebnis, sucht und formuliert Chancen. Jedoch ohne Euphorie. Die obliegt allein dem Typ Rot.
  5. Der grüne Denkhut steht für kreatives Denken. Als der Träger dieses Hutes sprudeln Sie vor Ideen. Die können verrückt und unrealistisch sein, Hauptsache, sie führen zu Geistesblitzen und unbedachte Lösungen bei den anderen.
  6. Der blaue Denkhut steht für ordnendes Denken. Als solcher ordnen, moderieren, dirigieren und entscheiden Sie. Sie überblicken das große Ganze und suchen nach dem bestmöglichen Ergebnis, das nicht zwangsläufig Ihren Gedanken entsprungen sein muss.

Damit nicht immer nur ein Teammitglied dieselbe undankbare Aufgabe hat, können die Hüte wechseln. Wichtig ist allerdings, dass nicht jeder sich das dabei herauspickt, was er besonders gut auszufüllen meint, sondern ein Moderator die Hüte zuweist. Anderenfalls würde das nämlich zu denselben festgefahrenen Denkpfaden wie bisher führen.

Eine ähnliche, aber abgespecktere Methode ist die Walt-Disney-Methode, die auf den gleichnamigen US-Filmproduzenten zurückgeht.
Hier schlüpfen die Teilnehmer in drei verschiedene Rollen:

  • Der Träumer

    Er ist chaotisch, aber auch visionär und enthusiastisch.

  • Der Realist

    Er überprüft die vorgestellten Ideen positiv auf ihre Umsetzbarkeit, also zieht Kosten in Erwägung, und identifiziert die Bedingungen.

  • Der Kritiker

    Er stellt das Ganze auf den Prüfstand, schaut nach Fehlerquellen und trägt durch konstruktives Vorgehen zur Verbesserung bei.

Diese Methode kann die Provokationstechnik ebenfalls gut ergänzen, da auch hier jeder Teilnehmer aus einer speziellen Sichtweise argumentiert. Da die Rollen getauscht werden und der Prozess wieder von vorne beginnt, sollte die Größe der Gruppe neun Personen nicht überschreiten.

[Bildnachweis: Damir Khabirov by Shutterstock.com]
1. Oktober 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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