Provokation: Wie Sie angemessen reagieren

Manche Menschen setzen sie gezielt ein, anderen ist ihr Verhalten gar nicht bewusst: Die Rede ist von der Provokation. Eine Provokation zielt darauf ab, ein bestimmtes Verhalten beim Gegenüber hervorzurufen – meist nicht zu dessen Freude. Was tun, wenn der Teamkollege einen provoziert? In solche Situationen werden Sie immer wieder geraten. Teilweise verbirgt sich dahinter ein Test, um Ihre Persönlichkeit besser einschätzen zu können. In anderen Fällen mögen unlautere Motive eine Rolle spielen. Denn wer sich provozieren lässt, lässt sich womöglich auch zu unvorteilhaften Reaktionen hinreißen, die sich nachteilig fürs eigene Image auswirken können. Wie Sie angemessen mit Provokationen umgehen…

Provokation: Wie Sie angemessen reagieren

Provokation Bedeutung: Reizen um jeden Preis?

Provokation Beispiele Definition Umgang als Strategie Der Begriff Provokation wurde aus dem Lateinischen von provocare entlehnt und bedeutet so viel wie „hervorrufen, herausfordern“. Beschrieben wird damit ein Verhalten, das durch Regelverletzungen und andere Grenzüberschreitungen wie beispielsweise Beleidigungen das Gegenüber dazu veranlassen soll, sich ebenfalls zu unbedachten Handlungen hinreißen zu lassen.

Synonym zu Provokation ist die Rede von:

  • Affront
  • Anmaßung
  • Brüskierung
  • Dreistigkeit
  • Frechheit
  • Herausforderung
  • Kampfansage
  • Kriegserklärung
  • Reizung
  • Unverfrorenheit
  • Unverschämtheit

Häufig bewirkt eine Provokation beim Gegenüber eine Kränkung oder dass dieser sich in seiner Ehre verletzt fühlt. Die Motive des Provokateurs können unterschiedlich sein.

Neben dem Wunsch, den Provozierten ebenso zu Regelverletzungen zu veranlassen, kann die Provokation dem Wunsch nach Abgrenzung von anderen entspringen.

Beispiel

Dieses Motiv kann beispielsweise einem illegalen Autorennen zugrunde liegen. Jemand, der sich insgesamt in seinem Wesen eher unsicher und minderwertig fühlt, fordert einen anderen Autofahrer heraus. Er tut dies, indem er an der noch roten Ampel seinen Motor aufheulen lässt. So signalisiert er, wieviel PS sein Wagen hat und dass er gewillt ist, beim Umspringen auf Grün die volle Kraft seines Wagens einzusetzen, um in jedem Fall als erster das imaginierte Ziel zu erreichen.

Damit die Rechnung aufgeht, braucht eine Provokation immer zwei Beteiligte: Einen, der provoziert und einen, der sich provozieren lässt. Diese Erläuterungen zu Provokation setzen allesamt voraus, dass der Provozierende eine wenig wohlwollende Absicht verfolgt.

Provoziert werden: Eskalationen vermeiden

Daneben gibt es Fälle, in denen schwierige, leicht reizbare Persönlichkeiten etwas als Provokation empfinden, aber völlig überreagieren. Exemplarisch sei hierfür die Floskel „Was glotzt du so blöd?!“ genannt, die häufig auf Schulhöfen unter Halbstarken zu hören ist, aber auch darüber hinaus.

Solche Situationen sind ein Kapitel für sich, denn diese Personen suchen nur einen Anlass, um absichtlich etwas falsch zu verstehen und dann Gewalt ausüben zu können.

In manchen Berufen sind Arbeitnehmer besonders gefährdet, mit solchen Personengruppen in Kontakt zu geraten. Beispielsweise wer…

  • Zugang zu Bargeld, wertvollen Gütern oder Opiaten hat,
  • aufgrund amtlicher Befugnis Kontroll- und Inspektionsaufgaben ausübt,
  • in Beratungsstellen und Ämtern wie beispielsweise das Jobcenter arbeitet,
  • in sozialen Einrichtungen oder Gefängnissen arbeitet und mit Suchtkranken, psychisch Gestörten oder anderweitig Verhaltensauffälligen zu tun hat,
  • an öffentlich zugänglichen Einzelarbeitsplätzen oder direkt in den Privaträumen des Kunden arbeitet.

Was passiert bei einer Provokation? Gefühle vernebeln den Verstand, der wird außer Kraft gesetzt und der Provozierte ist geneigt, dem ersten Impuls zu folgen. Das ist einerseits menschlich, andererseits gefährlich: Nicht immer bleibt es bei verbalen Ausfällen und wer falsch reagiert, wird im schlimmsten Fall verletzt oder macht sich strafbar.

Besonders gefährdete Berufsgruppen absolvieren in der Regel ein Deeskalationstraining, beispielsweise Polizisten oder Arbeitnehmer im Securitybereich. Das heißt, sie kennen sämtliche Tricks, wie schwierige Personengruppen versuchen sie zu provozieren und habe gelernt, angemessen damit umzugehen.

Tipps für den Umgang mit Provokationen

Nicht jede Provokation, der Sie nachgeben, muss gleich dazu führen, dass Sie mit einem Fuß im Gefängnis stehen. Aber Sie sollten Sich das Wesen von Provokationen bewusst machen: Eine andere Person versucht durch ihr Verhalten Kontrolle über Sie auszuüben. Niemand außer Ihnen sollte Kontrolle über Sie haben – es sei denn, Sie geben Sie freiwillig ab.

Es gibt einige Tipps, wie Sie sich verhalten sollten, wenn jemand Sie provoziert. Vor dem Hintergrund einiger unerwünschter Nebenwirkungen sind diese allerdings weniger als eine Abfolge von Schritten gemeint. Jede Provokation kann anders aussehen, es gibt kein allgemeingültiges Rezept.

Für verbale Attacken – wie sie im Büroumfeld vermutlich häufiger vorkommen – ist etwas anderes gefragt als wenn Sie Gefahr laufen, dass der Provokateur handgreiflich wird. Es liegt daher an Ihnen, im Falle einer Provokation das geeignete Mittel zu wählen:

  • Bleiben Sie gelassen.

    Der wichtigste Tipp ist auch gleichzeitig der schwierigste. Wie soll ich gelassen bleiben, wenn ich gerade auf 180 bin? Der Trick dabei ist, nicht zu reagieren, jedenfalls nicht unmittelbar, sondern falls überhaupt, dann verzögert. Das wird in den meisten Fällen Ihrem Kontrahenten nicht schmecken, denn der will in der Regel, dass Sie sich aus dem Affekt heraus zu etwas hinreißen lassen. Atmen Sie dazu tief ein und aus, zählen Sie währenddessen bis zehn.

  • Gehen Sie aus der Situation heraus

    Psychologen bezeichnen dies als Exit-Strategie. Wie in jedem Konflikt haben Sie bei einer Provokation die Möglichkeit, etwas zu ändern, es zu akzeptieren oder es zu verlassen. Dazu gehört ebenfalls, sich auf keinerlei Diskussion einzulassen, sondern das Gespräch möglichst höflich zu beenden: „Mir erscheint, dass wir die sachliche Ebene verlassen haben. Unter diesen Bedingungen bin ich nicht bereit, das Thema weiter zu erörtern.“

  • Reflektieren Sie die Situation

    Denn das verschafft Ihnen die dringend benötigte Zeit, um sich überhaupt erstmal ein Bild über die Lage zu verschaffen. In dem Moment, wo Sie allerdings das Ganze logisch durchdenken, kommen Sie in der Regel dem Provokateur schon auf die Schliche. Sie erkennen, dass die vermeintlich naheliegende Handlung kein guter Rat ist und haben so die Chance, sich dagegen zu entscheiden.

  • Setzen Sie Ihre Körpersprache ein

    Die Körperhaltung signalisiert häufig etwas vom Selbstbild einer Person. Wer mit geradem Oberkörper durch die Gänge geht, aufrecht im Zimmer steht oder im Stuhl sitzt und dabei sein Gegenüber offen anblickt, wirkt deutlich selbstbewusster als jemand, der in sich zusammengesunken ist und/oder den Menschen nicht in die Augen blicken kann.

  • Bewerten Sie die Provokation

    Schauen Sie, ob der Kollege mit dem, was er über Sie gesagt hat, womöglich recht hat? Manch unglücklich vorgetragene Kritik soll vielleicht keine Provokation darstellen, sondern legt den Finger in eine Wunde. Nicht jeder kann konstruktiv kritisieren. In diesem Fall sollten Sie in einer ruhigen Minute den Kollegen darauf hinweisen, dass die Art und Weise nicht in Ordnung war. Ebenso sollten Sie aber deutlich machen, dass Sie den Kritikpunkt an sich verstanden haben und beherzigen werden.

  • Geben Sie den Spielball zurück

    Für Fortgeschrittene ist je nach Sachverhalt verbales Kontern angesagt, die notwendige Schlagfertigkeit dafür lässt sich trainieren. Will Ihr Kollege Sie ganz klar vorführen und greift Sie beispielsweise im Meeting ungerechtfertigt an, müssen Sie reagieren. Für solche Situationen sollten Sie sich vorab einige Reaktionen zurecht legen:

    • Fragen Sie Ihr Gegenüber direkt, was er mit dieser Provokation bezweckt. So zeigen Sie, dass Sie ihn und sein Spiel durchschauen, aber nicht gewillt sind, mitzuspielen.
    • Verwenden Sie Ironie, um auf sein unpassendes Verhalten oder unrichtige Angaben hinzuweisen: Vielen Dank, dass Sie uns an Ihrer Meinung teilhaben lassen. Oder: Gerne erkläre ich Ihnen den Sachverhalt nochmal in Ruhe.
    • Interpretieren Sie etwas absichtlich falsch, wenn beispielsweise jemand tönt, dass eine Sache so doch nie funktionieren könne: Da haben Sie absolut recht, so funktioniert das Ganze nicht. Meine Idee ist daher, die Sache folgendermaßen anzugehen…
[Bildnachweis: Asier Romero by Shutterstock.com]
11. Dezember 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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