Dominanzgesten: Woran Sie sie erkennen

Kommunikation spielt in der menschlichen Verständigung eine wichtige Rolle. Wenn zwei Leute dieselbe Sprache sprechen, ist die Gefahr von Missverständnissen deutlich geringer als wenn nicht. Dieselbe Sprache ist in diesem Fall nicht nur wortwörtlich, sondern auch im übertragenen Sinn gemeint. Durch Kleidung und Habitus erkennen sich Menschen bereits noch lange bevor ein Wort gewechselt wurde. Zur Einschätzung des Gegenübers trägt auch Mimik und Gestik bei. Vor allem Dominanzgesten sollen nach außen zeigen, wer hier das Sagen hat. Woran Sie sie erkennen und wie Sie sich verhalten…

Dominanzgesten: Woran Sie sie erkennen

Dominanzgesten Definition: Demonstrieren der eigenen Überlegenheit

Dominanzgesten Mann dominante Menschen Psychologie erkennen Verhalten bei Frauen auftreten KörperspracheMit Dominanz ist die Vorherrschaft über andere gemeint: Die zeigt sich, wenn sich die dominante Person Rechte herausnimmt, die sie anderen nicht zugesteht.

Andersherum willigen die Unterlegenen in dieses Machtverhältnis ein. Auch wenn es im Gegensatz zum Mittelalter keine Ständegesellschaft mehr gibt, existieren unterschiedliche Hierarchien.

In der „guten alten Zeit“ war es typischerweise so, dass der Mann in der Familie als Ernährer und Familienvorstand nicht nur das größte Stück Fleisch bekam, sondern zuerst essen durfte.

Ebenfalls ergriff er als Erster das Wort, Kinder hatten sowieso zu schweigen. Diese Machtverhältnisse und Dominanzgesten liegen übrigens noch nicht so weit zurück: In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren sie weit verbreitet, erst die sechziger und siebziger Jahre haben so manche gesellschaftlichen Umbrüche bewirkt.

Und dennoch sind Dominanzgesten auch heute noch weit verbreitet. Ob bei Politikern, Prominenten oder Führungskräften: Wer was zu sagen hat, wer Einfluss hat, zeigt dies nach außen. Und diese Signale werden meist von anderen verstanden.

Dominanzgesten: Mann und Frau kaum verschieden

Selbst in weitestgehend hierarchiefreien Unternehmen wird es immer Angestellte mit mehr und andere mit weniger Entscheidungsbefugnissen geben. Dominantes Verhalten beim Menschen kann sich unterschiedlich zeigen.

Da gibt es machtbesessene Diktatoren, die aufgrund irgendeines Komplexes oder Narzissmus heraus der Welt kundtun müssen, dass sie mit einem Knopfdruck mal eben eine Erdhalbkugel vernichten könnten. Andere Dominanzgesten laufen weitaus subtiler ab.

Es hängt zum Teil natürlich von den Mitteln ab, die einem persönlich zur Verfügung stehen. Der durchschnittliche Vorgesetzte dürfte wenig Macht haben, mit einem Atomsprengknopf zu drohen. Sein Machtbereich ist deutlich eingeschränkter, andererseits ist er dafür unmittelbar.

Dabei zeigt sich immer wieder, dass Dominanzgesten längst nicht nur zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter stattfinden, sondern auch bei Kollegen untereinander.

Geht es darum, Körperpräsenz zu zeigen, haben Männer den Frauen etwas voraus, denn im Durchschnitt sind Männer größer und schwerer als Frauen, das heißt, sie können bereits durch die reine Körperlichkeit eher einschüchtern. Und nicht nur das:

Der Psychologe David Terburg konnte in einer Studie belegen, dass in Situationen, in denen sich Menschen üblicherweise aus Angst unterwerfen würden, Testosteron dazu beiträgt, dies nicht zu tun.

Davon haben Männer üblicherweise deutlich mehr als Frauen. Dennoch scheinen die Unterschiede bei der Körpersprache eher marginal zu sein. Deutlich wirksamer hingegen ist die Erziehung, die Mädchen häufig Unterwerfungsgesten wie überkreuzte Beine oder den seitlich geneigten Kopf antrainiert.

Dominante Menschen: Psychologie des Blickkontakts

Dominanzgesten Mann dominante Menschen Psychologie erkennen Verhalten bei Frauen auftreten KörperspracheDer niederländische Psychologe David Terburg und sein Team von der Universität Utrecht fand in einem Experiment heraus, dass der soziale Status bei Menschen häufig über Blickkontakt ausgefochten wird.

Für das Experiment blickten 40 junge Erwachsene auf einen Bildschirm, auf dem farbige Ovale gezeigt wurden. Darunter tauchten in blau, grün und rot verschieden angeordnete Punkte auf, auf die sich die Probanden konzentrieren sollten. Sie wussten nicht, dass sie gleichzeitig mit plötzlich erscheinenden Gesichtern davon abgelenkt werden würden.

Diese zeigten unterschiedliche Gesichtsausdrücke; mal wütend, fröhlich oder mit neutralem Gesichtsausdruck. Die Forscher maßen nun, wie lange die Probanden brauchten, um ihren Blick von den jeweiligen Gesichtern abzuwenden.

Es zeigte sich, dass die dominanten Probanden länger auf den Gesichtern mit wütendem Ausdruck verweilten, während andere länger auf freundliche Gesichter schauten.

Zusammen mit ausgewerteten Fragebögen war dies für die Forscher eine Bestätigung, dass für dominante Menschen den Blickkontakt zu halten eine Art Reflex darstellt.

Verbale Dominanzgesten: Der Ton macht die Musik

Wie sage ich etwas? Der Tonfall, die Sprachmelodie und die Lautstärke sagen etwas darüber aus, wie viel Macht eine Person besitzt, wie dominant sie auftritt. Je sicherer sich jemand ist, desto kräftiger und klarer ist die Stimme.

Eine Person, die häufig herumbrüllt wirkt zwar einerseits nicht sehr souverän. Andererseits ist es eine deutliche Dominanzgeste: Garantiert wird sich kein Azubi herausnehmen, seinen Chef anzubrüllen. Und falls doch, war das wohl sein letzter Tag in dem Unternehmen. Wer hingegen unsicher ist, wird deutlich schüchterner auftreten, die Stimme wird leise, unter Umständen kaum wahrnehmbar sein.

Verbale Dominanzgesten können sich in Beleidigungen und Drohungen zeigen. Auch auf den ersten Blick harmlose verbale Äußerungen können Dominanzgesten sein, etwa Sarkasmus.

Der kann bis zu einem gewissen Grad unter Freunden oder Kollegen witzig sein. Richtet er sich allerdings gegen eine Person, kann es in Mobbing ausarten. Wichtig ist an dieser Stelle, dem sofort Einhalt zu gebieten, indem Sie sagen, was Sie von diesen verletzenden Äußerungen halten.

Es geht hier nicht um Neckereien, sondern um Angriffe auf Ihr Selbstwertgefühl. Benennen Sie es als das, was es ist: unreif, unsensibel und respektlos. Sollte Ihr Gegenüber Ihren Wunsch nicht akzeptieren, ist es besser auf Distanz zu gehen.

Körperliche Dominanzgesten: Einschüchtern durch pure Körperpräsenz

Dominantes Verhalten wird häufig auf körperlicher Ebene geäußert. Dabei sind die Dominanzgesten zwischen Männern und Frauen gar nicht mal grundsätzlich verschieden. Diese fünf typischen Verhaltensweisen lassen sich immer wieder beobachten:

  • Raum

    Eine typische Dominanzgeste ist es, viel Raum einzunehmen. Das kann ganz unpassend auch Raum sein, der einem nicht zusteht: Etwa wenn sich der Kollege hinter Ihren Schreibtisch setzt. Oder Ihr Chef kommt in Ihr Büro und setzt sich zum Gespräch auf Ihre Tischkante. Ebenso lässt sich im Alltag häufig beobachten, wie Männer demonstrativ breitbeinig in öffentlichen Verkehrsmitteln sitzen und anderthalb Plätze für sich beanspruchen, den Arm auf die Lehne des Sitzes nebenan legen: alles Zeichen eines höheren Status – jedenfalls in der eigenen Wahrnehmung.


  • Berührungen

    Häufig ist dieses Signal bei Politikern, auf Konferenzen und anderen Versammlungen zu beobachten: Die dominantere Person greift der unterlegenen von oben an die Schulter – teilweise gleichzeitig verbunden mit einem Handschlag. Diese kombinierte Dominanzgeste wurde häufig bei Angela Merkel beobachtet. Typischerweise erfolgen die Berührungen nur einseitig von der Person mit dem höheren Status.


  • Mimik

    Wie Terberg in seinen Experimenten herausfand, haben Personen mit einem hohen Status wenig Schwierigkeiten, sich in Blickduellen mit anderen Menschen zu messen. Dominante Menschen suchen regelrecht den Blick des Gegenübers. Und wie im Tierreich gilt: Wer zuerst wegschaut, hat verloren. Darüber hinaus neigen dominante Menschen zu einer nahezu undurchdringlichen Mimik. Ihre Gefühlslage einzuschätzen gelingt Außenstehenden kaum, daher kann eine regungslose Mimik Menschen mit geringerem Selbstbewusstsein verunsichern. Das Wissen um diese Dominanzgeste kann Ihnen von Nutzen sein, falls Sie in so einer Lage einmal an sich zweifeln sollten.


  • Körperhaltung

    Eine gerade Körperhaltung mit durchgedrückten Schultern wird als Zeichen eines hohen Status gesehen. Diesen Umstand machen sich beispielsweise Militäruniformen zunutze, die häufig mit Schulterpolstern nachlegen: Breite Schultern wirken automatisch imposanter. Umgekehrt wirkt jemand, der mit zusammengekauerten Schultern irgendwo in der Ecke hockt, deutlich weniger dominant.


  • Gelassenheit

    Selbst in stressigen Situationen strahlen Personen mit hohem Status eine vergleichsweise große Gelassenheit aus. Frauen beispielsweise spielen dann typischerweise mit ihren Haaren. Beiderlei Geschlecht fängt an, nervös mit dem Kugelschreiber zu spielen oder mit den Fingern auf dem Tisch zu trommeln. Eine andere klare Dominanzgeste mit den Fingern, die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, ist die „Merkel-Raute“, ebenso zeigen gefaltete Hände die eigene Überlegenheit.

Dominantes Verhalten beim Menschen: Warum wir das tun

Wir leben im 21. Jahrhundert, haben die Aufklärung und zwei Weltkriege hinter uns gebracht. Eigentlich sollte man meinen, dass Dominanzgesten überflüssig sind. Irgendwie haben sie etwas von „Revier markieren“ und es ist bereits eine Weile her, dass der Mensch auf dem Baum gelebt hat.

Wer es nötig hat, auf seine Macht hinzuweisen, wirkt tendenziell unsouverän. Nicht umsonst rümpfen alteingesessene Dynastien oft die Nase über Emporkömmlinge, die mit Geld und protzigen Statussymbolen ihre Macht demonstrieren müssen, während diejenigen, die sich ihrer Bedeutung sicher sind, lieber das Understatement pflegen.

Das heißt nicht, dass sie keine Dominanzgesten haben – aber sie zeigen sie womöglich subtiler.

Nichtsdestotrotz spielen Dominanzgesten eine Rolle. Zum einen akzeptiert längst nicht jeder die unangefochtene Vormachtstellung einer anderen Person. Zum anderen wecken Einfluss und Macht Begehrlichkeiten.

Jemand mit geringerem Status mag von Neid getrieben versuchen, einem anderen die hart erarbeitete Position wieder abzujagen. Kollegen, die am Stuhl sägen, sind keine Seltenheit.

Dominante Menschen erkennen: Status, nicht Kleidung

Woran lässt sich eine Vormachtstellung erkennen? Folgt man der Logik prunksüchtiger Menschen, dann beginnt es bereits mit der Kleidung. Und ja, Kleider machen Leute. Die Kleidung alleine ist es jedoch nicht.

Dominanzgesten lassen sich unabhängig von Kleidung, Schmuck und teuren Statussymbolen vermitteln. Der beste Beleg dafür ist das sogenannte Statusspiel:

Man nehme vier Menschen und lose ihnen vier geheime, unterschiedliche Status zu: Nummer eins ist der höchste, Nummer vier der niedrigste Status. Für die beiden Extreme ist die Sache leicht: Der eine tritt sehr dominant auf, der andere sehr unterwürfig. Interessant sind die beiden Status in der Mitte.

Es zeigt sich bereits nach kurzer Zeit, dass sowohl für die Spieler als auch für etwaige Zuschauer die Rangfolge offensichtlich ist – und das völlig unabhängig davon, welche Kleidung die Vier gerade tragen oder welche Worte sie wählen. Vielmehr ist es die Mischung aus Dominanzgesten, unterwürfigen Gesten und deren Abstufungen, die sie verraten:

  • Der hohe Status

    Erkennbar an langsamen, geschmeidigen Bewegungen kombiniert mit einem unverkrampften Lächeln und einer aufrechten Körperhaltung. Im Sitzen wird der Eindruck durch eine ruhig zurückgelehnte Körperhaltung vermittelt. Die Stimme ist klar und kräftig, die Gesten symmetrisch: beide Beine fest auf dem Boden, beide Hände vor dem Körper, beide Arme auf der Sessellehne.

  • Der niedrige Status

    Erkennbar an schnelleren, hektischen Bewegungen. Der ganze Körper drückt Unsicherheit dadurch aus, dass im Sitzen oder Stehen die Füße nach innen gedreht oder artig nebeneinander gestellt werden. Es wird wenig Raum eingenommen, das heißt, dass die Person sich in die hinterste Ecke verkriecht. Wenn sie sitzt, dann häufig auf dem äußersten Rand eines Stuhls um jederzeit aufspringen zu können.

[Bildnachweis: Ysbrand Cosijn by Shutterstock.com]
6. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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