Sexismus im Job: Erkennen, benennen, richtig beenden

Sexismus im Job ist keine Bagatelle und betrifft weit mehr als nur ein paar verunglückte Sprüche in der Kaffeeküche. Studien des Bündnisses „Gemeinsam gegen Sexismus“ zeigen: Mehr als 63 % der Beschäftigten in Deutschland haben bereits Sexismus am Arbeitsplatz erlebt. Davon 70 % Frauen, 81 % genderqueere Personen und sogar 52 % der Männer. Die Täter sind jedoch meist männlich (82 %). Das ist nicht hinnehmbar. Wir erklären deshalb in diesem Artikel, woran Sie Sexismus im Job erkennen, wie Sie darauf professionell reagieren und diesen beenden…

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Definition: Was ist Sexismus im Job?

Als Sexismus wird jede Form der Benachteiligung, Herabwürdigung oder Belästigung aufgrund des Geschlechts bezeichnet. Er zeigt sich zum Beispiel in abwertenden Bemerkungen, anzüglichen Witzen, ungleichen Karrierechancen, geringerer Bezahlung oder unerwünschten Annäherungsversuchen. Oft geschieht dies offen, manchmal aber auch subtil und scheinbar harmlos.

Formen des Sexismus

Form

Erklärung

Struktureller Sexismus Benachteiligung durch Regeln, Abläufe, Strukturen wie ungleiche Bezahlung (Gender Pay Gap) oder schlechtere Karrierechancen
Alltagssexismus Anzügliche Bemerkungen, Witze oder Gesten im Alltag, die persönliche Grenzen überschreiten
Wohlwollender (benevolenter) Sexismus Scheinbar positive Aussagen, die aber traditionelle Rollenbilder fördern und Betroffene darauf reduzieren
Feindseliger (hostiler) Sexismus Offene Diskriminierung oder Abwertung eines Geschlechts durch Vorurteile oder Beleidigungen

Wo beginnt Sexismus?

Nicht jede ungeschickte Bemerkung oder jeder Ärger im Job ist automatisch Sexismus. Entscheidend für Sexismus ist, dass Betroffene aufgrund ihres Geschlechts anders behandelt oder in ihrer Würde verletzt werden. Dazu gehören etwa Aussagen wie „Das war gar nicht so schlecht für eine Frau“, anzügliche Kommentare über das Aussehen („Tolle Beine!“), unerwünschte Berührungen und sexuelle Belästigung oder die systematische Benachteiligung bei Aufgaben, Gehalt oder Beförderungen. Kein Sexismus liegt dagegen vor, wenn Kritik sachlich und unabhängig vom Geschlecht erfolgt oder wenn alle Beschäftigten nach denselben Leistungsmaßstäben beurteilt werden.

Studien: Sexismus am Arbeitsplatz und im Alltag

Rund 20 % der Arbeitnehmer in Deutschland geben laut einer IAB-Studie an, schon einmal sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt zu haben – davon 24 % Frauen und 15 % Männer. Sexistische Situationen erleben viele aber genauso jenseits vom Schreibtisch: 47 % hatten schon entsprechende Erlebnisse auf Firmenfeiern oder Geschäftsreisen, 30 % berichteten von regelmäßigem Sexismus im Internet. Nach einer EAF-Studie wirkten sich bei 18 % der Betroffenen die Vorfälle direkt auf ihre Karriere aus – insbesondere durch einen freiwilligen Jobwechsel und damit verbundene finanzielle Nachteile (13 %). Formelle Beschwerdewege gibt es allerdings kaum: Nur 7 % wenden sich danach an ihren Chef, lediglich 2 % nutzen interne Vertrauensstellen. Die Angst vor Repressalien oder dem Stempel, „nicht belastbar“ zu sein, sitzt bei Betroffenen tief.

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Beispiele und Arten von Sexismus

Sexismus am Arbeitsplatz hat viele Formen. Einige Arten sind eindeutig und deshalb leicht zu erkennen, andere wirken zunächst harmlos oder werden als „Spaß“ abgetan. Die folgenden Beispiele zeigen die häufigsten Arten von Sexismus im Berufsleben:

  • Abwertende Bemerkungen

    Hierbei werden Frauen oder Männer aufgrund ihres Geschlechts herabgewürdigt oder ihre Fähigkeiten werden allein aufgrund des Geschlechts grundsätzlich infrage gestellt.

  • Sexistische Witze

    Wenn Witze oder Sprüche Geschlechterklischees bedienen und für Betroffene unangenehm sind, ist das ebenfalls schon Sexismus und belastet das Arbeitsklima.

  • Anzügliche Kommentare

    Bemerkungen über Aussehen, Kleidung oder den Körper einer Person überschreiten die berufliche Ebene und sind immer unangemessen und unprofessionell.

  • Unerwünschte Annäherungsversuche

    Flirts, zweideutige Nachrichten oder Einladungen werden – trotz Ablehnung! – fortgesetzt und setzen die betroffene Person unter Druck.

  • Körperliche Belästigung

    Eine Stufe höher: Unerwünschte Berührungen, Umarmungen oder andere körperliche Annäherungen verletzen persönliche Grenzen und sind oft schon sexuelle Belästigung (siehe: Distanzzonen).

  • Häufige Unterbrechungen

    Beiträge von Betroffenen werden regelmäßig unterbrochen (siehe: Manterrupting), ignoriert oder später als eigene Idee ausgegeben – ein Phänomen, das besonders Frauen betrifft.

  • Reduzierung

    Insbesondere Frauen werden im Job auf ihr Aussehen oder ihre Attraktivität reduziert. Es gibt in Meetings verstohlene Blicke auf den Ausschnitt oder Po. Teils auch Kommentare hinter vorhaltener Hand.

  • Mikroaggressionen

    Wiederkehrende abwertende Gesten vermitteln anderen unterschwellig, dass jemand aufgrund seines Geschlechts inkompetent oder weniger wichtig ist. Dazu gehört z.B. auch, einer Frau zu erklären, was sie wirklich sagen wollte – siehe: Mansplaining.

  • Benachteiligung bei Beförderungen

    Beschäftigte erhalten trotz gleicher Qualifikation eine schlechtere Förderung, weil ihnen etwa aufgrund des Geschlechts weniger Führungsstärke zugetraut wird (siehe: Diskriminierung).

  • Ungleiche Bezahlung

    Männer und Frauen werden für vergleichbare Arbeit unterschiedlich bezahlt, obwohl sie dieselbe Leistung erbringen oder gleiche Qualifikationen besitzen (siehe: AGG).

  • Diskriminierung wegen Schwangerschaft oder Elternschaft

    Beschäftigte werden wegen einer Schwangerschaft, Elternzeit oder familiärer Verpflichtungen benachteiligt oder als weniger leistungsfähig eingestuft.

Was sind die Ursachen von Sexismus im Job?

Sexismus am Arbeitsplatz entsteht selten zufällig. Meist spielen gesellschaftliche Rollenbilder, Machtstrukturen und persönliche Vorurteile zusammen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Traditionelle Rollenbilder

    Überholte Vorstellungen über „typisch männliche“ oder „typisch weibliche“ Aufgaben und Eigenschaften führen häufig zu Rollenklischees und Benachteiligungen.

  • Macht- und Hierarchiedenken

    Sexismus wird oft genutzt, um Macht zu demonstrieren, andere abzuwerten oder die eigene Position im Unternehmen zu stärken.

  • Unsicherheit und Konkurrenzdruck

    Manche Menschen reagieren auf Konkurrenz im Job damit, dass sie den Erfolg anderer herabsetzen oder diese sexuell diskriminiern.

  • Unbewusste Vorurteile

    Stereotype beeinflussen Entscheidungen bei Einstellung, Aufgabenverteilung, Bezahlung oder Beförderung – oft ohne böse Absicht.

  • Unternehmenskultur

    Werden sexistische Sprüche oder Grenzüberschreitungen toleriert, verfestigt sich ein respektloses Arbeitsklima.

  • Strukturelle Benachteiligung

    Fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder starre Arbeitsmodelle treffen Frauen meist stärker als Männer.

  • Fehlende Konsequenzen

    Bleiben Beschwerden folgenlos oder werden Vorfälle verharmlost, fühlen sich Täter bestätigt und setzen ihr Verhalten fort.

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Was sind die Folgen für Betroffene?

Sexismus am Arbeitsplatz hat weitreichende Folgen – sowohl für betroffene Personen als auch für das gesamte Arbeitsumfeld. Wiederholte abwertende Bemerkungen, Benachteiligungen oder Belästigungen können das Selbstwertgefühl und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten erheblich beeinträchtigen. Viele Betroffene fühlen sich dadurch verunsichert oder entwickeln Angst vor der Arbeit. Die Folge: Die Motivation sinkt, die Arbeitsleistung leidet und die emotionale Bindung an den Arbeitgeber nimmt ab. Langfristig können chronischer Stress, Schlafstörungen, Erschöpfung oder psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen die Folge sein. Nicht selten ziehen sich Betroffene aus dem Team zurück, verzichten auf Karrierechancen oder kündigen den Job. Unternehmen verlieren dadurch wertvolle Fachkräfte, während das Betriebsklima und die Zusammenarbeit nachhaltig Schaden nehmen.

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Wie richtig umgehen mit Sexismus im Job?

Nicht wenige Betroffene wissen zunächst nicht, wie sie auf sexistische Bemerkungen oder Grenzüberschreitungen am Arbeitsplatz reagieren sollen. Gerade weil Sexismus oft subtil auftritt, fällt es schwer, die Situation richtig einzuordnen. Umso wichtiger ist eine klare Strategie: erkennen, benennen und beenden. So schützen Sie sich selbst, setzen Grenzen und verhindern, dass sich das Verhalten wiederholt.

1. Sexismus erkennen

Der erste Schritt besteht darin, sexistische Situationen bewusst wahrzunehmen und nicht als „harmlosen Spaß“ oder Missverständnis abzutun. Fragen Sie sich, ob eine Bemerkung, Handlung oder Entscheidung an Ihr Geschlecht anknüpft und Sie dadurch herabsetzt, benachteiligt oder unangenehm berührt. Achten Sie auch auf wiederkehrende Muster, etwa ständige Kommentare über Ihr Aussehen, stereotype Rollenbilder oder ungleiche Behandlung im Team. Vertrauen Sie dabei Ihrem eigenen Bauchgefühl: Wenn Sie sich regelmäßig unwohl oder respektlos behandelt fühlen, sollten Sie den Vorfall ernstnehmen.

2. Sexismus benennen

Sprechen Sie problematisches Verhalten möglichst zeitnah und sachlich an. Beschreiben Sie konkret, welche Aussage oder Handlung Sie als unangemessen empfunden haben und welche Wirkung sie auf Sie hatte. Formulieren Sie das Ganze möglichst in Ich-Botschaften, etwa: „Ich empfinde diese Bemerkung als unpassend.“ Vermeiden Sie persönliche Angriffe oder hitzige Diskussionen. Oft wird dem Gegenüber erst durch eine klare Rückmeldung bewusst, dass eine Grenze überschritten wurde. Bleibt das Verhalten bestehen, dokumentieren Sie Vorfälle mit Datum, Ort, Beteiligten und möglichen Zeugen.

3. Sexismus beenden

Ändert sich trotz eines Gesprächs nichts, sollten Sie konsequent weitere Schritte einleiten. Wenden Sie sich an Ihre Führungskraft, die Personalabteilung, den Betriebsrat oder eine interne Beschwerdestelle. Bei sexueller Belästigung oder wiederholter Diskriminierung müssen Arbeitgeber eingreifen und ihre Beschäftigten schützen (siehe: Fürsorgepflicht). Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen oder einschüchtern und holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung durch Kollegen, Vertrauenspersonen oder externe Beratungsstellen. Klare Grenzen und konsequentes Handeln tragen dazu bei, dass Sexismus am Arbeitsplatz nicht zur Normalität wird.

Wie lässt sich Sexismus am Arbeitsplatz vermeiden?

Eine flapsige Bemerkung hier, ein anerkennendes Pfeifen dort – so schlimm ist das doch nicht, oder?! Manche haben ein unterentwickeltes Störgefühl. Sie haben erniedrigendes Verhalten selbst nie erlebt und können sich schlecht in andere hineinversetzen. Daher haben wir abschließend noch diese Empfehlungen, um Sexismus im Job bereits im Ansatz zu vermeiden:

  • Erst denken, dann sprechen

    Stichwort Hierarchie: Bevor Sie etwas sagen, überlegen Sie, ob Sie das Gleiche auch bedenkenlos einer Ihnen übergeordneten Person sagen würden. Ist es eine gute Idee, das Dekolleté der Kollegin zu würdigen? Der Chefin würden Sie vermutlich kaum große Kompetenz aufgrund eines fabelhaften Ausschnitts zusprechen. Daher besser: schweigen!

  • Worte mit Bedacht wählen

    Begriffe wie „sexy“, „geil“ oder „heiß“ haben im Arbeitsleben nichts zu suchen – jedenfalls nicht mit Blick auf persönliche Eigenschaften einer anderen Person. Auch wenn sich diese Begriffe anders nutzen lassen – es haftet ihnen immer etwas Zweideutiges an. Und genau das gilt es zu vermeiden: Bleiben Sie eindeutig höflich, respektvoll und professionell. Nicht mehr und nicht weniger.


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