Sender Empfänger Modell: Besser kommunizieren!
Kommunikation könnte so einfach sein. Zumindest in der Theorie. In der Realität sind es meistens jedoch eher Missverständnisse oder Meinungsverschiedenheiten, die zwischenmenschliche Kommunikation so kompliziert machen. Das Thema ist so komplex, dass sich eine ganze Wissenschaft damit befasst, die Verständigung zwischen Personen besser zu verstehen. Ein wichtiges Konzept der Kommunikationswissenschaft ist das Sender Empfänger Modell. Es zeigt einfach und anschaulich, wie der Austausch funktioniert und wo dabei immer wieder Probleme auftreten, die die Kommunikation stören. Wir erklären das Sender Empfänger Modell und zeigen, worauf es bei erfolgreicher Kommunikation ankommt, um Missverständnisse zu vermeiden...

Sender Empfänger Modell: Worum geht es?

Sender Empfänger Modell Übungen Watzlawick KommunikationDas ursprüngliche Sender Empfänger Modell geht bereits 70 Jahre zurück und wurde von den beiden amerikanischen Mathematikern Claude Shannon und Warren Weaver entwickelt. Anfangs ging es darum, die Kommunikation am Telefon zu optimieren und Ausfälle zu reduzieren, diese Idee wurde jedoch immer wieder aufgegriffen - zum Beispiel von Stuart Hall und Paul Watzlawick - und in der Kommunikationswissenschaft als grundlegendes Prinzip erkannt.

Der Grundgedanke: Zur jeder Kommunikation gehören immer zwei Seiten. Der Sender, der eine Nachricht übermitteln möchte und der Empfänger, an den diese Information gerichtet ist. Um die Nachricht weiterzureichen, nutzt der Sender einen Code, wobei es in der Kommunikation nicht um eine Zahlenfolge, sondern um Sprache geht. Um die Botschaft zu verstehen, muss dieser Code vom Empfänger entschlüsselt werden. Im letzten Schritt des Sender Empfänger Modells folgt dann eine Antwort, ein Feedback oder eine Rückmeldung zurück an den Sender.

Ziel des Kommunikationsprozesses muss es also sein, dass der Inhalt der Nachricht, die ein Sender mitteilen möchte, vom Empfänger korrekt erkannt und interpretiert wird. Möglich ist dies aber nur, wenn beide Parteien den absolut gleichen Code verwenden. Klingt simpel, funktioniert aber leider meist nur bedingt, da es viele mögliche Störungen gibt, die dafür sorgen können, dass etwas im wahrsten Sinne des Wortes falsch verstanden wird.

Beispielsweise sprechen Sender und Empfänger nicht die gleiche Sprache und durch die Übersetzung wird der ursprüngliche Inhalt der Mitteilung verfälscht. Ebenso denkbar sind nicht bedachte Doppeldeutigkeiten einer Aussage, nicht verstandener Sarkasmus oder auch eine unklare Ausdrucksweise, die es dem Empfänger erschweren, genau zu entschlüsseln, was sich hinter der Nachricht verbirgt.

Allerdings liegt der Erfolg der Kommunikation nicht nur beim Sender, auch auf Seiten des Empfängers können Fehler gemacht werden, die zu Missverständnissen führen. Treffend bringen es gleich zwei bekannte Wissenschaftler auf den Punkt:

Dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903-1989) wird folgendes Bonmot zugeschrieben:

  • Gedacht heißt nicht immer gesagt.
  • Gesagt heißt nicht immer gehört.
  • Gehört heißt nicht immer verstanden.
  • Verstanden heißt nicht immer einverstanden.
  • Einverstanden heißt nicht immer angewendet.
  • Angewendet heißt nicht immer beibehalten.

Paul Watzlawick formulierte das passend zum Sender Empfänger Modell etwas um und erweiterte es auf die Formel:

Gedacht ist nicht gesagt, gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht gewollt, gewollt ist nicht gekonnt, gekonnt und gewollt ist nicht getan und getan ist nicht beibehalten.

Das Sender Empfänger Modell gilt nicht nur für Sprache

Sender Empfänger Modell Sprache Körpersprache Kommunikation ÜbungenZunächst liegt der Gedanke nahe, dass Sender Empfänger Modell auf ein Gespräch, eine Diskussion oder auch den schriftlichen Austausch zu beziehen. Dafür wurde es schließlich einmal entwickelt und Sprache wird oftmals immer noch als Hauptaspekt der Kommunikation verstanden. Tatsächlich machen Buchstaben, Wörter und Sätze aber nur einen geringen Teil der gesamten Kommunikation aus. Anders ausgedrückt: Was wir anderen mitteilen, läuft zu großen Teilen über andere Kommunikationswege.

Vergessen wird oft die paraverbale Kommunikation. Diese bezeichnet beispielsweise die Stimmlage, Lautstärke des Gesagten, den Tonfall, das Tempo oder auch bewusst (und unbewusst) eingelegte Pausen während des Redens. Ob Sie wütend klingen und schreien oder neugierig, in normaler Lautstärke nachfragen kann den Inhalt des Gesagten komplett verändern, auch wenn die Worte identisch bleiben.

Das Sender Empfänger Modell funktioniert aber auch ganz ohne Worte. Körpersprache bedient sich den gleichen Grundsätzen, lediglich der verwendete Code ändert sich. Die Nachricht wird nicht in Sprache, sondern in körperliche Signale umgewandelt, die vom Empfänger identifiziert und dekodiert werden müssen. Ein Schulterzucken bedeutet Unwissenheit, ein hochgezogener Mundwinkel zeigt Geringschätzung, große Augen und gehobene Augenbrauen zeigen Überraschung.

Gerade hier lauern auch Gefahren, einen unterschiedlichen Code zu verwenden und damit Missverständnisse zu produzieren. Während Gestik innerhalb einer Gruppe noch gut funktioniert, kann sie interkulturell zu ernsthaften Problemen führen. Ein Daumen hoch ist für uns beispielsweise ein klares Zeichen für Alles klar, ich bin einverstanden. In Australien hingegen sollten Sie vorsichtig sein, da es eine sehr unfreundliche Geste ist, mit der Sie sich keine Freunde machen.

In der modernen Kommunikation geht es sogar noch einen Schritt weiter. Im digitalen Zeitalter sind auch Smileys und Emoticons ein Teil der Kommunikation geworden und sind im Sender Empfänger Modell nichts anderes, als ein weiterer Code, um eine Botschaft zu übermitteln.

Sender Empfänger Modell: Missverständnisse vermeiden

Als Theorie kann das Sender Empfänger Modell Ihnen dabei helfen, zwischenmenschliche Kommunikation besser zu verstehen. Sie können es aber auch ganz praktisch für sich nutzen, um Ihre Kommunikation zu verbessern, Probleme im Austausch mit anderen zu erkennen und diese zu vermeiden.

Beginnen Sie dabei mit dem Grundsatz des Modells und rufen Sie sich in Erinnerung, dass Kommunikation immer zwei Seiten hat. Was Sie sagen - oder sagen wollen - und was Ihr Gesprächspartner wahrnimmt, muss noch lange nicht identisch sein. Genauso gilt der Umkehrschluss: Was Sie verstanden haben, war so nicht zwangsläufig beabsichtigt.

Indem Sie die Möglichkeit für Störungen in der Kommunikation berücksichtigen, können Sie lernen, Fehler zu beheben, anstatt sich nur auf Missverständnisse und den daraus möglicherweise resultierenden Streit zu konzentrieren. Versetzen Sie sich dafür immer in die Lage des anderen und versuchen Sie ihn zu verstehen.

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Wer es schafft, nicht nur Sender zu sein, sondern die Dinge auch ein Stück weit durch die Augen des Empfängers zu sehen, kann mit einem solchen Perspektivwechsel nicht nur große Empathie zeigen, sondern auch für effektive Kommunikation sorgen, indem er Probleme umgeht und Missverständnisse erst gar nicht auftauchen.

Zusätzlich haben Sie weitere Möglichkeiten, um das Sender Empfänger Modell einzusetzen und Ihre Kommunikation zu verbessern:

  • Hinterfragen Sie den Code.

    Ohne einen gemeinsamen Code kann die Übertragung von Mitteilungen nach dem Sender Empfänger Modell nicht funktionieren. Hinterfragen Sie deshalb, ob es hier vielleicht zu Problemen kommen könnte. Dabei handelt es sich meist nicht um etwas so auffälliges wie fehlende Sprachkenntnisse, gehen Sie deshalb auch ins Detail.

  • Achten Sie auf das Feedback.

    Die Antwort, die Sie von einem Gesprächspartner erhalten, ist ein wichtiger Teil des Austauschs. Verfolgen Sie aufmerksam, ob das Feedback so ausfällt, wie Sie es erwartet haben. Trifft dies nicht zu, sollten Sie darauf eingehen und analysieren, welche Ursachen dahinterstecken.

    Die Rückmeldung ist dabei nicht nur die direkte Antwort, sondern auch hier körperliche Signale, Mimik und Gestik. Geben Sie beispielsweise eine Aufgabe weiter und der Empfänger guckt fassungslos und verwirrt, sollte das Gespräch an dieser Stelle nicht beendet werden, da zweifellos weiterer Klärungsbedarf besteht.

Anschaulich erklärt und zusammengefasst wird das Sender Empfänger Modell auch in diesem kurzen Video:

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]

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