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Dramadreieck: Sind Sie Täter, Opfer oder Retter?

Konflikte eskalieren durch destruktive Verhaltensmuster und wechselseitige Rollen, die vielen nicht bewusst sind. Das Dramadreieck, entwickelt von dem US-Psychologe Stephen Karpman, beschreibt wie Menschen dabei drei ständig wechselnde Rollen – Verfolger, Opfer, Retter – einnehmen und so ein pathologisches Drama erzeugen, aus dem sie nur schwer wieder herausfinden. Beispiele, wie das Dramadreieck funktioniert – und wie Sie es wieder auflösen können…



Dramadreieck: Sind Sie Täter, Opfer oder Retter?

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Definition: Was ist das Dramadreieck?

Das Dramadreieck (auch: Täter-Opfer-Retter-Dreieck) beschreibt ein sozialpsychologisches Beziehungsmuster zwischen mindestens zwei Personen, die dabei abwechselnd drei Rollen einnehmen: Täter (Verfolger), Opfer und Retter. Das Beziehungstrio beschreibt zugleich eine neurotische Symbiose in Konfliktsituationen: Jeder versucht aus seiner Rolle Anerkennung und Aufmerksamkeit zu gewinnen. Es ist ein Teufelskreis.

Das Dramadreieck stammt ursprünglich aus der Transaktionsanalyse und wurde von dem kalifornischen Psychologen Stephen Karpman erstmals im Jahr 1968 beschrieben. Er erkannte, dass menschliche Verhaltensmuster oft heimlichen „Spielregeln“ folgen, die für Betroffene aber ernste Folgen haben können.

Was ist die Transaktionsanalyse

Die Transaktionsanalyse (TA) ist eine psychologisches Konzept zur Erklärung der menschlichen Persönlichkeitsstruktur. Sie wurde in den 1950er Jahren von dem US-Psychologen Eric Berne entwickelt und verbindet Erkenntnisse aus der Tiefenpsychologie, Verhaltenspsychologie und Humanistischen Psychologie. Ziel ist, Menschen mithilfe der TA zu ermöglichen, ihre Wahrnehmung zu reflektieren und gegebenenfalls zu ändern.


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Beispiel: Wie funktioniert das Dramadreieck?

Karpman nannte das Dramadreieck ironisch ein „Rollenspiel“ – aber auf hohem dramatischen Niveau. Ein typisches Beispiel für das Dramadreieck im Berufsleben könnte so aussehen:

  • Chef Meier beschuldigt die Mitarbeiter, dass diese schlechte Leistungen und Ergebnisse abliefern. Er wird damit zum Verfolger (Täter), die Mitarbeitern seine Opfer.
  • Nun springt der Abteilungsleiter Schulze-Huber ein und rechtfertigt das schlechte Abschneiden des Teams durch allerlei Gründe. Er ist im Spiel jetzt der Retter.
  • Daraufhin moniert Meier, das helfe alles inzwischen wenig. Der Lade sei in Schieflage und es müssten Leute entlassen werden. Der Wettbewerb zwinge ihn dazu. Mit der Aussage macht er sich wiederum zum Opfer.
  • Hätte Schulze-Huber seine Abteilung früher in den Griff bekommen, müsste es nicht so weit kommen. Mit dem rhetorischen Schachzug wird Meier zugleich zum Verfolger des Abteilungsleiters.
  • Daraufhin versuchen die Mitarbeiter Schulze-Huber in Schutz zu nehmen und seinen Ruf zu retten. Sie mutieren damit zu dessen Retter. Und so weiter…

Sie merken schon: In der Krise entwickelt sich das Dramadreieck zu einem Schauspiel, das es mit jeder TV-Soap aufnehmen kann. Das Bemerkenswerte daran aber ist: Das alles sind – trotz wechselnder Rollen – stabile Beziehungen. Die Rollen geben Sicherheit, aber sie belasten auf Dauer.

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Psychologie: Wie wirken die 3 Rollen im Spiel?

Das Dramadreieck ist ein hochgradig manipulatives System. Es spielt mit dem Hin- und Herschieben von Verantwortungen, mit Schuldzuweisungen, Enttäuschungen und dem schlechten Gewissen.

Schauen wir uns dazu die drei Rollen – Täter, Opfer, Retter – genauer an:

  • Typische Methoden des Verfolgers

    Der Verfolger ist spitze darin, alles besser zu wissen, andere zu kritisieren, zu kontrollieren, zu drohen, einzuschüchtern, zu demütigen. Er manipuliert vor allem durch Vorwürfe. Typische Verfolger sind oft Narzissten.

  • Typische Verhaltensweisen des Opfers

    Das Opfer soll (und will) sich für alles verantwortlich fühlen, hilflos und ohnmächtig sein. Opfer sind deshalb keinesfalls passiv: Sie zwingen andere mehr oder weniger subtil in die Verfolgerrolle und manipulieren durch das schlechte Gewissen.

  • Typische Verhaltensweisen des Retters

    Der Retter beherrscht scheinbar moralisch das Drama, doch auch er manipuliert: Er macht die anderen bewusst klein und braucht den Sündenbock, den er retten kann, damit er größer wirkt und sich besser fühlt.

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Auswege: Wie kann ich das Dramadreieck auflösen?

Durch seine manipulative Macht, ist dem Dramadreieck nur schwer zu entkommen, wenn das Spiel erst einmal begonnen hat. Ein wichtiger erster Schritt ist aber, sich das Rollenspiel bewusst zu machen und zu erkennen, welche Rolle der andere spielt – und in welche er Sie zwingen will. Entlarven Sie das Spiel als solches und lehnen Sie die Ihnen zugedachte Rolle ab:

  • Fühlen Sie sich als Opfer?
    Dann jammern Sie nicht, sondern werden Sie aktiv und machen Sie sich von den anderen Rollen mental unabhängig.
  • Sollen Sie den Retter spielen?
    Dann nehmen Sie andere mit in die Verantwortung. Die meisten Helden sterben – einsam. Gleichzeitig sollten Sie aufhören, anderen Ihre Hilfe aufzudrängen. Nicht, dass dahinter noch eine Profilneurose steckt!
  • Sollen Sie der Verfolger sein?
    Dann prüfen Sie Ihre Kommunikation und ersetzen Sie negative durch konstruktive Kritik. Kontrollieren Sie zugleich, ob Sie tatsächlich ein Verfolger sind. Auch das kann bloß eine Intrige sein.

Entscheidend ist: Jeder schlüpft freiwillig in seine Rolle – und kann genauso jederzeit daraus aussteigen. Je bewusster Sie mit Ihrer Rolle brechen und das Dramadreieck entlarven, desto besser lässt sich ein Streit schlichten und deeskalieren.

Es kann allerdings vorkommen, dass die Rollen – Täter, Opfer, Retter – so festgefahren sind, dass Sie einen externen „Retter“ benötigen, um die Dynamik des Dramadreiecks zu unterbrechen. Zum Beispiel durch einen Mediator oder eine Supervision.


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