SARA-Modell: 4 Reaktionen auf negatives Feedback

Das SARA-Modell beschreibt vier typische Reaktionen auf negatives oder überraschendes Feedback: Shock (Schock), Anger (Wut), Resistance (Widerstand) und Acceptance (Akzeptanz). Das Modell erklärt, warum Kritik zunächst Abwehr auslösen kann und häufig erst mit etwas Abstand verarbeitet wird. Wichtig ist: Akzeptanz bedeutet nicht automatisch Zustimmung! Wir erklären die vier SARA-Phasen und zeigen, wie Sie als Feedbacknehmer und Feedbackgeber souverän damit umgehen…

Sara Modell Definiton 4 Phasen Reaktion Kritik Feedback Beispiele

Definition: Was ist das SARA-Modell?

Das SARA-Modell ist ein einfaches Erklärungsmodell für typische emotionale Reaktionen auf ein negatives Kritikgespräch und unangenehme Rückmeldungen. Die vier Buchstaben stehen für die englischen Begriffe und vier Phasen:

  1. Shock – Schock
  2. Anger – Ärger
  3. Resistance – Widerstand
  4. Acceptance – Akzeptanz

Das SARA-Modell hilft, Reaktionen wie Überraschung, Ärger oder Rechtfertigungen besser einzuordnen. Statt diese unmittelbar als mangelnde Kritikfähigkeit zu bewerten, zeigt das Modell: Menschen benötigen oft Zeit, um ein Feedback und Donnerwetter emotional zu verarbeiten (siehe auch: Come-to-Jesus-Meeting).

Hinweis: Das SARA-Modell ist keine starre Gesetzmäßigkeit. Nicht jeder erlebt alle Phasen exakt in dieser Reihenfolge! Manche Reaktionen treten gleichzeitig auf oder erst verzögert. Das Modell dient deshalb primär als Orientierung für Feedbackgeber und Feedbacknehmer.

Anzeige

Welche 4 Phasen hat das SARA-Modell?

Die vier SARA-Phasen beschreiben den möglichen Weg von der ersten emotionalen Reaktion bis zur sachlichen Auseinandersetzung mit dem Feedback:

Phase

Typische Reaktion

S – Shock Schock und Überraschung: „Damit habe ich nicht gerechnet!“
A – Anger Ärger und Wut: „Das ist unfair!“
R – Resistance Widerstand und Abwehr: „So war das überhaupt nicht!“
A – Acceptance Akzeptanz und Reflexion: „Was kann ich daraus mitnehmen?“

1. Shock: Schock und Überraschung

In der ersten Phase trifft das Feedback den Empfänger unerwartet. Vielleicht hält sich ein Mitarbeiter für besonders zuverlässig und erfährt im Feedbackgespräch, dass Kollegen seine häufigen Verspätungen kritisieren. Selbstbild und Fremdbild passen plötzlich nicht mehr zusammen. Typische Reaktionen sind Überraschung, Sprachlosigkeit oder Ungläubigkeit. Gedanken wie „Das kann doch nicht sein!“ oder „Das höre ich zum ersten Mal!“ sind in dieser Phase nicht ungewöhnlich.

  • Als Feedbacknehmer sollten Sie jetzt nicht vorschnell reagieren. Hören Sie erst einmal zu und bitten Sie gegebenenfalls um etwas Zeit, um die Rückmeldung zu verarbeiten.
  • Als Feedbackgeber sollten Sie ebenfalls keinen sofortigen Erkenntnisgewinn erwarten. Geben Sie Ihrem Gegenüber Zeit und belegen Sie Ihre Rückmeldung mit konkreten Beispielen.
Anzeige

2. Anger: Ärger und Wut

Auf die erste Überraschung kann Ärger folgen. Der Feedbacknehmer empfindet die Kritik als ungerecht, übertrieben oder persönlich verletzend. Aus „Das kann nicht stimmen“ wird beispielsweise „Das ist unfair!“ Die Wut muss sich jedoch nicht offen zeigen: Manche Menschen werden laut oder beginnen zu diskutieren, andere ziehen sich zurück. Auch Sarkasmus, demonstratives Schweigen oder gereizte Antworten können Ausdruck der emotionalen Reaktion sein.

  • Als Feedbacknehmer sollten Sie versuchen, nicht aus dem ersten Ärger heraus zu antworten. Emotionen sind verständlich, aber selten gute Ratgeber für die unmittelbare Reaktion.
  • Als Feedbackgeber sollten Sie den Ärger nicht spiegeln oder in einen Machtkampf einsteigen. Bleiben Sie ruhig und sachlich. Bei persönlichen Angriffen dürfen und sollten Sie allerdings Grenzen setzen.
Anzeige

3. Resistance: Widerstand und Abwehr

In der Resistance-Phase setzt die inhaltliche Auseinandersetzung ein – zunächst jedoch häufig in Form von Widerstand. Kritisierte versuchen mit allerlei rhetorischen Mitteln selbst konstruktive Kritik abzuwehren (siehe: Schuldfrage). Typische Rechtfertigungen lauten zum Beispiel: „Dafür konnte ich nichts“, „Die anderen machen das genauso“ oder „Unter diesen Bedingungen ging es gar nicht anders.“ Widerstand ist nicht automatisch schlecht: Es kann durchaus sein, dass das Feedback unvollständig, einseitig oder sachlich falsch ist. Problematisch wird die Reaktion erst, wenn jede Rückmeldung reflexartig abgewehrt wird.

  • Als Feedbacknehmer sollten Sie zwischen Erklärung und Rechtfertigung unterscheiden. Fragen Sie nach Beispielen und prüfen Sie, welcher Teil der Rückmeldung nachvollziehbar ist.
  • Als Feedbackgeber helfen konkrete Beobachtungen mehr als pauschale Urteile. Statt „Sie kommunizieren schlecht“ sollten Sie besser eine konkrete Situation und deren Wirkung beschreiben.

4. Acceptance: Akzeptanz und Reflexion

In der letzten Phase ist genügend emotionaler Abstand entstanden, um sich sachlicher mit der Rückmeldung auseinanderzusetzen. Der Feedbacknehmer kann nun prüfen, was an der Kritik berechtigt ist und welche Konsequenzen daraus sinnvoll sind. Akzeptanz bedeutet allerdings nicht immer Zustimmung: Sie können zum Beispiel akzeptieren, dass Ihr Gegenüber eine bestimmte Wahrnehmung hat, ohne diese vollständig zu teilen. Feedback ist schließlich zunächst eine Fremdwahrnehmung und keine objektive Wahrheit.

Vielleicht erkennen Sie einen eigenen Fehler. Vielleicht stimmen Sie nur einem Teil der Kritik zu. Oder Sie kommen nach sorgfältiger Prüfung zu dem Ergebnis, dass die Einschätzung nicht zutrifft. Entscheidend ist, dass Sie sich mit der Rückmeldung auseinandergesetzt haben, statt sie nur aus einem Abwehrreflex heraus zurückzuweisen. Wie Sie Kritik prüfen und darauf professionell reagieren, erklären wir ausführlich hier:

Feedback annehmen: 7 goldene Regeln

Wie gehe ich selbst mit den SARA-Phasen um?

Das SARA-Modell kann Ihnen helfen, die eigenen Reaktionen auf negatives Feedback bewusster wahrzunehmen. Wenn Sie erkennen, dass gerade vor allem Ärger oder Widerstand sprechen, müssen Sie nicht sofort handeln. Diese fünf Schritte helfen beim Umgang mit kritischem Feedback:

  • Reagieren Sie nicht sofort

    Lassen Sie die Rückmeldung zunächst wirken und vermeiden Sie vorschnelle Gegenangriffe oder Rechtfertigungen.

  • Benennen Sie Ihre Emotionen

    Fragen Sie sich, was Sie gerade empfinden: Sind Sie überrascht, verletzt, wütend oder fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

  • Fragen Sie nach Beispielen

    Bitten Sie um konkrete Situationen, wenn Ihnen die Kritik zu allgemein oder unverständlich erscheint.

  • Prüfen Sie das Feedback mit Abstand

    Vergleichen Sie die Rückmeldung mit Ihrer Selbstwahrnehmung und überlegen Sie, ob Sie ähnliche Hinweise bereits von anderen bekommen haben.

  • Entscheiden Sie über Konsequenzen

    Übernehmen Sie nicht automatisch jede Kritik. Entscheiden Sie selbst, welche Erkenntnisse oder Veränderungen sinnvoll sind.

Das Ziel besteht also nicht darin, möglichst schnell zur Acceptance-Phase zu gelangen. Entscheidend ist vielmehr, das Feedback so weit zu verarbeiten, dass Sie eine bewusste und sachliche Entscheidung treffen können.

Wie sollten Führungskräfte auf die SARA-Phasen reagieren?

Für Führungskräfte ist das SARA-Modell hilfreich, weil es typische Reaktionen auf kritisches Feedback verständlicher macht. Ein Mitarbeiter, der zunächst widerspricht oder verärgert reagiert, lehnt die Rückmeldung nicht zwangsläufig dauerhaft ab. Je nach Reaktion helfen unterschiedliche Vorgehensweisen:

SARA-Phase

Was jetzt hilft

Shock Zeit geben und keine sofortige Stellungnahme verlangen.
Anger Ruhig bleiben und nicht mit Gegenangriffen reagieren.
Resistance Nachfragen zulassen und Feedback mit konkreten Beobachtungen belegen.
Acceptance Gemeinsam Erkenntnisse und mögliche Veränderungen besprechen.

Vor allem bei überraschender oder schwerwiegender Kritik kann es sinnvoll sein, dem Mitarbeiter Zeit zur Selbstreflexion zu geben und das Gespräch später fortzusetzen. Eine unmittelbare Zustimmung sollte nicht zum Maßstab für ein gelungenes Feedbackgespräch werden. Umgekehrt rechtfertigt das SARA-Modell keine Beleidigungen oder aggressives Verhalten. Emotionale Reaktionen dürfen sein – ein respektvoller Umgang miteinander bleibt trotzdem notwendig!

Schwächt konstruktive Kritik den Verlauf des SARA Modells?

Je schroffer und destruktiver die Kritik, desto heftiger verlaufen die ersten drei Phasen. Konstruktive Kritik kann Betroffenen helfen, leichter mit Kritik umzugehen. Es ist jedoch keine Garantie dafür. Manche reagieren selbst auf wertschätzendes Feedback mit großer Wut und einer langen Widerstandsphase.

Wie lässt sich Abwehr beim Feedback reduzieren?

Nicht jede emotionale Reaktion lässt sich verhindern. Feedbackgeber können jedoch beeinflussen, wie wahrscheinlich unnötige Abwehr wird. Besonders wichtig ist, konkrete Beobachtungen statt persönlicher Bewertungen zu formulieren. Sagen Sie beispielsweise nicht: „Sie sind unzuverlässig“, sondern beschreiben Sie, was Sie beobachtet haben: „Die letzten drei Berichte kamen nach dem vereinbarten Termin.“ Dadurch kann sich der Feedbacknehmer mit einem konkreten Verhalten auseinandersetzen, statt seine Persönlichkeit verteidigen zu müssen. Ebenso wichtig sind ein geeigneter Zeitpunkt, ein respektvoller Ton und die Möglichkeit, die eigene Perspektive zu schildern. Gutes Feedback ist keine Einbahnstraße, sondern ermöglicht immer einen Dialog!

Weitere Regeln und Formulierungen finden Sie hier:

Feedbackregeln: 10 goldene Regeln

Welche Grenzen hat das SARA-Modell?

Das SARA-Modell ist eine Orientierungshilfe und keine feste psychologische Gesetzmäßigkeit. Menschen reagieren unterschiedlich auf Kritik. Sie können einzelne Phasen überspringen, mehrere Reaktionen gleichzeitig erleben oder zwischen ihnen wechseln. Auch die Dauer der einzelnen Phasen lässt sich nicht allgemein vorhersagen. Eine kleine Korrektur im Arbeitsalltag kann innerhalb weniger Minuten verarbeitet sein. Eine überraschend negative Leistungsbeurteilung oder gar eine Kündigung kann dagegen länger beschäftigen.

Hinzu kommt: Nicht jede Abwehrreaktion beweist, dass die Kritik zutrifft. Feedbackgeber sollten das Modell deshalb nicht benutzen, um jeden Widerspruch als bloßen „Widerstand“ abzutun. Auch der Feedbackgeber kann sich irren! Der Nutzen des SARA-Modells liegt vor allem darin, emotionale Reaktionen besser zu verstehen und vorschnelle Eskalationen zu vermeiden. Es hilft bei der Einordnung – nicht bei der Vorhersage menschlichen Verhaltens.

FAQ – Häufige Fragen zum SARA-Modell

Was bedeutet SARA beim Feedback?

SARA steht für Shock (Schock), Anger (Wut), Resistance (Widerstand) und Acceptance (Akzeptanz). Die vier Begriffe beschreiben typische Reaktionen, die nach negativem oder überraschendem Feedback auftreten können. Das Modell hilft Feedbackgebern und -nehmern, diese Reaktionen besser einzuordnen.

Muss jeder alle vier SARA-Phasen durchlaufen?

Nein. Die vier Phasen sind keine starre Abfolge. Menschen können einzelne Reaktionen überspringen, mehrere gleichzeitig erleben oder zwischen ihnen wechseln. Das SARA-Modell beschreibt typische Muster und keine zwingenden Entwicklungsschritte.

Wie lange dauern die SARA-Phasen?

Dafür gibt es keine feste Zeitspanne. Manche Rückmeldungen werden innerhalb weniger Minuten verarbeitet, andere beschäftigen einen Menschen deutlich länger. Entscheidend sind unter anderem die Bedeutung der Kritik, die Situation und die persönliche Wahrnehmung.

Bedeutet Acceptance, dass ich der Kritik zustimme?

Acceptance bedeutet zunächst nur, dass Sie sich sachlich mit der Rückmeldung auseinandersetzen können. Sie dürfen anschließend vollständig, teilweise oder gar nicht zustimmen. Wichtig ist, dass Sie das Feedback geprüft und nicht nur reflexartig abgewehrt haben.

Wie kann ich negatives Feedback besser annehmen?

Hören Sie zunächst zu und vermeiden Sie spontane Rechtfertigungen. Fragen Sie bei unklarer Kritik nach konkreten Beispielen und prüfen Sie die Rückmeldung mit etwas Abstand. Erst danach entscheiden Sie, welche Konsequenzen Sie daraus ziehen möchten.


Was andere dazu gelesen haben