Sandwich-Kritik: Vergessen Sie das verkleidete Feedback!

Wem klare Worte und direktes Feedback schwer fallen, der wendet gerne die sogenannte Sandwich-Methode (auch „Sandwich-Kritik“) an: Die negative Rückmeldung wird dabei watteweich in Lob verpackt, damit sie sich leichter schlucken lässt. Heißt: Das Feedbackgespräch wird mit lobenden Worten begonnen, danach folgt die eigentliche Schelte, den Abschluss bilden wieder Lob oder anerkennende Worte. So gibt es angeblich keinen bitteren Nachgeschmack beim Empfänger. Bullshit! Tatsächlich entwertet die Sandwich-Kritik sowohl Lob wie Kritiker…

Sandwich-Kritik: Vergessen Sie das verkleidete Feedback!

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Was ist die Sandwich-Kritik oder Sandwich-Methode?

Die Sandwich-Methode oder Sandwich-Kritik ist eine Feedback-Form, bei der die negative Botschaft mit Lob verpackt wird und dadurch für den Kritisierten angenehmer werden soll. Die positiven Worte am Anfang und Ende sollen die eigentliche Kritik abmildern oder gar ausgleichen. Angewendet wird die Sandwich-Kritik oft, wenn es um sensible Themen oder Mitarbeiter geht.

Sandwich-Kritik: Bloß keine Gefühle verletzen!

Natürlich ist der Kerngedanke richtig: Kritik sollte nie verletzten sein, sondern konstruktiv und motivierend. Wer sein negatives Feedback in angenehme Worte kleidet, lässt dem anderen die Chance, sein Gesicht zu wahren. Schließlich will man sein Gegenüber nicht fertigmachen oder unnötig Gefühle verletzen.

Es gibt aber auch etwas zu kritisieren. Daran führt kein Weg vorbei. Deshalb wird bei der Sandwich-Methode der eigentliche Tadel in einer Karamellcreme aus lobenden Formulierungen versteckt. So als würde man eine bittere Nuss in ein Toffifee packen. Eine typische Sandwich-Formulierung klingt zum Beispiel so:

Ich finde es wirklich gut, wie schnell Sie sich in dieses Projekt hinein gearbeitet haben und mit wie viel Elan Sie gestartet sind. Leider hat der dann nicht über das gesamte Projekt angehalten, sodass die Qualität des Ergebnisses stark darunter gelitten hat. Immerhin haben Sie das ja selbst erkannt. So sollten wir jetzt überlegen, wie wir die Kuh wieder vom Eis bekommen…

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Darum ist die Sandwich-Kritik falsch

Klingt nett – hat aber dramatische drei dramatisch negative Effekte:

  • Entwertung
    Ein ebenso intelligenter wie empathischer Mensch wird die Masche sofort durchschauen – und das Lob kaum noch ernst nehmen. Mehr noch: Die enthaltene Anerkennung wird entwertet. Sie entpuppt sich als notwendiges Verpackungsmaterial für den Tadel, ein Mittel zum Zweck, ein labberiges Brötchen, heiße Luft. Schade. Denn mit ehrlichem Lob ließe sich viel nachhaltiger führen.
  • Verwässerung
    Wer die Sandwich-Methode nicht kennt und auch sonst gerne mal unter selektiver Wahrnehmung leidet, bekommt die Kritik bei so viel Schminke womöglich gar nicht mit. In der Folge entstehen Missverständnisse, zunehmender Unmut auf beiden Seiten und sogar Folgefehler.
  • Konditionierung
    Nicht nur, dass die eigentliche Botschaft verwässert wird: Zu oft angewendet, kann die Sandwich-Kritik Pawlowsche Reflexe und Ängste auslösen. Und zwar jedes Mal, wenn Sie etwas Nettes sagen wollen. Effekt: Ihr Gegenüber erwartet den Haken („Wo bleibt die eigentliche Kritik-Keule?“). Ein entspanntes Gespräch ist dann nicht mehr möglich. Es verläuft nur noch im Subtext.
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Falsche Annahmen sind der Grund für Sandwich-Kritik

Tatsächlich stecken hinter der Sandwich-Methode und falschverstandenen Rückmeldung meist irrige Annahmen:

  1. Tadel wird durch Lob bekömmlicher

    Zugegeben, kritisiert zu werden, ist nie schön. Keiner freut sich darüber, wenn er auf gemachte Fehler oder Unzulänglichkeiten hingewiesen wird. Doch geht es hierbei nicht um die Verpackung – die ändert daran gar nichts. Sondern um die Intention! Traurig, aber wahr: Die meisten Menschen können nicht konstruktiv kritisieren. Für sie ist die Rolle des Kritikers zugleich die Rechtfertigung, sich selbst zu erhöhen, besserwissend zu fühlen oder einfach mal Frust zu ventilieren. Wer aber wirklich konstruktiv (!) Kritik übt, muss seinen Tadel nicht verkleiden. Er oder sie bringt schließlich Auswege und Lernstoff mit. So wird beispielsweise aus „Was für ein unglaublich schlechter Text!“ ein „Ich würde gerne noch folgenden Aspekt ergänzen, der mir zu kurz gekommen ist…“

  2. Der andere kann mit Kritik nicht umgehen

    Trotz oberflächlicher Höflichkeit: Wer die Sandwich-Methode anwendet, offenbart unterschwellig, dass er seinem Gegenüber nicht auf Augenhöhe begegnet. Vielmehr behandelt er so jemanden wie ein unreifes Kind – und manipuliert ihn bewusst. Das macht die „um den heißen Brei“ geredete Kritik nur schlimmer: Darin steckt nicht nur der monierte Mangel, sondern zugleich die Botschaft: „Ich halte dich für emotional so unreif, dass ich dir eine Mogelpackung unterjubeln muss.“ Na, Danke!

  3. Feedback muss immer ausgeglichen sein

    Nicht wenige meinen, vorbildliches Feedback muss stets ausbalanciert sein. Mit Lob und Tadel exakt in Waage. Blödsinn! Persönliche Entwicklung ist doch kein Nullsummenspiel. Natürlich kann man auch mal etwas kritisieren, ohne gleichzeitig loben zu müssen. So wie man auch Anerkennung nicht jedes Mal durch einen erfundenen Tadel schmälern muss, damit der andere nicht abhebt.

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Konstruktives Feedback braucht keinen Zuckerguss

Ein gutes Feedbackgespräch (ebenso ein Kritikgespräch) – positiv wie negativ – bietet dem Empfänger immer einen Mehrwert. Im optimalen Fall hilft es, eine Aufgabe oder Sache künftig besser zu machen. Diese Intention dahinter wird auch erkannt. Gutes Feedback ist kein Monolog, sondern der Auftakt zum Dialog. So klar und konkret die Kritik auch geäußert wird, so sehr sollte der Kritiker darum bemüht sein, selber eine Rückmeldung zu bekommen. Etwa durch folgende Fragen:

  • Was denken Sie darüber?
  • Was davon trifft Ihrer Meinung nach zu?
  • Wie hätte es besser laufen können?
  • Was könnten Sie das nächste Mal anders machen?

Eine wohlwollende und aufrichtige Haltung braucht keine gepimpte Fassade. Sie spürt man. So wie man auch hinter der Sandwich-Kritik die Absicht spürt – und verstimmt ist.

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[Bildnachweis: Zera93 by Shutterstock.com]
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18. Februar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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