Backfire-Effekt: Wann Sie nicht auf Kritiker hören sollten

Der Backfire-Effekt bezeichnet das psychologische Phänomen, dass besonders vehemente Kritik und starker Widerspruch, die Meinung des Empfängers eher noch verfestigen. Egal, wie richtig und überzeugend die Fakten und Sachargumente sind: Die Ablehnung und Gegenwehr wird nur noch heftiger ausfallen. Das Ziel der Rückmeldung wird zum Bumerang: Der oder die Kritisierte ist danach noch mehr von der eigenen Meinung überzeugt. Warum ist das so und was lässt sich dagegen tun?

Backfire-Effekt: Wann Sie nicht auf Kritiker hören sollten

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Was ist der Backfire-Effekt?

Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde der Backfire-Effekt von Forschern der Universität Michigan. Sie fanden heraus, dass sich zum Beispiel politische Überzeugungen kaum durch Fakten verändern ließen. Im Gegenteil: Je eifriger und ernster die Argumente vorgetragen wurden, desto mehr verfestigten sich die Überzeugungen bei der Zielgruppe. Im Extrem war das Ergebnis ein ignoranter Fundamentalismus.

Der Backfire-Effekt ist allerdings kein Phänomen der Neuzeit. Das ist nur sein Name. Schon der französische Mathematiker und Philosoph, Blaise Pascal, erkannte: Selbst die klügste Argumentation überzeugt nicht immer. Häufiger fühlen sich die Menschen dadurch angegriffen und halten daraufhin umso starrer an ihrem Standpunkt fest.

Kritik überall: Hater, Trolle, Nörgler

Der Backfire-Effekt lässt sich nicht nur in der Politik, sondern überall im Alltag beobachten. Am stärksten aber im Internet und in den sozialen Netzen. In Foren, auf Twitter, auf Facebook, in Blogs und Kommentaren. Jeder kann zu allem etwas sagen, und viele tun das auch. Harsch zum Teil, anonym, unsachlich, unterstellend, polemisch und persönlich beleidigend. Es ist verführerisch im Stealth Modus mal ordentlich Dampf abzulassen. Keine Frage, solche ungefilterten Rückmeldungen – auch wenn sie den falschen Ton treffen – können wertvoll sein. Mehrheitlich aber münden sie in einer Art Rechtfertigungsspirale – und im Strudel des Backfire-Effekts.

Tatsächlich werden in Kommentaren oder Foren vornehmlich Meinungen ausgetauscht. Diese basieren aber oft nur auf Hörensagen, auf Annahmen, Klischees und Verallgemeinerungen. Die wenigsten bringen sachliche Argumente, geschweige denn Belege vor oder gehen auf die Positionen der anderen ein. Lediglich der Ton wird mit der Zeit LAUTER und die Sprache rüder. Das Ganze Hin und Her erinnert mehr an intellektuelles Armdrücken. Eine solche Diskussion lässt sich weder führen, noch gewinnen – sie kennt am Ende nur Verlierer. Und verschwendete Zeit.

Kritiker ist ein ziemlich dummer Beruf, wenn man nichts ist, was darüber hinaus geht.

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Was tun gegen den Backfire-Effekt?

Wann immer Sie merken, dass Sie es mit dem Backfire-Effekt zu tun haben, steigen Sie aus der Negativspirale aus. Rechtfertigen Sie sich nicht. Ärgern Sie sich nicht. Ignorieren Sie das Gemosere – und sparen Sie sich wertvolle Kraft und Zeit. Viele Menschen wollen gar nicht diskutieren, sondern Recht behalten. Sie sind gar nicht daran interessiert, ihre Meinung zu hinterfragen oder sich umstimmen zu lassen. Es geht nur darum, die eigene Sicht mitzuteilen und den Standpunkt bestätigt zu sehen.

Mit solchen Menschen kann man nicht diskutieren. Wer es dennoch versucht, wird sich zwangsläufig verzetteln, verliert sein Ziel aus den Augen und opfert obendrein wertvolle Lebenszeit. Gefallsucht wirkt wie Nervengift: Erst vernebelt es, dann lähmt es. Stattdessen helfen oft schon drei einfache Sätze:

  1. Du hast Recht.

    Schon dieser Satz nimmt den meisten allen Wind aus den Segeln. Nichts anderes wollten sie hören, aber – und das ist der Clou – manche sind jetzt bereit, doch noch eine Weile länger zuzuhören. Je schneller man zu diesem Punkt kommt, desto weniger Nerven und Konflikte muss man auf dem Weg dorthin lassen beziehungsweise auskämpfen.

  2. Ich verstehe genau, wie du dich fühlst und warum du das so siehst.

    Natürlich kann der Satz „Du hast Recht“ leicht ironisch klingen, Motto: „Du hast Recht und ich meine Ruhe.“ Den notorischen Rechthaber stachelt das eher noch an. Es ist, als würde man einem Wüterich sagen: „Entspann dich mal wieder!“ Das hat noch nie funktioniert. Wichtig ist daher, Empathie zu beweisen und zugleich die eineindeutig Aussage zu bekräftigen. „Ich verstehe genau, wie du dich fühlst“ holt Ihr Gegenüber nicht nur auf der sachlichen, sondern eben auch auf der emotionalen Ebene ab. Denn mal ehrlich: In 99 Prozent aller Diskussionen haben tatsächlich beide Seiten Recht – nur eben jeweils aus ihrer persönlichen Perspektive. Dem anderen zu signalisieren: „Ich sehe das mit deinen Augen – und in dem Fall hast du Recht“ (und das im Übrigen nicht nur zu sagen, sondern auch wirklich zu versuchen!), beweist zugleich Respekt ohne den eigenen Standpunkt zu verraten.

  3. Eine andere Möglichkeit die Sache zu sehen, wäre…

    Entscheidend hieran ist, dass Sie hierfür unbedingt eine neutrale Formulierung wählen. Nicht „Ich sehe es aber anders…“ Das baut nur wieder eine Front auf und betont Gegensätze. So aber bringen Sie Ihr Gegenüber sanft dazu, ebenfalls einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Und womöglich erkennt er oder sie dabei, dass auch Sie Recht haben – so gesehen. Und das ist der Moment, in dem Sie die Diskussion gewinnen – nicht im Sinne von „Ich hab also doch Recht und du nicht, ätsch!“, sondern indem Sie den Grundstein für gegenseitiges Verständnis, einen Kompromiss oder vielleicht sogar eine Einigung gelegt haben. Und das ist dann sogar Win-Win. 90 Prozent der Auseinandersetzungen konzentrieren sich ohnehin auf die Vergangenheit. Dabei verrennt man sich unweigerlich in Details. Konstruktiver ist, den Blick in die Zukunft zu richten: Wo führen die jeweiligen Perspektiven hin?

Klar, gibt es auch jene, die dazu partout nicht bereit sind. Da hilft dann nichts mehr – außer abbrechen… Mit Beton kann man nicht streiten.

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Der Dümmere gibt nach

Sie kennen sicher die Parabel des deutschen Dichters Johann Peter Hebel von einem Vater, der seinem Sohn die Torheit der Welt zeigen will. Er führt dazu einen Esel aus dem Stall und alle drei wandern in das erste Dorf. Die dortigen Bauern verspotten das Trio und rufen: „Seht doch, diese Narren! Haben einen Esel und keiner sitzt drauf.“ Kaum haben sie das Dorf verlassen, setzt sich der Vater auf den Esel, und der Sohn führt beide in das zweite Dorf.

Wieder spotten die Bauern: „Was für ein Gespann! Der Alte reitet und der arme Junge muss laufen.“ Kurz hinter dem Dorf tauschen Vater und Sohn die Rollen. Nun reitet der Junge ins dritte Dorf. Auch hier kommen die Bauern zusammen und schimpfen: „Es ist nicht recht, dass der Alte laufen muss. Der Junge hat die kräftigeren Beine – soll er doch zu Fuß gehen!“ Auch dieses Dorf lassen sie hinter sich.

Nun setzen sich beide auf den Esel – der Vater vorn, der Junge dahinter. So reiten sie gemeinsam in die vierte Siedlung, und man ahnt es längst: Auch hier finden die Bauern Anstoß an den Gefährten: „Pfui, ihr Tierquäler“, rufen sie. „Ihr wollt wohl das arme Tier zu Tode reiten? Man sollte einen Stock nehmen und beide herunterschlagen!“ Da erreichen beide schließlich das fünfte Dorf. Noch vor dem Eingang binden sie die Beine des Esels zusammen, fädeln sie durch eine Stange und tragen so den Esel auf ihren Schultern durch den Ort. Als die Leute das sehen, verhöhnen sie Vater und Sohn und jagen alle drei mit Steinwürfen aus dem Dorf.

Auch wenn eine gewisse Anpassungsfähigkeit im Job heute Bedingung für persönlichen Erfolg ist und Flexibilität per se als positiver Wert gilt: Zuviel davon ist ungesund. Man verliert dabei leicht seine Individualität und Glaubwürdigkeit.

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Backfire-Effekt: Rückgrat beweisen & sich treu bleiben

Keine Frage: Konstruktive Kritik ist wertvoll. Sie gänzlich zu ignorieren wäre töricht. Aber bei aller Nörgelei gilt es auch abzuwägen – zwischen deren Berechtigung, deren Zweck und hilfreichem Effekt. Manchmal ist es besser, sich selbst treu zu bleiben, Rückgrat zu beweisen und sich so seine Glaubwürdigkeit und den Respekt zu erhalten. Der Verdacht liegt ja auch nahe: Wer sich jedem Widerstand beugt, besitzt weder Standfestigkeit noch Durchsetzungskraft. So jemand wird nie andere anleiten können, im Gegenteil: Er wird bereits geführt – von allen!

Die Versuchung ist groß, sofort einzuknicken, nachzugeben, um nicht zu kämpfen oder zu Schaden zu kommen. Es ist bequemer. Die meisten Menschen aber verachten Anpasser und Wendehälse. Respekt und Anerkennung resultieren nicht aus dem Grad, wie sehr man sich verbiegen kann, sondern wie man Konflikte durchsteht. Bücher wie Zeitschriften sind voll mit bewundernden Geschichten über Menschen, die für ihre Sache eingestanden sind – selbst wenn sie sich dabei irrten.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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