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Halo Effekt: Definition, Beispiele + wie vermeiden?

Wir beurteilen andere Menschen oft falsch und vorschnell. Schuld daran sind der Halo Effekt und sein Gegenspieler der Horn Effekt. Dabei handelt es sich um einen sozial-psychologischen Wahrnehmungsfehler (auch: Urteilsfehler), bei dem ein einzelnes Merkmal einer Person so dominant wirkt, dass andere Eigenschaften untergehen. Im positiven Fall und beim Halo Effekt profitieren die Menschen davon. Ein Beurteilungsfehler bleibt es dennoch. Einfach erklärt: Bedeutung und Beispiele für den Halo Effekt – und wie Sie ihn vermeiden können…



Halo Effekt: Definition, Beispiele + wie vermeiden?

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Definition: Was ist der Halo Effekt?

Der Halo Effekt beschreibt einen Wahrnehmungs- und Beurteilungsfehler in der Sozialpsychologie. Dabei wird ein einzelnes positives Merkmal (Aussehen, Sprache, Stimme) so stark wahrgenommen, dass es andere Eigenschaften überstrahlt. Es entsteht ein guter und dominant-subjektiver erster Eindruck, der objektiv aber nicht stimmen muss.

Das Gegenteil zum Halo Effekt ist der Horn Effekt. Auch er beeinflusst unbewusst unser Urteil – in dem Fall allerdings negativ. Hierbei führt ein spezifisches negatives Merkmal zur vorschnellen Abwertung einer Person. Beide Überstrahlungseffekte sind deshalb so gefährlich, weil sie meist unterbewusst und suggestiv wirken und das Fehlurteil nicht wahrgenommen wird.

Halo Effekt versus Horn-Effekt Psychologie Beispiel Bewerbung

Bedeutung: Warum heißt der Halo Effekt so?

Das englische Wort „halo“ bedeutet „Heiligenschein“. Deshalb wird der Haloeffekt manchmal auch mit Heiligenschein-Effekt oder Überstrahlungseffekt übersetzt. Ein besonders positives und markantes Merkmal überstrahlt alle anderen und erzeugt bei der Zielperson eine Art Heiligenschein.

Beobachtet wurde das sozial-psychologische Phänomen bereits 1907 von Frederic L. Wells. Namentlich eingeführt hat den Halo Effekt später der amerikanische Verhaltensforscher Edward Lee Thorndike. In der Sozialpsychologie spricht man heute auch von einer „kognitiven Verzerrung“. Thorndike hatte während des Ersten Weltkriegs in Experimenten beobachtet, dass Offiziere gutaussehende Soldaten mit aufrechter Körperhaltung besser beurteilten und ihnen besonders gute Charaktereigenschaften, Führungsqualitäten und Intelligenz unterstellten.


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Halo-Effekt einfach erklärt

Der Halo Effekt tritt besonders stark unter Zeitdruck auf – vor allem, wenn wir nur wenige Informationen über eine Person haben, also vornehmlich beim Erstkontakt und ersten Kennenlernen (siehe auch: Primacy-Effekt oder Primäreffekt). Einfach erklärt: Diese erste Einschätzung basiert so gut wie immer auf unterstellten Eigenschaften, die wir aus wenigen Signalen ableiten und der Person andichten – im Positiven oder Negativen.

Auch wenn das Gesamtbild beim Halo-Effekt positiv ist: Es bleibt es ein Beurteilungsfehler sowie ein vorschnelles und damit potenziell falsches Urteil, was dazu führen kann, dass wir uns von einem Blender täuschen lassen oder von dem Menschen nur enttäuscht werden können, den wir zuvor auf einen viel zu hohen Sockel gestellt haben.

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Halo Effekt Beispiel

Das häufigste Beispiel für den Halo Effekt stammt aus der Bewerbung beziehungsweise dem Vorstellungsgespräch. Stellen Sie sich einen Kandidaten vor, der besonders hochwertig gekleidet ist, gute Manieren hat und sich eloquent ausdrücken kann… Sofort erscheint er den meisten Personalern als besonders kompetent und qualifiziert. Hohe Gehaltsvorstellungen werden deshalb als realistisch eingestuft und häufiger akzeptiert.

Dabei handelt es sich nur um den äußeren Schein. Kleider machen Leute, weiß der Volksmund. Auch eine gewählte Ausdrucksweise macht sofort sympathischer. Über die tatsächliche Eignung sagt das zu dem Zeitpunkt aber noch nichts aus. Was hier wirkt, ist allein der Halo-Effekt.

Weitere Halo Effekt Beispiele

  • Attraktive Menschen sind sympathisch („Beautiful-is-good“-Stereotyp).
  • Wer prominent und in den Medien ist, muss kompetent sein (Nimbus-Effekt).
  • Menschen mit Brille gelten als belesen und schlau.
  • Menschen mit Übergewicht halten viele für träge und faul.
  • Schlanken Menschen wird Sportlichkeit unterstellt.
  • Wer teure Kleidung oder Schmuck trägt, gilt als erfolgreich.
  • Wer freundlich zu uns ist, muss vertrauenswürdig sein.
  • Herausragende Leistungen und Erfolge können wiederholt werden.
  • Markenartikel müssen grundsätzlich gute Produkte sein.
  • Was teuer ist, hat automatisch eine hohe Qualität.

Letztlich wird beim Halo Effekt von einem Merkmal auf viele weitere Eigenschaften geschlossen, ohne dass es dafür einen objektiven Beleg gäbe.

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Halo Effekt Ursache: Was steckt dahinter?

Die unmittelbare Freund-Feind-Erkennung ist ein Ur-Überlebensinstinkt von uns. Bei jedem neuen Kontakt machen wir uns binnen Sekunden ein Bild von unserem Gegenüber und ordnen die Person in soziale Kategorien ein: nett, unsympathisch, attraktiv, schlau, kompetent, … In der Regel passiert das spontan und unbewusst. Und überwiegend handelt es sich dabei um Stereotype, Vorurteile und klischeehafte Denkmuster.

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Trotzdem ist die oberflächliche Einschätzung sinnvoll. Würden wir die vielen Reize und Sinneseindrücke nicht filtern, würden wir wahnsinnig werden. Dafür sind sie zu komplex. Also reduziert das Gehirn die Informationen und ordnet sie vorhandenen Mustern (siehe: Schubladendenken) zu. So wird Komplexität vereinfacht.

Verwandte Wahrnehmungsfehler

Der Haken daran: Wir sehen die Welt und Menschen nicht, wie sie wirklich sind, sondern wie wir sind. Erfahrungen, Interpretationen und Vorurteile trennen so unsere Wahrnehmung von der Wirklichkeit. Zu diesen Wahrnehmungsfehlern und -effekten gehören zum Beispiel auch:

  • Similar-to-Me-Effekt
    Wer uns ähnlich ist, den finden wir auf Anhieb sympathischer.
  • Pygmalion-Effekt
    Um uns in unserem Urteil zu bestätigen, tun wir alles dafür, dass es auch so kommt.
  • Andorra-Effekt
    Wie im Roman von Max Fritsch wird die Prognose zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung.
  • Klebe-Effekt
    Wer lange Zeit nicht befördert wurde, wird zunehmend unterschätzt und schlechter bewertet.
  • Lorbeer-Effekt
    Aufgrund vergangener Erfolge unterstellen wir einer Person, auch künftig erfolgreich zu sein.
  • Benjamin-Franklin-Effekt
    Wer uns einen Gefallen tun kann, der findet uns dadurch sympathischer.

Halo Effekt Psychologie: Wie wirkt er?

Für den Halo Effekt und dessen suggestive Wirkung gibt es inzwischen unzählige psychologische Studien, die unsere häufig fehlerhafte und anfällige Beurteilung einer Person nachweisen. Vor allem von diesen Eigenschaften lassen sich viele Menschen blenden:

  • Aussehen
  • Stimme
  • Sprache
  • Umgangsformen (Verhalten)
  • Erfolge (Karriere)
  • Einkommen (Besitz)

Fast immer schließen wir anschließend von diesen Merkmalen auf den Charakter, die Intelligenz oder Leistungsfähigkeit der Person. Ganze Wirtschaftszweige – wie etwa die Kosmetik-Industrie oder Modebranche – könnten ohne den Halo Effekt kaum existieren.

Beispiel Aussehen

Die Attraktivität einer Person ist besonders markant und auffällig. Schöne Menschen genießen daher oft einen Bonus, werden öfter eingestellt oder befördert. Schon in der Schule werden Schüler mit Brille von Lehrern als intelligenter oder fleißiger eingeschätzt. Bei Bodybuildern vermuten viele, dass sie aufgrund der definierten Muskeln besonders fit oder sportlich wären. Mit der Kondition muss das aber nichts zu tun haben. Umgekehrt wird Menschen mit Tätowierung teils immer noch unterstellt, sie könnten eine kriminelle Vergangenheit haben (siehe auch: Lookismus).

Beispiel Lebenslauf

Ein lückenloser Lebenslauf und eine steile Karriere in jungen Jahren beeindrucken zahlreiche Personalentscheider. Dabei können gerade Lücken und Brüche in der Vita für eine spannende Persönlichkeit mit viel Lebenserfahrung stehen. Und viele vergangene Erfolge müssen kein Garant dafür sein, dass es immer so weitergeht.

Beispiel Sprache

Wortwahl, Betonung, Ausdrucksweise, Eloquenz – davon lassen wir uns alle gerne beeinflussen. Die Macht der Stimme und Sprechweise ist wissenschaftlich gut erforscht. So wissen wir heute, dass Piepsstimmen schnell mit Unsicherheit und Inkompetenz assoziiert werden. Ebenso wirkt ein starker Akzent oder Dialekt außerhalb der Region eher einfältig und weniger intelligent. Gleiches gilt für Menschen, die oft Stammelsilben wie „ähm“ verwenden. Mutmaßlich ist so jemand nicht allzu schlau. (siehe auch: nonverbale Kommunikation)

Tipps: Wie den Halo Effekt vermeiden?

Irren ist menschlich. Das Gemeine am Halo Effekt aber ist, dass seine Fehleinschätzung kaum bemerkt wird. Und selbst wenn: Wir können den Wahrnehmungsfehler intellektuell noch so sehr begriffen und verinnerlicht haben – beim nächsten Mal trübt er doch wieder unser Urteilsvermögen.

„Never judge a book by its cover“ – beurteile ein Buch niemals nach seinem Umschlag, lautet zwar ein kluges Bonmot. Wir machen es aber trotzdem ständig. Bei Büchern wie bei Menschen. Um den Halo Effekt vermeiden zu können, empfehlen Experten, die eigene Wahrnehmung zu sensibilisieren, mehr Selbstreflexion zu üben und die Merkmale einer Person jeweils einzeln zu beurteilen. Also nicht von einem überstrahlen Merkmal auf einen Gesamteindruck zu schließen. Auch das Mehr-Augen-Prinzip kann helfen, die Wirkung des Halo Effekts zu minimieren.

Eine weitere Strategie, um die Wirkung des Halo-Effektes bei der Personalauswahl zu reduzieren ist das Mehr-Augen-Prinzip: Entscheiden Sie nicht alleine, sondern holen Sie sich mindestens eine zweite Meinung dazu und sorgen Sie zugleich für eine sorgfältige Konzeption der Diagnostik.

Gänzlich ausschließen lassen sich Beurteilungsfehler nie. Dafür bleiben Menschen zu anfällig für Manipulationen. Der Haloeffekt wie auch sein Gegenteil – der Horn-Effekt – sind ein Automatismus, der auf unserer Liebe zu Stereotypen basiert, die alles überstrahlt. Der Halo Effekt ist ein Irrlicht, ja. Aber eines, das uns magisch in den Bann zieht.


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