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Horn-Effekt & Halo-Effekt: Beispiele + Wie vermeiden?

Der Horn Effekt ist ein gefährlicher, psychologischer Wahrnehmungsfehler, der unser Urteil oft unbewusst negativ beeinflusst. Dabei handelt es sich um eine Art vorschnelle Bewertung einer Person oder deren Fähigkeiten aufgrund eines spezifischen negativen Merkmals. Ein einziges falsches Wort, ein verpatzter erster Eindruck – schon neigen wir dazu, unserem Gegenüber auch in anderen Bereichen Defizite zu unterstellen. Jede Aussage wird dann auf die Goldwaage gelegt und anders aufgenommen als sie vielleicht gemeint ist. Beispiele, wie suggestiv der Horn-Effekt wirkt und wie Sie den Überstrahlungseffekt vermeiden können…



Horn-Effekt & Halo-Effekt: Beispiele + Wie vermeiden?

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Einfach erklärt: Was ist der Horn-Effekt?

Der Horn-Effekt (auch „Teufelshörner Effekt“, englisch: „Devil Effect“) ist ein kognitiver Überstrahlungseffekt in der Psychologie und Wahrnehmung. Er verzerrt die Wirklichkeit und verleitet dazu, eine negative, singuläre Beobachtung zu verallgemeinern. Das passiert bei Schulnoten wie auch bei Mitarbeiterbeurteilungen. Kurz: Der Horn-Effekt führt dazu, dass ein einziges negatives Merkmal einer Person von uns überbewertet wird und damit das Gesamturteil über die Person oder deren Kompetenz negativ beeinflusst.

Das Gegenteil zum Horn-Effekt ist der sogenannte Halo-Effekt. Bei ihm ist es genau umgekehrt und positiv: Eine einzige positive Eigenschaft überstrahlt alles andere und führt zu einer positiven, wohlwollenden Beurteilung der Person oder Persönlichkeit.

Halo-Effekt Horn-Effekt Psychologie Beispiel Bewerbung

Horn-Effekt Ursprung und Herkunft

Wer dem Horn-Effekt ursprünglich seinen Namen gegeben hat und wann, lässt sich heute nicht mehr ermitteln. Allerdings gehen die Ursprünge wohl auf den Psychologen Edward L. Thorndike zurück, der das Phänomen schon um 1920 entdeckte. Damals entdeckte Thorndike, dass Soldaten ihren Offizieren automatisch schlechte Eigenschaften zuschrieben, wenn sie negative Züge an ihnen entdeckten – und umgekehrt.

Ein paar Jahre später kamen die Psychologen Richard Nisbett und Timothy Wilson von der Universität Michigan in ihren Studien zu vergleichbaren Ergebnissen, als Studenten ihre Professoren beurteilen sollten: Die Studierenden schlossen bereits vom Aussehen der Professoren auf deren Kompetenz.

Gerade beim Horn-Effekt wirken oft Vorurteile, Klischees und Stereotype, weil Betroffene diese bestätigt sehen. Das negative Urteil bleibt trotzdem voreilig und ungerecht. Was den Wahrnehmungsfehler und Psychoeffekt aber so gefährlich macht, ist, dass er unbewusst abläuft. Der Horn-Effekt hat schon manche Bewerbung oder Karriere ruiniert.

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Beispiele für den Horn-Effekt

Tatsächlich kommt der Teufelshörner-Effekt im Alltag häufiger vor als vielen bewusst ist. Zahlreiche „unfaire“ Leistungsbeurteilungen, Gehälter oder Noten gehen auf den Horn-Effekt zurück. Vor allem in Auswahlverfahren oder im Einstellungsprozess spielt der Überstrahlungseffekt eine große Rolle und kann dazu führen, dass Entscheidungen subjektiv und auf Basis falscher Annahmen getroffen werden. Effekt: Es werden Top-Kandidaten aussortiert und die falschen Leute eingestellt. Hier ein paar typische Beispiele für den Teufelshörner Effekt:

Tippfehler

Ein häufiges Beispiel für den Horn-Effekt sind Tippfehler. Sie passieren. Auch uns. Aber in der Bewerbung ist bei Personalern oft schon ab zwei Rechtschreibfehlern das Maß voll. Das gilt nicht mehr als Zufall, sondern als Zustand – und Indiz für eine schlampige Arbeitsweise, Motto: „Wer schon seine eigene Bewerbung nicht sorgfältig verfasst, wird das auch nicht bei seinen Aufgaben tun.“ Alles, was ein Bewerber jetzt noch schreibt oder beim Vorstellungsgespräch sagt, steht unter dem Generalverdacht, der oder die Kandidatin habe noch weitere Defizite. Der Horn-Effekt überstrahlt jetzt alle positiven Eigenschaften, der oder die Kandidatin ist „unten durch“.

Bewerbungsfoto

Dasselbe passiert beim Bewerbungsfoto. Wer hier unsympathisch wirkt oder unseriös gekleidet ist, schafft es nur selten ins Vorstellungsgespräch. Kleider machen Leute – das ist ganz oft so. Umgekehrt wirkt der Teufelshörner-Effekt aber genauso: Besonders attraktiven Menschen wird gerne unterstellt, dafür dumm oder weniger kompetent zu sein (vgl. Blondinen). Zu viel Sexappeal schadet und führt wieder zu einer kognitiven Verzerrung und einem psychologischen Wahrnehmungsfehler.

Partnersuche

Denken Sie an Dating-Apps wie Tinder & Co. Hier entscheiden die Nutzer per Wischen, ob sie zu einem potenziellen Partner Kontakt aufnehmen wollen. Das sind meist Ad-Hoc-Entscheidungen aufgrund einzelner positiver oder negativer Merkmale. Was hierbei jedes Mal wirkt, ist nichts anderes als der Halo- beziehungsweise Horn-Effekt.

Kaufentscheidungen

Beispiel Bücher oder Lebensmittel. Es ist bekannt, dass viele Bücher nur aufgrund ihres Covers gekauft werden. Bei Lebensmitteln und deren Verpackungen ist es nicht anders: Im negativen Fall können bestimmte Zusätze oder Inhaltsstoffe auf dem Etikett (künstliche Aromen, nicht Bio, etc.) den entscheidenden Ausschlag geben, warum ein Produkt nicht gekauft wird, obwohl es ansonsten einwandfrei und günstig wäre.

Unpünktlichkeit

Noch ein Beispiel: Ein Kollege verspätet sich regelmäßig beim Meeting. Das ist zwar kein guter Stil, unhöflich und meistens unnötig. Dennoch fällt er damit negativ auf. Und im Falle des Horn-Effekts wird dem Kollegen mit der Zeit unterstellt, dass er oder sie auch sonst nichts auf die Reihe bekommt, unzuverlässig ist, schludrig, durcheinander, nicht belastbar, und so weiter. So wird aus wenigen missglückten Meetings ein fatales Image. Und das haftet ihnen länger an, als es den Betroffenen gerecht wird.

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Was kann ich gegen den Horn-Effekt tun?

Anhand der Horn-Effekt Beispiele merken Sie schon, wie mächtig der Horn-Effekt wirken und Ihre Entscheidungen und Bewertungen beeinflussen kann. Wie bleibend ist also ein erster schlechter Eindruck? Oder anders gefragt: Was lässt sich dagegen tun?

Erster Eindruck Horn Effekt Primacy Effekt Halo Effekt Recency Effekt

Zum Glück gibt es ein paar Optionen, wie sich der Horneffekt vermeiden lässt und Sie dem Überstrahlungseffekt weniger auf den Leim gehen. Hier ein paar Tipps dazu:

  • Bewusstsein schaffen

    Den ersten und wichtigsten Schritt haben Sie mit der Lektüre dieses Artikels bereits getan: Machen Sie sich den Wahrnehmungsfehler bewusst! Werden Sie aufmerksamer und versuchen Sie Pauschalurteile (vor allem die eigenen) kritischer zu hinterfragen. Oft merken Sie von deren Wirkung nichts, weil das Feedback fehlt. Das macht den Horneffekt so gefährlich: Oft basiert unser Denken oder unsere Menschenkenntnis auf einem Weltbild, das auf Annahmen und Vorurteilen basiert.

  • Urteile prüfen

    Der erste Eindruck ist prägend, ja (siehe auch Primacy-Effekt). Aber geben Sie Menschen trotzdem eine zweite Chance. Sie wissen: Ihr Urteilsvermögen ist hochgradig anfällig für Manipulationen – im Positiven wie Negativen. Lassen Sie also nicht zu, dass Schubladendenken Ihre Realität verzerrt. Das erste Image basiert auf wenigen Einzelmerkmalen – und haben mit dem Gesamtbild meist so wenig zu tun wie viele Krümel mit einem Kuchen.

  • Klatsch und Tratsch ausblenden

    Solange Sie sich kein fundiertes, eigenes Bild von einem Menschen gemacht haben, blenden Sie den Klatsch und Tratsch Dritter bitte aus. Das gilt erst recht, falls Sie bemerken, einen neuen Kontakt nur aufgrund von Gerüchten tendenziell negativ zu bewerten und jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Ein gutes Indiz für den Horn-Effekt ist beispielsweise, dass Sie jede Aussage Ihres Gegenübers sofort kritisch hinterfragen oder den Haken darin suchen.

  • Objektivität herstellen

    Wenn Sie das Gefühl haben, ihre Reaktion oder Beurteilung könnte voreingenommen oder subjektiv-emotional sein, dann arbeiten Sie bewusst dagegen, indem sie objektive Kriterien zu Rate ziehen. Im Bewerbungsprozess gibt es dafür zum Beispiel strukturierte Interviews. Diese sollen das Urteilsvermögen der Personaler durch gleichbleibende Fragen sowie neutrale und professionelle Auswahlkriterien verbessern.

Was den Horneffekt ebenfalls gefährlich macht, ist die unbewusste Selbsttäuschung und selektive Wahrnehmung darin. Um dem Effekt nicht auf den Leim zu gehen und bei sich zu vermeiden, hilft nur regelmäßige und selbstkritische Analyse und das Hinterfragen der eigenen Urteile – im Berufsleben wie im Privatleben.

Letztlich ist es Ihre Entscheidung, ob Sie Entscheidungen künftig objektiver treffen und Vorbehalte vermeiden wollen, sobald Sie neue Menschen kennenlernen oder Beziehungen anbahnen. Überdies können auch Sie selbst etwas tun, um nicht Opfer des Teufelshörner-Effekts zu werden: Betreiben Sie aktiv Selbstmarketing und überlassen Sie Ihr Image nicht dem Horn-Effekt oder Zufall. Nutzen Sie sein Gegenteil: Auch ein positiver Eindruck lässt sich bewusst prägen und damit manches Defizit überstrahlen…


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[Bildnachweis: FGC by Shutterstock.com]

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