Maluma-Takete-Effekt: Darum passt der Name nicht zur Person

Nomen est omen, wussten schon die alten Lateiner. Wir hören einen Namen und machen uns dazu unbewusst ein Bild. Jemand erlebt vermutlich gerade den Maluma-Takete-Effekt, wenn er den Eindruck hat, dass seine Vorstellungen nicht zu der Person beziehungsweise deren Namen passen, die er gerade kennenlernt. Dieses Phänomen, die Art und Weise, wie Namen und Wörter wirken, macht sich die Werbepsychologie zunutze. Was der Maluma-Takete-Effekt bedeutet und wie er wirkt…

Maluma-Takete-Effekt: Darum passt der Name nicht zur Person

Bedeutung von Anmutung und Maluma-Takete-Effekt

Um den Maluma-Takete-Effekt erklären zu können, muss kurz auf die Bedeutung des Begriffs „Anmutung“ zurückgegriffen werden. Anmutung ist ein komplexer Gefühlszustand, ein emotionaler Eindruck einer Person, der durch ein Objekt oder eine Situation ausgelöst wird.

Dieser Eindruck wird über die Sinneskanäle erreicht, beim Maluma-Takete-Effekt vor allem durch den auditiven beziehungsweise visuellen. Die Bezeichnung geht auf den deutschen Psychologen Wolfgang Köhler zurück, der 1929 in mehreren Versuchen Teilnehmern Figuren – ähnlich wie in der obigen Abbildung – vorlegte und sie darum bat, ihnen das Wort Maluma oder Takete zuzuordnen.

Bei den beiden Wörtern Maluma und Takete handelt es sich um Kunstwörter ohne eine bestimmte Bedeutung. Dennoch zeigte sich eine überaus hohe Übereinstimmung der Probanden in ihrem Eindruck: 90 Prozent aller Teilnehmer waren der Meinung, dass Maluma die eher rundliche Figur bezeichnen würde, während Takete für die spitze Figur mit Ecken stünde.

Bouba und Kiki sind die neuen Maluma und Takete

Neunzig Jahre ist die Studie des Begründers der Gestaltpsychologie, Wolfgang Köhlers, alt. Diverse andere Studien bestätigen die Ergebnisse des Maluma-Takete-Effekts. So die Studie des indischen Neurowissenschaftlers V. S. Ramachandran und seines Kollegen Edward Hubbard.

2001 legten sie amerikanischen College-Studenten und Tamilsprechern in Indien zwei Maluma und Takete ähnlich gestaltete Figuren vor, denen die Namen Bouba und Kiki zugeordnet werden sollten. Hier waren die Ergebnisse noch deutlicher.

95 bis 98 Prozent aller Teilnehmer ordneten das eher rundliche Symbol dem Wort Bouba zu, während der Begriff Kiki bei den Probanden Assoziationen weckte, die mit spitzen und scharfen Ecken und Kanten einhergehen.

Beide Versuche ließen vermuten, dass über Sprachgrenzen und sogar über Sprachfamilien (Deutsch und Englisch als germanische Sprachen, Tamil als dravidische Sprache) hinweg ein Gespür dafür existiert, wie Sprache und Formen miteinander korrelieren.

Die Arbeiten anderer Wissenschaftler wie etwa der kanadischen Forscherin Daphne Maurer zeigen, dass sich selbst bei kleinen Kindern von zweieinhalb Jahren der Maluma-Takete-Effekt nachweisen lässt. Unerheblich ist für die Wirkung außerdem, ob es sich um Kunstwörter oder um real existierende Vornamen handelt.

Neben den visuellen Merkmalen wie rund oder spitz werden den Wörtern beziehungsweise Namen dann Eigenschaften zugeordnet. „Rund“ könnte demnach für…

  • gemütlich,
  • unbeschwert,
  • freundlich

stehen. „Spitz“ hingegen würde für

  • scharf(züngig),
  • hart,
  • abweisend

stehen. Dies führt zu der Überlegung, dass Sprache sich nicht völlig zufällig entwickelt; Ramachandran und Hubbard stellen die These auf, dass das Formen des Mundes bei der Wortbildung eine Rolle spielt: Bouba wird mit rundem Mund gesprochen – wie Maluma.

Bei Kiki und Takete hingegen wird der Mund eckig und gestrafft geöffnet. Dazu kommt, dass bei diesen beiden Wörtern die koronalen (d) beziehungsweise dorsalen (k) Konsonanten härter klingen als etwa die Labiale l und m.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Maluma-Takete-Effekt Confirmation BiasKeine Regel ohne Ausnahme: Wenngleich zahlreiche Studien mit verschiedenen Muttersprachlern die oben gemachten Beobachtungen bestätigen, gibt es auch abweichende Ergebnisse. So etwa die 2017 veröffentlichte Studie der Sprachpsychologin Suzy J. Styles und der Sprachwissenschaftlerin Lauren Gawne.

Zum einen stellen sie fest, dass vorherige Studien für den Maluma-Takete-Effekt im Wesentlichen auf das originale Wortpaar Maluma-Takete oder die Variante Bouba-Kiki zurückgreifen. Zum anderen tauchen so leicht zu unterscheidende Laute wie diese Beispiele nicht in allen Sprachen auf.

Bouba, Kiki und Takete können für Studien mit japanischen Sprechern verwendet werden – Maluma hingegen führe zu Problemen, da der Konsonant l nicht existiert. Diese Besonderheiten führen ebenfalls zu anderen Testergebnissen beispielsweise bei Versuchen mit Personen, die Syuba (Sprache in Südostasien) sprechen.

Diese Teilnehmer zeigen keine bestimmte Neigung, die Worte Kiki und Bubu vorzugsweise spitzen beziehungsweise runden Formen zuzuweisen. Es scheint also, als seien in der Vergangenheit vornehmlich geeignete Wortschöpfungen in weit verbreiteten Sprachen untersucht worden, so dass im Wesentlichen die erwünschten Ergebnisse bestätigt wurden.

Maluma-Takete-Effekt im Alltag

Was bedeutet der Maluma-Takete-Effekt im Alltag – noch genauer: im Arbeitsalltag? Wie bereits angesprochen, geht der Klang von Wörtern und Vornamen einher mit bestimmten Vorstellungen. Wir können fast nicht anders, Schubladendenken wird uns biologisch in die Wiege gelegt.

Schubladen vereinfachen uns das Leben, ermöglichen – dramatisch gesprochen – die Einteilung in Freund und Feind. Die ist aber im (Arbeits-)Alltag gar nicht so wichtig, schließlich werden wir heutzutage weder von feindlichen Nachbarstämmen noch von unbekannten Lebewesen bedroht.

Allerdings kann der Maluma-Takete-Effekt dazu beitragen, dass wir Menschen entweder sympathisch finden oder negativ beurteilen.

Klingt ein Vorname also harmonisch und passend für eine Person, stehen die Chancen gleich zu Beginn gut, dass Sie ihr offen begegnen. Stellt der neue Kollege sich aber mit einem Namen vor, den Sie als völlig unpassend empfinden, erschwert das zugleich die Beziehung.

Angesichts eines größeren Anteils der Bevölkerung mit Migrationshintergrund als noch vor 90 Jahren ist es nicht unwahrscheinlich, immer mal wieder Bekanntschaft mit Vornamen zu machen, die hierzulande unbekannt sind. Auch die Leidenschaft einiger Eltern, ihren Kindern möglichst ungewöhnliche und kreative Vornamen zu verpassen, führen zu einem ähnlichen Effekt.

Für Unternehmen und besonders Personaler ist daher wichtig, den Maluma-Takete-Effekt im Hinterkopf zu behalten. Denn natürlich sagen exotische oder ungewohnt klingende Namen erst einmal gar nichts über den Bewerber und seine Fähigkeiten aus.

[Bildnachweis: by Shutterstock.com]
20. August 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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