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Moses Illusion: So fies funktionieren Trickfragen!

Wie viele Tiere jeder Art nahm Moses mit auf die Arche? Wenn Sie spontan „zwei“ antworten, sind Sie schon auf die Moses Illusion hereingefallen! Der biblische Arche-Kapitän war Noah, nicht Moses! Das Phänomen der Moses Illusion zeigt regelmäßig, warum wir Trickfragen auf den Leim gehen oder uns Namen so schwer merken können. Einfach erklärt: Was genau dahinter steckt…



Moses Illusion: So fies funktionieren Trickfragen!

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Definition: Was ist die Moses Illusion?

Die Moses Illusion beschreibt das Phänomen, dass wir beim Lesen oder Hören kleine Unstimmigkeiten nicht wahrnehmen. Das Gehirn überprüft und verarbeitet Informationen nur oberflächlich. Dadurch werden Ähnlichkeiten übersehen – und wir selbst lassen uns leicht austricksen. Zum Beispiel durch Trickfragen im Quiz oder Vorstellungsgespräch.

Entdeckt wurde das Phänomen der Moses Illusion 1981 von T.D. Erickson und M.E. Mattson und im „Journal of Verbal Learning and Verbal Behavior“ erstmals erwähnt. Damals ging es um Vornamen. Die Erkenntnis der Autoren: Namen, die ähnlich klingen, verwechseln wir leichter.

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Moses Illusion Beispiele

Hier sind ein paar typische Test- und Trickfragen, die mit der Moses Illusion spielen. Ganz ehrlich: Hätten Sie die Fehler auf Anhieb bemerkt?

  1. Was entdeckte Thomas Edison, als er einen Drachen bei Gewitter fliegen ließ?
    (Es war Benjamin Franklin, der dadurch der Elektrizität auf die Spur kam.)
  2. Wie heißt der mexikanische Dip, der aus zerstampften Artischocken gemacht wird?
    („Guacamole“ wird aus Avocados gemacht.)
  3. Wer fand den Schuh, den Schneewittchen beim Ball verlor?
    (Es war der Schuh von Aschenputtel, den der Prinz auf der Treppe fand.)
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Wie funktioniert die Moses Illusion?

Die Moses Illusion basiert genau genommen auf einem Vorteil unseres Gehirns. Dadurch, dass wir nicht jedes einzelne Wort bis ins Detail prüfen, verarbeiten wir Informationen schneller. Die oberflächliche Verarbeitung erlaubt uns, schneller Lösungen zu finden, Schlüsse zu ziehen oder Entscheidungen zu treffen. Kurz: Das Gehirn arbeitet effektiver – wird aber zugleich fehleranfälliger.

Je größer die semantische Ähnlichkeit von Namen, desto schwerer tun wir uns damit, die Moses Illusion zu entlarven. Im Beispiel von Moses und Noah sind beide Figuren des Alten Testaments, beide vollbringen Wunder und sind in Darstellungen meist alte weiße Männer mit Bart. Sogar die Namen sind verwechselbar, haben jeweils zwei Silben und einen ähnlichen Klang. Würde man „Moses“ durch „Adam“ ersetzen, schwindet der Effekt. Die Unterscheidbarkeit zwischen Noah und Adam ist größer: Mit Adam verbinden wir einen jungen Mann, der mit Eva im Paradies sitzt – keine Arche.

Trickfragen: Zum Verwechseln ähnlich

Auch sprachliche Feinheiten sind relevant. Es macht einen Unterschied, ob man sagt: „Moses nahm zwei Tiere jeder Art mit auf die Arche.“ Oder den Fokus auf die Person legt: „Da gab es jemanden namens Moses, der zwei Tiere mit auf die Arche nahm.“ – Auf Variante 1 fallen noch viele rein, Version 2 wird schneller entlarvt.

Bei einem anderen Experiment bekamen Teilnehmer die Frage gestellt: „In welchem Film spielt ____ eine Balletttänzerin, die langsam den Verstand verliert?“ Gemeint ist der Film „Black Swan“ mit Natalie Portman. Die Forscher füllten den freien Platz aber mit den Namen anderer Schauspielerinnen: Keira Knightley, die eine verblüffende Ähnlichkeit zu Portman hat; Amy Adams, die optisch überhaupt nichts mit Portman gemein hat und Maria Scharapowa, die als Tennis-Spielerin etwas ganz anderes macht. Ergebnis: Bei Keira Knightley irrten die meisten.

Grundsätzlich können Sie sich merken: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Fehler übersehen und auf die Moses Illusion hereinfallen, steigt, wenn ein Wort im Satz oder in einer Frage durch ein ähnliches, aber inkorrektes Wort ersetzt wird. Oder wenn die verwechselbaren Personen biographische und optische Ähnlichkeiten besitzen.

Fischgeruch gegen die Moses Illusion?

Fischgeruch steigert das Misstrauen und erhöht die Aufmerksamkeit für die Moses Illusion. Kein Witz! Belegt ist das durch eine Studie an der Universität von Michigan. Als die Forscher ihren Probanden ein Papier mit Trickfragen gaben, das dezent mit Fischöl getränkt war, fielen nur 60 Prozent auf die Moses Illusion herein – bei der Kontrollgruppe waren es 80 Prozent.


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Warum ist die Moses Illusion im Job relevant?

Namen sind Nachrichten! Das weiß jeder gute Journalist. Sie wirken aber auch auf unser Gegenüber. Geschickte Verkäufer bauen den Namen ihres Gegenübers immer wieder in ihre Sätze ein. Das schmeichelt und baut Vertrauen wie Sympathien auf.

Auch die Hollywood-Diva Joan Crawford verriet ihrer Biografin eines ihrer Erfolgsrezepte: „Es erschien mir richtig, sich an alle Namen zu erinnern. Ich merkte, wie viel es den Leuten im Studio bedeutete – der Crew, jedem, sogar den Fans. Ich sah, wie glücklich sie das machte.“

Ein gutes Namensgedächtnis bringt zahlreiche Vorteile im Job – im Meeting, beim Netzwerken oder Namedropping. Christian oder Christoph, Sophie oder Sylvie – wer sich erfolgreich gegen die Moses Illusion stemmt, sammelt zahlreiche Pluspunkte. Sogar im Bewerbungsgespräch!

Namen besser merken: 3 Tipps

Wer ohne zu Zögern den Namen seines Gesprächspartners erinnert, gewinnt dessen Respekt und wird sympathisch. Deshalb zum Abschluss drei einfache Tipps, wie Sie sich einfacher Namen merken:

  • Aussprechen
    Sprechen Sie den Namen Ihrer neuen Bekanntschaft laut aus, sobald sie sich Ihnen vorgestellt hat. Etwa so: „Schön Sie kennenzulernen, Frau Beispiel!“
  • Aufschreiben
    Schreiben Sie den neu gelernten Namen mehrmals auf ein Blatt Papier – zum Beispiel bei einem Telefongespräch. Oder tippen Sie ihn in Ihr Smartphone. Geschriebenes merken wir uns besser.
  • Eselsbrücke bauen
    Eselsbrücken und Assoziationen helfen ebenfalls, Namen zu erinnern. Den grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck können sie sich auch mit einem Habicht-Kopf vorstellen. Das Bild kriegen Sie so schnell nicht mehr aus dem Kopf!

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[Bildnachweis: artmig by Shutterstock.com]