Visuelles Gedächtnis verbessern: 5 Tipps

Jeder Einzelne von uns hat unterschiedliche Gedächtnisarten: das akustische, visuelle und motorische Gedächtnis. Es kann kurzfristig oder langfristig, sensorisch oder mechanisch sein. Dabei nimmt das visuelle Gedächtnis einen besonderen Platz ein, weil es andere Fähigkeiten am meisten fördert: Deduktion, Induktion, Koordination und Vieles mehr. Auch wenn Sie heute vielleicht über kein gutes visuelles Gedächtnis verfügen, lässt es sich verbessern – etwa mit den folgenden fünf Tipps…

Visuelles Gedächtnis verbessern: 5 Tipps

Visuelles Gedächtnis: Das Apple-Experiment

Unser Gedächtnis hilft uns, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden. Durch die Erinnerungen können wir uns entwickeln und nach vorne bewegen, und wir sind wir in der Lage, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

Drei Wissenschaftler aus Kalifornien, Adam B. Blake, Meenely Nazarian und Alan D. Castel, haben im Laufe ihrer Untersuchungen häufig beobachtet, dass Menschen einige Details in ihrer Umgebung vergessen, die sie jeden Tag sehen – sie können sich zum Beispiel nicht daran erinnern, wo der Feuerlöscher hängt, und sie können Verkehrszeichen nicht aus dem Gedächtnis fehlerfrei nachzeichnen.

Im Rahmen ihrer Forschungen haben sie ein Experiment durchgeführt und 85 Probanden gebeten, das Logo von Apple nachzuzeichnen.

Von diesen Versuchspersonen nutzten 52 ausschließlich Apple-Geräte, 23 von ihnen nutzten auch andere Marken und 10 der Probanden hatten keine Apple-Produkte. Alle 85 Probanden wurden einzeln in einen Raum geleitet und gebeten, das Apple-Logo auf einem weißen Blatt Papier zu zeichnen.

Klingt leicht? Da irren Sie sich…

Nur einer der Probanden konnte das Logo fehlerfrei wiedergeben, drei weitere mit einer minimalen Fehlerquote (maximal drei).

Die Ursache für dieses Ergebnis sahen die Wissenschaftler in der logischen Überlegung, die mit dem Bild eines Apfels entsteht: Wenn der Apfel ein Blatt hat, dann muss es auch einen Stiel haben – die Probanden haben also versucht, sich an die Form eines Apfels und nicht an die des Logos zu erinnern.

Falls Sie Lust haben können Sie hier auch gleich einen kleinen (aber etwas anderen) Selbsttest machen: Welches der abgebildeten Symbole ist das echte Apple-Logo?

Apple-Logo-Test

Die Lösung verraten wir am Ende des Absatzes. Jetzt aber erst einmal wieder zurück zum Experiment:

In einem zweiten Durchlauf des Experiments baten die Wissenschaftler die Probanden schließlich, aus acht Darstellungen das richtige Apple-Logo auszuwählen (so wie Sie oben mit den sechs Abbildungen. Sieben Abbildungen wiesen kleine Veränderungen auf: Das abgebissene Stück war auf der falschen Seite, das Blatt wurde gespiegelt dargestellt oder die Vertiefung des Apfels unten hat gefehlt.

Auch hier überraschte das Ergebnis: Nur 47 Prozent der Probanden waren in der Lage, das richtige Logo zu benennen. Auch wenn die Menschen mit Apple-Produkten bei diesem Experiment besser abgeschnitten haben, fiel laut den Wissenschaftlern der Unterschied zu anderen Probanden nur minimal aus. Ihre Diagnose: visuelle Sklerose der modernen Gesellschaft.

(Die richtige Antwort in unserem obigen Test lautet übrigens „C“.)

Visuelles Gedächtnis verbessern – mit diesen 5 Tipps

Jede Gedächtnisart hat ihre eigenen Trainingsmethoden – das akustische Gedächtnis können Sie durch Musik oder Vorlesen trainieren, das motorische Gedächtnis verbessern Sie mit wiederholten Bewegungen und mit Sport. Und folgende Tipps und Methoden helfen, das visuelle Gedächtnis zu verbessern:

  1. Aufmerksamkeit

    Es gibt Menschen, die von Natur aus aufmerksam sind. In einer unbekannten Umgebung merken sie sich alles, was sie sehen und können die Einzelheiten leicht aus dem Gedächtnis wiedergeben. Diese Fähigkeit können Sie aber auch trainieren: Gehen Sie jeden Tag denselben Weg zur Arbeit, merken Sie sich alle sichtbaren Einzelheiten: die Häuser, die Zäune, die Bäume. Sind Sie bei der Arbeit angekommen, rufen Sie sich alle Elemente noch einmal vor dem inneren Auge ab, indem Sie den Weg im Geist erneut zurücklegen.

    Am nächsten Tag sollten Sie dann einen anderen Weg wählen – die Menge der Objekte vergrößert sich, das Training wird intensiver. Einen Level weiter merken Sie sich nicht nur die Farbe des Hauses oder die Etagenanzahl, sondern die Zahl der Fenster oder welche Schaukel auf dem Spielplatz hängt. Gehen Sie den Weg auch rückwärts durch, und erinnern Sie sich an alle Details. Mit dieser Übung eignen Sie sich nicht nur ein gutes visuelles Gedächtnis an, sondern werden mit der Zeit automatisch aufmerksamer.

  2. Assoziationen

    Das assoziative Denken liegt vor allem Menschen mit künstlerischen Fähigkeiten. Diese Eigenschaft haben sie sich schon früh in der Kindheit angeeignet – zum Beispiel, indem sie in einem einfachen Stuhl einen Pilotensitz oder einen Thron gesehen haben. Mit dem Alter verlieren die Meisten diese Fähigkeit – viele Erwachsenen besitzen nicht mehr diese kindliche Phantasie.

    Zugunsten des visuellen Gedächtnisses sollten Sie sich die Fähigkeit der Assoziation aber wieder aneignen. So können Sie zum Beispiel die Straßen auf einer Landkarte mit einer Schlange oder einem Band vergleichen. Die Legende und die Symbole sollten Sie mit einer bestimmten Bedeutung assoziieren – Sie müssen diese Elemente nur mit einer Bedeutung füllen, die allein für Sie verständlich ist.

    Telefonnummern, Daten und andere Zahlenreihen können Sie sich ebenso leicht merken, indem Sie jeder Nummer ein Ereignis ihres Lebens zuordnen – der Geburtstag, der erste Schultag, der Hochzeitstag, die Geburt des Kindes und so weiter.

  3. Fotografisches Gedächtnis

    Eignen Sie sich diese Fähigkeit an, werden Sie in der Lage sein, sich ganze Texte zu merken. Fangen Sie das Training mit zwei bis drei Worten an, die Sie sich auf einen Blick merken: Schnappen Sie diese im Text auf, machen Sie die Augen zu und stellen Sie sich diese Worte vor. Haben Sie diesen Schritt gemeistert, sollten Sie mit ganzen Sätzen und mit Absätzen weitermachen. Einige Menschen können so ganze Texte im Gedächtnis aufrufen – dies ist aber nur durch systematisches und tägliches Training möglich.

    Die Fähigkeit können auch an Bildern oder an Gegenständen üben: Betrachten Sie ein Bild zehn Sekunden lang und stellen Sie sich die Einzelheiten nach zwei Minuten wieder vor. Am Anfang werden Sie sich nur an wenige Details erinnern, mit der Zeit werden es aber immer mehr. So können Sie auch mit Gegenständen verfahren: Nehmen Sie Dinge aus einer Kiste und stellen Sie diese auf den Tisch. Breiten Sie eine Decke darüber aus und versuchen Sie sich nach zehn Minuten an die Gegenstände zu erinnern. Fangen Sie langsam mit fünf bis zehn Dingen an und vergrößern Sie mir der Zeit die Anzahl.

  4. Loci-Methode

    Mit dieser Methode können Sie Informationen strukturieren und sie sich damit besser merken. Das geht so: Verteilen Sie gedanklich Gegenstände, mit denen Sie Informationen oder Inhalte verbinden, im Raum (zum Beispiel im eigenen Zimmer) – achten Sie dabei auf eine strenge Reihenfolge. Um sich die nötige Information wieder ins Gedächtnis zu rufen, müssen Sie sich nur an diesen Raum erinnern und den ursprünglichen Weg erneut durchgehen.

    Cicero, der berühmte römische Orator, hat diese Methode vor seinen Auftritten genutzt: Er ging in seinem Haus umher und stellte die wichtigsten Momente seiner Rede an seinen Lieblingsecken ab. Beim Halten seiner Rede lief er diesen Weg erneut entlang und erinnerte sich so an alle Schlüsselmomente und -texte. Sie können auch das gesamte Haus oder eine Straße als Lagerort der Gedanken nutzen. Wichtig ist lediglich, dass Sie die Gegenstände mit der entsprechenden Information in Verbindung bringen und eine Reihenfolge beachten.

  5. Visuelle Mnemotechniken

    Der Begriff Mnemotechnik bezeichnet eine ganze Sammlung von Übungen, mit denen Sie das Gedächtnis trainieren können. Dafür sollten Sie die Information auf eine bestimmte Weise lagern.

    Fällt es Ihnen schwer, sich eine Telefonnummer aus zwölf Zahlen zu merken, fügen Sie Klammern und Bindestriche ein – so wird sie übersichtlicher und durch die Abwechslung in einer langen Zahlenreihe kann das Gehirn die Zahlen besser erkennen. Erinnern Sie sich bei der Telefonnummer auch an das Gesicht des Menschen, rufen Sie sich seine Eigenschaften in Erinnerung. Oder steigern Sie den Schwierigkeitsgrad, indem Sie sich die Nummer von Kunden oder Besuchern merken – Menschen, die Sie nur flüchtig kennen.

    Auch das Aufschreiben von Gedanken und Informationen ist eine visuelle Mnemotechnik. Schreiben Sie die Information auf, die Sie sich merken müssen – nicht umsonst mussten Sie in der Schule ganze Heftseiten beim Lernen von Vokabeln füllen. Indem Sie sich die Information notieren, fassen Sie diese in Worten zusammen und visualisieren sie – das Bild des Geschriebenen bleibt im Gedächtnis eben besser erhalten.

Das visuelle Gedächtnis kann sich auch auf natürliche Weise entwickeln – zum Beispiel bei Menschen, die sich im beruflichen Umfeld Gesichter merken müssen: Lehrer, Polizisten, Ärzte.

Aber auch, wenn Sie kein gutes visuelles Gedächtnis besitzen, gibt es Wege und Techniken, es zu trainieren. Indem Sie üben, werden Sie sich weiterentwickeln – Systematik und Regelmäßigkeit sind dabei die entscheidenden Faktoren.

[Bildnachweis: wowomnom by Shutterstock.com]
2. August 2016 Autor: Vera Moor

Vera Moor-Stepanov ist studierte Archäologin und wohnt in Bochum. In der Zeit von Juni bis August 2016 absolvierte sie ein Praktikum bei Karrierebibel.de.

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