Vortrag halten: Das öffentliche Sprechen vor Publikum gehört heute zu den wichtigsten Disziplinen im Job: Ob bei Kundenpräsentationen, Präsentationen vor der Geschäftsleitung, Stegreifreden im Meeting - Informationen interessant zu vermitteln, gehört zur Kommunikationskompetenz und nicht selten entscheidet es auch darüber, wie intelligent, kompetent und eloquent ein Mitarbeiter wirkt. So mancher Dampfplauderer hat sich so schon zur Beförderung geredet, mancher allerdings auch um Kopf und Karriere. Nicht jeder ist ein geborener Redner, doch die Kunst des freien Sprechens lässt sich lernen. Wie Sie einen Vortrag halten, der ebenso souverän wie sympathisch wirkt, zeigt die folgende Anleitung mit vielen Tipps...

Vortrag halten: Die wichtigsten Grundlagen und Regeln

Vortrag ist noch lange nicht gleich Vortrag, selbst wenn zwei Sprecher das gleiche Thema behandeln. Die Unterschiede hat wohl jeder schon einmal deutlich gespürt, ob bei Referaten in der Schule, Vorlesungen an der Uni oder Ansprachen im Job. Einigen Menschen wurde die Gabe des Sprechens vor Publikum scheinbar in die Wiege gelegt. Ohne Anstrengung fesseln sie die Zuhörer, sind charmant und informativ gleichermaßen.

Andere wirken während eines Vortrags unsicher, schaffen es nicht, das Publikum mitzunehmen und geraten zunehmend in Ratlosigkeit. Die Folge: Das Selbstbewusstsein erhält einen Schlag und geht in die Knie. Manchmal so sehr, dass in Zukunft eine veritable Vortrags-Phobie entsteht.

Um das zu verhindern, können Sie etwas unternehmen und lernen, wie Sie einen Vortrag halten, der Wissen vermittelt und gleichzeitig einen liebenswürdigen Eindruck hinterlässt.

Zunächst die wichtigsten Grundlagen. Manches davon kennen Sie vielleicht schon. Gut so! Wiederholungen sind wichtig, um besser zu werden. Denn auch das macht einen begeisternden Redner aus: Er hat das Prozedere so oft geübt und verinnerlicht, dass er einen souveränen Vortrag mit außergewöhnlichen Ideen zu etwas Besonderem machen kann, ohne sich aus dem Konzept zu bringen.

Daher: Diese 11 Regeln sollte jeder Vortrag erfüllen...

  1. Schaffen Sie einen interessanten Einstieg.

    Verdeutlichen Sie die Wichtigkeit Ihres Vortrages anhand einer Statistik, einer interessanten Frage oder eines Zitates. Sie können auch das Publikum zum Start direkt mit einbeziehen - etwa mit kleinen Umfragen. Weiter unten finden Sie noch weitere Tipps für einen interessanten Einstieg in Ihren Vortrag.


  2. Liefern Sie relevante Informationen.

    Der unterhaltsamste Vortrag ist wertlos, wenn die eigentliche Botschaft den Zuhörern egal ist. Beginnen Sie daher mit einem Hinweis darauf, welchen Nutzen Ihr Vortrag liefert: Löst er ein persönliches oder praktisches Problem; soll er motivieren, stellt er Untersuchungsergebnisse dar? Beschreiben Sie zunächst die Problemstellung, bevor Sie die Lösung erörtern – so schaffen Sie etwas Dramaturgie und Spannung.


  3. Benutzen Sie Anekdoten aus Ihrem Leben.

    Im besten Fall haben Sie eine oder zwei Geschichten parat, die das zu vermittelnde Thema perfekt untermalen. Das hat neben der tollen Veranschaulichung den Vorteil, dass Sie Ihre Storys lebensnah und ohne Ablesen vortragen können. Falls Sie kein eigenes Erlebnis anbringen können, machen Sie es wie die meisten Komiker und verbinden Sie das Thema mit etwas aus dem täglichen Leben.


  4. Vergessen Sie aufwändige Powerpoint-Folien

    Diese sind meist mit Informationsmassen vollkommen überladen. Ein guter Vortrag ist einfach gehalten, mit knapper Einleitung, informativem Hauptteil und knackigem Schluss. Fokussieren Sie sich auf ein Thema und streichen Sie unnötigen Wortschmuck. Reden sind eine wenig effektive Kommunikationsform – beim Zuhören wird nur wenig Information hängen bleiben. Also beschränken Sie sich aufs Nötigste.


  5. Lassen Sie Ihren Körper mitreden.

    Im wahrsten Sinne des Wortes: Die alten Weisheiten darüber, dass man etwa die Arme nicht vor dem Körper verschränken sollte, kennt man zur Genüge. Viel interessanter ist aber, wie man es stattdessen richtig macht: Beispielsweise hielt einer meiner Professoren Vorträge grundsätzlich mit einer Hand in der Tasche. Da er mit der anderen jedoch stets treffend gestikulierte, war dieser vermeintliche Lapsus überhaupt nicht relevant. Schluss also mit Standardvorgaben; fühlen Sie sich einfach wohl beim Gestikulieren. (Viele weitere Tipps und Informationen finden Sie in unserem ABC der Körpersprache als Gratis-PDF)


  6. Variieren Sie Sprachmelodie und Stimmeinsatz.

    Neben dem Üben der Inhalte und der Körpersprache ist die Stimme der wichtigste Spannungsfaktor: Je passgenauer Sie Aussagen durch die Stimmlage und Lautstärke untermauern, desto besser werden sich Zuhörer daran erinnern. Beispielsweise kommen erstaunliche Fakten noch erstaunlicher rüber, wenn Sie sich selbst auch nach dem tausendsten Vorlesen noch überrascht anhören. Die Variation der Stimmhöhe und Lautstärke verhindert zudem monotones und langweiliges Vortragen, das absolut einschläfernd wirkt.


  7. Streichen Sie Fachbegriffe.

    Komplizierte Ausdrücke, wissenschaftliches Gerede und unverständliches Fachchinesisch sollen zwar kompetent wirken, doch kommt dabei nicht automatisch jeder Zuhörer mit, wenn dieser nicht vom Fach ist. Verzichten Sie lieber auf einige Fachbegriffe und ersetzen Sie diese durch verständliche Erklärungen. Gerade bei längeren Vorträgen kann die eine oder andere umgangssprachliche Redewendung auch die Stimmung auflockern. Aber alles in Maßen: Sie sollen aus einem wissenschaftlichen Vortrag auch keine Stammtischpräsentation machen. Hier und da eine lockere Umschreibung in der Fachbegriff-Wüste wird Ihre Glaubwürdigkeit nicht pulverisieren.


  8. Setzen Sie Fixpunkte im Publikum.

    Augenkontakt ist wichtig, aber bei Nervosität schwieriger hinzubekommen als man denkt. Suchen Sie daher am besten einige freundliche Gesichter im Publikum heraus, die Sie öfters anschauen können. Gerade in größeren Sälen werden sich die umher sitzenden Zuschauer ebenfalls angeschaut fühlen. Aber starren Sie nicht allzu lange einzelne Personen an – das wirkt eher bedrohlich als freundlich.


  9. Üben Sie Ihre Rede im Vorfeld.

    Eigentlich selbstverständlich. Das oft empfohlene Üben vor dem Spiegel kann jedoch gerade bei Anfängern mehr verwirren als nutzen. Sprechen Sie lieber vor kleinem Publikum mit einem bis vier Zuschauern und versuchen Sie, Laute wie "äh" und "öhm" durch kurzes Schweigen zu ersetzen. Gleiches gilt für Füllworte wie "also", "eben" und "halt".


  10. Bleiben Sie locker.

    Freuen Sie sich auf Ihren Vortrag und genießen Sie das öffentliche Sprechen. Wenn Sie das Ganze nur als unnötige Qual ansehen, stehen Sie sich selbst im Weg und übertragen den Unmut auf das Publikum. Das wirkt kaum souverän. Verzweifeln Sie also nicht an einzelnen Fehlversuchen. Die gehören selbst bei Profis zum Repertoire. Nobody is perfect.


  11. Lächeln Sie während des Vortrags.

    Sie sind nervös, haben Angst, nicht ernst genommen oder falsch verstanden zu werden und haben einigen Druck, dass der Vortrag zum Erfolg werden muss. Kurz: Ihnen ist nicht wirklich nach lächeln zumute. Doch egal wie: Versuchen Sie, den Zuhörern mit einem Lächeln zu begegnen. Studien zeigen, dass Sprecher, die häufiger und länger lächeln, intelligenter wirken als dauerhaft ernste Mienen.

Was auch niemals fehlen darf: Eine gründliche Vorbereitung. Selbst der beste Sprecher gerät ins Schwimmen und wirkt unsicher, wenn er sich vorher nicht gut ins Thema eingearbeitet hat. Die wichtigsten Punkte zum Ablauf und Fragen, die Sie sich während der Vorbereitung stellen sollten, finden Sie in der folgenden Grafik:

Vortrag-halten-Vorbereitung-Ueben-Aufbau-Fragen

Vortrag halten: Achten Sie auf lebhafte Sprache!

Vortrag halten Tipp Aufbau SynonymHauptsachen gehören in Hauptsätze! Formulieren Sie also möglichst keine Relativ- und schon gar keine Schachtelsätze. Überzeugend wirken allein Hauptsätze mit nicht mehr als zehn Wörtern. Wie dieser.

Wiederholungen sind erlaubt, sie erhöhen sogar den Merkeffekt beim Zuhörer. Und betonen Sie beim Reden die Verben. Die meisten Redner legen das Gewicht auf Substantive. Falsch! Verben, insbesondere aktive, regen das Gehirn wesentlich stärker an und machen den Vortrag spannend. Mit Fachvokabeln und Fremdwörtern erreicht man das Gegenteil. Dasselbe gilt für überflüssige Animationen oder überfrachtete Grafiken.

Vortrag halten: 10 gelungene Einstiege

Ob Sie nun mit Powerpoint, Keynote oder frei reden – wie Sie Ihren Vortrag eröffnen und die Begrüßung gestalten, entscheidet oft schon, ob Ihnen Ihr Publikum auch den Rest des Vortrags gespannt zuhört – oder bereits nach den ersten Sekunden abschaltet. Und ein gekonnter, überraschender Auftakt ist gar nicht mal so schwer.

Der erste Eindruck kann dabei schneller entstehen, als Ihnen bewusst ist. Durchschnittlich dauert es nur sieben Sekunden, bis der Zuschauer ein erstes, aber vorentscheidendes Urteil fällt. Ein schlechter Eindruck in dieser Zeit, auch wenn eigentlich noch gar nichts gesagt wurde, und der Sprecher hat kaum noch eine Chance, das Bild zu korrigieren. Scheibenschneiden nennen Analysten dieses Phänomen: Das erste Stück abschneiden, probieren und schon ein abschließendes Urteil fällen.

Darum sind die erste Geste, der erste Schritt, das erste Lächeln, die erste Handbewegung und die Begrüßung bei einem Vortrag so enorm wichtig.

Für den gesprochenen Einstieg gibt es dabei unterschiedliche Möglichkeiten. Folgende Formen haben sich dabei in der Praxis bewährt:

  1. Interaktiv

    Beziehen Sie Ihr Publikum mit ein durch spontane Umfragen: "Wer von Ihnen ist heute mit der Bahn angereist?"


  2. Anregend

    Sie können Ihr Publikum aber auch selbst erst einmal über Ihr Thema sinnieren lassen, indem Sie eine rhetorische Frage, am besten aus der Metaebene stellen: "Was denken Sie, wie kann ein Redner dafür sorgen, dass ihm sein Publikum zuhört?"


  3. Visuell

    Zeigen Sie einen thematisch passenden Filmausschnitt per Beamer, spielen Sie ein kurzes Video ein (Achtung: Beides muss autorisiert sein!). Oder zeigen Sie emotionale Bilder, die Ihr Publikum einstimmen.


  4. Nachrichtlich

    Beginnen Sie mit den Ergebnissen einer aktuellen Studie oder (Branchen-)News: "Sie haben es heute gelesen: Die Konjunktur flaut ab..."


  5. Überraschend

    Sie können die Nachricht aber auch bewusst verfälschen und eine Falschaussage treffen, um eine Art Was-wäre-wenn-Szenario aufzubauen: "Die Statistik zeigt: In zehn Jahren ist Deutschland ein Greisenheim."


  6. Provokativ

    Überhöhen Sie Ihre Kernthese oder -aussage zum Extrem, das schafft Reibungsfläche, aber eben auch Aufmerksamkeit: "Wer nicht netzwerkt, findet keinen Job."


  7. Vergleichend

    Analogien, Parabeln, Gleichnisse – Geschichten hört jeder gerne: "Vorträge sind wie Stau: Man würde gerne abkürzen, kommt aber nicht raus."


  8. Persönlich

    Apropos Geschichten: Erzählen Sie eine eigene, eine Anekdote aus ihrem Leben: "Sie werden nicht glauben, was mir gerade im Hotel passiert ist..."


  9. Humorvoll

    Starten Sie zur Auflockerung mit einem Witz, idealerweise mit einem, der zum Thema passt: "Man kann über alles reden, nur nicht über eine halbe Stunde."


  10. Klassisch

    Eröffnen Sie den Vortrag mit einem gewichtigen (oder humorvollen) Zitat: "Bevor ich mit der Rede beginne, habe ich etwas wichtiges zu sagen."

Vortrag halten: Überzeugen, ohne etwas zu sagen

Vortrag halten Begrüßung Einstieg TippWie überzeugt man ein Publikum, bevor auch nur ein einziges Wort gesprochen wurde? Indem man mit einem Trick das Unterbewusstsein ein wenig manipuliert und die Wahrnehmung beeinflusst. Klingt furchbar kompliziert, ist in der Umsetzung aber erstaunlich einfach.

Sie benötigen lediglich ein Bild, dass Sie vor dem Beginn Ihres Vortrags per Beamer an die Wand projizieren. Das kann eine erste Folie Ihrer Präsentation sein, noch subtiler funktioniert es über das Wallpaper auf Ihrem Computer.

Dieses Bild wird von den Zuhörern meist nur unbewusst wahrgenommen - verfehlt seine Wirkung dabei aber nicht. Wer etwa nachdenkliche Menschen sieht, ist anschließend selbst analytischer. Sportler auf der anderen Seite sorgen für größere Motivation und gesteigerten Fokus auf das Ergebnis.

Wollen Sie Ihr Publikum bereits im Vorfeld in eine bestimmte Stimmung versetzen, können Sie mit diesem Trick eine Atmosphäre schaffen, die Ihren Vortrag unterstützt.

Vortrag halten: So machen Sie Ihren Vortrag persönlicher

Vortrag halten Schüler Tipps Synonym persönlich gestaltenFakten und Informationen sind ein wichtiger Teil jedes Vortrags, doch decken sie nur einen Teil der Gesamtgestaltung ab. Wer nur mit Daten und Wissen um sich wirft, bringt zwar die wichtigsten Erkenntnisse rüber, schafft es aber nicht, sein Publikum zu begeistern und den Vortrag angenehm zu gestalten.

Was es dafür braucht, ist Ihre Persönlichkeit. Zuhörer wollen wissen, wem sie da die ganze Zeit lauschen und ihre Aufmerksamkeit schenken. Je mehr Sie von sich selbst einbringen, desto länger bleibt das Gesagte im Kopf und desto mehr Spaß wird Ihr Publikum während des Vortrags haben.

Mit freundlichem Lächeln und einigen persönlichen Geschichten sind Sie bereits auf einem guten Weg. Wie Sie Ihren Vortrag noch persönlicher machen? Mit den folgenden Tipps zum Beispiel:

  1. Vertreten Sie Ihre eigene Meinung.

    Zahlen, Daten, Fakten zusammensammeln, kann doch jeder. Interessant wird es allerdings erst, für die Zuhörer und für Sie, wenn Sie dem Thema durch Ihre eigenen Gedanken Leben einhauchen und das Publikum eine Idee bekommt, wie Sie die Dinge bewerten und einordnen. Neutral ist die Schweiz, Sie hingegen halten einen Vortrag und dürfen eine Meinung haben.

    Arbeiten Sie Ihren eigenen Standpunkt heraus, auch wenn der womöglich nicht jedem schmeckt. Lassen Sie sich nicht von der Angst bremsen, irgendwo anzuecken. Sie können es nie jedem recht machen.


  2. Stellen Sie eine Verbindung zum Publikum her.

    Sie müssen bei einem Vortrag nicht nur den Alleinunterhalter geben. Treten Sie in Kontakt mit den Zuhörern und lassen Sie diese teilhaben. Das beginnt mit Blickkontakt als Signal: Ja, ich nehme Euch wahr und habe Interesse an Euch!

    Noch wichtiger ist die direkte Ansprache und der Austausch mit dem Publikum. Sprechen Sie nicht einfach drauf los, sondern reden Sie mit ihrem Publikum. Trauen Sie sich ruhig, Personen direkt anzusprechen, Fragen zu stellen und in Ihren Vortrag einzubinden.


  3. Zeigen Sie Emotionen.

    Pokerface und bloß nichts anmerken lassen? Viele Referenten neigen dazu – oft als Schutzschild, allerdings immer unnahbar und damit für das Publikum schwer zu greifen. Viel besser ist Authentizität und dazu gehören entsprechende Emotionen, die menschlich machen. Persönlichkeit zeigen, statt eine Maske aufsetzen.

    Es mag ungewohnt sein, aber zeigen Sie, was in Ihnen vorgeht. Lachen, wütend sein, Bestürzung zeigen - all das macht einen Vortrag zu Ihrem Vortrag. Emotionen bleiben besser im Gedächtnis und machen Ihren Vortrag glaubhaft.

Extra Tipp für den Vortrag: Erst reden, dann schreiben

Vortrag halten Schüler Synonym Tipp AblesenJe größer die Unsicherheit in einem Vortrag, desto mehr klammert der Sprecher sich an seinen Notizen fest und schafft es kaum noch, den Blick zu heben. Für den Zuhörer ist es dann meist kein Vergnügen mehr. Ganz besonders unangenehm wird es aber vor allem dann, wenn aus dem freien Sprechen eine Vorlesestunde wird.

Daher gilt in jedem Fall: Niemals, niemals, niemals dürfen Sie Folien oder Flipchartblätter einfach nur ablesen.

  • Erstens beleidigt das die Intelligenz der Zuhörer (die können selber lesen).
  • Zweitens hört Ihnen dann sowieso keiner mehr zu, sondern liest erst einmal.

Sie müssen nicht auf Unterstützung in Textform verzichten und entsprechende Folien können zum besseren Verständnis beitragen. Die Reihenfolge der Präsentation macht den Unterschied. Erst reden, dann zeigen. Soll heißen: Die Punkte und Argumente zuerst verbal erarbeiten, bevor Sie diese dann einblenden oder aufzeichnen.

Tipps für Vorträge vor twitterndem Publikum

Vor einigen Jahren wäre dieser Aspekt noch nicht der Rede wert gewesen, doch in der heutigen Zeit ist es ein wichtiges Thema: Je größer das Publikum eines Vortrags, desto häufiger und schneller wird das Gesagte im Internet geteilt und verbreitet. Messen und Events werden von Twitter dominiert. Kaum ein Vortrag, der nicht per Tweet und Hashtag ein digitales Echo bekäme.

Das bedeutet zugleich, dass Sie als Vortragender damit rechnen müssen, dass alles, was Sie sagen und zeigen, danach bewertet wird, ob es mit-teilbar ist. Manche Menschen im Publikum warten geradezu auf die erste twitterbare Pointe.

Stell dir vor, es ist Vortrag und keiner guckt zu. Das ist die Extremform, in der das, was auf der Bühne geschieht, zur Nebensache wird. Stattdessen schaue alle nur gebannt aufs Display, den sogenannten Second Screen, und die Live-Kommentare der Sitznachbarn.

Das birgt zugleich Gefahren und Herausforderungen:

  • Sätze, die aus dem Zusammenhang gerissen und getwittert werden, können verkürzt und so falsch wiedergegeben oder missverstanden werden. Trotzdem sieht es erst einmal so aus, als hätten Sie das so gesagt.
  • Während des Vortrags haben Sie kaum eine Chance, darauf einzugehen oder Aussagen richtig zu stellen. Je nachdem kann also bereits eine lebhafte Diskussion im Publikum und an den Empfangsgeräten draußen entbrannt sein, noch bevor Sie Ihre letzte Folie auflegen und reagieren können.
  • Auch Fragen, die aufkommen, können Sie nur zeitversetzt beantworten. Es sei denn, es gibt so etwas wie eine Twitterwall. Die allerdings dann wieder zusätzliches Interaktions-Talent vom Redner verlangt.

Gleichzeitig bietet sich die große Chance, das Publikum und die Reichweite um ein Vielfaches zu steigern. Die folgenden Tipps können helfen dieses Potenzial auszunutzen:

  1. Twitterbare Sätze verwenden

    Bauen Sie in Ihren Vortrag gezielt Folien ein, auf denen nicht mehr als ein twitterbarer Satz steht - plus Ihr Twittername als Absender. Beispiel: Pointen auf Folien mit nicht mehr als 120 Zeichen - so geht multimediales Präsentieren heute. (@karrierebibel]. Der Trick ist, hierbei nicht die vollen 140 Zeichen auf Twitter auszureizen, sondern den Zuhörern Platz für Hashtags und einen kurzen Kommentar zu lassen.


  2. Pointierte Bilder einbauen

    Rechnen Sie damit, dass Ihr Publikum heute Teile des Vortrags mitfilmt oder einzelne Folien fotografiert und anschließend auf sozialen Netzwerken teilt - vornehmlich auf Twitter und Facebook oder auch Youtube. Das lässt sich allerdings auch provozieren - indem Sie besonders provokante Bilder, Kuriositäten oder Pointen in eine Folie packen.


  3. Profildaten einbauen

    Sorgen Sie dafür, dass zumindest Ihr Hauptprofil auf jeder Folie sichtbar ist, beispielsweise als Link-Adresse oder als Profil-Alias (@karrierebibel). So werden auch Menschen auf Sie aufmerksam, die die Bilder noch lange nach Ihrem Vortrag im Netz finden oder dem twitternden Zuhörer folgen.


  4. Bildrechte und -hinweise nicht vergessen

    Gerade wenn Sie mit Fotos und Bildern in Ihrem Vortrag arbeiten, die nicht von Ihnen sind, sollten Sie auf die Folien unbedingt auch einen Bildnachweis einfügen - nicht erst am Ende des Vortrags in einer Art Schlussfolie. So gehen Sie sicher, dass wenn einzelne Foto-Kopien (im Wortsinn) Ihrer Folien im Netz geteilt werden, auch die Bildrechte geklärt sind. Es kann natürlich auch sein, dass Zuhörer Fotos von Ihnen oder Ihrer Keynote machen, die Sie gerne hinterher verwenden möchten. Auch hier sollten Sie vorher die Rechte klären und fragen, ob Sie das dürfen. Die meisten sagen natürlich "Ja", fragen sollten Sie dennoch.


  5. Zuhörerfragen beantworten

    Es kann gut sein, dass Zuschauer Ihnen noch während des Vortrags Fragen schicken - etwa an Ihr Twitter-Profil. Diese sollten Sie hinterher beantworten oder sich für Komplimente und Lob bedanken. Nicht nur, weil das guter Stil ist. Sie erweitern so meist auch Ihr Netzwerk.

Interaktiver Vortrag: Wie Redner ihr Publikum einbeziehen können

Ein Vortrag muss immer auch unterhaltsam sein, dann bleibt er bei den Zuhörern besser haften, man erinnert sich so aber auch lieber an den Redner.

Eine Möglichkeit dazu ist, Anekdoten zu erzählen. Das hat neben der persönlichen Veranschaulichung den Vorteil, dass Sie Ihre Storys lebensnah und ohne Ablesen vortragen können. Falls Sie kein eigenes Erlebnis anbringen können, machen Sie es wie die meisten Komiker und verbinden Sie das Thema mit etwas aus dem täglichen Leben.

Dabei bleibt das Publikum jedoch immer noch passiv. Indem Sie aber ein paar interaktive Elemente einbauen, verhindern Sie einerseits Langeweile und erhöhen zugleich das Engagement – denn so wird jeder selbst zum Teil der Präsentation.

Diese 5 Stilmittel verwenden Profi-Redner regelmäßig:

  1. Die bewährteste Form ist, Fragen zu stellen - als kurze Meinungsumfrage (Wie würden Sie entscheiden?), als Quiz (Richtig oder falsch?) oder Zielgruppenanalyse (Sind heute Manager unter uns?). Stellen Sie aber bitte unbedingt kurze und kompakte Fragen: Nie mehr als zwei Sätze.
  2. Stellen Sie provokante oder ungewöhnliche Fragen, aber niemals ähnliche. Ausnahme: Sie fragen ganz bewusst am Anfang und am Ende des Vortrags dasselbe, um einen Sinneswandel im Publikum zu dokumentieren.
  3. Veranstalten Sie ein Blitz-Brainstorming: Lassen Sie die Leute selbst über Ihr Thema sinnieren, indem Sie eine rhetorische Meta-Frage stellen, etwa: "Wie, denken Sie, kann ein Redner dafür sorgen, dass ihm sein Publikum aufmerksam zuhört?"
  4. Sie können das Publikum selbst Fragen stellen lassen. Aber Achtung: Klugschwätzer und Querulanten können jede Dramaturgie zerstören. Wer das Mikrofon freigibt, sollte deshalb vorher überlegen, wie er auf solche Typen reagiert. Grundregel: Immer höflich und souverän bleiben. Und sollte es keine Mikrofone für das Publikum geben, wiederholen Sie bitte die Statements oder Fragen aus dem Raum. Nichts ist nerviger als eine Diskussion, die der Rest des Saals nicht mitverfolgen kann.
  5. Niemals versuchen, gegen eine plaudernde Masse anzureden. Besser: Pausieren, bis alle still sind. Auch gut: etwas Rätselhaftes auf das Flipchart malen. Das macht die Leute neugierig und sie werden schneller still.

Bei all diesen Tipps gilt natürlich: Überstrapazieren Sie keines dieser Stilmittel. Mehr als drei interaktive Elemente pro Vortrag sollte es nicht geben.

[Bildnachweis: Matej Kastelic, l i g h t p o e t by Shutterstock.com]

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