Blackout überwinden: 7 Tipps gegen Aussetzer

Und dann ist er da: der gefürchtete Blackout. Mitten in der Prüfung, kurz vor der Rede oder beim Rendezvous mit einem wichtigen Menschen streikt das Gehirn. Die Oberstube fühlt sich an wie Watte, vor dem Kopf klebt ein dickes Brett, nichts geht mehr. Vielen ist das unangenehm und peinlich. Fehler! Denn der sicherste Weg zu einem Blackout ist die Angst davor. Tatsache ist: Meistens ist so ein Aussetzer nur halb so wild. Die gefühlte Ewigkeit ist keine, oft bleibt der Aussetzer sogar unbemerkt. Hauptsache, Sie lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Wie Sie Blackouts ganz leicht überwinden…

Blackout überwinden: 7 Tipps gegen Aussetzer

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Blackout Definition: Die Leere im Kopf

Der Begriff Blackout beschreibt das plötzliche und völlige Versagen der kognitiven Fähigkeiten. Der Redner verliert seinen roten Faden, dem Prüfling fällt nichts mehr ein, das Wissen ist wie weggeblasen. Ursprünglich stammt der Begriff aus dem Theater und beschrieb dort das schlagartige, komplette Abdunkeln der Scheinwerfer – meist am Ende einer Szene. Die Zuschauer sollten nichts mehr sehen und erkennen können. So steigerte sich die Dramatik und die Pointe und der Schlusssatz konnten besonders stark nachhallen.

Als Blackout wird ebenso der totale Stromausfall großer Stromnetze bezeichnet. Besonders populär wurde der Begriff mit dem großen Stromausfall 2003 in den USA und dem Stromausfall in Europa im November 2006. Darum geht es hier aber nicht. Hier geht es um den persönlichen geistigen Aussetzer und vorübergehenden Gedächtnisverlust, wenn sich der Kandidat in einer Prüfung oder Redner bei einer Rede partout an nichts mehr erinnern können.

Was sind die Auslöser für einen Blackout?

Auslöser für den temporären Filmriss sind fast immer:

Dabei entwickeln die Betroffenen im Vorfeld Schreckensszenarien, die sich immer wieder vor dem inneren Auge abspielen. Bis daraus ein regelrechter Katastrophenfilm entstanden ist. Ergebnis: Schockstarre. Und tritt der Blackout erst einmal ein, wirkt er meist selbstverstärkend. Dort wieder herauskommen und den Blackout überwinden – ein Ding der Unmöglichkeit? Fast.

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Blackout überwinden: Tipps gegen gefürchtete Aussetzer

Es gibt zahlreiche Tipps und Tricks gegen einen drohenden Blackout. Die einen verraten wie man vor und während einer Präsentation dieses Gespenst auf Abstand hält und den Tunnelblick verhindert. Dann gibt es Tipps, wie man ein Vorstellungsgespräch möglichst heil übersteht oder in der Prüfung einen klaren Kopf behält. Wieder andere helfen, einem brüllenden Chef mit möglichst viel Gelassenheit zu begegnen.

So speziell die Empfehlungen auch sein mögen, ein paar Gemeinsamkeiten haben sie alle. Das sind die besten Tipps gegen die gefürchteten Aussetzer:

  1. Kurz innehalten

    Sobald die Angst aufsteigt, hilft es, kurz „Stopp!“ zu denken. Klingt komisch, funktioniert aber. Danach nehmen Sie sich eine kurze Auszeit, um sich neu zu sortieren. Sie können auch bewusst eine Pause inszenieren und sich bewegen. Dass Sie auf der Leitung stehen, muss ja niemand wissen. Drei, vier Sekunden Sprechpause sind unkritisch. Gehen Sie ein Stückchen auf und ab. Das erhöht die Spannung und hilft Ihnen dabei, gedanklich wieder auf den rechten Pfad zurückzufinden. Vielleicht wandern Sie zu Ihrem Laptop und zurück und gucken dabei nachdenklich – nur keine Hektik!

  2. Aufmerksamkeit lenken

    Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf Ihre Umgebung und weg von sich selbst. Wenn Sie darüber nachdenken, wie Sie versagen oder beispielsweise in einem Assessement Center auf andere wirken, heizen Sie die Angstspirale nur noch mehr an. Auch wenn es schwerfällt: Imaginieren Sie etwas völlig anderes – etwa den Nachmittag nach der Prüfung und was Sie dann Schönes tun. Zu Not hilft auch, dass Sie an einen rosa Elefanten denken.

  3. Stress wegatmen

    Auch einfache Atemübungen helfen, den Blackout zu überwinden. Wer unter Angst leidet, atmet schnell und flach. Falsch! Darunter leidet die Sauerstoffversorgung des Gehirns. Steuern Sie bewusst dagegen: Atmen Sie tief und langsam. Vor allem in den Bauch. Dadurch werden die grauen Zellen optimal mit Sauerstoff versorgt. Gleichzeitig sorgt die langsame Atmung dafür, dass sich der Kreislauf beruhigt. Ideal ist die sogenannte Stern-Atem-Technik: Einatmen und bis 4 zählen, Luft anhalten und bis 5 zählen, Ausatmen und bis 6 zählen. Das ganze 5 Mal wiederholen. Wirkt!

  4. Muskeln entspannen

    Eine vergleichbare Methode ist die „progressive Muskelrelaxation“ nach Jacobson. Hierbei gilt es, einzelne Muskeln gezielt anzuspannen und dann wieder zu entspannen. Erst die Beine – Zehen, Ferse, Waden, Oberschenkel, Po –, dann die Arme – Finger, Unterarme, Oberarme, Schultern – und schließlich den Rücken, Hals, Gesicht, Mund, Stirn. Das Ganze wirkt zweifach: Durch die Konzentration auf ihren Körper werden Sie abgelenkt, der Wechsel von An- und Entspannung fährt die Produktion der Stresshormone herunter.

  5. Wiederholen und zusammenfassen

    Bei Vortrag oder Präsentation können Sie das Gesagte als Überbrückungshilfe auch kurz wiederholen und so wertvolle Sekunden gewinnen. Ihr Publikum wird denken, dass Sie den letzten Punkt nur betonen wollen. Sie selbst lösen dabei aber Ihre Blockade und den Blackout. Die anspruchsvollere Variante der Wiederholung ist die Zusammenfassung. Fassen Sie den bisherigen Vortrag in kurzen Stichpunkten zusammen. Indem sie die freie Rede rekapitulieren, finden die meisten den roten Faden wieder.

  6. Blackout zugeben

    Blöd, wenn Sie der Blackout ausgerechnet in einer mündlichen Prüfung oder im Bewerbungsgespräch überfällt. In dem Fall ist Ehrlichkeit die beste Waffe: Sagen Sie dem Prüfer oder Personaler, dass Sie gerade blockiert sind. Wenn er weiß, dass Sie feststecken, kann er Ihnen helfen – zum Beispiel mit einer anderen Frage. Die meisten Prüfer tun das ohne zu zögern, sofern sie von Ihrer Notlage wissen. Wenn Sie aber eisern schweigen, um sich keine Blöße zu geben, wird man eher Ihre Vorbereitung in Frage stellen.

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Genialer Tipp gegen Blackout: Wackeln mit den Zehen!

All die kognitiven Tipps und Tricks haben einen Nachteil: Das menschliche Gehirn versagt seinem Besitzer unter Stress nachhaltig den gewohnten Dienst. So kann es passieren, dass die vorher inhalierten Entspannungsübungen einem erst wieder einfallen, wenn man mit der Schamesröte im Gesicht wieder auf dem Flur steht. Nur ist es dann zu spät.

An dieser Stelle kommt der ultimative Tipp gegen Blackouts ins Spiel: Wackeln mit den Zehen! Kein Scherz. Die beiden dicken Zehen können Sie nie vergessen, und sie versagen auch bei Stress nicht. Zudem sind am weitesten von Ihrem Gehirn entfernt. Um sie bewusst und aktiv bewegen zu können, muss das Gehirn etwas von seiner geblockten Energie abzweigen. Das funktioniert aber nur, wenn Sie bewusst mit den Zehen wackeln.

Viele Menschen machen bei Aussetzern instinktiv das Richtige: Sie wackeln und wippeln mit den Füßen. Nur leider unbewusst. Das sieht dann weniger sourverän aus. Machen Sie das aber bewusst, tritt sofort Ruhe in der Oberstube ein. Denn nun muss der der Körper seine bewährten Stressmuster verlassen. Durch die Bewegung löst sich überdies die stressbedingte Starre in den Muskeln. Außerdem kann man das Zehenwackeln immer und überall machen – ohne, dass es wem auffallen würde (siehe Video):

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[Bildnachweis: Aleutie by Shutterstock.com]
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22. Januar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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