Assessment Center: Übungen, Vorbereitung, Tipps

Auf die Freude über die Einladung zum Assessment Center (oder kurz AC) folgt bei den meisten ein Moment der Nervosität und Panik. Ein Auswahlverfahren, das nur dafür konzipiert wurde, die Teilnehmer auf Herz und Nieren zu prüfen, versetzt schon beim Gedanken daran in eine Stresssituation. Hinzu kommt der große Stellenwert: Wer im Assessment Center besteht, ist seinem Traumjob ganz nahe – wer hingegen patzt, verspielt damit möglicherweise die große Chance. Und bei den verschiedenen Übungen im Assessment Center gibt es leider jede Menge Gelegenheiten, um daneben zu liegen. Hier erfahren Sie, was im Assessment Center auf Sie zu kommt und wie Sie sich vorbereiten, um die Übungen zu bestehen…

Assessment Center: Übungen, Vorbereitung, Tipps

Definition: Was genau ist ein Assessment Center?

Assessment Center Definition Übungen Vorbereitung TestDer Begriff „Assessment“ kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Bewertung“, „Einschätzung“ oder „Feststellung“. Beim Assessment Center handelt es sich um ein komplexes Auswahl- beziehungsweise Beurteilungsverfahren, mit dessen Hilfe die Eignung eines Kandidaten für eine bestimmte Position eingeschätzt wird.

Mittelständler nutzen sie vorrangig zur Personalauswahl, Konzerne unterstützen damit auch die Personalentwicklung. In den Zwanzigerjahren wählte das deutsche Militär mit solchen Tests seinen Offiziersnachwuchs aus. Mit dem Krieg gerieten die Übungen jedoch in Vergessenheit. Erst in den Fünfzigerjahren entdeckten sie US-Unternehmen neu. Das erste neue Assessment Center in Deutschland organisierte der US-Konzern IBM 1969.

Dieses Test-Verfahren wird entweder in Eigenregie vom Unternehmen selbst durchgeführt und entwickelt oder mit Unterstützung von externen Beratern. Die Beurteilung der Kandidaten kann einzeln oder in Gruppen durchgeführt werden. Unabhängig davon, ob das Verfahren mit Einzelpersonen oder Gruppen durchgeführt wird, ist ein Assessment Center eine Kombination aus verschiedenen Tests, Übungen, Plan- beziehungsweise Rollenspielen und Auswahlgesprächen.

Das Verfahren besteht aus mehreren Runden und kann bis zu drei Tage dauern. Zudem gibt es einige Begriffe, die von Arbeitgebern synonym zum Assessment Center verwendet werden. Ist beispielsweise von einem…

  • Bewerbertag
  • Auswahlseminar
  • mehrtägigen Auswahlverfahren
  • Bewerbertest oder
  • Testverfahren

die Rede, ist oftmals ein AC gemeint und Sie sollten sich entsprechend auf ein solches einstellen.

Die typischen Phasen im AC

Die Gestaltung und Durchführung eines Assessment Centers liegt grundsätzlich beim Unternehmen. Ein Auswahlverfahren kann somit individuell gestaltet und präzise an die Erwartungen und Bedürfnisse von Unternehmen angepasst werden. Dennoch orientieren sich die Abläufe dabei an einem wiederkehrenden Muster.

So sehen Assessment Center in der Regel aus…

Assessment Center Uebungen Vorbereitung Beispiele Ablauf Grafik

Für Sie ergibt sich daraus die Möglichkeit, sich gut auf die vor Ihnen liegenden Tage einzustellen und die verschiedenen Phasen im Assessment Center vorzubereiten. Bevor wir also genauer auf die jeweiligen Übungen eingehen, zeigen wir Ihnen zunächst, wie Sie sich auf das Auswahlverfahren vorbereiten können.

Assessment Center Vorbereitung: So bestehen Sie die Auswahl

Vorbereitung ist bekanntlich die halbe Miete – das gilt auch im Assessment Center. Zwar werden Sie nicht ohne Aufregung zum Termin erscheinen, doch gut vorbereitet werden Sie sich spürbar besser fühlen. Und noch wichtiger: Sie treten der Herausforderung nicht völlig ahnungslos gegenüber, wodurch Sie vor bösen Überraschungen geschützt sind.

Eine gute Vorbereitung wird dafür sorgen, dass Sie sich schneller an die Situation anpassen und sich wirklich auf die Aufgaben konzentrieren können, um Ihre Chancen auf ein erfolgreiches Abschneiden zu maximieren.

Neben der Vorbereitung auf die Aufgaben (dazu kommen wir im nächsten Abschnitt), gilt es auch das gesamte Drumherum des Assessment Centers vorzubereiten. Hier einige Anregungen:

  • Schauen Sie sich den Ablauf genau an.

    Mit dem Einladungsschreiben erhalten Sie zusätzlich Informationen zum Ablauf des Assessment Centers. Gehen Sie den Ablauf genau durch. Antizipieren Sie mögliche Aufgabenfelder und bereiten Sie sich auf diese vor.

  • Planen Sie Ihre Anreise.

    Werden Sie an einem mehrtägigen Assessment Center in einer anderen Stadt teilnehmen, organisieren Sie rechtzeitig Ihre Anreise. Kümmern Sie sich um eine Unterkunft und planen Sie bei der Anfahrt genügend Pufferzeit ein, damit Sie auf jeden Fall pünktlich sind.

  • Sammeln Sie Informationen zum Unternehmen.

    Kennen Sie die Firmengeschichte? Was wissen Sie über die verschiedenen Tätigkeitsfelder? Was wissen Sie über die verschiedenen Standorte? Wichtige Zahlen, wie beispielsweise Gründung und Anzahl der Mitarbeiter sollten Sie aus dem Stehgreif nennen können.

  • Setzen Sie sich mit dem Jobprofil auseinander.

    Möchten Sie befördert werden oder bewerben Sie sich als Führungskraft, sollten Sie sich mit den Anforderung, der von Ihnen angestrebten Position, auseinandersetzen. Was sind die Hauptaufgaben? Was sind Schwierigkeiten? Mit wem würden Sie zusammenarbeiten?

  • Halten Sie sich auf dem Laufenden.

    Das gilt sowohl für aktuelle Geschehnisse in Politik und Wirtschaft als auch für Geschehnisse in der eigenen Branche. Für Fallbeispiele oder Analyseaufgaben im Assessment Center kann es notwendig sein, dass Sie die aktuelle Lage in Betracht ziehen. Dazu empfiehlt es sich auch mal einen Blick in die Tagespresse zu werfen.

Checkliste zur Vorbereitung eines Assessment Centers

Wir haben 99 Tipps zur Vor- und Nachbereitung, zum Einstieg, zu der richtigen Strategie und den Tabus für Sie zusammengestellt.

Diese können Ihnen als Checkliste für Ihre Vorbereitung dienen. Die Checkliste können Sie HIER als kostenloses PDF herunterladen.

Außerdem enthält das PDF weitere Tipps und Strategien, um Ihre Chancen im Assessment Center zu steigern sowie Tabus, die Sie während des Auswahlverfahrens unbedingt vermeiden sollten, um im AC keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen.

Assessment Center Übungen: Erklärungen, Lösungen, Tipps

Im Assessment Center möchte sich das Unternehmen ein genaues Bild von Ihren Soft Skills machen. Wie arbeiten und denken Sie? Wie kreativ sind Sie? Wie selbstbewusst und durchsetzungsfähig sind Sie? Wie gehen Sie mit anderen um? Wie verhalten Sie sich, wenn Probleme auftreten? Nur durch Gespräche und Beobachtungen lassen sich diese Fähigkeiten und Qualifikationen kaum feststellen.

All diese Eigenschaften werden daher mithilfe spezieller Aufgaben und Übungen im Assessment Center abgefragt und auf die Probe gestellt. Mal geht es darum, im Team zusammenzuarbeiten und mal müssen Sie sich als Einzelperson profilieren.

Wir stellen Ihnen die Klassiker der Übungen im Assessment Center vor, die immer wieder gerne abgefragt werden, und geben Ihnen Tipps, wie Sie diese am besten meistern:

  1. Die Selbstpräsentation

    Los geht es fast immer mit der sogenannten Selbstpräsentation. Darin soll sich der Kandidat kurz und prägnant vorstellen. Wer hier überzeugend und authentisch auftritt, kann Sympathiepunkte sammeln. Sind Sie Bewerber auf einen konkreten Job, müssen Sie zudem Bezug auf die ausgeschriebene Stelle und das Unternehmen nehmen.

    Anschließend gilt es, seine persönlichen Stärken und Erfolge im Vortrag prominent zu platzieren – als Einstieg oder als Höhepunkt zum Schluss, beides wirkt. Rückfragen der Prüfer zu Schwächen sind Usus – also sollten Sie sich davon nicht überraschen oder verunsichern lassen!

    Überlegen Sie ebenfalls, welche Aufgaben Ihnen schwerfallen: Was tun Sie, um diese Schwächen in den Griff zu bekommen? Wer solche Fragen souverän beantwortet, sammelt weitere Pluspunkte.

    In dieser Übung werden zudem Umgangsformen und Körpersprache bewertet:

    • Steht oder sitzt der Kandidat selbstbewusst da?
    • Sucht er den Blickkontakt zu Teilnehmern und Beobachtern?
    • Oder zeigt er nervöse Ticks, wie Fingerklopfen oder Spielen mit Stiften?

    Wer schon zu den Fachkräften im Unternehmen gehört und wessen Führungspotenzial nun ausgeleuchtet werden soll, muss dagegen eher mit Fragen zu seinen bisherigen Projekten, Problemen und Erfolgen rechnen.

    Mit abstraktem Geschwätz oder angelesenen Weisheiten sollte aber niemand versuchen, seine Prüfer zu beeindrucken. Blender entlarven diese sofort mit geschickten Fangfragen. Was hilft, sind allein Ehrlichkeit und gute Vorbereitung.

    Halten Sie also gute Antworten parat zu Fragen wie:

    • Was machen Sie den ganzen Tag?
    • Wie machen Sie das, und warum machen Sie das so?
    • Wo hatten Sie Erfolg?
    • Wo sind Sie gescheitert?



    ✅ Weitere Tipps und Informationen zur Selbstpräsentation finden Sie in diesem kostenlosen PDF sowie unserem Ratgeber zur Selbstpräsentation im Assessment Center.
  2. Die Postkorb-Übung

    Der Postkorb gilt als der absolute Klassiker bei Assessment Center Übungen. Sie wurde speziell dafür konzipiert und genießt bei Personalern eine große Beliebtheit. Bei der Postkorb-Aufgabe wird eine Arbeitssituation simuliert. Damit wird Ihre Organisations- und Entscheidungsfähigkeit in Stresssituationen getestet. Es geht darum, zu zeigen, dass Sie auch unter Zeitdruck arbeiten können.

    Das Prinzip der Übung scheint simpel zu sein: Sie bekommen eine Situation, einen zeitlichen Rahmen und einen vollen Postkorb (oder Posteingang) mit zahlreichen Terminen, Notizen, Nachrichten, E-Mails oder ToDos. Nun müssen Sie all die Informationen verarbeiten und entscheiden, wie Sie mit den jeweiligen Aufgaben verfahren wollen – also sofort bearbeiten, an einen Kollegen weitergeben oder auf einen späteren Zeitpunkt verschieben?

    Jedes Dokument aus dem Postkorb ist dabei an bestimmte Bedingungen oder Erwartungen geknüpft, etwa eine feste Zeit, bis wann sich darum gekümmert werden muss. Erschwert wird die Übung dadurch, dass sich vieles überschneiden oder sogar teilweise widersprechen kann. Für noch mehr Stress und Zeitdruck kann im Assessment Center gesorgt werden, indem kurzfristig weitere Dokumente zur Bearbeitung hinzugefügt werden oder ein Anruf simuliert wird, der Zeit kostet und neue Informationen bringt.

    Nach Ablauf der Zeit ist die Übung noch nicht beendet. Es folgt ein Gespräch, in dem Sie sich rechtfertigen müssen und erklären sollen, wieso Sie die Entscheidungen so getroffen haben.



    ✅ Weitere Tipps und Informationen finden Sie in diesem kostenlosen PDF sowie in unserem ausführlichen Artikel zur Postkorbübung.
  3. Das Rollenspiel

    Bei dieser Aufgabe wird eine bestimmte Situation mit Kollegen, Mitarbeitern oder Kunden nachgestellt. Dabei kann es sich um ein Kundengespräch handeln, bei dem der Kunde mit Ihrer Arbeit unzufrieden ist oder Sie sollen ein Mitarbeitergespräch führen, bei dem durchaus unangenehme Themen besprochen werden müssen. Getestet werden Ihre sozialen Kompetenzen innerhalb des Rollenspiels, also Einfühlungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Kompromissbereitschaft und Überzeugungskraft.

    Welche Situation im Rollenspiel nachgestellt wird, hängt vor allem davon ab, auf welche Position Sie sich bewerben. Führungskräfte können damit rechnen, dass Sie sich im Dialog mit einem Mitarbeiter wiederfinden, für andere Positionen handelt es sich um eine Situation, wie sie im Arbeitsalltag vorkommen kann.

    Die Aufgaben innerhalb dieser Übung können dabei durchaus variieren. So kann es sein, dass Sie Kritik üben, Feedback geben, über Probleme sprechen oder motivieren und loben müssen. Viele Szenarien, die jeweils unterschiedliche Vorgehensweisen erfordern. Wichtig ist es dabei immer, das Verhältnis und die Hierarchie im fiktiven Gespräch zu berücksichtigen und entsprechend zu agieren.

    Allerdings muss das Rollenspiel nicht zwangsläufig eine gestellte Gesprächssituation sein. In einigen (wenn auch seltenen) Fällen werden Sie in eine andere Situation innerhalb des Unternehmens versetzt und müssen dort zeigen, wie Sie sich verhalten würden.



    ✅ Weitere Informationen und Tipps finden Sie in diesem kostenlosen PDF sowie in unserem Ratgeber zu Rollenspielen im Assessment Center!
  4. Die Fallstudie

    Eine Fallstudie gibt es sowohl als Einzel- sowie als Gruppenaufgabe. In beiden Varianten bleibt das grundsätzliche Prinzip jedoch gleich: Sie erhalten einen konkreten Fall aus dem Unternehmenskontext sowie Material und sollen im Anschluss eine Lösung präsentieren.

    Dabei werden verschiedene Aspekte geprüft und beobachtet. Zum einen steht natürlich Ihr Fachwissen und Ihre Kompetenz auf dem Gebiet im Vordergrund, da es sich in der Regel um sehr praxisnahe Aufgaben handelt – Sie müssen also damit rechnen, dass es sich um eine Situation handelt, die genau so oder zumindest so ähnlich im Arbeitsalltag auf Sie zukommen könnte. Im Fokus steht zudem Ihre Problemlösungskompetenz, da Sie in recht kurzer Zeit einen Sachverhalt analysieren und passende Lösungen präsentieren müssen.

    Sie sollen zeigen, dass Sie analytisch sowie strategisch denken können und die Zielsetzung im Auge behalten. Wird die Fallstudie in der Gruppe bearbeitet, wird außerdem aufmerksam beobachtet, welche Rolle Sie innerhalb des Teams übernehmen.

    Abschließend werden Ihnen Fragen zu Ihrer Lösung gestellt, in denen Ihr Vorgehen kritisiert und hinterfragt wird. Das bedeutet nicht, dass Sie etwas falsch gemacht haben, Sie sollen jedoch begründen, wieso Sie sich für diesen Weg und die vorgestellte Lösung entschieden haben.



    ✅ Weitere Informationen und Tipps finden Sie in diesem kostenlosen PDF!
  5. Die Fact-Finding-Übung

    Bei der sogenannten Fact-Finding-Übung handelt es sich um eine Variation der klassischen Fallstudie. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass Sie keine vollständigen Informationen bekommen, sondern – wie der Name bereits vermuten lässt – zunächst einmal relevante Fakten in Erfahrung bringen müssen.

    In dieser Übung erhalten Sie beispielsweise eine oberflächliche Situation oder Problematik, mit der Sie sich auseinandersetzen müssen. Da die vorgegebenen Informationen dafür nicht ausreichen, gibt es einen Partner in dieser Übung, der als Auskunftgeber oder auch Experte fungiert. Ihre Aufgabe ist es, durch geschicktes Fragen die wichtigsten Informationen zu erhalten, mehr über die Gründe und Ursachen des Problems sowie über Lösungsmöglichkeiten und deren Erfolgschancen und Risiken zu erfahren.

    Ein wichtiger Teil ist somit die Recherche und das durchdachte Vorgehen bei der Befragung, da Ihnen nur wenig Zeit bleibt, um alle relevanten Informationen in Erfahrung zu bringen und daraus Ihre Lösungsvorschläge abzuleiten. Denken Sie deshalb daran, dass Sie die gewonnenen Erkenntnisse auch gleich nutzen, um daraus eine Strategie zur Problemlösung zu entwickeln.

    Beurteilt werden bei der Fact-Finding-Übung im Assessment Center Ihre Vorgehensweise bei der Befragung, ob Sie also systematisch und zielgerichtet gefragt haben oder es eher kreuz und quer gegangen ist. Außerdem wird darauf geachtet, welche Schlüsse Sie aus den Informationen ziehen und ob Sie diese zu einer wirksamen Strategie formen können.



    ✅ Weitere Informationen und Tipps finden Sie in diesem kostenlosen PDF sowie in unserem Ratgeber zur Fact-Finding-Übung!
  6. Die Gruppendiskussion

    Bei dieser Aufgabe wird ein vorgegebenes Thema kontrovers diskutiert. Es wird beispielsweise eine These in den Raum gestellt, die aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und besprochen werden kann. Was im Vergleich zu anderen Übungen im Assessment Center zunächst einfach klingt, hat es in der Praxis in sich.

    Schließlich befinden Sie sich bei dieser Übung in einer offenen Diskussion mit Ihren direkten Konkurrenten – und alle wollen sich bestmöglich vor den wachsamen Augen der Personaler präsentieren. Der direkte Vergleich untereinander ist in keiner anderen Phase des Assessment Centers so groß.

    Um sich in der Gruppendiskussion abzuheben und positiv abzuschneiden, müssen Sie auf verschiedene Dinge achten. Zunächst ist es grundlegend, dass Sie den Sachverhalt verstehen und genau wissen, worum es dabei geht. Im zweiten Schritt müssen Sie dann Ihre Meinung festlegen – also wie Ihre Sicht auf das Thema aussieht – und Ihren Standpunkt mit einer durchdachten Argumentation vertreten.

    Ein entscheidender Punkt ist außerdem, wie Sie in der Gruppendiskussion auftreten und sich verhalten. Sind Sie zurückhaltend, sehr forsch und direkt? Übernehmen Sie die Gesprächsführung? Dabei werden auch Ihre Rhetorik, Ihre Überzeugungskraft und Ihre Kooperationsbereitschaft getestet.



    ✅ Weitere Informationen und Tipps finden Sie in diesem kostenlosen PDF sowie in unserem Ratgeber zur Gruppendiskussion!
  7. Das Einzelinterview

    Zum Abschluss des Assessment Centers gibt es fast immer ein ausführliches Einzelinterview. Dabei sitzen Sie einem oder mehreren Gesprächspartnern gegenüber, lassen noch einmal Revue passieren, wie die bisherigen Übungen gelaufen sind und befinden sich in einer ähnlichen Situation, wie im klassischen Vorstellungsgespräch.

    Am Anfang des Einzelinterviews geht es zunächst um eine Selbsteinschätzung, in der Sie noch einmal Ihre Sicht schildern und erklären können, wie für Sie die bisherigen Übungen gelaufen sind. Mit überheblichen Aussagen und bloßer Angeberei sollten Sie sich dabei jedoch zurückhalten. Selbstbewusstsein ist wichtig, doch hinterlässt plumpes Eigenlob keinen guten Eindruck.

    Besser ist es, wenn Sie die Chance nutzen, um eine missglückte Übung geradezurücken, noch einen Aspekt anzubringen, der vorher vielleicht untergegangen ist oder dezent gute Ergebnisse zu unterstreichen. Im Einzelinterview sollten Sie zudem darauf gefasst sein, dass auch die Gesprächspartner Ihre Eindrücke schildern und Ihnen Feedback geben.

    Neben der Selbsteinschätzung sollten Sie sich außerdem darauf vorbereiten, über Ihre Stärken und Schwächen zu sprechen und genauer auf Ihre Motivation einzugehen. Dabei ist es durchaus möglich, dass kritische Rückfragen gestellt werden.

    In einigen Assessment Centern werden sogar mehrere Einzelinterviews geführt, gerade in höheren Positionen kann es vorkommen, dass Sie verschiedene Gespräche führen, die unterschiedliche Aspekte abdecken.



    ✅ Weitere Informationen und Tipps finden Sie in diesem kostenlosen PDF.

Weitere Übungen und Beispielaufgaben

Assessment Center Übungen Beispiele Vorbereitung ExtratippAuch die RWTH Aachen hat erkannt, wie viele ihrer Studenten im Anschluss an ein erfolgreiches Studium wahrscheinlich vor einem Assessment Center stehen werden. Aus diesem Grund wurden Übungen und Beispielaufgaben veröffentlicht, mit denen Studenten sich vorbereiten können.

Diese sind aber natürlich nicht nur für die Absolventen interessant, sondern können jedem helfen, der vor einem Assessment Center steht. In dem PDF finden Sie Beispielaufgaben zur Kurzpräsentation, zum Postkorb und zu einer Fallstudie.

Gefährliche Fehler im Auswahlverfahren

Es geht uns an dieser Stelle ganz bewusst nicht um die offensichtlichen Fehler, mit denen Sie sich als Bewerber im Assessment Center selbst aus dem Rennen kegeln können. Bei allen folgenden Ausführungen gehen wir davon aus, dass Sie gut vorbereitet und passend gekleidet beim Assessment Center erscheinen.

Die Fehler auf die wir eingehen, liegen sehr nah am eigentlich richtigen Verhalten – und sind genau deshalb extrem tückisch und gefährlich.

Der Unterschied zwischen passendem Verhalten und Assessment Center Fail ist äußerst gering und hängt auch von der Situation und – für Bewerber bedauerlich – der Wahrnehmung und Interpretation der begleitenden Trainer und Personaler ab.

Was Ihnen im Assessmenter Center letztlich das Genick brechen kann:

  • Zu wenig Spontaneität

    Der vielleicht kritischste Fehler hat direkt mit der dafür notwendigen Strategie zu tun. Als Bewerber bereiten Sie sich natürlich auf den Tag und das gesamte Assessment Center vor und legen sich eine Strategie zurecht. Das ist sinnvoll und notwendig, doch wenn Sie sich zu sehr an Ihre vorbereitete Strategie klammern und dadurch nicht in der Lage sind, spontan auf die Gegebenheiten vor Ort zu reagieren, stehen Sie sich selbst im Weg und können wichtige Chancen ungenutzt verstreichen lassen.

  • Falsche Erwartungen

    Damit eng verknüpft sind Ihre Erwartungen an das Assessment Center, die sich ebenfalls als echtes Risiko herausstellen können. Denn wenn Sie diese als gegeben hinnehmen und fest davon ausgehen, dass das Assessment Center Ihren Vorstellungen und Erwartungen entspricht, können Ernüchterung und Irritation in der Praxis groß sein und Sie so nachhaltig aus dem Konzept bringen, dass das auch die anwesenden Personaler und Trainer merken.

  • Eine zu starke Konkurrenzhaltung

    Natürlich treffen Sie im Assessment Center auf anderer Bewerber, die sich auf die gleiche Stelle wie Sie bewerben. Wenn Sie diese jedoch ausschließlich als Konkurrenten sehen, sich ständig vergleichen und in direkten Wettbewerb treten, schaden Sie sich dadurch enorm.

  • Die Schwächen-Vermeidungs-Taktik

    Es ist gut und sinnvoll, wenn Sie sowohl Ihre Stärken als auch Ihre Schwächen kennen und berücksichtigen. Doch im Assessment Center und dem gesamten Bewerbungsverfahren sollten Sie sich auf Ihre Stärken konzentrieren und diese optimal präsentieren. Versuchen Sie bitte nicht, krampfhaft Ihre Schwächen zu vermeiden oder zu verstecken. Manchmal kann es sogar besser sein, ehrlich zu einem Fehler oder einer Schwäche zu stehen und daran zu arbeiten.

  • Zu flexible Ansichten und Standpunkte

    In vielen Assessment Centern werden Diskussionen und Gespräche sowohl unter vier Augen mit den Trainern als auch in der Gruppe geführt. Unterscheiden sich Ihre Aussagen zwischen Vier-Augen-Gespräch und Gruppendiskussion inhaltlich deutlich, wirft das kein gutes Licht auf Sie und kann Personaler an Ihren Standpunkten und Ihrer Konsequenz zweifeln lassen.

  • Über andere Kandidaten lästern

    Manch ein stark konkurrenzorientierter Bewerber glaubt vielleicht, sich einen Vorteil zu verschaffen, wenn er schlecht über andere redet. Ein fast schon banaler Punkt, denn Lästereien verbieten sich natürlich von selbst. Solche Aktionen fallen auf jeden Fall negativ auf Sie zurück und reduzieren eher Ihre Chancen als die der anderen.

  • Eine zu starke Konzentration auf die Aufgaben

    . Es klingt vielleicht seltsam, doch wenn Sie sich zu sehr auf die Aufgaben im Assessment Center einlassen, können Sie Ihre Chancen dadurch ebenfalls senken. Denn wollen Sie eine Aufgabe unbedingt lösen oder aus Prinzip Recht haben, verlieren Sie dabei den eigentlichen Sinn des Assessment Centers – die Auswahl eines geeignet Kandidaten für eine Stelle – aus dem Blick. Dann kann es sein, dass Sie in der konkreten Aufgabe zwar erfolgreich sind, Ihre Aussichten auf den Job jedoch reduzieren.

  • Eine zu egozentrische Arbeitsweise und Haltung

    Sicher, Sie sollen und müssen sich auf Ihre Stärken fokussieren und Vergleiche mit anderen Kandidaten meiden. Doch das bedeutet nicht, dass Sie in den konkreten Aufgaben eigenbrötlerisch und zurückgezogen agieren sollten. Teamarbeit ist eine von vielen wichtigen Fähigkeiten, die im Assessment Center ganz oben auf der Liste der wünschenswerten Eigenschaften steht.

Tipp: Das AC ist eine ständige Prüfung

Ein wichtiger Grundsatz zum Schluss: Machen Sie sich bewusst, dass Sie während der gesamten Zeit des Assessment Centers geprüft werden – auch wenn gerade keine Aufgaben anstehen.

Bereits die Begrüßung stellt einen ersten Test dar. Sie findet in der Regel vor der gesamten Bewerbergruppe statt und entscheidet maßgeblich über den ersten Eindruck – für den es bekanntlich keine zweite Chance gibt.

Hier eine kleine Anekdote, die das verdeutlicht:

Der Posten des stellvertretenden Geschäftsführers sollte vergeben werden. Zu diesem Zweck fand ein mehrtägiges Assessment Center statt. Ein Abendessen sollte das Auswahlverfahren abschließen. Der Geschäftsführer fragte seinen Personaler: Welcher Kandidat ist nun der Richtige? Der Personaler antwortete: Das sage ich Ihnen in wenigen Stunden. Zu diesem Zeitpunkt war das Assessment Center offiziell bereits für beendet erklärt. Nach dem Essen teilte der Personaler dem Geschäftsführer seine Wahl mit. Verdutzt fragte dieser: Wie kommen Sie zu Ihrer Einschätzung? Darauf erwiderte der Personaler: Ein Mitarbeiter, der heute Abend das teuerste Essen bestellt, nur weil das Unternehmen zahlt, ist nicht unbedingt vertrauenswürdig. Und auch wer sich in Ihrer Anwesenheit am Wein zu gütlich tut oder nicht auf seine Manieren achtet, scheidet für eine Führungsposition aus. Erst wenn sich jemand unbeobachtet fühlt, erkennen Sie seinen wahren Charakter.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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6. September 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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