Das Wichtigste in Kürze
- Ziele: Ziel der Aufgabendelegation ist es, Arbeit möglichst effizient zu verteilen und die Stärken aller Beteiligten optimal zu nutzen sowie Zeit für eigene Aufgaben zu gewinnen.
- Folgen: Erfolgreiches Delegieren stärkt das Vertrauen und die Motivation im Team und fördert zugleich Eigenverantwortung und selbstständiges Arbeiten. Eine Gallup-Umfrage ergab, dass Unternehmen durch effektiveres Delegieren 33 % mehr Wachstum erzielen.
- Voraussetzungen: Richtiges Delegieren setzt klare Ziele, sowie ein verständliches Briefing voraus. Anschließend wird die Aufgabe an die geeignetste Person übergeben, die dafür zugleich den nötigen Freiraum haben muss.
- Kontrolle: Die Basis bildet zwar Vertrauen, die Ergebnisse müssen trotzdem überprüft werden, um aus Fehlern zu lernen und den Delegationsprozess zukünftig zu verbessern.
- Delegations-Lücke: Laut Studien verbringen Führungskräfte rund 30 % ihrer Zeit mit Aufgaben, die eigentlich von Teammitgliedern erledigt werden sollten (sog. Rückdelegation).
Was bedeutet Delegation auf Deutsch?
Delegation (lateinisch: delegare = hinschicken, anvertrauen, übertragen) bedeutet auf Deutsch so viel wie „Abordnung“ oder „Gesandte“. Mit dem Substantiv ist daher eher eine Gruppe von Abgesandten gemeint, die eine vorher definierte Mission erfüllen sollen.
Warum ist Delegieren wichtig?
Erfolgreiches Delegieren gehört zu den Schlüsselkompetenzen im Job. Es steigert nicht nur die eigene Produktivität, sondern stärkt zugleich das Vertrauen im Team. Wer Aufgaben klug verteilt, nutzt die vorhandenen Ressourcen besser, schützt sich selbst vor Überlastung und beugt einem Burnout vor. Wer versteht, wann und wie Verantwortung abgegeben werden sollte, entwickelt sich automatisch zur besseren Führungskraft. Zudem eröffnet Delegieren wertvolle Entwicklungschancen für Mitarbeiter und fördert langfristig deren Kompetenzen sowie berufliches Wachstum. Laut § 106 GewO besitzt der Arbeitgeber überdies ein Weisungsrecht, kann also Aufgaben nach „billigem Ermessen“ delegieren.
Warum fällt Delegieren vielen schwer?
Trotz vieler Vorteile zeigt die Praxis: Wichtige Aufgaben werden oft nicht delegiert, sondern selbst erledigt. Warum? Die größte Hürde ist häufig das eigene Ego: Gerade Führungskräfte müssen sich eingestehen, dass andere im Team (Untergebene!) besser sind als sie selbst. Hinzu kommen weitere Bremsen und Faktoren: Betroffene…
- fürchten, sie sähen dadurch weniger kompetent aus.
- denken, das Ergebnis wird schlechter.
- erkennen nicht, welche Aufgaben wirklich wichtig sind.
- meinen, es dauert zu lange, es anderen zu erklären.
- haben Angst davor, die Kontrolle abzugeben.
- fürchten, die Übersicht über Abläufe zu verlieren.
- wollen niemandem mehr Arbeit zumuten.
Paradoxerweise scheint es Betroffenen oft schneller und einfacher, eine Aufgabe selbst zu erledigen, statt sie zu erklären, zu übergeben und später zu kontrollieren. Kurzfristig kann das sogar stimmen, langfristig führt das jedoch zu ineffizienten Arbeitsstrukturen. Wer nie delegiert, bleibt im eigenen Aufgabenstapel gefangen!
5 Stufen: Wie viel sollte ich delegieren?
Wenn Sie Aufgaben delegieren, müssen Sie diese nicht gleich vollständig übertragen. In der Praxis hat sich vielmehr eine Delegation in 5 Stufen bewährt, bei denen der Kontrollbedarf immer weiter abnimmt:
-
Anweisungen ausführen
Mitarbeitende erhalten klare Vorgaben, was, wie und bis wann zu erledigen ist. Eigene Entscheidungsspielräume gibt es noch nicht, alles wird strikt nach Anweisung ausgeführt.
-
Einarbeitung beginnen
Mitarbeitende entwickeln erste Ansätze, die eng mit der Führungskraft abgestimmt werden. Trotz kleiner Freiräume bleibt die Kontrolle hoch und Rücksprache verpflichtend.
-
Vorschläge erarbeiten
Mitarbeitende analysieren Aufgaben eigenständig und entwickeln mehrere Lösungen. Die Entscheidung liegt weiterhin bei der Führungskraft, die Initiative kommt jedoch bereits vom Team.
-
Entscheidung treffen
Mitarbeitende entscheiden selbst über die Umsetzung und handeln eigenverantwortlich. Anschließend informieren sie die Führungskraft über Vorgehen und Ergebnisse.
-
Eigenverantwortung übernehmen
Das Team handelt vollständig selbstständig und trifft alle Entscheidungen ohne vorherige Rücksprache. Eine regelmäßige Berichterstattung entfällt, die Verantwortung liegt komplett bei den Mitarbeitern.
Richtig delegieren lernen: 10 Tipps und Schritte
Richtig delegieren lernen, ist zwar keine Raketenwissenschaft, aber auch kein Automatismus. Mit den folgenden bewährten Schritten, lässt sich besseres Delegieren lernen:
- Aufgaben identifizieren
- Idealbesetzung finden
- Aufgabe erklären
- Ziele erläutern
- Voraussetzungen schaffen
- Limits setzen
- Transparenz schaffen
- Rückfragen beantworten
- Freiheiten lassen
- Feedback geben
Welche Aufgaben kann man nicht delegieren?
Delegierbar sind in der Regel alle Routineaufgaben, spezialisierte Fachaufgaben oder Vorbereitungen. Gleichzeitig gibt es Aufgaben, die Sie nicht delegieren können: Überträgt Ihnen etwa der Chef eine Arbeit, können Sie diese nicht an einen Kollegen weitergeben. Problematisch wird es auch, wenn ein optimal geeigneter Mitarbeiter gerade keine freien Kapazitäten hat. Hierfür müssen Sie eine alternative Lösung finden – oder der Kollege muss seinerseits Aufgaben abgeben. Das führt jedoch oft in eine Delegationsspirale.
1. Aufgaben identifizieren
Im ersten Schritt müssen Sie geeignete Aufgaben identifizieren, die Sie überhaupt delegieren können. Dies sollte niemals willkürlich geschehen oder dazu dienen, die eigene Aufgabenlast zu reduzieren. Richtig delegieren bedeutet, dass Sie nur passende Aufgaben weitergeben. Die klassische Methode hierfür ist das Eisenhower-Prinzip. Hierbei unterteilen Sie Aufgaben in zwei Kategorien: wichtig und unwichtig (waagerecht) bzw. dringend und nicht dringend (senkrecht). Daraus ergibt sich eine Matrix mit vier Quadranten: Die perfekten Aufgaben für das Delegieren sind jene, die für Sie selbst unwichtig, aber dringend sind (sog. C-Aufgaben oben links) – siehe Grafik:
2. Idealbesetzung finden
Richtiges Delegieren bedeutet, nicht nur Arbeit abzugeben, sondern sie genau der Person zu geben, die am besten dafür geeignet ist. Das ist nicht immer der Lieblingskollege oder jene, die gerade am wenigsten zu tun hat. Hierbei entstehen jedoch häufig Zielkonflikte: Wenn der oder die Idealbesetzung gerade nicht verfügbar ist, müssen Sie zwischen dem vorhandenen Zeitrahmen, den Erwartungen und einer Zweitbesetzung abwägen.
3. Aufgabe erklären
Briefen Sie den Kollegen, dem Sie eine Aufgabe übertragen wollen, möglichst ausführlich und konkret – inklusive aller wichtigen Informationen. Eine kurze E-Mail reicht selten und erhöht nur das Fehlerrisiko. Nehmen Sie sich unbedingt die Zeit, um die Aufgabe genau zu erklären und potenzielle Missverständnisse zu vermeiden. Die gelingt am besten mit den 7 W-Fragen:
- Was ist zu tun?
- Warum muss diese Aufgabe erledigt werden?
- Wie sollte die Aufgabe erledigt werden?
- Welche Mittel werden dafür benötigt?
- Wer kann dabei unterstützen?
- Wann soll die Aufgabe erledigt sein?
- Was folgt danach?
4. Ziele erläutern
Der Punkt wird häufig vergessen: Zur Einweisung gehören ebenfalls die exakten Ziele und Erwartungen: Worauf kommt es beim Ergebnis an? Was genau soll erreicht werden und bis wann? Welche Bedeutung hat die Aufgabe für das gesamte Projekt? Dadurch ist den Mitarbeitern erst bewusst, wo die späteren Prioritäten bei der Umsetzung liegen.
5. Voraussetzungen schaffen
Ermöglichen Sie den Kollegen, die delegierten Aufgaben auch wirklich zu schaffen. Versorgen Sie diese nicht nur mit den nötigen Informationen, sondern auch mit den erforderlichen Befugnissen, Kompetenzen oder Zugängen zu Ressourcen, Budgets, Tools, Programmen oder Materialien.
Was ist das Kongruenzprinzip?
Das Kongruenzprinzip besagt, dass zu den delegierten Aufgaben stets die passenden Befugnisse und Verantwortlichkeiten übertragen werden müssen. Alle drei müssen ausgewogen (= kongruent) sein. Fehlt eines dieser Elemente (z.B. Verantwortung ohne Entscheidungsbefugnis), entstehen Überforderung, Fehler und Frustration.
6. Limits setzen
Auch das gehört zum Delegieren: Kommunizieren Sie klare Zeitvorgaben, bis wann etwas fertig sein muss. Solche Vorgaben stärken die Disziplin und garantieren, dass Projekte nicht in Verzug geraten. Damit sollten Sie Kollegen allerdings nicht unter Druck setzen! Erklären Sie besser sachlich, wie die weiteren Prozesse von der rechtzeitigen Fertigstellung abhängen.
7. Transparenz schaffen
Haben Sie jemandem Verantwortung oder Kompetenzen übertragen, sollten das alle anderen wissen. Nur so wird der Kollege erst handlungs- und durchsetzungsfähig. Überdies signalisieren Sie ihm und anderen so, welches Vertrauen Sie in den oder die Kollegin und deren Fähigkeiten setzen. Das spornt diese zusätzlich an.
8. Rückfragen beantworten
Richtiges Delegieren beinhaltet ebenfalls, dass Sie jederzeit für Rückfragen zur Verfügung stehen und die Kollegen und Mitarbeiter mit der Aufgabe nicht alleine lassen. Damit zeigen Sie, dass es Ihnen nicht darum geht, Arbeit abzuschieben, sondern dass Sie immer noch involviert sind und die Gesamtverantwortung tragen. Hüten Sie sich aber davor, sich Arbeit zurückdelegieren zu lassen!
9. Freiheiten lassen
Versuchen Sie nicht, anderen vorzuschreiben, wie diese etwas erledigen sollen. Letztlich übertragen Sie nur das Ziel und Ergebnis. Für den Lösungsweg sollten Sie den Mitarbeitern die Freiheit lassen, eigene Entscheidungen zu treffen. Wenn Sie die Aufgabe an die richtige Person übertragen, ist diese auch dazu in der Lage. Jeden einzelnen Schritt bis ins Detail vorzugeben, ist nicht mehr Delegieren, sondern Mikromanagement!
10. Feedback geben
Nach Abschluss des Projekts sollten Sie sich stets Zeit für ein ausführliches Feedback nehmen. Das gehört zur Wertschätzung und gibt Raum für konstruktive Kritik, um es beim nächsten Mal noch besser zu machen.
Checkliste: Was ist die 5R-Regel der Delegation?
Wer es kürzer mag, kann sich auch die 5R-Regel der Delegation merken:
Regel |
Erklärung |
| Richtige Aufgabe | Nicht nur lästigen Kleinkram, sondern Wichtiges |
| Richtige Person | Aufgaben nach Skillset und Auslastung verteilen |
| Richtige Anweisung | Ziele und Timing klar kommunizieren |
| Richtige Ressourcen | Mitarbeitern Erforderliches geben |
| Richtiges Feedback | Regelmäßig Rücksprache halten |
Zusätzlich können Sie sich unsere kostenlose Checkliste für erfolgreiches Delegieren als PDF herunterladen.
Welche Fehler sollte ich beim Delegieren vermeiden?
So einfach Delegieren wirkt: Es schleichen sich leicht Fehler ein, die die positiven Effekt massiv mindern können:
-
Unklare Vorgaben
Achten Sie darauf, dass Ihr Mitarbeiter wirklich verstanden hat, was er oder sie erledigen soll. Nicht jeder gibt Unklarheiten von sich aus zu. Fragen Sie deshalb unbedingt aktiv nach, ob noch etwas unklar ist.
-
Ständiges Einmischen
Mit der Aufgabe geben Sie zunächst die Kontrolle und Verantwortung ab. Halten Sie sich daher zurück und funken Sie dem Team nicht ständig dazwischen. Wenn Sie andere nicht eigenständig arbeiten lassen, können Sie es auch gleich selbst machen.
-
Fehlende Kontrolle
Trotz großer Eigenverantwortung gehört die abschließende Kontrolle zur Delegation. Nur so können Sie Mitarbeiter für ihre gute Arbeit loben und mögliche Fehler in Zukunft vermeiden. In jedem Fall sollten Sie am Schluss Wertschätzung zeigen, damit Kollegen motiviert bleiben und Aufgaben bereitwillig übernehmen.
Welche Vorteile und Herausforderungen hat Delegieren?
Delegieren zu können, ist nicht nur eine wichtige Kernkompetenz. Die Aufgabendelegation hat zudem zahlreiche Vorteile:
- Führungskräfte können sich auf ihre Kernaufgaben und strategische Entscheidungen konzentrieren, während Routine- oder Spezialaufgaben an passende Teammitglieder abgegeben werden.
- Die Arbeitslast wird verteilt, was zu einer besseren Nutzung der Ressourcen und einer höheren Produktivität führt.
- Mitarbeiter erhalten die Chance, neue Fähigkeiten zu entwickeln und mehr Verantwortung zu übernehmen, was ihre Motivation und ihr Engagement steigert.
- Durch die Übertragung von Verantwortung wächst das Selbstvertrauen der Teammitglieder, und sie identifizieren sich stärker mit ihren Aufgaben und dem Arbeitgeber.
- Delegation fördert eine Kultur des Vertrauens und der Zusammenarbeit im Team.
- Die Kommunikation und Kooperation im Team werden verbessert, weil Aufgaben und Verantwortlichkeiten klar verteilt sind.
- Nicht wenige Führungskräfte fürchten, die Kontrolle und den Überblick zu verlieren, wenn sie Aufgaben abgeben.
- Oft fehlt das Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitarbeitenden – oder in sich selbst, Aufgaben richtig zu delegieren.
- Delegieren erfordert mehr Kommunikation und Mitarbeitergespräche, damit die Übergabe sauber abläuft und Fehler und Frustration vermieden werden.
- Missverständnisse entstehen leicht durch unklare Zielvorgaben, Erwartungen oder Verantwortlichkeiten.
- Gleichzeitig erfordert das Erklären und Einarbeiten in Aufgaben mehr Zeitaufwand, als wenn man es selbst erledigt. Der Aufwand zahlt sich dafür langfristig aus.
- Nicht alle Teammitglieder sind gleichermaßen bereit oder in der Lage, neue Aufgaben zu übernehmen, was zu Widerstand oder Fehlern führen kann.
Vorteile
Effizienz- und Produktivitätssteigerung
Entwicklung und Motivation der Mitarbeiter
Stärkung von Vertrauen und Teamarbeit
Herausforderungen
Verlust von Kontrolle
Hoher Abstimmungsbedarf
Fehlende Bereitschaft oder Kompetenz
Auch wenn richtiges Delegieren von Aufgaben mit einigen Herausforderungen verbunden ist: Die positiven Effekte überwiegen aus unserer Sicht deutlich. Nicht zuletzt, weil Delegieren ein zentrales Grundprinzip effektiver Arbeitsteilung ist.
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