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Mikromanagement: Wenn sich der Chef zu viel einmischt

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. So lautet das zentrale Motto im Mikromanagement. Der Chef ist ein Kontrollfreak, der sich in jede Aufgabe einmischt, den Mitarbeitern auf die Finger guckt und keinerlei Freiräume lässt. Was anfangs engagiert und fürsorglich wirkt, schlägt in gefährlichen Kontrollwahn um. Mikromanagement bringt ernsthafte Probleme im Team und damit für das Unternehmen. Wir zeigen, was Mikromanagement bedeutet, woran Sie einen Mikromanager erkennen und was Sie dagegen tun können…


Mikromanagement: Wenn sich der Chef zu viel einmischt

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Definition: Was ist Mikromanagement?

Mikromanagement ist ein Führungsstil, der von großer Kontrolle, extremer Detailorientierung und Einmischung durch den Vorgesetzten geprägt ist. Der Chef erklärt jede Aufgabe haarklein, macht genaue Vorgaben zu Arbeitsweisen und Lösungen. Gleichzeitig guckt er bei der Bearbeitung über die Schulter und mischt sich bei jeder Gelegenheit ein.

Typische Mikromanager ignorieren die unterschiedlichen Hierarchien im Team. Sie sind eigentlich mit Führungsaufgaben betraut, greifen aber ständig bei der Ausführung ein, für die Mitarbeiter verantwortlich sind. Dem Team wird keinerlei Freiraum oder Entscheidungsbefugnis gelassen.

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Ursachen: Warum kommt es zu Mikromanagement?

Vorgesetzte sollten froh sein, wenn Mitarbeiter eigenständig und eigenverantwortlich handeln. Wieso kommt es dann trotzdem zum Mikromanagement? Tatsächlich bringen viele Mikromanager diesen Charakterzug nicht von Anfang an mit. Michael Haselhuhn zeigte in einer Studie, dass Mikromanagement mit der Zeit entsteht und eine Reaktion auf Ohnmachtsgefühle ist.

Fühlen Führungskräfte sich machtlos, steigt das Misstrauen. Es wird weniger delegiert, dafür folgen striktere Vorgaben, mehr Kontrolle und Autorität. Bleibt die Frage, was die Ohnmachtsgefühle im Chefsessel auslösen kann. Das sind die häufigsten Ursachen:

  • Das Gefühl, nicht genügend Informationen zu erhalten
    Kontrolle ist oft eine Reaktion, wenn Vorgesetzte glauben, nicht ausreichend über Aufgaben und laufende Projekte informiert zu sein. Da letztlich der Chef die Verantwortung für die Abteilung trägt, soll nichts Wichtiges verpasst werden. Aus Angst vor dem Kontrollverlust mischen Führungskräfte sich zunehmend ein, um informiert und involviert zu sein.
  • Der Druck, selbst Rechenschaft ablegen zu müssen
    Auch als Chef gibt es meist höheren Hierarchieebenen, denen berichtet wird. Welche Fortschritte werden gemacht? Wie laufen die Projekte? Was ist gut? Was ist schlecht? Um auf jede Frage eine Antwort zu haben, verfallen manche ins Mikromanagement.
  • Der Wunsch, eine gute Führungskraft zu sein
    Mikromanagement soll Mitarbeiter nicht nerven und frustrieren – auch wenn das der häufigste Effekt ist. Oft ist es der Versuch, eine besonders gute Führungskraft zu sein. Enge Zusammenarbeit mit dem gesamten Team, schnelle Hilfe bei jedem Problem… In der Umsetzung wird jedoch zu stark kontrolliert, wodurch der positive Effekt entfällt und ins Gegenteil umschlägt.
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Folgen: So schädlich ist Mikromanagement im Job

Durch klare Vorgaben und Kontrolle geben Mitarbeiter ihr Bestes und liefern gute Ergebnisse? Falsch! Es sind Freiräume und Vertrauen, die zu zufriedenen und auch erfolgreichen Mitarbeitern führen. Wer seinem Team mehr zutraut, bekommt mehr für sein Geld und stärkt das Selbstvertrauen für weitere Aufgaben.

Mikromanagement und Kontrollwahn hingegen haben zahlreiche negative Auswirkungen – sowohl für die Mitarbeiter als auch für das Unternehmen:

  • Mikromanagement überschreitet Arbeitsbereiche
    Mikromanager kümmern sich um jedes Detail und überschreiten dabei die eigenen Aufgabenbereiche – und damit wichtige Grenzen. Ein kontrollwütiger Chef übernimmt Aufgaben selbst, statt die Verantwortung abzugeben. Dabei haben Mitarbeiter oft mehr Erfahrung und sind besser geschult, um genau diese ToDos zu erledigen. Gleichzeitig kümmert der Vorgesetzte sich nicht um seine eigentlichen Aufgaben. Produktivität und sinnvolle Arbeitsabläufe sehen anders aus.
  • Mikromanagement nimmt Freiräume
    Bei der Ausführung bleiben keinerlei Freiräume, wenn Mikromanager jede Aufgabe mit kleinlichen Arbeitsanweisungen versehen. Mitarbeiter können nicht eigenständig denken oder das eigene Wissen nutzen. So bleiben Potenziale ungenutzt.
  • Mikromanagement raubt Motivation
    Je mehr der Chef kontrolliert, desto geringer die Motivation. Schließlich macht es keinen Unterschied, ob man sich besonders anstrengt. Nach kurzer Zeit leistet das gesamte Team nur noch Dienst nach Vorschrift, hält sich an Anweisungen und sitzt die Zeit bis zum Feierabend ab.
  • Mikromanagement unterbindet Ideen
    Gleichzeitig verhindert Mikromanagement jegliche Kreativität und neue Idee. Der Chef lässt nicht zu, dass neue Ansätze gefunden oder kreative Lösungswege probiert werden. Alles muss so gemacht werden, wie das Führungspersonal es vorgibt. Mit- und Weiterdenken sind nicht erwünscht.
  • Mikromanagement stoppt Zufriedenheit
    Guckt der Chef ständig über die Schulter, ist die implizite Botschaft: Niemand ist in der Lage, die Aufgaben richtig zu erledigen. Zufriedenheit und gute Arbeitsatmosphäre sind im Mikromanagement deshalb unmöglich. Stattdessen entstehen Frust und Selbstzweifel in der Belegschaft.
  • Mikromanagement verschlechtert Ergebnisse
    Keine Motivation, kein Spaß an der Arbeit, schlechte interne Prozesse – am Ende leidet die Qualität der Ergebnisse und Leistungen. Außerdem sind Mitarbeiter nur noch damit beschäftigt, dem Chef Bericht zu erstatten, statt wirklich an wichtigen Projekten zu arbeiten.

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Regeln essen Eifer auf

Der negative Effekt des Mikromanagements wurde von Wissenschaftlern der Universitäten Köln und Zurück bewiesen. Probanden sollten Spielgeld für einen fiktiven Chef vermehren – einmal mit sehr strengen Vorgaben, einmal hatten die Teilnehmer freie Hand. In jeder Runde waren die Mitarbeiter ohne Mikromanager im Hintergrund deutlich erfolgreicher und motivierter.

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Mikromanagement: Beispiele und Test

In sehr ausgeprägten Fällen zeigt sich das Mikromanagement durch offensichtlichen Kontrollwahn des Vorgesetzten. Ganz so offensichtlich ist das Verhalten aber nicht immer. Mikromanagement tritt in vielen Formen auf. Hier sind einige der häufigsten Beispiele, die ein Indiz für einen Mikromanager im Chefsessel sein können – diese sind gleichzeitig ein Test, ob Ihr Chef ein echter Mikromanager ist:

❌ Der Chef übernimmt jede Verantwortung

Natürlich trägt der Chef die Verantwortung für die Abteilung und für die Ziele des Unternehmens. Mikromanager fühlen sich hingegen für jede kleine Aufgabe der Mitarbeiter verantwortlich. Sie können keinerlei Verantwortung übertragen und kontrollieren deshalb jeden Schritt.

❌ Es wird nichts delegiert

Nicht nur Verantwortung, auch Aufgaben, für die er nicht zuständig ist, übernimmt ein Mikromanager selbst. Er greift aktiv in die Arbeit der Mitarbeiter ein. Typisch sind Sätze wie „Ach, darum kümmere ich mich schon selbst…“ Teilweise übernimmt er auch mitten in einem Projekt das Ruder und reißt die Aufgaben an sich.

❌ Abläufe sind bis ins letzte Detail vorgegeben

Regeln, Regeln und noch mehr Regeln. Mikromanager überlassen nichts dem Zufall und vermitteln den Eindruck, Mitarbeiter könnten keine eigenen Entscheidungen treffen. Ein großer Vorgabenkatalog und endlose Gespräche über die beste Vorgehensweise bei einer Aufgabe sind charakteristische Beispiele für Mikromanagement.

❌ Bei Problemen werden Mitarbeiter übergangen

Gibt es Probleme, hilft ein Mikromanager nicht, sondern übernimmt es gleich selbst. Weder bekommt das Team die Chance, selbst eine Lösung zu finden, noch wird ein gemeinsamer Ansatz entwickelt. Beim Mikromanagement ist es am Ende immer der Chef, der es alleine macht.

❌ Der Chef ist nie wirklich zufrieden

Mikromanager finden bei den Ergebnissen anderer immer ein Haar in der Suppe. Der Grund: Sie selbst hätten die Sache ganz anders angepackt – und natürlich grundsätzlich besser gemacht. Ärgert der Chef sich immer und dauerhaft über Sie oder Kollegen, selbst wenn die Ergebnisse stimmen, haben Sie es entweder mit einem absoluten Perfektionisten oder einem Mikromanager zu tun.

❌ Es gibt unzählige Rückfragen

Regelmäßiges Feedback ist für einen Mikromanager das A und O. Wenn ein Mitarbeiter nicht ständig Informationen über den Verlauf eines Projekts liefert, erkundigt er sich eben selbst, ob alles nach Plan läuft oder ob er noch weiter eingreifen muss.

Tipps gegen Mikromanagement

Leiden Sie im Job unter dem Mikromanagement des Chefs? Dann müssen Sie lernen, richtig damit umzugehen. Sie könnten versuchen, die ständige Kontrolle zu akzeptieren – aber wirklich glücklich werden Sie damit wohl kaum. Kommen Sie mit der Situation überhaupt nicht klar, kann ein Jobwechsel die letzte Option sein. Bevor es so weit ist, können die folgenden Tipps gegen das Mikromanagement helfen:

1. Begegnen Sie dem Mikromanager mit Verständnis

Der erste Schritt zum richtigen Umgang ist ein wenig Verständnis. Ja, es ist anstrengend, unter solch einem Mikromanager zu arbeiten, doch sollten Sie nicht gleich böswillige Absicht unterstellen. Ihr Chef versucht nicht bewusst Ihnen zu schaden oder die Arbeitsatmosphäre unerträglich zu machen. Vielleicht ist es Unsicherheit oder großer Druck, die zu seinem Verhalten führen. Dies zu verstehen und zu akzeptieren, erleichtert Ihnen den Umgang mit der Situation.

2. Suchen Sie das direkte Gespräch

Mikromanager merken oft gar nicht, wie welche Auswirkungen der eigene Führungsstil auf die Arbeit und Motivation der Mitarbeiter hat. Ein offenes Gespräch kann helfen. Werfen Sie dabei aber nicht nur mit Vorwürfen und Kritik um sich. Schildern Sie, wie Sie die Situation empfinden und was Sie sich vom Chef wünschen. Das kann beispielsweise weniger Kontrolle, größere Verantwortung oder erweiterte Entscheidungsbefugnis sein.

3. Vereinbaren Sie feste Termine

Kann der Chef die Kontrolle nur schwer reduzieren, kommen Sie ihm ein Stück entgegen. Machen Sie das Angebot, zu festen Terminen eine kurze Zusammenfassung über Ihre Aufgaben, den Fortschritt und den aktuellen Stand von Projekten zu geben. Sie können beispielsweise einmal pro Woche im Meeting kurz den Status Quo durchgeben oder eine Mail schreiben, um den Chef auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen.

4. Übernehmen Sie aktiv Verantwortung

Ergreifen Sie die Initiative und fragen Sie bewusst immer wieder nach mehr Verantwortung. Ein neuer Kunde, ein größeres Projekt oder ein neuer Bereich? Bieten Sie an, diese zu übernehmen und eigenständig ein Konzept zu erarbeiten. Legen Sie gleich einen konkreten Plan vor, wie Sie das ausgewählte Projekt zum Erfolg bringen. Das zeigt gute Vorbereitung und ein Mikromanager kann sich leichter auf Sie verlassen.

5. Bauen Sie Vertrauen auf

Ein schwieriger, aber effektiver Weg: Bauen Sie Vertrauen auf und zeigen Sie dem Chef immer wieder, dass er sich keine Sorgen machen muss, wenn Sie eine Aufgabe übernehmen. Dauerhaft gute Leistungen sind der Beweis, dass die permanente Kontrolle gar nicht notwendig ist. Jedes Mal, wenn Ihre Ergebnisse ohne Zutun des Chefs gut sind, nimmt das Mikromanagement ein wenig ab.

Führungskräfte: Tipps für Mikromanager

Sie erkennen im Mikromanagement Ihr eigenes Führungsverhalten wieder? Dann haben wir abschließend noch drei Tipps, wie Sie Ihren Führungsstil verbessern können:

  1. Lernen Sie zu vertrauen
    Das Kernproblem ist mangelndes Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter. Erinnern Sie sich daran: Sie haben Ihr Team aus gutem Grund eingestellt. Alle bringen die nötigen Qualifikationen mit, haben Erfahrung und bereits oft gute Leistungen erbracht. Geben Sie Ihren Mitarbeitern die Chance zu beweisen, dass sie ohne ständige Kontrolle noch besser arbeiten können.
  2. Geben Sie Verantwortung ab
    Es reicht nicht aus, nur Aufgaben zu delegieren. Sie müssen auch die damit verbundene Verantwortung abgeben, wenn Sie das Mikromanagement reduzieren wollen. Lassen Sie Mitarbeiter eigenverantwortlich handeln und entscheiden. Das fördert die Motivation und Sie können sich auf Ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren.
  3. Machen Sie die Ziele klar
    Sie haben Angst, dass die Ziele nicht erreicht werden? Dann machen Sie diese EINMAL zu Beginn des Projekts klar. Formulieren Sie bei der Aufgabenverteilung deutlich, welche Erwartungen Sie an das Ergebnis haben und was höchste Priorität hat. Das reicht vollkommen aus, damit Mitarbeiter wissen, worauf sie achten müssen. Anschließend sollten Sie dem Team bei der Umsetzung mehr Freiheit lassen.

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[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]

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