Misstrauen: Woher es kommt und was Sie tun können

Politiker, Gebrauchtwagenhändler, Banker – diesen Berufsgruppen bringen die meisten von uns Misstrauen entgegen. Ist es an dieser Stelle vielleicht noch angebracht, kann zu viel Misstrauen im Job aber auch unschöne Konsequenzen haben. Das fängt damit an, dass misstrauische Personen es mit den Kollegen schwerer haben und geht sogar so weit, dass das Privatleben darunter leidet. Doch dagegen lässt sich etwas unternehmen…

Misstrauen: Woher es kommt und was Sie tun können

Wie entsteht Misstrauen?

Wie entsteht Misstrauen?Misstrauen entsteht dann, wenn wir wiederholt enttäuscht und unser Vertrauen missbraucht wurde. Das gilt sowohl für private wie berufliche Beziehungen.

Privat können wir zu den misstrauischen Menschen zählen, weil wir noch Verletzungen und schlechte Erfahrungen aus einer vorherigen Beziehung mit uns herumtragen. Beruflich kann es schon ausreichen, dass sich ein Kollege unser Vertrauen erschlichen und es zu seinem Vorteil eingesetzt hat.

Das zeigt schon: Jeder Mensch reagiert anders auf Enttäuschungen und Kränkungen und entwickelt aus den gleichen Gründen ein mehr oder weniger starkes Misstrauen anderen gegenüber.

Misstrauen ist nicht nur der Gegensatz von Vertrauen, es ist auch ein Zeichen von fehlendem Selbstbewusstsein. Es scheint einen Zusammenhang zwischen der Einstellung zum eigenen Leben, einem positiven Selbstbild und der Fähigkeit, anderen Menschen zu vertrauen, zu geben.

Kurz gesagt: Wer glücklich mit seinem Leben ist, hat weniger Probleme mit Misstrauen.

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Misstrauen und die selbsterfüllende Prophezeiung

Misstrauen sollte von gesunder Skepsis getrennt werden. Während Letztere durchaus positiv sein kann, indem sie uns vor überstürzten und wenig reflektierten Entscheidungen schützt, kann Misstrauen jegliche Beziehung zu anderen Menschen gefährden.

Und zwar dann, wenn Misstrauen unser Denken und Handeln bestimmt. Wird unser Vertrauen immer wieder enttäuscht, ja sogar missbraucht, werden wir vorsichtiger. Die Folge: Wir tun uns schwerer damit, einem anderen Menschen noch einmal Vertrauen entgegen zu bringen.

Damit wird das Misstrauen zu einer kognitiven Verzerrung, zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung, die unseren Alltag bestimmen kann. Wie andere kognitive Verzerrungen, bestimmt uns auch die selbsterfüllende Prophezeiung mehr oder weniger unbewusst.

Menschen, die schon viele Situationen erlebt haben, in denen ihr Vertrauen missbraucht wurde, distanzieren sich mehr als andere von neuen Situationen und Personen. Ihnen fällt es besonders schwer, Vertrauen zu fassen. Damit beginnt ein Teufelskreis, aus dem sie nur selten allein wieder heraus finden.

Denn auch das zeigen Untersuchungen: Menschen, die besonders misstrauisch sind, wird im Gegenzug auch nur selten Vertrauen entgegen gebracht.

Misstrauen schadet auch Anderen

Misstrauen Spruch SkalaNicht nur Menschen, die misstrauisch sind, leiden unter dem Gefühl. Auch an denjenigen, denen ständig von Kollegen Misstrauen entgegengebracht wird, geht das nicht spurlos vorbei. Das geht aus der Studie von Wissenschaftlern mehrerer US-amerikanischer Universitäten hervor, die in dem Artikel Daily mistrust: A resource perspective and its implications for work and home näher beschrieben wurde.

Die Studie geht von einem neuen Ansatzpunkt aus. Während vorherige Untersuchungen die Person, deren Vertrauen enttäuscht wurde, im Mittelpunkt sahen, gehen die Wissenschafter um die Studienleiterin Klodiana Lanaj von der Person aus, der misstraut wird.

Dabei, so die Autoren, ist zu vermuten, dass auch entgegen gebrachtes Misstrauen einen Einfluss auf die Person hat, die so behandelt wird – und die Ergebnisse scheinen die Vermutung zu bestätigen.

Den Versuchspersonen wurde über einen Zeitraum von drei Wochen jeden Tag etwas mehr Misstrauen auf der Arbeit gezeigt. Nach drei Wochen fühlten sich die Probanden emotional erschöpft und zogen sich in der Folge immer mehr von ihren Kollegen zurück.

Dabei blieb es aber nicht. Auch nach der Arbeit hatten die Personen, die mit viel Misstrauen konfrontiert waren, mit Problemen zu kämpfen. Diese wurden sogar noch größer, wenn die Probanden das Gefühl hatten, dass ihnen die Kollegen völlig zurecht misstrauten.

Wie kann man Vertrauen aufbauen?

Grund genug, etwas weniger Misstrauen an den Tag zu legen. An der eigenen Einstellung zu arbeiten, ist meist gar nicht so einfach. Wie wir aber gesehen haben, kann es schon helfen, Vertrauen erweckender zu wirken. Wem Vertrauen geschenkt wird, der kann über kurz oder lang sein Misstrauen anderen Menschen gegenüber abbauen. Damit zäumen wir zwar das Pferd von hinten auf, diese Strategie ist aber trotzdem ein Anfang. Und so geht’s:

  • Lächeln Sie

    „Hunde, die bellen, beißen nicht.“ So ähnlich funktioniert auch die Sache mit dem Lächeln. Wer anderen offen und freundlich begegnet, der kann nichts schlechtes im Schilde führen. So lautet die landläufige Meinung.

    Daher wirken Menschen, die viel lächeln sympathischer und vertrauensvoller als andere. Übertreiben sollten Sie es aber trotzdem nicht mit dem Lächeln. Wirkt es nämlich aufgesetzt und unecht, ruft es eher Misstrauen hervor.

    Lächeln Sie daher nur dann, wenn Ihnen auch danach zumute ist. Das können Sie zum Beispiel damit befördern, indem Sie an eine schöne Situation oder an eine lustige Begebenheit denken.

  • Nicken Sie häufig

    Nicken schafft Verbundenheit. Wenn Ihr Gegenüber etwas erzählt und Sie dabei nicken, signalisieren Sie ihm, dass Sie mit seiner Meinung einverstanden sind. Das erzeugt beim Gesprächspartner das Gefühl, dass Sie ihn verstehen und er sich im Zweifel bei einer widerstreitenden Meinung auf Sie verlassen kann.

    Auch hier gilt: Setzen Sie das Nicken gezielt ein und nicht willkürlich. Wenn Sie es übertreiben, wirkt es eher kontraproduktiv.

  • Halten Sie Blickkontakt

    Wenn Sie während des Gesprächs Ihrem Gegenüber in die Augen schauen, erzeugt auch das Vertrauen. Menschen, die etwas zu verstecken haben, schauen gerne auf den Boden oder ihre Fußspitzen.

    Tun Sie das nicht, sondern blicken Sie Ihrem Kollegen überzeugt ins Gesicht, schafft das eine gemeinsame Basis.

  • Kommunizieren Sie offen

    Eine offene Kommunikation ohne Geheimnisse oder gar Lügen, schafft Vertrauen. Natürlich können und wollen Sie nicht immer und mit Jedem über jedes Thema sprechen.

    Statt zu lügen oder Ausflüchte zu suchen, sollten Sie in dieser Situation aber lieber sagen, dass Sie dazu gerade nichts sagen können – oder möchten. Das wird Ihnen Ihr Gesprächspartner höher anrechnen, als eine kleine Notlüge, die später herauskommt.

  • Stehen Sie zu Fehlern

    Dieser Punkt hängt mit dem vorherigen zwar zusammen, verdient aber trotzdem eine eigene Erwähnung. Er kommt gerade im beruflichen Kontext hin und wieder zu kurz.

    Gerade Vorgesetzte und Führungskräfte tendieren dazu, eigene Fehler klein zu reden oder gleich komplett zu verschweigen. Damit entgeht ihnen eine Chance. Kein Mitarbeiter wird glauben, dass sie fehlerfrei jeden und jeden Tag aufs Neue die vielen Herausforderungen meistern.

    Das Ergebnis: Menschen, die keine Fehler eingestehen können, werden misstrauisch von anderen beäugt – entweder ganz offen oder hinter vorgehaltener Hand.

Diese Berufe erwecken am meisten Misstrauen

Diese Berufe erwecken am meisten MisstrauenGebrauchtwagenhändlern stehen die Meisten von uns vermutlich eher skeptisch gegenüber. Es gibt aber auch weitere Berufsgruppen, die die Deutschen misstrauisch beäugen. Das sind zum Beispiel die folgenden (in absteigender Reihenfolge):

  1. Politiker

    Auf Platz eins des Rankings der am wenigsten vertrauensvollsten Jobs sehen Politiker. Das wird die Meisten nicht verwundern. Vetternwirtschaft, Geklüngel und gefälschte Doktorarbeiten wirken eben nicht gerade vertrauenswürdig.

  2. Versicherungskaufleute

    Die Deutschen sind überversichert. Vielleicht zweifeln sie auch deshalb an den Motiven der Versicherungsvertreter, die ihnen die Versicherungen verkauft haben.

  3. Werbekaufleute

    „Höher, schneller, weiter“ das will uns die Werbeindustrie schmackhaft machen und meist bleibt dabei die Realität auf der Strecke. Kein Wunder, dass nur etwas mehr als jeder vierte Befragte den Angehörigen diese Berufsstandes vertraut.

  4. Journalisten

    Ob es mit dem Vorwurf der „Lügenpresse“ zu tun hat? Woran es liegt, können wir nicht sagen, jedenfalls war es um das Ansehen dieser Berufsgruppe schon besser bestellt.

  5. Profisportler

    Bestechlichkeit und Doping-Vorwürfe haben diese Berufsgruppe im Ansehen sinken lassen. So erreichen Sie Platz fünf der Berufe, denen am meisten Misstrauen entgegen gebracht wird.

  6. Banker

    Mehr Raffgier als Kundennutzen – dieses Bild verbreiten Banker in der Gesellschaft. Und das ist seit der Finanzkrise noch schlimmer geworden. Trotzdem vertrauen noch 40 Prozent der Befragten dieser Berufsgruppe.

  7. Fernsehmoderatoren

    Fernsehmoderatoren stehen in einer engen Verbindung zu Journalisten – und werden daher ebenfalls kritisch beäugt.

  8. Schauspieler

    Wer sein Geld damit verdient, auf Zuruf Emotionen zu spielen, wirkt nicht unbedingt vertrauenswürdig. Jedenfalls schenken weniger als die Hälfte der Deutschen dieser Berufsgruppe ihr Vertrauen.

Und welchen Berufsgruppen vertrauen wir am meisten? Die Übersicht (ebenfalls in absteigender Reihenfolge):

  1. Sanitäter und Feuerwehrleute

    Keine Frage: Lebensretter kommen gut an und genießen am meisten Vertrauen in der Bevölkerung.

  2. Krankenpfleger und Krankenschwestern

    Auch dieser Berufsgruppe vertrauen viele Deutsche, daher stehen sie im Ranking auch nur knapp hinter Platz 1.

  3. Piloten

    Auch die dritte Berufsgruppe entscheidet über unser Leben und belegt daher den dritten Platz im Vertrauens-Ranking.

  4. Techniker und Ingenieure

    War gerade die Ingenieurskunst noch vor einigen Jahren das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft, hat sich das nun etwas geändert. Die Vertrauensverluste halten sich aber noch im Rahmen. Nach der Abgasaffäre hätte man auch mehr Misstrauen erwarten können. Immerhin noch 85 Prozent der Befragten vertrauen dieser Berufsgruppe.

  5. Unternehmer

    Auf Platz fünf und damit auf der Kippe stehen die Unternehmer. Nur ungefähr die Hälfte der Befragten vertraut dieser Berufsgruppe. Bedeutet aber auch, dass die andere Hälfte ihnen nicht vertraut.

  6. Verkäufer und Händler

    Diese Berufsgruppe schafft es gerade noch so auf den letzten Platz im Ranking der vertrauensvollsten Jobs. Die Befragten gehen wohl davon aus, dass Verkäufer die Wahrheit etwas flexibel handhaben, um ihr Produkt oder ihre Dienstleistung zu verkaufen.

[Quelle: Trust in Professions Report, GfK Verein]

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[Bildnachweis: Shchus by Shutterstock.com]
16. Februar 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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