Zwei Gesichter: Woran Sie Falschheit erkennen

Wer kennt das nicht: Eine Person sagt das eine und tut das andere. Das lässt sich (vorschnell) mit Unzuverlässigkeit oder Vergesslichkeit beschreiben. Aber manche Menschen haben zwei Gesichter. Sie verhalten sich mutwillig anders als zuvor angekündigt. In der einen Minute wähnen Sie noch einen Freund in Ihrem Kollegen zu haben, in der nächsten fällt er Ihnen in den Rücken. Woran Sie erkennen, dass Ihr Gegenüber zwei Gesichter hat und was Sie tun können…

Zwei Gesichter: Woran Sie Falschheit erkennen

Zwei Gesichter Bedeutung: Was heißt das?

Charakter mit zwei Gesichtern Psychologie haben Bedeutung Männer mit zwei Gesichtern Sprüche Synonym JanusWas ist die Bedeutung der Formulierung „zwei Gesichter haben“? Sie klingt ganz ähnlich wie „das zweite Gesicht haben“ und könnte leicht verwechselt werden.

Hier geht es allerdings nicht um hellseherische Fähigkeiten. Gemeint ist vielmehr, dass eine Person sich anders gibt, als sie wirklich ist. Die Rede ist von Falschheit. Synonym zu zwei Gesichter haben lässt sich sagen, eine Person ist…

  • doppelgesichtig
  • janusköpfig
  • unaufrichtig

Wer zwei Gesichter hat, weist unterschiedliche Eigenschaften und Verhaltensweisen auf. Nun könnten Sie einwenden, dass jeder Mensch sich je nach Situation angemessen verhält. Sich situationsbedingt zu verhalten, ist auch völlig in Ordnung.

Wer aber sich ein- und derselben Person von zwei entgegengesetzten Seiten zeigt und mal total freundlich ist und in der nächsten Minute sie wie eine heiße Kartoffel fallen lässt, hat zwei Gesichter.

Charakter mit zwei Gesichtern: Schwierige Persönlichkeiten

Das Problem bei einem Charakter mit zwei Gesichtern ist, dass Sie nie wissen, woran Sie sind. Viele Menschen verlassen sich auf den ersten Eindruck.

Auch Personaler gehören dazu: Wenn eine Bewerbung beispielsweise vor Rechtschreibfehlern nur so strotzt, wird höchstwahrscheinlich keine Einladung zum Vorstellungsgespräch folgen. Selbst wenn die Qualifikationen bei genauerem Hinsehen zu passen scheinen.

Eine weitere Stufe des ersten Eindrucks zeigt sich beim Vorstellungsgespräch: Stimmt hier der erste Eindruck, erhält ein Bewerber meist die Zusage. Eine gute Menschenkenntnis ist Voraussetzung dafür, dass der neue Mitarbeiter tatsächlich hält, was er verspricht.

Eine Garantie ist es allerdings nicht. Menschen mit zwei Gesichtern sind oftmals Meister der Verstellung: Sie wissen, was in der jeweiligen Situation sozial erwünscht ist und liefern. Solange es ihnen etwas nützt. In dem Moment, wo kein unmittelbarer Nutzen erkennbar ist, lassen sie ihre Maske fallen.

Das ist nicht weiter verwunderlich, denn so ein Bild aufrecht zu erhalten, ist auf Dauer anstrengend.

Kann ein Mensch zwei Gesichter haben?

Manch einer zweifelt vielleicht: Kann ein Mensch zwei Gesichter haben? Natürlich ist das wortwörtlich genommen Quatsch. Auch wollen manche Frauenmagazine (so zum Beispiel die Elle) ausgemacht haben, dass je nach Sternzeichen manche Menschen zum Frenemy taugen.

Dass der Stern, unter dem jemand geboren wird, sich auf seinen Charakter auswirkt, ist ebenfalls höchst unwahrscheinlich. Aber an den Frenemies ist etwas dran.

Frenemies – ein Kunstwort von englisch friends plus enemies, also Freunden und Feinden – so werden im anglo-amerikanischen Raum Leute genannt, die nach vorne ganz dicke mit Ihnen befreundet sind und nach hinten sofort über Sie lästern.

Eben Menschen mit zwei Gesichtern. Und es gibt sie. Selbst bei alten Freundschaften muss diese Frage leider bejaht werden.

Nicht umsonst heißt es: Gib einem Menschen Macht und du erkennst seinen wahren Charakter. Wer diese Erfahrung noch nicht gemacht hat, braucht sich nur umzuhören und erfährt immer wieder über Geschichten von Verrat, Loyalitätsbruch und Betrug.

Wahre Freundschaft zeigt sich nämlich häufig erst in der Not: Wenn es darauf ankommt, dass Menschen aus dem eigenen Netzwerk helfen und dann plötzlich bis auf ein paar wenige alle weg sind.

Solche Erfahrungen machen beispielsweise Arbeitnehmer, die arbeitslos werden. Nicht selten müssen Menschen dann den Gürtel enger schnallen, gerade wenn die Arbeitslosigkeit in ALG II mündet.

Dann zeigt sich oftmals das wahre Gesicht von einigen „Freunden“. Ein klarer Fall von Schönwetter-Freunden, die bisher offenbar ein falsches Spiel gespielt haben.

Zwei Gesichter: Sprüche und Zitate

  • Das wahre Gesicht eines Menschen siehst du nicht bei der ersten Begegnung, sondern bei der letzten.
  • Das Leben ist wie ein Maskenball – keiner zeigt sein wahres Gesicht.
  • Ein Mensch mit zwei Gesichtern wird früher oder später vergessen, welches sein wahres ist.
  • Die schlimmste Art der Falschheit ist vorgespielte Ehrlichkeit.
  • In jedem Menschen, den du kennst, steckt ein Mensch, den du nicht kennst.
  • Viele Menschen haben zwei Gesichter – nicht immer ist dein Herz im Recht.
  • Ich habe zwei Gesichter – mit welchem du Bekanntschaft machst, liegt kann bei dir.
  • Die Menschen zeigen dir erst dann ihr wahres Gesicht, wenn sie das, was sie von dir wollen, nicht bekommen.
  • Dass man mitunter Gesichter verwechselt, hat seinen Grund darin, dass das wirkliche Bild verdunkelt wird von dem geistigen Bild, das ihm entspringt. Charles Baudelaire
  • Es ist eine alte Regel: Ein Unverschämter kann bescheiden aussehen, wenn er will, aber kein Bescheidener unverschämt. Georg Christoph Lichtenberg
  • Wenn ich zwei Gesichter hätte, würde ich dann dieses tragen? Abraham Lincoln

Zwei Gesichter: Janus ist schuld

Woher kommt überhaupt die Formulierung zwei Gesichter haben? Auch das Synonym „janusköpfig“ erschließt sich nicht jedem sofort. Janusköpfig, also wie Janus zwei Köpfe habend, geht auf die römische Gottheit Janus zurück.

Nach ihm ist übrigens auch der Wintermonat Januar benannt, er steht auch in bildlichen Darstellungen der Jahreszeiten für den Winter.

Janus ist außerdem der Gott des Anfangs und des Endes, aber auch der Türen und Tore – sein Name geht auf denselben Ursprung zurück wie das lateinische Wort für Tür (ianua) beziehungsweise für einen unverschlossenen Durchgang (ianus).

Letztlich steht Janus mit seinen zwei Gesichtern für die Dualität im Leben. Immer gibt es einen Gegenpol – oben/unten, links/rechts, Leben/Tod. Das wird ganz neutral interpretiert, wie zwei Seiten einer Medaille.

Janusköpfig ist so gesehen ursprünglich nicht gleichbedeutend mit „falsch“, sondern bedeutet vor allem, dass eine Person sich uneindeutig oder mehrdeutig verhält.

Zwei Gesichter: Was so ein Verhalten offenbart

Immer wieder begegnen uns Personen, die offenbar zwei Gesichter haben. Im Arbeitsumfeld, im Privatleben – selbst im öffentlichen Leben ist davon zu hören. So berichtet die Klatschpresse von der Dschungelcamp-Teilnehmerin Tatjana Gsell eben dies, dass sie zwei Gesichter habe.

Anlass dafür war ihr Auftritt in einer weiteren Reality-Show, in der sie zunächst ihre ruhige, freundliche und ausgeglichene Seite präsentierte – ein anderes Mal aber eben genau das Gegenteil: Dasselbe Setting, dieselben Teilnehmer, aber eine laute, betrunkene und unfreundliche Variante derselben Person.

Dabei heißt es, dass Alkohol eigentlich nur die Eigenschaften stärker hervortreten lässt, die sowieso bereits angelegt sind. Es spricht also einiges dafür, dass Personen, die unter Alkoholeinfluss plötzlich ausfallend werden, sich im nüchternen Zustand lediglich beherrscht haben.

Sich andauernd zu beherrschen und das wahre Ich zu unterdrücken, kostet Kraft und Energie. Was sagt uns das über die Person? Einige Überlegungen dazu:

  • Opportunismus

    Der augenscheinlichste Grund dafür, dass Menschen mit zwei Gesichtern sich so verhalten, ist, dass sie opportunistisch veranlagt sind. Immer auf den eigenen Vorteil bedacht, verfolgen sie ihr Ziel solange, bis sie es erreicht haben. In dem Moment, in dem Sie so jemanden nicht mehr von Nutzen sind oder aber die falsche Person sich in Sicherheit wähnt, wird der Kontakt abgebrochen, wird ausgeplaudert, was die Person wirklich über Sie denkt. In den seltensten Fällen kommt etwas Positives dabei heraus. Manchmal wird gelästert, um sich so neue „Freunde“ zu machen, denn gemeinsame Feindschaft schweißt zusammen. Dieses Verhalten ist klares Schmarotzertum.

  • Persönlichkeitsstörung

    Nicht selten verbirgt sich eine Persönlichkeitsstörung hinter diesem Verhalten. Psychopathen haben beispielsweise überhaupt keinerlei Skrupel, andere Menschen für ihre Zwecke zu benutzen. Und sie besitzen zwei Gesichter: Einerseits können sie charmant sein, andererseits lügen sie ohne rot zu werden. Auch Narzissten gehören in die Gruppe derer, die zwei Gesichter zeigen: Auf der einen Seite wollen sie von anderen bewundert werden und suchen Anerkennung. Das ist der Grund dafür, dass sie sich permanent selbst darstellen und in den Mittelpunkt rücken. Auf der anderen Seite versuchen sie das Gefühl für Wichtigkeit zu erlangen, indem sie andere abwerten und aggressiv auftreten. Erkennbar ist so ein Verhalten meist erst nach geraumer Zeit, wenn in engeren Beziehungen deutlich wird, dass der andere so gar nicht mit Kritik umgehen kann.

  • Feigheit

    Hinter so einem Verhalten steckt durchaus eine Form der Feigheit und Bequemlichkeit. Man könnte sich ja auch mit aufrichtiger Mühe Freundschaften und Positionen erarbeiten. Und wer mit sich im Reinen ist, über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügt, muss andere nicht abwerten, um sich besser zu fühlen. Selbst wenn es berechtigte Kritik an Ihrem Verhalten oder dem anderer Kollegen gibt – wer aufrichtig an einer Freundschaft oder guter Zusammenarbeit mit Ihnen interessiert ist, bringt den Mut auf, Ihnen direkt zu sagen, was ihn stört. Hintenherum Klatsch und Tratsch zu befeuern hat jedenfalls nichts mit Aufrichtigkeit zu tun.

Indizien, woran Sie Menschen mit zwei Gesichtern erkennen

Es gibt leider kein Rezept für den Umgang mit solchen Personen, zumindest nicht im Vorfeld. Denn wie oben ausgeführt, zeigt sich oftmals erst in der Bewährungsprobe, ob jemand zwei Gesichter hat. Hilfreich ist natürlich eine gewisse Menschenkenntnis Ihrerseits.

Dazu gehört, den Ball flach zu halten: Nur weil ein neuer Kollege, den Sie noch nicht näher kennen, Sie freundlich gegrüßt hat, bedeutet das nicht, dass Sie nicht noch Ihr blaues Wunder erleben können. Es geht zwar nicht darum, grundsätzlich jedem und allem zu misstrauen.

Aber Sie sollten Gesten, Mimik und Verhalten in der Summe betrachten und nicht von einer einzelnen Situation auf alle künftigen schließen. Das gilt natürlich im Negativen wie im Positiven. Solange Sie jemanden nicht besonders gut oder lange kennen, ist ein gesunder Selbstschutz notwendig.

Auf der Arbeit und in anderen Beziehungen bedeutet das, sich nicht ausnutzen zu lassen:

  • Seien Sie anfangs zurückhaltend.

    Sie möchten Ihrem Kollegen gerne bei einer Sache helfen? Kein Problem – solange nicht Sie ständig derjenige sind, der hilft und nichts zurückbekommt.

  • Beobachten Sie die Person.

    Hierbei geht es nicht um Stalking. Vielmehr um ein gutes Gedächtnis: Gleichen Sie vergangene Erlebnisse mit Aussagen der Person ab. Hat er umgesetzt, was versprochen wurde? Wenn nicht, kann das ein Anzeichen für zwei Gesichter sein.

  • Hören Sie zu.

    Wenn eine Person pausenlos von sich redet, dann weist das auf eine ordentliche Portion Selbstdarstellung hin – vielleicht haben Sie einen Narzissten vor sich. Die Gefahr, ausgenutzt zu werden, steigt damit. Auch wenn Kritikgespräche unmöglich sind, weil Ihr Gegenüber überempfindlich reagiert, haben Sie Hinweise dafür, dass der andere nicht wirklich an Ihnen interessiert ist.

[Bildnachweis: FGC by Shutterstock.com]
11. Mai 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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