Kommunikationsstile: 8 Typen nach Schulz von Thun

Menschen kommunizieren unterschiedlich: Die einen treten bestimmt auf, andere zurückhaltend, hilfsbereit oder mitteilungsfreudig. Der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun unterscheidet 8 Kommunikationsstile, die typische Verhaltensmuster im Gespräch beschreiben. Keiner davon ist grundsätzlich gut oder schlecht – jeder besitzt Stärken, Schwächen und Entwicklungsmöglichkeiten. Wir stellen Ihnen die 8 Kommunikationsstile mit Beispielen vor und zeigen, wie Sie Ihren eigenen Stil erkennen und verbessern…

8 Kommunikationsstile Nach Schulz Von Thun Uebersicht Beispiele

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Definition: Ein Kommunikationsstil beschreibt typische Verhaltensweisen und Muster, mit denen Menschen kommunizieren und Beziehungen gestalten.
  • Schulz von Thun: Der Kommunikationspsychologe unterscheidet 8 Kommunikationsstile – vom bedürftig-abhängigen bis zum mitteilungsfreudig-dramatisierenden Stil.
  • Mischformen: Menschen kommunizieren selten ausschließlich in einem Stil. Je nach Situation und Gesprächspartner können unterschiedliche Anteile sichtbar werden.
  • Stärken: Jeder Kommunikationsstil besitzt hilfreiche Eigenschaften und zugleich mögliche problematische Ausprägungen.
  • Entwicklung: Wer den eigenen Kommunikationsstil kennt, kann sein Verhalten bewusster an Situation, Gesprächspartner und Ziel anpassen.
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Definition: Was ist ein Kommunikationsstil?

Der Begriff Kommunikationsstil beschreibt charakteristische Verhaltensweisen, die Menschen beim Austausch mit anderen zeigen. Dabei geht es nicht nur darum, WAS jemand sagt, sondern ebenso WIE er auftritt, Beziehungen gestaltet und auf sein Gegenüber reagiert. Zum Kommunikationsstil gehören etwa Wortwahl, Tonfall und Stimme, Gesprächsanteile sowie nonverbale Kommunikation durch Blickkontakt, Mimik, Gestik und Körperhaltung.

Hinweis: Kommunikationsstile sind keine Persönlichkeitstypen! Menschen können verschiedene Stilanteile besitzen und je nach Situation unterschiedlich kommunizieren. Im Gespräch mit dem Chef verhalten Sie sich möglicherweise anders als gegenüber Kollegen, Kunden, Freunden oder Ihrem Partner.

Kommunikationsstil vs. Kommunikationsart: Was ist der Unterschied?

Ein Kommunikationsstil beschreibt, wie sich ein Mensch typischerweise im Austausch mit anderen verhält. Kommunikationsarten unterscheiden dagegen verbale, nonverbale und paraverbale Kommunikation oder direkte und indirekte Kommunikation. Vereinfacht gesagt: Die Kommunikationsart beschreibt den Weg und die Form – der Kommunikationsstil das persönliche Verhaltensmuster.

Welche Kommunikationsstile gibt es?

Es gibt unterschiedliche Modelle und Einteilungen von Kommunikationsstilen. Besonders bekannt ist das Modell des Hamburger Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun. Er beschreibt acht idealtypische Kommunikationsstile, die unterschiedliche Muster im zwischenmenschlichen Austausch zeigen. Die 8 Kommunikationsstile nach Schulz von Thun sind:

  1. Bedürftig-abhängiger Kommunikationsstil
  2. Helfender Kommunikationsstil
  3. Selbstloser Kommunikationsstil
  4. Aggressiv-entwertender Kommunikationsstil
  5. Sich beweisender Kommunikationsstil
  6. Bestimmend-kontrollierender Kommunikationsstil
  7. Sich distanzierender Kommunikationsstil
  8. Mitteilungsfreudig-dramatisierender Kommunikationsstil

Daneben ist vor allem im englischsprachigen Raum eine Einteilung in vier Kommunikationsstile verbreitet: passiv, aggressiv, passiv-aggressiv und selbstbewusst. Beide Modelle sind nicht identisch. Wir erklären diese vier Stile weiter unten gesondert.

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Die 8 Kommunikationsstile nach Schulz von Thun im Überblick

Jeder Kommunikationsstil besitzt typische Merkmale, aber auch Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede:

Kommunikationsstil

Typisches Muster + Entwicklung

Bedürftig-abhängig Sucht Unterstützung und Rückversicherung. Kann Hilfe gut annehmen, sollte aber mehr Eigenständigkeit entwickeln.
Helfend Kümmert sich stark um andere. Ist empathisch und hilfsbereit, sollte dabei eigene Bedürfnisse nicht vernachlässigen.
Selbstlos Stellt eigene Wünsche zurück. Ist rücksichtsvoll, sollte aber lernen, eigene Interessen klarer zu vertreten.
Aggressiv-entwertend Wertet andere ab und geht schnell in Konfrontation. Besitzt Durchsetzungskraft, sollte mehr Respekt und Taktgefühl entwickeln.
Sich beweisend Will Kompetenz und Leistung zeigen. Ist ehrgeizig und engagiert, sollte aber Fehler und Schwächen zulassen können.
Bestimmend-kontrollierend Gibt Regeln vor und kontrolliert Abläufe. Sorgt für Struktur, sollte aber mehr Vertrauen und Flexibilität entwickeln.
Sich distanzierend Hält andere emotional auf Abstand. Bleibt sachlich und unabhängig, sollte aber mehr persönliche Nähe zulassen.
Mitteilungsfreudig-dramatisierend Erzählt gerne und sucht Aufmerksamkeit. Wirkt lebendig und unterhaltsam, sollte aber stärker zuhören und andere einbeziehen.
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Kommunikationsstile: Beispiele, Stärken und Schwächen

Die acht Kommunikationsstile helfen dabei, wiederkehrende Verhaltensmuster bei sich selbst und anderen besser zu erkennen. Im Folgenden zeigen wir typische Merkmale, mögliche Ursachen sowie Stärken, Schwächen und Entwicklungsrichtungen:

1. Der bedürftig-abhängige Kommunikationsstil

  • Merkmale

    Menschen mit einem bedürftig-abhängigen Kommunikationsstil suchen häufig Unterstützung, Schutz und Rückversicherung. Sie stellen ihre eigene Hilflosigkeit heraus und hoffen, dass andere Verantwortung übernehmen. Typische Aussagen sind: „Das können Sie viel besser als ich“ oder „Was würden Sie an meiner Stelle machen?“

  • Mögliche Entstehung

    Nach Schulz von Thun kann hinter diesem Stil die Erfahrung stehen, dass Selbstständigkeit früher wenig gefördert wurde oder Zuwendung besonders dann erfolgte, wenn jemand Hilfe benötigte. Daraus kann sich ein geringes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln.

  • Stärken und Schwächen

    Bedürftig-Abhängige können Unterstützung gut annehmen und zeigen offen, wenn sie etwas nicht wissen. Problematisch wird es, wenn sie sich selbst dauerhaft wenig zutrauen und Entscheidungen oder Verantwortung an andere abgeben.

  • Umgang und Entwicklung

    Nehmen Sie dem Betroffenen nicht automatisch jede Aufgabe ab. Hilfreicher ist Hilfe zur Selbsthilfe: Fragen Sie beispielsweise „Wie würden Sie selbst vorgehen?“ und fördern Sie eigene Entscheidungen. Erfolgserlebnisse stärken langfristig das Selbstvertrauen.

2. Der helfende Kommunikationsstil

  • Merkmale

    Der Helfende kümmert sich gerne um andere, hört zu und bietet schnell Rat oder Unterstützung an. Dabei wirkt er kompetent, souverän und belastbar. Die Probleme anderer stehen häufig stärker im Mittelpunkt als die eigenen.

  • Mögliche Entstehung

    Hinter dem helfenden Stil kann die Erfahrung stehen, früh Verantwortung übernommen oder gelernt zu haben, Anerkennung über Hilfsbereitschaft zu erhalten. Manche Helfer fühlen sich besonders gebraucht, wenn andere von ihnen abhängig sind.

  • Stärken und Schwächen

    Helfende sind häufig empathisch, verantwortungsbewusst und verlässliche Ansprechpartner. Die Kehrseite: Wer ständig für andere da ist, übersieht leicht die eigenen Grenzen und kann sich überfordern.

  • Umgang und Entwicklung

    Helfende müssen lernen, dass sie nicht jedes Problem lösen müssen. Fragen wie „Möchten Sie einen Rat oder soll ich einfach zuhören?“ verhindern ungefragte Ratschläge. Ebenso wichtig ist es, Nein sagen und Verantwortung bei der Person zu lassen, der sie gehört.

3. Der selbstlose Kommunikationsstil

  • Merkmale

    Selbstlose stellen eigene Wünsche und Leistungen häufig zurück. Sie möchten es anderen recht machen, vermeiden Konflikte und spielen den eigenen Beitrag herunter. Typische Aussagen sind: „Für mich ist das nicht so wichtig“ oder „Entscheiden Sie ruhig.“

  • Mögliche Entstehung

    Der Stil kann sich entwickeln, wenn eigene Bedürfnisse früher wenig Raum bekommen haben oder Anerkennung stark davon abhängig war, Erwartungen anderer zu erfüllen.

  • Stärken und Schwächen

    Selbstlose Menschen sind rücksichtsvoll, kooperativ und selten von übermäßigem Ego geprägt. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, Grenzen zu setzen, Wünsche auszusprechen oder berechtigte Ansprüche zu vertreten.

  • Umgang und Entwicklung

    Fordern Sie Selbstlose ausdrücklich zu einer eigenen Meinung auf und akzeptieren Sie ein Nein. Für Betroffene selbst besteht die Entwicklungsaufgabe darin, Bedürfnisse deutlicher wahrzunehmen und mit klaren Ich-Botschaften zu vertreten.

4. Der aggressiv-entwertende Kommunikationsstil

  • Merkmale

    Aggressiv-Entwertende erhöhen sich selbst, indem sie andere kritisieren, herabsetzen oder deren Schwächen betonen. Sie greifen häufig an, bevor sie selbst angegriffen werden können. Aussagen wie „Das war ja wieder typisch“ oder „Das bekommen Sie wohl nie hin“ sind charakteristisch.

  • Mögliche Entstehung

    Nach Schulz von Thun können hinter diesem Stil eigene Erfahrungen mit Kränkung, Schwäche oder Demütigung stehen. Abwertung dient dann als Schutz davor, sich selbst unterlegen oder verletzlich zu fühlen.

  • Stärken und Schwächen

    Der Stil kann mit Durchsetzungsfähigkeit, kritischem Blick und schneller Fehlererkennung verbunden sein. Permanente Abwertung erzeugt jedoch Widerstand, verletzt Beziehungen und führt leicht zu Kommunikationsstörungen.

  • Umgang und Entwicklung

    Lassen Sie sich nicht auf persönliche Gegenangriffe ein. Lenken Sie das Gespräch auf konkrete Beobachtungen und Sachfragen zurück. Aggressiv-Entwertende profitieren davon, Kritik ohne persönliche Abwertung zu formulieren und mehr Selbstkritik sowie Respekt zu entwickeln.

5. Der sich beweisende Kommunikationsstil

  • Merkmale

    Menschen mit diesem Stil möchten zeigen, was sie können und geleistet haben. Sie erzählen von Erfolgen, betonen Kompetenz und vergleichen sich mit anderen. Dahinter steht häufig der Wunsch, als leistungsfähig und wertvoll wahrgenommen zu werden.

  • Mögliche Entstehung

    Wer früh erlebt hat, für Leistung und Erfolg Anerkennung zu erhalten, kann den eigenen Selbstwert stark daran koppeln. Daraus entstehen mitunter großer Ehrgeiz und Perfektionismus.

  • Stärken und Schwächen

    Sich Beweisende sind häufig leistungsbereit, engagiert und zuverlässig. Problematisch wird es, wenn Gespräche zum Wettbewerb werden und wiederholt gezeigt werden muss, wer klüger, erfolgreicher oder erfahrener ist.

  • Umgang und Entwicklung

    Steigen Sie nicht in einen Wettbewerb um Status und Leistungen ein. Würdigen Sie gute Ergebnisse, ohne permanente Selbstdarstellung zusätzlich zu belohnen. Sich Beweisende können lernen, Fehler und Unsicherheit zuzulassen und andere ebenfalls glänzen zu lassen.

6. Der bestimmend-kontrollierende Kommunikationsstil

  • Merkmale

    Bestimmend-Kontrollierende legen großen Wert auf Regeln, Ordnung und eindeutige Abläufe. Sie geben gerne vor, was richtig ist und wie etwas erledigt werden soll. Spontane Änderungen oder unklare Situationen lösen dagegen schnell Unbehagen aus.

  • Mögliche Entstehung

    Hinter diesem Stil kann ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle stehen. Wer gelernt hat, dass Fehler oder Regelverstöße negative Folgen haben, versucht möglicherweise, Unsicherheit durch möglichst genaue Vorgaben zu vermeiden.

  • Stärken und Schwächen

    Dieser Kommunikationsstil schafft Klarheit, Verbindlichkeit und Orientierung. Zu viel Kontrolle kann jedoch Eigeninitiative, Kreativität und neue Lösungswege verhindern.

  • Umgang und Entwicklung

    Klare Absprachen und nachvollziehbare Argumente erleichtern den Umgang. Bestimmend-Kontrollierende wiederum sollten bewusst Verantwortung abgeben und akzeptieren, dass unterschiedliche Wege zum selben guten Ergebnis führen können.

7. Der sich distanzierende Kommunikationsstil

  • Merkmale

    Sich Distanzierende halten andere verbal und häufig auch räumlich auf Abstand. Sie kommunizieren sachlich, rational und kontrolliert, zeigen wenig Persönliches und schützen ihre Distanzzonen. Auf andere können sie dadurch kühl oder arrogant wirken.

  • Mögliche Entstehung

    Nach Schulz von Thun kann Distanz dem Schutz vor zu großer Abhängigkeit und Verletzlichkeit dienen. Nähe wird dann eher als Risiko denn als Sicherheit erlebt.

  • Stärken und Schwächen

    Distanzierte Menschen bewahren in emotionalen Situationen häufig einen kühlen Kopf, denken analytisch und können sich gut abgrenzen. Gleichzeitig erschwert große Distanz Vertrauen und persönliche Beziehungen.

  • Umgang und Entwicklung

    Drängen Sie distanzierende Menschen nicht zu persönlicher Offenheit. Vertrauen braucht Zeit und sichere Gesprächsräume. Für Betroffene besteht die Entwicklung darin, kontrolliert mehr Persönlichkeit und Gefühle zu zeigen, ohne dabei die eigene Autonomie aufzugeben.

8. Der mitteilungsfreudig-dramatisierende Kommunikationsstil

  • Merkmale

    Der Mitteilungsfreudig-Dramatisierende erzählt gerne, sucht Aufmerksamkeit und kann Gespräche mit lebhaften Geschichten prägen. Eigene Erlebnisse werden mitunter ausgeschmückt, Gesprächspartner dienen als Publikum und kommen selbst weniger zu Wort.

  • Mögliche Entstehung

    Hinter diesem Stil kann der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung stehen. Wer gelernt hat, besonders durch auffälliges oder unterhaltsames Verhalten wahrgenommen zu werden, setzt diese Strategie möglicherweise später fort.

  • Stärken und Schwächen

    Mitteilungsfreudige Menschen können unterhaltsam, spontan, kreativ und mitreißend sein. Wird aus dem Dialog jedoch ein dauerhafter Monolog, fühlen sich andere schnell übergangen.

  • Umgang und Entwicklung

    Zeigen Sie Interesse, setzen Sie aber freundlich Grenzen und bringen Sie eigene Gesprächsanteile ein. Mitteilungsfreudig-Dramatisierende verbessern ihren Stil vor allem, indem sie aktiv zuhören, Fragen stellen und anderen bewusst Raum geben.

Welcher Kommunikationsstil ist der beste?

Keiner. Nach Schulz von Thun besitzt jeder Kommunikationsstil Stärken, Schwächen und eine mögliche Entwicklungsrichtung. Entscheidend ist, ob Ihr Verhalten zur Situation, Beziehung und Zielsetzung passt. Professionelle Kommunikation ist deshalb flexibel: Ein bestimmender Anteil kann hilfreich sein, wenn in einer Krise schnelle Orientierung benötigt wird. Helfendes Verhalten ist wertvoll, wenn ein Kollege Unterstützung braucht. Sachliche Distanz hilft wiederum, wenn Emotionen eine nüchterne Entscheidung erschweren.

Problematisch werden Kommunikationsstile primär dann, wenn sie einseitig oder extrem ausgeprägt sind. Wer beispielsweise immer hilft, überfordert sich selbst. Wer ständig kontrolliert, nimmt anderen die Eigenverantwortung. Und wer sich immer zurücknimmt, wird mit seinen eigenen Bedürfnissen kaum wahrgenommen. Ziel ist daher nicht, den eigenen Kommunikationsstil abzulegen. Vielmehr sollten Sie Ihr Repertoire erweitern und Ihre Kommunikationsfähigkeit so entwickeln, dass Sie situationsgerecht reagieren können.

Selbsttest: Welchen Kommunikationsstil pflege ich?

Welcher der acht Kommunikationsstile ist bei Ihnen besonders ausgeprägt? Lesen Sie die folgenden Aussagen und achten Sie darauf, bei welchen Sie sich spontan wiedererkennen:

  • Ich bitte andere schnell um Unterstützung, wenn ich unsicher bin.
  • Ich kümmere mich häufig um die Probleme anderer und biete Lösungen an.
  • Ich stelle meine Wünsche zurück, um Streit oder Ablehnung zu vermeiden.
  • Wenn mich etwas stört, kritisiere ich andere manchmal sehr deutlich.
  • Mir ist wichtig, dass andere meine Kompetenz und meine Leistungen wahrnehmen.
  • Ich fühle mich wohler, wenn Regeln, Zuständigkeiten und Abläufe eindeutig festgelegt sind.
  • Ich spreche nur ungern über persönliche Gefühle und halte lieber etwas Abstand.
  • Ich erzähle gerne von meinen Erlebnissen und stehe in Gesprächen häufig im Mittelpunkt.

Die Reihenfolge der Testfragen entspricht den acht Kommunikationsstilen. Zustimmung zu Aussage 1 deutet beispielsweise auf bedürftig-abhängige Anteile hin, Aussage 2 auf helfende und Aussage 8 auf mitteilungsfreudig-dramatisierende. Der kurze Selbsttest ist natürlich keine psychologische Diagnose. Mehrere Zustimmungen sind sogar zu erwarten: Die acht Stile sind Prototypen, während Menschen im Alltag meist Mischformen zeigen. Interessanter als ein Etikett ist deshalb die Frage, welche Muster Ihnen häufig helfen – und welche Sie verändern oder durch andere Verhaltensweisen ergänzen sollten.

Was sind die 4 Kommunikationsstile: passiv bis selbstbewusst?

Neben Schulz von Thuns Modell begegnet Ihnen häufig eine andere Einteilung in vier Kommunikationsstile: passiv, aggressiv, passiv-aggressiv und selbstbewusst bzw. assertiv. Diese vier Stile dürfen nicht mit den acht Kommunikationsstilen nach Schulz von Thun gleichgesetzt werden. Sie beschreiben Kommunikation nach anderen Kriterien:

Kommunikationsstil

Typisches Verhalten + Beispiel

Passiv Eigene Bedürfnisse und Meinungen werden zurückgestellt. Beispiel: „Mir ist es egal. Entscheiden Sie.“
Aggressiv Eigene Interessen werden auf Kosten anderer durchgesetzt. Beispiel: „Das machen wir so. Darüber diskutiere ich nicht.“
Passiv-aggressiv Ärger und Widerstand werden indirekt ausgedrückt. Beispiel: „Klar, ich habe ja sonst nichts zu tun.“
Selbstbewusst Eigene Interessen werden klar vertreten und die Position des Gegenübers respektiert. Beispiel: „Ich sehe das anders. Darf ich erklären, warum?“

Im Unterschied zu Schulz von Thuns Modell enthält diese Einteilung mit dem selbstbewussten bzw. assertiven Stil stärker eine Zielrichtung für konstruktive Kommunikation. Trotzdem gilt auch hier: Der Kontext entscheidet darüber, welches Verhalten angemessen ist.

Wie kann ich meinen Kommunikationsstil verbessern?

Den eigenen Kommunikationsstil zu verbessern, bedeutet, typische Muster bei sich zu erkennen und zusätzliche Verhaltensweisen zu entwickeln. Nutzen Sie hierfür diese sechs bewährten Strategien:

1. Beobachten Sie Ihr Kommunikationsverhalten

Achten Sie zunächst eine Woche lang bewusst auf wiederkehrende Kommunikationsmuster: Reden Sie besonders viel? Geben Sie schnell nach? Bieten Sie ungefragt Lösungen an? Werden Sie unter Druck kontrollierend oder scharf? Besonders aufschlussreich sind Situationen, in denen Gespräche regelmäßig schwierig werden.

2. Holen Sie sich ehrliches Feedback

Das eigene Verhalten nehmen wir nur begrenzt objektiv wahr. Fragen Sie Menschen, denen Sie vertrauen: „Wie wirke ich in Diskussionen?“ Oder: „Was könnte ich in Gesprächen besser machen?“ Solches Feedback kann blinde Flecken sichtbar machen.

3. Hören Sie aktiver zu

Viele Kommunikationsprobleme entstehen nicht erst beim Reden, sondern schon beim Zuhören. Lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden, fragen Sie nach und fassen Sie wichtige Aussagen in eigenen Worten zusammen – sog. Paraphrasieren. Das hilft besonders mitteilungsfreudigen, helfenden und aggressiv-entwertenden Kommunikationsstilen.

4. Formulieren Sie klar und respektvoll

Sagen Sie, was Sie beobachten, denken und benötigen, ohne andere abzuwerten. Dabei können Gewaltfreie Kommunikation und Ich-Botschaften helfen. Besonders Selbstlose und Bedürftig-Abhängige profitieren davon, eigene Anliegen deutlicher auszusprechen.

5. Probieren Sie bewusst andere Verhaltensweisen aus

Verlassen Sie eingefahrene Kommunikationsmuster in kleinen Schritten: Helfende warten, bis sie um Rat gebeten werden. Kontrollierende delegieren eine Aufgabe ohne detaillierte Vorgaben. Distanzierende erzählen etwas Persönliches. Sich Beweisende fragen zuerst nach den Erfolgen des Gegenübers.

6. Passen Sie Ihren Stil der Situation an

Gute Kommunikation bedeutet nicht, immer gleich aufzutreten. Ein Kommunikationsstil sollte zum Gesprächspartner, zur Beziehung und zum Ziel passen. Je größer Ihr kommunikatives Repertoire, desto leichter können Sie zwischen Klarheit, Empathie, Zurückhaltung oder Durchsetzungsstärke wechseln.

FAQ – Häufige Fragen zu Kommunikationsstilen

Welche Kommunikationsstile passen zusammen?

Es gibt keine allgemeingültige Kombination. Manche Kommunikationsstile können sich jedoch gegenseitig ergänzen und zugleich verstärken. Ein bedürftig-abhängiger Mensch sucht zum Beispiel Unterstützung, während ein helfender Kommunikationsstil diese besonders gerne anbietet. Dadurch können sich beide in ihren Rollen bestätigen. Entscheidend ist deshalb weniger, welche Stile „zusammenpassen“, sondern ob die Beteiligten flexibel bleiben und eingefahrene Verhaltensmuster erkennen.

Kann sich der Kommunikationsstil verändern?

Kommunikationsstile sind keine unveränderlichen Eigenschaften: Erfahrungen, Beziehungen, berufliche Rollen und bewusste Selbstreflexion können das Kommunikationsverhalten verändern. Zudem können Menschen bereits heute je nach Situation unterschiedliche Stilanteile zeigen.

Kann ich mehrere Kommunikationsstile gleichzeitig haben?

Natürlich. Die acht Kommunikationsstile nach Schulz von Thun sind idealtypische Beschreibungen. In der Realität sind Mischformen üblich. Beispielsweise kann jemand im Beruf bestimmend-kontrollierend auftreten und im Privatleben eher bedürftig-abhängige Anteile zeigen.

Wie erkenne ich den Kommunikationsstil anderer?

Achten Sie weniger auf einzelne Aussagen als auf wiederkehrende Muster. Sucht jemand häufig Unterstützung? Gibt er ständig Ratschläge? Wertet er andere ab, kontrolliert er oder sie Gespräche oder hält die Person emotionale Distanz? Ein einzelnes Verhalten reicht nicht aus, um einen Menschen einem bestimmten Kommunikationsstil zuzuordnen.

Was hat der Kommunikationsstil mit dem 4-Ohren-Modell zu tun?

Beide Konzepte stammen von Friedemann Schulz von Thun, betrachten Kommunikation aber aus unterschiedlichen Perspektiven. Das 4-Ohren-Modell beschreibt vier Seiten einer Nachricht: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Die Kommunikationsstile beschreiben dagegen typische Muster, wie Menschen sich in Beziehungen präsentieren und miteinander umgehen.


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