Was ist ein Besserwisser?
Ein Besserwisser ist ein Mensch, der andere ungefragt belehrt, korrigiert und die eigene Meinung oder das eigene Wissen demonstrativ über das der anderen stellt. Typisch ist der Wunsch, recht zu haben und dies auch zu zeigen.
Besserwisser können durchaus intelligent, kompetent und fachlich versiert sein. Entscheidend ist nicht, wie viel jemand weiß, sondern wie er oder sie damit umgeht! Wer sein Wissen hilfreich und respektvoll teilt, ist kein Besserwisser. Problematisch wird es, wenn Gespräche zum Wettbewerb werden und jede Gelegenheit zur Korrektur genutzt wird. Merke: Ein Besserwisser nervt nicht, weil er viel weiß – sondern weil er andere wissen lässt, dass er es besser weiß.
Besserwisser: Synonyme und Englisch
Synonyme und ähnliche Begriffe für Besserwisser sind Schlaumeier, Schlauberger, Neunmalkluger, Rechthaber, Alleswisser, Oberlehrer oder umgangssprachlich Klugscheißer. Auf Englisch passen je nach Zusammenhang „know-it-all“ oder „smart aleck“. Die Begriffe sind überwiegend abwertend und beziehen sich vor allem auf das belehrende Auftreten.
Woran erkenne ich einen Besserwisser?
Nicht jede Korrektur ist Besserwisserei. Vielleicht haben Sie tatsächlich einen Fehler gemacht oder Ihr Kollege besitzt auf einem Gebiet mehr Erfahrung. Zum typischen Muster wird das Verhalten erst, wenn Belehrungen regelmäßig auftreten und die eigene Überlegenheit demonstriert werden soll.
Merkmal |
Typisches Verhalten |
| Ungefragtes Korrigieren | Fehler und Ungenauigkeiten anderer werden bei jeder Gelegenheit verbessert – selbst wenn sie für das Gespräch nebensächlich sind. |
| Belehrender Ton | Informationen werden nicht hilfreich vermittelt, sondern von oben herab erklärt. |
| Rechthaberei | Diskussionen dienen weniger der Erkenntnis als dem Beweis, selbst richtigzuliegen. |
| Letztes Wort | Zu fast jedem Beitrag folgt noch eine Ergänzung, Verbesserung oder Gegenposition. |
| Schwache Fehlerkultur | Eigene Irrtümer werden ungern eingeräumt oder mit neuen Argumenten relativiert. |
| Herablassung | Das eigene Wissen wird genutzt, um kompetenter zu wirken und andere gleichzeitig kleiner erscheinen zu lassen. |
Besserwisser oder Experte: Was ist der Unterschied?
Wer mehr weiß als andere, ist noch lange kein Besserwisser. Echte Expertise zeigt sich jedoch darin, Wissen verständlich zu vermitteln, Gegenargumente ernst zu nehmen und die Grenzen der eigenen Kenntnisse zu kennen.
Experte |
Besserwisser |
| Teilt Wissen, wenn es hilfreich ist | Belehrt andere häufig ungefragt |
| Kann Unsicherheit zugeben | Tritt besonders überzeugt auf |
| Hört Gegenargumenten zu | Will vor allem recht behalten |
| Korrigiert sachlich | Korrigiert demonstrativ |
| Ändert bei neuen Fakten seine Meinung | Verteidigt die eigene Position hartnäckig |
Wissen macht kompetent – der Umgang damit entscheidet, ob jemand als Besserwisser wahrgenommen wird.
Typische Besserwisser-Sprüche
Besserwisserei lässt sich häufig schon an wiederkehrenden Formulierungen erkennen. Typische Besserwisser-Sprüche sind zum Beispiel:
- „Also eigentlich ist das ganz anders…“
- „Das weiß doch wirklich jeder!“
- „Ich habe gleich gesagt, dass das nicht funktioniert!“
- „Wenn du mich gefragt hättest, wäre das nicht passiert.“
- „So würde ich das niemals machen.“
- „Du hast dabei einen wichtigen Punkt übersehen…“
- „Ich kenne mich damit zufällig ziemlich gut aus.“
- „Lass mich das lieber erklären.“
Natürlich macht ein einzelner Satz noch keinen Besserwisser. Auffällig wird es erst, wenn Korrekturen, Belehrungen und Überlegenheitsgesten zum dauerhaften Kommunikationsstil werden.
Psychologie: Warum wissen manche Menschen alles besser?
Besserwisserei hat nicht die eine psychologische Ursache. Es wäre falsch, jedem Schlaumeier automatisch Unsicherheit oder Narzissmus zu unterstellen. Hinter dem Verhalten können unterschiedliche Motive und Gewohnheiten stehen: Ein starkes Anerkennungsbedürfnis kann etwa dazu führen, dass Menschen ihr Wissen besonders häufig präsentieren. Wer zeigen kann, dass er etwas besser weiß, bekommt Aufmerksamkeit und vermittelt Kompetenz. Bei anderen schafft das Rechtbehalten Sicherheit: Die eigene Sicht erscheint richtig und die Situation kontrollierbar.
Auch Konkurrenzdenken spielt oft eine Rolle. Manche Menschen erleben Diskussionen nicht als gemeinsamen Austausch, sondern als intellektuelles Duell. Argumente dienen dann weniger der besten Lösung als dem Sieg über den Gesprächspartner. Hinzu kommt mangelnde Selbstwahrnehmung: Nicht jeder Besserwisser will andere absichtlich herabsetzen. Manche merken schlicht nicht, wie oft sie unterbrechen, verbessern oder ungefragt erklären – und wie belehrend das auf ihr Umfeld wirkt.
Besserwisser: 8 Tipps für den richtigen Umgang
Besserwisserei im Job kann enorm anstrengend sein. Trotzdem sollten Sie nicht versuchen, den Schlaumeier mit denselben Mitteln zu schlagen. Sonst wird aus einer Sachfrage schnell ein Machtkampf darum, wer klüger ist:
1. Prüfen Sie zunächst den Inhalt
Trennen Sie Aussage und Auftreten. Eine herablassend vorgetragene Korrektur kann trotzdem sachlich richtig sein. Hat Ihr Gegenüber recht, können Sie das anerkennen und anschließend zum eigentlichen Thema zurückkehren. Das zeigt Souveränität und nimmt dem Wissensduell die Grundlage.
2. Steigen Sie nicht in den Wettbewerb ein
Widerstehen Sie dem Impuls, den Besserwisser unbedingt übertrumpfen zu wollen. Wer versucht, noch mehr Fachwissen oder noch bessere Argumente zu präsentieren, übernimmt dessen Spielregeln. Bleiben Sie bei der konkreten Aufgabe und zeigen Sie, dass es um eine Lösung geht – nicht um einen Sieger.
3. Fragen Sie nach Belegen
Selbstbewusste Behauptungen werden nicht automatisch wahr. Fragen Sie ruhig: „Worauf stützen Sie diese Einschätzung?“ oder „Haben Sie dafür ein konkretes Beispiel?“ Dadurch verschiebt sich die Diskussion von Lautstärke und Selbstsicherheit zurück zu nachvollziehbaren Argumenten.
4. Begrenzen Sie ungefragte Belehrungen
Sie müssen nicht jede Verbesserung ausdiskutieren. Ein knappes „Danke, ich habe Ihren Einwand verstanden“ reicht häufig. Mischt sich jemand in Ihre Zuständigkeit ein, können Sie deutlicher werden: „Danke für Ihre Einschätzung. Ich entscheide das jetzt auf Grundlage der vorliegenden Informationen.“
5. Sprechen Sie das Verhalten konkret an
Vermeiden Sie Vorwürfe wie „Sie sind ein unerträglicher Besserwisser!“ Beschreiben Sie stattdessen, was Sie beobachten: „Mir fällt auf, dass Sie mich häufig unterbrechen und korrigieren. Dadurch kann ich meinen Gedanken nicht zu Ende führen.“ Verhalten lässt sich verändern – ein Angriff auf den Charakter erzeugt dagegen meist Abwehr.
6. Nutzen Sie vorhandene Kompetenz gezielt
Manche Schlaumeier besitzen tatsächlich wertvolles Fachwissen. Geben Sie diesem Wissen einen passenden Rahmen, indem Sie bei relevanten Fragen ausdrücklich um Einschätzung bitten. Gleichzeitig dürfen Sie deutlich machen, dass nicht jedes Gespräch eine Expertenrunde braucht. So würdigen Sie Kompetenz, ohne permanente Einmischung zu fördern.
7. Stoppen Sie öffentliche Herabsetzung
Werden Sie im Meeting demonstrativ korrigiert oder wiederholt unterbrochen, sollten Sie das nicht dauerhaft hinnehmen (siehe: Manterrupting bzw. Mansplaining). Ein ruhiges „Lassen Sie mich den Gedanken bitte erst zu Ende führen“ reicht zunächst. Wiederholt sich das Verhalten, sprechen Sie den Kollegen anschließend unter vier Augen an und trennen Sie klar zwischen fachlichem Einwand und respektlosem Auftreten.
8. Beenden Sie Endlosdiskussionen
Nicht jede Meinungsverschiedenheit benötigt eine Einigung. Sind die relevanten Argumente bekannt, darf ein Gespräch enden: „Wir kennen jetzt beide Positionen und kommen zu unterschiedlichen Bewertungen.“ Besonders bei klaren Zuständigkeiten ist Handlungsfähigkeit wichtiger als das letzte Wort.
Was tun, wenn der Chef ein Besserwisser ist?
Bei einem besserwisserischen Chef entsteht zusätzlich ein Machtgefälle. Öffentliche Korrekturen können schnell zum Statuskonflikt werden. Stellen Sie deshalb eher Fragen, statt frontal zu widersprechen: „Wie berücksichtigen wir dabei Punkt X?“ führt häufig weiter als „Das ist falsch.“ Bereiten Sie bei wichtigen Entscheidungen belastbare Fakten und Beispiele vor. Werden Vereinbarungen oder Sachverhalte später anders dargestellt, halten Sie Ergebnisse schriftlich fest.
Problematisch wird die Besserwisserei spätestens dann, wenn Mitarbeiter regelmäßig bloßgestellt, mundtot gemacht oder fachlich nicht mehr ernst genommen werden. Dann geht es nicht mehr um eine nervige Marotte, sondern um Führungsverhalten und die Qualität der Zusammenarbeit.
Wie kann ich mir Besserwisserei abgewöhnen?
Vielleicht erkennen Sie manches Verhalten bei sich selbst wieder. Gelegentlich andere zu korrigieren, ist normal. Problematisch wird es, wenn daraus eine Gewohnheit entsteht und die eigene Meinung ständig Vorrang bekommt. In dem Fall empfehlen wir:
-
Machen Sie vor einer Korrektur eine Pause
Fragen Sie sich kurz: Ist der Fehler wirklich relevant? Wurde ich nach meiner Meinung gefragt? Hilft mein Einwand der anderen Person oder möchte ich vor allem zeigen, dass ich es besser weiß? – Siehe die drei Siebe des Sokrates. Nicht jede Ungenauigkeit braucht eine sofortige Richtigstellung.
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Fragen Sie um Erlaubnis
Statt ungefragt loszulegen, fragen Sie: „Darf ich dazu noch einen Hinweis geben?“ Damit wird aus der Belehrung ein Angebot. Ihr Gegenüber entscheidet selbst, ob zusätzliche Informationen gerade erwünscht sind.
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Fragen Sie statt zu belehren
Formulieren Sie weniger absolut. Statt „Das ist falsch“ können Sie fragen: „Haben Sie dabei schon Variante B berücksichtigt?“ So bringen Sie Ihre Erfahrung ein, ohne automatisch die Deutungshoheit zu beanspruchen.
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Üben Sie Selbstkorrektur
Sätze wie „Das weiß ich nicht“, „Da habe ich mich geirrt“ oder „Ihr Argument überzeugt mich“ sind keine Schwäche. Im Gegenteil: Gute Selbstreflexion zeigt, dass Sie Erkenntnis wichtiger nehmen als das Rechtbehalten.
Wirkliche Kompetenz zeigt sich nicht darin, immer recht zu haben, sondern darin, Irrtümer korrigieren zu können. Sie wollen noch mehr Tipps zum Umgang mit unterschiedlichen Charakteren im Berufsleben? Dann lesen Sie gleich in unserer Übersicht weiter:
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