Überheblichkeit: Tipps für den Umgang mit arroganten Personen

Der Grat zwischen gesundem Selbstvertrauen und Überheblichkeit ist schmal. Zu wissen, dass man gut ist, dass die eigene Idee richtig und besser ist als die Ideen der anderen, ist das Eine. Andere dies spüren zu lassen, etwas ganz anderes. Paart sich Überheblichkeit dann noch mit Macht (etwa bei Führungskräften), wird es schnell unerträglich. Solche Menschen nehmen kein Blatt vor den Mund, poltern herum, beleidigen und verletzen und putzen jeden Gedanken von der Platte, der nicht von ihnen stammt. Kann ja nicht gut sein, war nicht von mir! Der Selbstgefällige ruht in sich wie in einem Faradayschen Käfig. Keine Frage, gesund ist das nicht. Vor allem für das Umfeld. Wie aber gehen Sie mit überheblichen Menschen um? Wir hätten da ein paar Ideen…

Überheblichkeit: Tipps für den Umgang mit arroganten Personen

Überheblichkeit: Was versteht man darunter?

Überheblichkeit: Was versteht man darunter?Die Überheblichkeit kann viele Gesichter und Namen haben. Überheblichen Menschen wird oft zugeschrieben, dass sie

  • eingebildet
  • hochnäsig
  • hochmütig
  • blasiert
  • selbstgefällig
  • anmaßend

  • oder

  • arrogant
  • sind.

Obwohl eine medizinische Definition fehlt, da die Überheblichkeit – anders als der Narzissmus – nicht zu den klassischen Persönlichkeitsstörungen (Geisteskrankheiten) gehört, zeigen überhebliche Menschen häufig ähnliche Eigenschaften:

  • Sie glauben ein Monopol auf die Wahrheit zu besitzen.
  • Sie wissen alles besser.
  • Sie halten sich für die Krone der Schöpfung.
  • Sie sind davon überzeugt, dass niemand bessere Arbeit leistet, als sie selbst.
  • Sie überschätzen sich und ihre Fähigkeiten permanent.
  • Ihren Mitmenschen gegenüber treten sie abwertend und abschätzig auf.
  • Gegenüber Ratschlägen und Kritik sind sie immun.
  • Sie sind in übertriebenem Maße selbstbewusst.
  • Sie demonstrieren ihre Überlegenheit bei jeder Gelegenheit.

Man könnte auch sagen: Überhebliche Menschen besitzen die Fähigkeit zur Miniaturisierung – in ihrer Nähe fühlt man sich kleiner, als man ist.

Allerdings ist dieser Hochmut ein extrem wackeliges Konstrukt. Er bleibt stets abhängig von anderen und braucht deren Spiegel, um sich abheben und erheben zu können. Oder anders formuliert: Der Überhebliche ist in Wahrheit abhängig von jenen, die in seinen Augen kleiner oder schlechter sind, um sich überlegen zu fühlen.

Woher kommt die Überheblichkeit?

Was Überheblichkeit auslöst, warum manchen ihre Talente sprichwörtlich zu Kopfe steigen – das ist nicht immer ganz eindeutig.

Denn – und das ein entscheidender Unterschied zum Dummkopf – der Überhebliche kann wirklich etwas und besitzt oft eine überdurchschnittliche Intelligenz. Oder anders gesagt: Er oder sie hat zunächst durchaus einen guten Grund dafür, überheblich zu sein.

Warum solche Menschen dann das Bedürfnis entwickeln, andere klein zu machen, deutet daher eher auf hohe Unsicherheit oder eine veritable Profilneurose hin.

Das starke Selbstbewusstsein ist nicht selten nur Fassade. Dahinter verbirgt sich meist ein noch unreifer und instabiler Charakter. Weil diese Menschen sich ihrer selbst eben nicht bewusst sind, an ihren Stärken und Talenten zweifeln oder einen unerfüllten Wunsch nach Bestätigung und Bewunderung besitzen, erzwingen sie Applaus und Anerkennung, indem sie sich selbst auf den Sockel stellen. Motto: Sieh her, ich bin besser als du – jetzt bewunder mich endlich dafür!

Man könnte auch sagen, Selbstbild und Fremdbild klaffen bei diesen Menschen weit auseinander. Dahinter steckt häufig die zwanghafte Angst, zu wenig zu gelten, nicht die Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen, die man doch eigentlich verdient hätte.

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Das Streben nach Beachtung durch andere kann sich auch darin zeigen, dass die Betroffenen immer wieder betonen müssen, was sie alles leisten oder schon erreicht haben (Mein Auto, mein Haus, mein Boot, …).

Hier offenbart sich allerdings meist auch pure Verzweiflung: Die Geltungssucht bleibt letztlich unbefriedigt. Der Überhebliche fühlt sich vielleicht kurzfristig überlegen – er spürt aber zugleich, dass dies keine echte Bewunderung ist, sondern allenfalls ein selbstkonstruierter Triumph. Künstlicher Aufstieg durch Erniedrigung.

Und sympathischer werden solche Menschen dadurch auch nicht. Eine Abwärtsspirale entsteht: Die Dosis muss zur Befriedigung ständig gesteigert werden. Zugleich erlebt derjenige dadurch immer mehr Ablehnung. Oder erkennt, dass er oder sie eben doch nicht so etwas Besonderes ist wie gedacht und zu wirklich Großem doch nicht fähig. So entfernen sich Selbst- und Fremdbild permanent voneinander.

3 Indizien, dass Sie überheblich werden

3 Indizien, dass Sie überheblich werdenFalls Sie sich jetzt fragen, wie Sie auf andere wirken oder ob Sie schon überheblich sind: Es gibt drei starke Anzeichen dafür, dass Sie zumindest auf dem Weg sind, von anderen für arrogant und herablassend gehalten zu werden:

  1. Überhören

    Sie hören nicht mehr richtig zu. Andere Meinungen ignorieren Sie oder bügeln sie ab und beharren auf Ihrem Standpunkt. Und natürlich ist nur Ihr Standpunkt der einzig richtige.

  2. Übersehen

    Dass Sie falsch liegen, schließen Sie ebenso aus, wie die Möglichkeit, Fehler zu machen. Tatsächlich aber gewinnen Sie mit dieser fehlerfreien Haltung nicht mehr Respekt – Sie verlieren ihn.

  3. Überfliegen

    Mit Menschen unter Ihrem Niveau geben Sie sich nicht mehr ab. Dafür fehlt Ihnen schlicht die Zeit. Die Lust sowieso. Dass Können und Wissen ebenso verpflichten wie Wohlstand – der Gedanke kommt Ihnen gar nicht erst.

Hängt Überheblichkeit mit Macht zusammen?

Keine Frage, Macht begünstigt Überheblichkeit. Schließlich ist sie eine Art Bestätigung dafür, dass man es zu etwas gebracht hat. Es gibt aber keine Kausalität: Macht macht nicht automatisch überheblich.

Bestimmte Führungspositionen bestärken jedoch einen schon vorhandenen Persönlichkeitszug. Anfangs ist es sicher nicht verkehrt, wenn Führungskräfte mit der nötigen Portion Selbstsicherheit auftreten und Projekte regeln, ohne lange zu zaudern. Im Gegensatz zu Menschen mit überhöhten Harmoniebedürfnis kann das auf Mitarbeiter und andere Vorgesetzte sogar anziehend wirken. Allerdings nur solange, bis aus Selbstsicherheit Überheblichkeit wird.

Manager sind häufig großem Druck und Vorwürfen ausgesetzt. Um das nicht allzu nah an sich heran zu lassen, hilft ihnen oft ein dickes Fell und ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Zur Not aber eben auch nur ein aufgesetztes, konstruiertes. Personen, die ihre Eigenschaften übertrieben positiv einschätzen, laufen Gefahr, sich in der Arroganz und Überheblichkeit zu verlieren.

Wahr ist aber auch, dass Macht korrumpiert. Wer sich mächtig fühlt, nimmt sich gerne mehr Freiheiten heraus – einfach, weil er oder sie es kann. Oder besser gesagt: Glaubt, es sich leisten zu können.

So können viele berufliche Erfolge das Gefühl der Überlegenheit anderen gegenüber verstärken. Und wer überlegen fühlt, der zeigt häufig weniger Einfühlungsvermögen und Empathie. Darauf deuten inzwischen zahlreiche Studien hin.

Dabei scheint eine einfache Gleichung zu gelten: Je mehr Überheblichkeit, desto größer die emotionale Distanz. Nicht selten gipfelt dies in spürbarer Boshaftigkeit, Bossing und der Lust, andere zu quälen. Das ist dann aber keine Überheblichkeit mehr, sondern Niederträchtigkeit.

Einer der berühmtesten Belege für diese These ist das sogenannte Stanford-Prison-Experiment


Das Stanford-Prison-Experiment

Das Stanford-Prison-ExperimentDieses Experiment wurde 1971 von dem amerikanischen Sozialpsychologen Philip Zimbardo durchgeführt. Aus 70 Studenten suchte er 24 aus, die seiner Meinung nach am durchschnittlichsten waren und teilte sie nach dem Zufallsprinzip in Wärter und Gefangene ein.

Die Gefangenen mussten im Keller des Instituts, der vorher extra dafür mit Gitterstäben hergerichtet wurde, in Gefängniszellen ausharren, während die Wärter ihrer Arbeit nachgehen sollten. Allerdings kamen die Wärter mit ihrer neu gewonnen Macht nicht gut zurecht.

Innerhalb weniger Tage verwandelten sich die vormals durchschnittlichen Studenten in wahre Sadisten und quälten die Gefangenen. Das artete derart aus, dass das auf ursprünglich 14 Tage angesetzte Experiment nach sechs Tagen abgebrochen werden musste. Einige Studenten, die zu den Gefangenen gehörten, zeigten extreme Anzeichen von psychischem Stress und erste Hinweise auf eine sich entwickelnde Depression.

Wirke ich überheblich? Das hängt auch vom Gegenüber ab

Nicht jeder Mensch ist überheblich, dem andere dieses Attribut zuschreiben. Viele außergewöhnliche und hoch talentierte Menschen werden regelmäßig als arrogant verschmäht, nur weil sie über das Mittelmaß hinausragen.

Wie heißt es so schön zynisch: Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz.

Selbstvertrauen, Selbstliebe und mentale Stärke sind nichts Schlechtes, im Gegenteil: Sie sind ein Schlüssel zum Erfolg.

Und nicht immer steckt hinter einem arroganten Auftreten Berechnung und Kalkül. Mancher verfügt lediglich über einen Wissensvorsprung oder wirklich genialen Einfall, den er aber auf denkbar ungünstige Weise zum Ausdruck bringt und damit seine Kollegen vor den Kopf stößt.

Hinzu kommt, dass vor allem Menschen mit geringem Selbstbewusstsein eher dazu neigen, ein bestimmtes Verhalten als überheblich abzutun. Umgekehrt nehmen Mitarbeiter mit ebenfalls ausgeprägtem Selbstvertrauen eine souverän auftretende Person lediglich als durchsetzungsstark wahr – von Überheblichkeit ist dabei keine Rede.

Psychologen unterscheiden daher zwischen den authentischen und deshalb positiven Ausprägungen des Selbstbewusstseins einerseits und den negativen, weil anmaßenden andererseits. So ist ein wesentliches Merkmal der Überheblichkeit das Fehlen von Selbstreflexion. Dadurch kommt es zu einer verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit.

Wie gehe ich mit überheblichen Kollegen um?

Bei allem Verständnis für die Ursachen und Auslöser für Überheblichkeit – nervig ist natürlich trotzdem, wenn man mit einem solchen Menschen den Beruf oder das Büro teilt. Stellt sich also die Frage, wie Sie mit überheblichen Kollegen (oder Chefs) umgehen sollten. Tatsächlich gibt es da ein paar Optionen…

  1. Akzeptieren Sie es.

    Überhebliche Menschen zeichnen sich nicht zuletzt durch Beratungsresitenz aus. Ein offenes Gespräch ist mit ihnen nur selten möglich. Es wäre auch pure Lebenszeitverschwendung, sie davon zu überzeugen, dass Sie ganz gewöhnlich sind. Machen Sie sich lieber klar, dass das überhebliche Gehabe nichts mit Ihrer Person zu tun hat. Der Typ gegenüber kann nicht anders, der braucht das, um sich selbst besser zu fühlen. Manchmal muss man auch gönnen können.

  2. Widersprechen Sie nicht.

    Wie reagiert wohl jemand auf Verbesserungsvorschläge, der felsenfest davon überzeugt ist, die beste Arbeit der Welt zu machen? Genau, nicht gerade erfreut oder gar offen. Widerspruch können Sie sich bei diesen Personen sparen. Im besten Fall erreichen Sie nichts damit, im schlimmsten beschwören Sie einen Konflikt herauf. Klüger agiert, wer seine eigene (bessere) Idee so aussehen lässt, als sei sie das Resultat der intellektuellen Überlegenheit des anderen: „Deine tolle Idee bringt mich gerade darauf, dass wir auch noch…“

  3. Bleiben Sie sachlich.

    Wenn es so gar nicht geht und Sie unbedingt etwas dazu sagen (oder kritisieren) möchten, dann lassen Sie sich auf keinen Fall auf lange Diskussionen ein. Eine überhebliche Person wird Ihnen ohnehin nur bedingt zuhören. Machen Sie bitte auch keine Vorhaltungen, sondern formulieren Sie während des Gesprächs sogenannte Ich-Botschaften – garniert mit Verständnis und einem Schuss Lob. Wenden Sie dabei ruhig auch die Feedbackregeln an.

  4. Weichen Sie aus.

    Wenn alles nicht hilft, gehen Sie dem Kollegen weiträumig aus dem Weg. In der Regel stolpern solche Leute früher oder später über ihre eigenen Unarten. Sie beweisen derweil Größe und Souveränität. Parieren Sie Arroganz stets durch Freundlichkeit, überhören Sie plumpe Angriffe und nehmen Sie dem Typ den Wind aus den Segeln. Erinnern Sie sich daran: Oft steckt hinter seinem Verhalten nur Unsicherheit und eine mickrige Persönlichkeit.

  5. Führen Sie Buch.

    Natürlich muss man sich auch nicht alles gefallen lassen. Falls die Überheblichkeit unerträglich wird, sollten Sie Beleidigungen, Herablassungen und falsche Anschuldigungen genau dokumentieren. Kommt es später zu einer offenen Konfrontation, haben Sie Belege in der Hand.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]
17. Dezember 2018 Karrierebibel Autoren Logo Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.


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